{"id":8330,"date":"2022-05-23T23:45:49","date_gmt":"2022-05-23T21:45:49","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=8330"},"modified":"2022-05-25T08:13:54","modified_gmt":"2022-05-25T06:13:54","slug":"roemer-826-30-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/roemer-826-30-2\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 8,26-30"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Seufzende Bilder zum Sprechen bringen | Exaudi | 29.05.22 | Predigt zu R\u00f6m 8,26-30 | Markus Kreis |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">R\u00f6mer 8, 26-30<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>26 Desgleichen hilft auch der Geist unsrer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich&#8217;s geb\u00fchrt, sondern der Geist selbst tritt f\u00fcr uns ein mit unaussprechlichem Seufzen. 27 Der aber die Herzen erforscht, der wei\u00df, worauf der Sinn des Geistes gerichtet ist; denn er tritt f\u00fcr die Heiligen ein, wie Gott es will. 28 Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind. 29 Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Br\u00fcdern. 30 Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen; die er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nennen wir ihn Yannick. Den 20-j\u00e4hrigen Sch\u00fcler, der im Unterricht diesen Traum erz\u00e4hlt hat:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Also ich habe getr\u00e4umt, dass ich mit meiner Freundin in einem alten Ferienhaus gewohnt habe. Dann stand ich vor dem Haus, habe auf mein Handydisplay geschaut und dort gesehen, wie zwei Freunde von mir, mit denen ich am Wochenende immer wegging, verpr\u00fcgelt wurden. In dieser Videoaufnahme mit Untertiteln auf dem Handydisplay sah ich die beiden vor etwa zehn befremdlich wirkenden M\u00e4nnern wegrennen. Alles auf dem Display aus der Perspektive, wie wenn jemand das Handy \u2013 mit dem das Video aufgenommen wurde \u2013 beim Rennen in der Hand halten w\u00fcrde. Anschlie\u00dfend wurden meine Freunde niedergeschlagen und getreten. Die ganze Zeit schrie ich ins Handy: Steven, wo seid ihr? Immer und immer wieder. Ich wollte sofort dorthin fahren, aber ich bekam keine Antwort. Dann sah ich, wie sie bespuckt und mit Zigaretten verbrannt wurden. Die Schreie von ihnen waren f\u00fcr mich extrem schlimm. Zuletzt filmten die M\u00e4nner sich gegenseitig und zeigten stolz, was sie von meinen Freunden geklaut hatten. Sie hatten unter anderem den Autoschl\u00fcssel von Stevens\u00a0Audi TT.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Es stellte sich raus, dass dies alles schon vor einer Woche geschehen war und meine Freunde mir aus Scham nichts erz\u00e4hlt hatten. Ich lief die Stra\u00dfe an dem Haus vor und sah in 200 m Entfernung die Leute mit Stevens Auto auf einem Feld rumfahren. Ich regte mich sehr dar\u00fcber auf. Ich ging zur\u00fcck zum Haus und wollte die Polizei rufen. Meine Freunde waren auch da. Sie wollten aber nicht, dass die Polizei kommt. Ihnen wurde mit dem Tod gedroht, falls die Polizei k\u00e4me.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Wir standen im Haus und ich sah durch die Scheibe, wie sich die M\u00e4nner n\u00e4herten.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Wir wollten uns im Haus verstecken. Die M\u00e4nner klingelten und klopften an die T\u00fcr. Dann waren sie auf einmal im Haus drin. Ich fragte sie, warum sie uns so etwas angetan hatten. Der eine meinte zu mir: \u201eEs ist unser Wasser.\u201c Ich verstand nicht, was er meinte. <\/em>Traumende, Erwachen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">haben sie die Bitte geh\u00f6rt, die mit diesem Traum ausgedr\u00fcckt wird? Den stillen Wunsch, den er beinhaltet? Die Schwachheit des Tr\u00e4umers verstanden, die zu seinem W\u00fcnschen und Bitten f\u00fchrt?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dieser Traum hat f\u00fcr mich die Kennzeichen eines Gebets. So wie sie eben zu Anfang des Textes aus dem achten Kapitel des R\u00f6merbriefs genannt worden sind. Yannick wusste nicht, was als Wunsch und Bitte in ihm lebte und webte. Weil er f\u00fcr das eigene W\u00fcnschen und Bitten taub war, hat er den Traum \u00fcberhaupt genauso getr\u00e4umt wie eben berichtet. Und weil ihm der Traum unklar gewesen ist, hat er ihn erz\u00e4hlt, um das Getr\u00e4umte mit fremder Hilfe vielleicht zu verstehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wovon man nichts wei\u00df, davon kann man nicht reden. Der Traum steht also auch f\u00fcr das im R\u00f6mertext genannte unaussprechliche Seufzen. Daf\u00fcr spricht auch, dass Yannick den Traum in bewusster freier Phantasie sich so\u00a0niemals h\u00e4tte ausdenken, erfinden k\u00f6nnen. Da w\u00e4re er nie draufgekommen. Auch die erz\u00e4hlten Ereignisse tragen das ihre dazu bei: Zu aberwitzig oder befremdlich sind die Inhalte der formulierten S\u00e4tze: Es ist unser Wasser! Zu sprunghaft die Orte des Geschehens: Erst in und dann vor einem Ferienhaus. Darauf mittels eines nur einseitigen Handykontakts zu einer unbekannten Ebene. Zur\u00fcck zum Haus, von da zu einem Acker, wieder zur\u00fcck vors Haus, dann in dem Haus verstecken, was allerdings trotzdem zur Entdeckung f\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Geist im Sch\u00fcler, der die Herzen erforscht, der wusste, was da vorgeht. Und machte ihm es mit Hilfe des Traums verst\u00e4ndlich. Kommen wir zur Auslegung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Haben sie inzwischen eine Idee? Ich hatte eine und habe sie immer noch.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Sch\u00fcler seufzen Wunsch und Bitte, Konflikte zu l\u00f6sen. Welche? Wenn man ahnt, dass die fremden Schl\u00e4ger die Aggression von Yannick verk\u00f6rpern, dann ergibt sich da was. Er tut seinen Freunden in Gestalt der fremden Schl\u00e4ger einerseits Zwang an, ja Gewalt. Es ist unser Wasser! Die Schl\u00e4ger entscheiden, was lebt und was stirbt. Wasser kann Leben oder Tod bringen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Andererseits zeigt der Traum, dass Yannick seine Freunde sehr mag. Keine Polizei! Will sagen, da sind reine und gute Gef\u00fchle im Spiel, kein sozialer Zwang seinerseits. Einer von ihnen, Steven, der hat ihn sogar mit seinem teuren Auto fahren lassen. Yannick will ihnen unbedingt beistehen und helfen \u2013 gegen die Aggression, die ihm entspringt. Er verh\u00e4lt sich gegen\u00fcber seinen Freunden also sehr widerspr\u00fcchlich. Das ist der eine Konflikt. Dieser Widerspruch in ihm resultiert aus einem anderen Konflikt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Yannick muss seine Liebe n\u00e4mlich teilen, also aufteilen und verteilen. Er mag n\u00e4mlich nicht nur seine Freunde sehr, sondern auch seine Freundin. Mit der lebt er ja in einem Ferienhaus. Er erlebt die junge Beziehung zu ihr also wie einen sch\u00f6nen Urlaub. Man kann sich leicht ausmalen, zu wessen Gunsten er seine Liebe aufgeteilt und verteilt hat. Seine Gewichtung f\u00fchrt ihn in den zuerst genannten Konflikt. Und den m\u00f6chte er gerne gel\u00f6st haben, darum bittet sein Traum. Denn er hatte ihn bis dahin nicht gel\u00f6st. Denken sie an den misslichen, weil nur einseitigen Handykontakt zu seinen bedr\u00e4ngten Freunden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was w\u00fcrden sie Yannick raten? Mit seinen Freunden in echten Kontakt treten, das Gespr\u00e4ch suchen. Ihnen seine Lage und die eigene Zerrissenheit erl\u00e4utern. Sie um Verst\u00e4ndnis bitten. Oder auch darum, ihm zu vergeben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Man kann sich leicht vorstellen, warum dem Sch\u00fcler Wunsch und Bitte verborgen waren. Sowie die Wege, sich diese zu erf\u00fcllen. Das waren seine schwachen Stellen. Welcher junge Mann redet gerne \u00fcber Gef\u00fchle mit seinesgleichen? Und dann auch noch \u00fcber so was wie Liebe? Vielleicht verstehen die mich gar nicht? Oder haben nur Spott \u00fcbrig. Unterstellen mir, sie anmachen zu wollen. Vielleicht kommt raus, dass die mich nicht so gerne haben, wie ich sie? Vielleicht nimmt mir meine Freundin das krumm? Und dergleichen mehr.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen&#8230;<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ob er den Rat trotz der \u00c4ngste befolgt hat. Wer wei\u00df? Mir ist das unbekannt. Ein bisschen trauen muss man sich schon. Und das eigene Phlegma \u00fcberwinden. Aber was soll schon passieren. Selbst wenn die ihm \u00fcbel mitspielen. Schlimmstenfalls muss er die alten Freunde abschreiben. Die Entt\u00e4uschung verkraften, dass er sich so geirrt hat. Und die Arbeit verkraften, die mit dem Finden neuer, echter Freunde verbunden ist. Und die zeitweilige Einsamkeit. Er hat ja immerhin eine Freundin. Vielleicht muss er auch nur das Verh\u00e4ltnis zu den alten Freunden etwas lockern. Im besten Fall vertiefen Gespr\u00e4che die Freundschaft zwischen den M\u00e4nnern. Und das d\u00fcrfte sich sehr positiv auf die Beziehung zu seiner Freundin auswirken.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Die nach seinem Ratschluss berufen sind, &#8230; die hat er auch verherrlicht.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn sich der Tr\u00e4umer Auslegung samt Ratschlag zu Herzen nimmt, dann kann er sich trotz der Konflikte als Herr seines Lebens sehen. Und darin auch als Herr seiner Gef\u00fchle, seines Seufzens. Schlie\u00dflich wird ihm sein Leben nicht um die Ohren fliegen. Hin oder her. Gute Gef\u00fchle, die fl\u00f6ten gehen, hin. Miese Gef\u00fchle, die auftauchen, her. Ein gutes Gleichgewicht wird sich einstellen, Verzweiflung der Hoffnung weichen, Freude auf \u00fcble Laune folgen. Dank dem Geist, der die Herzen erforscht und f\u00fcr die Menschen eintritt. Der Bitten erh\u00f6rt, indem er seufzende Bilder zum Sprechen bringt. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">___<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Markus Kreis OStR<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kapellenstrasse 36<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">D-69469 Weinheim<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><a href=\"mailto:markus_kreis@web.de\">markus_kreis@web.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seufzende Bilder zum Sprechen bringen | Exaudi | 29.05.22 | Predigt zu R\u00f6m 8,26-30 | Markus Kreis | R\u00f6mer 8, 26-30 26 Desgleichen hilft auch der Geist unsrer Schwachheit auf. 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