{"id":8267,"date":"2022-05-21T08:00:00","date_gmt":"2022-05-21T06:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=8267"},"modified":"2022-05-25T08:31:17","modified_gmt":"2022-05-25T06:31:17","slug":"lukas-24-36-53","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-24-36-53\/","title":{"rendered":"Lukas 24, 36-53"},"content":{"rendered":"\r\n<h3 class=\"has-medium-font-size\">Christi Himmelfahrt | 26.05.2022 | Lk 24,36-53 | Tine Illum |<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn wir die kl\u00fcgste Katze der Welt nehmen, sagt der Hirnforscher Peter Lund Madsen, und wenn wir sie in eine Katzenschule schicken, lernt sie niemals das Rechnen. Denn da ist eine Begrenzung im Katzenhirn, die man einfach nicht \u00fcberschreiten kann. Das klingt meines Erachtens vern\u00fcnftig.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dagegen ist es unendlich provozierend, wenn er sagt: Ganz gleich wie phantastisch das Hirn des Menschen ist, es hat auch seine Grenzen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht liegt hier der gr\u00f6\u00dfte Aberglaube, n\u00e4mlich dass wir glauben, dass alle Erkenntnis in der F\u00e4higkeit des Gehirns zu logischem Denken liegt, dass das, was nicht auf diesem Wege verstanden werden kann, ganz einfach nicht existiert \u2013 ja mehr als das: Wenn wir an Gott glauben, dann begrenzt das unsere F\u00e4higkeit zu erkennen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Anekdote erz\u00e4hlt von einem Mann, der mit \u00fcberlegener Miene seiner Frau erz\u00e4hlt, er k\u00f6nne wirklich nicht an Gott glauben, denn daran hinderte ihn einfach sein Gehirn. Seine Frau blickt ihn an und bemerkt trocken, das sie doch ein sehr kleines Hindernis.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir m\u00fcssen in der Tat damit leben, dass die Wissenschaft uns sagt, dass unser Hirn begrenzt ist. Glaube ist und bleibt in seinem innersten Wesen ein Geheimnis. Und an dem Tag, wo ich sp\u00fcre, dass ich zu diesem Geheimnis stehen und doch festen Grund unter den F\u00fc\u00dfen haben kann, werde ich sp\u00fcren, wie frei ich bin. Wenn ich es wage, mich hinzugeben, dann begrenzt der Glaube gerade nicht, sondern \u00f6ffnet meine Augen f\u00fcr neue Horizonte. Dan kann ich in einem rauschenden kraftvollen Jetzt sp\u00fcren, dass Grenzen von Zeit und Raum aufgehoben werden k\u00f6nnen \u2026 auch wenn das nicht in mein Hirn passt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die ersten Christen haben jedenfalls geahnt, dass hier eine besondere g\u00f6ttliche Kraft am Werke war, und sie haben gedacht: Der Tag, an dem Jesus in den Himmel emporgehoben wurde, war so wichtig, dass sie \u201eaufgefahren in den Himmel\u201c in ihr Glaubenskenntnis schrieben und den Tag als einen ganz besonderen Tag feierten. Und hatten sie geschrieben: \u201eHinabgestiegen in das reich des Todes\u201c, oder in die H\u00f6lle, wie man es auch \u00fcbersetzen kann \u2013 denn wir glauben nicht, dass Christus unger\u00fchrt in seinem Himmel sitzt und neutraler Zuschauer bei all dem ist, was auf Erden geschieht. Er ist an allen h\u00f6llischen Orten. In den Kellern von Mariopol, in explodierenden Panzern, in der geschlossenen Abteilung der Krankenh\u00e4user, in meinen finstersten Stunden. Als Hoffnung und als der, der mit der Kraft Gottes all dem widersteht, was Leben zerst\u00f6rt, ja selbst dem Tod.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er ist der Himmel \u00fcber den kleinen Kindern. Reicht uns Brot des Lebens und einen Becher, der nie ausgetrunken wird. Er ist in unserem innersten Herzschlag, und dann ist Ewigkeit und Sinn in unserem Leben. Gekreuzigt, hinabgestiegen in das Reich des Todes. Auferstanden \u2013 lebendig als Kraft und Geist.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deshalb feiern wir die Himmelfahrt Christi. Das ist ein wichtiger Tag. Er erinnert uns daran, dass wir den Glauben zu einem kleinen, luftdichten und \u00fcberschaubaren Raum machen. Denn der Himmel Gottes ist offen in mehr als einem Sinn. Hier ist Luft und Raum und eine Ewigkeit von allem Guten. Das nennen wir Geist.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir k\u00f6nnen ohne Geist nicht leben, und das wei\u00df Jesus sehr wohl. Deshalb verl\u00e4sst er uns. Darum geht es an Himmelfahrt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier werden die Grenzen des Gehirns \u00fcberschritten \u2013 so leicht wie nichts \u2013 denn hier haben wir es mit der Kraft und dem Geist Gottes zu tun.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einst war das Leben Jesu auf ein geographisch begrenztes Gebiet im Nahen Osten beschr\u00e4nkt. Hier begegnete er Menschen, und das, was er tat und sagte, war das, was Gott tat und sagte. Er a\u00df und trank und schlief und wurde krank und lachte und wurde hungrig und durstig und m\u00fcde. Wie jeder andere Mensch. An jedem anderen Ort. Seine Familie und Freunde kannten ihn. Sie kannten seine Stimme, wie er ging, wie er Zimmermann war. Das geh\u00f6rt nun einmal zu einem richtigen Menschsein, dass man durch Zeit und Raum begrenzt ist.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn wir h\u00f6ren, dass Jesus sagt: \u201eIch bin hungrig\u201c und gebratenen Fisch isst, dann sagt er ohne Worte, dass er ein richtiger Mensch ist. Gespenster essen keinen Fisch.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber wenn wir Gottesdienst feiern, dann nicht um an einen freundlichen und hungrigen Mann mit guten Ideen zu denken, der vor zweitausend Jahren gelebt hat. Die Kirche ist kein Denkmal f\u00fcr Jesus, so wie wir das im Haus von H.C. Andersen oder dem Pfarrhaus von Kaj Munk sehen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kirche \u2013 und der Gottesdienst \u2013 ist eine Begegnung. Hier begegnen wir dem lebendigen Christus. Gekreuzigt und auferstanden. Als Geist und Kraft.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Alten sagten es sehr kurz: Jesus Christus ist Mensch und Gott. Nicht halb Mensch und halb Gott. Sondern ganz Mensch und ganz Gott. Das kann unser begrenztes Hirn nicht fassen Aber es ist trotzdem wahr. Gott sei Dank! Jesus ist im Himmel bei Gott, damit er \u00fcberall und bei jedem Menschen sein kann. Jedes Mal, wenn wir die taufe feiern, h\u00f6ren wir: \u201eIch bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt\u201c. Nicht einige Tage \u2013 ab und zu \u2013 an bestimmten Orten &#8211; achtzig oder f\u00fcnfzehn Jahre lang. Alle Tage. Bis an das Ende der Welt. Zeit und Raum sind keine Begrenzung f\u00fcr Christus. Er ist die rechte Hand Gottes, und die rechte Hand Gottes ist \u00fcberall. Der Himmel Gottes ist hier bei uns. An jedem Ort. Zu jeder Zeit.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist n\u00f6tig, dass wir das h\u00f6ren. Oft. Denn wenn wir die Gr\u00e4ber der S\u00f6hne und V\u00e4ter in den Vorg\u00e4rten der Ukraine sehen oder S\u00e4uglinge mit Armen so d\u00fcnn wie Streichh\u00f6lzer im Suda , oder wenn wir \u2013 oder unsere Lieben &#8211; Ungl\u00fcck oder t\u00f6dliche Krankheit erleiden \u2013 ja dann k\u00f6nnen wir leicht denken: Wenn es Gott gibt, dann nicht hier.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann sollen wir h\u00f6ren: Selbst da ist Christus. Gekreuzigt und auferstanden. Hinabgestiegen in die H\u00f6lle. Aufgefahren in den Himmel. Zugleich.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn wir beten: Vater unser im Himmel, bedeutet das nat\u00fcrlich nicht, dass wir zu einem Vater beten, der nicht da ist und uns nicht h\u00f6rt. Im Gegenteil. Wir beten zu einem wirklichen und gegenw\u00e4rtigen Vater, der in Reichweite ist.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fr\u00fcher stellte man die Welt dar mit einem Himmel oben, darunter die Erde und unten das Reich des Todes. Heute w\u00fcrden die meisten wohl das Reich des Todes auslassen, viele auch den Himmel. Dann bleibt nur die Erde \u2013 und das, was unser begrenztes Hirn begreifen kann. Aber dann wird unser Horizont auch danach \u2013 flach wie ein Pfannkuchen.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn wir nie wagen, unseren Blick zu senken und in Abgr\u00fcnde in uns selbst zu schauen und dort die harte Wirklichkeit erblicken, die auch Trauer, Entbehrung und Schuld enth\u00e4lt, dann erheben wir wohl auch nicht den Blick zum Himmel und sehen nicht, dass da eine gro\u00dfe Freude ist und eine Hoffnung, die st\u00e4rker sind als unsere Furcht und unsere Sorge. Eine Hoffnung, die uns Kraft gibt und uns verwandelt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn man das Leben nur oberfl\u00e4chlich lebt \u2013 ja dann wird es oberfl\u00e4chlich! Kraft- und geistlos.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber: \u201eIhr sollt Kraft vom Himmel erhalten\u201c, sagt Jesus zu den J\u00fcngern.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Welt ist nicht von Gott verlassen. Sie ist gesegnet.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das bedeutet nicht, dass alles ohne Leiden ist und leicht.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir brauchen nur zu sehen, wie schwer das Leben sich f\u00fcr die J\u00fcnger dann erwies. Aber es war gesegnet.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn das Geheimnis in meinem Leben verwurzelt ist, kann ich meinem Aberglauben an mein unbegrenztes und allm\u00e4chtiges Gehirn entsagen. Und dann wird mein Leben zugleich himmlisch und irdisch, weil ich in diesem Geheimnis ahne: Ganz gleich wie sinnlos oder zerst\u00f6rt mein Leben aussieht, so sind wir gesegnet. Voller Hoffnung und voller Kraft. Immer.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist ein Segen, wenn ich aus meinen eigenen selbstbegrenzten Hirngespinsten befreit werde. Es ist ein Segen, ausgesandt zu sein \u2013 weg von mir selbst, hin zu anderen, da wo es immer darum geht, es so gut wie m\u00f6glich zu machen f\u00fcr den Mitmenschen und mit dem Segen Gottes im R\u00fccken.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da ist ein Segen hier in der Verhei\u00dfung von Himmelfahrt, dass Christus sichtbar wiederkommt. Es ist nicht vorbei. Es hat gerade erst begonnen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das sollen wir h\u00f6ren. Ohne das k\u00f6nnen wir nicht leben.\u00a0Amen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8212;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pastorin Tine Illum<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">DK-6091 Bjert<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Email: ti(at)km.dk<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christi Himmelfahrt | 26.05.2022 | Lk 24,36-53 | Tine Illum | Wenn wir die kl\u00fcgste Katze der Welt nehmen, sagt der Hirnforscher Peter Lund Madsen, und wenn wir sie in eine Katzenschule schicken, lernt sie niemals das Rechnen. Denn da ist eine Begrenzung im Katzenhirn, die man einfach nicht \u00fcberschreiten kann. 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