{"id":8347,"date":"2022-05-31T16:01:26","date_gmt":"2022-05-31T14:01:26","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=8347"},"modified":"2022-05-31T14:16:46","modified_gmt":"2022-05-31T12:16:46","slug":"roemer-8-1-2-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/roemer-8-1-2-11\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 8, 1-2.11"},"content":{"rendered":"<h3>Wo Christi Geist Platz greift | Pfingstsonntag | 05.06.2022 | R\u00f6m 8.1-2.11| Rudolf Rengstorf |<\/h3>\n<p><em>So gibt es nun keine Verdammnis f\u00fcr die, die in Christus Jesus sind.\u00a0 Denn das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat dich frei gemacht von dem Gesetz der S\u00fcnde und des Todes.<\/em><\/p>\n<p><em>Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt. <\/em><\/p>\n<p>(R\u00f6mer 8,1-2.11)<\/p>\n<p>Liebe Leserin, lieber Leser!<\/p>\n<p>\u201eKeine Verdammnis f\u00fcr die, die in Christus Jesus sind\u201c? Entschuldigung, lieber Paulus: Da ist verdammt vieles an\u00a0 Verdammnis an\u00a0 Christen und ihrer Kirche. In hellen Scharen\u00a0 haben Menschen in den letzten Monaten die beiden gro\u00dfen Kirchen verlassen. Missbrauch von Kindern und Jugendlichen hat- wie sich viel zu sp\u00e4t herausstellte \u2013 an vielen Orten stattgefunden, ist verschleiert und verharmlost worden. Und das geht ja immer noch weiter. Die Emp\u00f6rung dar\u00fcber ist nur allzu berechtigt, Verdammung und Veruteilung ist dringend geboten.<\/p>\n<p>Da habt ihr Recht, w\u00fcrde Paulus antworten. Aber wer solche Abscheulichkeiten begeht, ist ja auch nicht in Christus Jesus. Der vergeht sich an seinen Geboten, die uns\u00a0 die Wehrllosen und Schutzbed\u00fcrftigen ans Herz legen.<\/p>\n<p>Gut, Paulus, dann bleiben wir bei uns, die wir nach bestem Wissen und Gewissen uns an Jesus Christus zu halten versuchen. Da ist vielleicht\u00a0 keine Verdammnis geboten. Aber \u00fcberall\u00a0 verlieren wir in unseren Gottesdiensten und unserem Gemeindeleben an Attraktivit\u00e4t. Selbst unsere Kinder und Enkel k\u00f6nnen ganz gut ohne Kirche. Wir werden immer weniger und \u00e4lter. Und das tut weh.<\/p>\n<p>In euren Gottesdienstes sieht das weithin so aus, w\u00fcrde Paulus wohl antworten. Doch der Geist Christi ist nicht nur hier zu Haue. Wenn ich schaue, was in\u00a0 Kinderkrippen und Kinderg\u00e4rten, im Konfirmandenunterricht und auf Jugendfreizeiten, auch in manchen Schulen geschieht, entdecke ich vieles von dem Geist Jesu Christi. Genauso wie \u00fcberall, wo um bedrohtes Leben gek\u00e4mpft wird in\u00a0 Kranknenh\u00e4usern und Pflegeheimen.<\/p>\n<p>Das ist ein Geist, in dem die Menschen sich f\u00fcr einander \u00f6ffnen. Er h\u00e4lt dazu an,, jede und jeden mit ihren eigenen Gaben und F\u00e4higkeiten \u2013 so verborgen sie auch sein m\u00f6gen \u2013 zur Geltung zu bringen. Dieser Geist fragt nicht: Was zeichnet dich aus? Welche\u00a0 Leistungen hast du vorzuweisen? Worin bist du besser als andere? Er motiviert dazu, gemeinsam\u00a0 etwas zustande zu bringen. Behinderte Menschen tut er nicht ab als minderwertig. Er betrchtet sie als andersartig begabte Gruppenmitglieder.<\/p>\n<p>Normalerweise lassen Menschen sich davon \u00a0leiten. wie gut jemand aussieht, was er sich leisten kann, in welcher Gegend\u00a0 er wohnt, wie gut er oder sie sich ausdr\u00fccken kann. \u00a0Mit Kr\u00e4ftemessen und Absch\u00e4tzen machen sie das Leben eng und bedr\u00e4ngen einander. Viele dr\u00fcckt das nieder, macht sie verzagt und \u00e4ngstlich. Damit stehehen sie &#8211; wie Paulus es nennt \u2013 unter dem Gesetz der S\u00fcn de. Vielleicht f\u00fcr uns verst\u00e4ndlicher: Sie stehen unter dem Gesetz des St\u00e4rkeren. Dagegen steht der Geist Jesu auf. Davon macht er frei. Er \u00a0weckt Hilfsbereitschaft und Solidartit\u00e4t. Er schafft freien Raum f\u00fcr die Bedr\u00e4ngten. Er\u00a0 schafft Selbstvertrauen unter Verzagten und Lebensfreude unter denen die sich schon aufgegeben haben. Wo er mitten unter uns zu wirken beginnt. da ist Pfingsten.!<\/p>\n<p>Doch Paulus geht noch weiter. Es ist nicht nur das Gesetz der S\u00fcnde, das Gesetz des st\u00e4rkeren, von dem der Geist Christi freimacht. Er befreit ebenso \u2013so hei\u00dft es\u00a0 bei ihm in einem Atemzug -vom Gesetz des Todes. Ich stutze. Anders als die S\u00fcnde bleibt der Tod auch unter dem vom Geist Jesu Erfassten unausweichlich. Der Tod ist und bleibt jedem von uns auf den Leib geschrieben. Allerdings kommt er erst am Ende des Lebens. Und doch kann er genau wie die S\u00fcnde\u00a0 schon jetzt das Leben verdunkeln\u00a0 und verderben. Weil wir rnicht wissen , wann und wie er kommt, verbreitet er mitten im Leben immer von neuem Angst und Schrecken. Er ist so bedrohlich, dass kaum jemand vom eigenen Tod oder vom Tod seiner Lieben zu sprechen, geschweige denn sich gewissenhaft vorzubereiten vermag. Und wenn er dann kommt, der Tod, sind die Menschen ihm hilf- und sprachlos ausgeliefert.<\/p>\n<p>Der Geist Christi aber\u00a0 befreit dazu, Sterbende begleiten zu k\u00f6nnen, Trauernden beizustehen und die eigene Angst\u00a0 vor Gott auszusprechen. Ich erlebe ihn in der Behutsamkeit von Palliativstationen und Hospizen, in der Zuwendung von Rettungsdiensten und Notfallseelsorgern. Ich erlebe ihn bei \u00c4rzten, die sich Zeit nehmen, ihre Patienten auf bedrohliche Diagnosen einzustellen. Ich erlebe ihn bei Krankenschwestern und Pflegekr\u00e4ften, die\u00a0 todgeweihte Patienten mit ihrer Fr\u00f6hlichkeit anstecken und ihren Lebensmut anfachen. \u00dcberall, wo dem Tod das Feld streietig gemacht und dem Leben gedient wird, ist Pfingsten!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch das ist noch nicht alles. Wenn der Tod nun wirklich da ist, ist Gottes Geist noch langet nicht am Ende. Im Gegenteil: &#8222;Wenn nun der Geist dessen, derJesus von den Toten auferweckt hat\u201c, schreibt Paulus, \u201ein euch wohnt, so wird er auch eure sterblichen Leiber lebendig machen.\u201c<\/p>\n<p>Der Geist Gottes ist alles andere als etwas Fl\u00fcchtiges, Luftiges, Verwehendes. Es ist die Macht, die Jesus aus dem Tode herausgeholt hat. Eine Macht die Felsen, aber auch alle Vorstellung sprengt. Er, den man ans Kreuz genagelt und in einem Grab verschlossen hat,\u00a0 Er, Jesus Christus, ist so lebendig, dass Menschen ihn in allen Teilen der Welt vor Augen und im Herzen haben, sich von ihm ansprechen und in die Pflicht nehmen lassen. Diese Macht, der Geist unb\u00e4ndigen und unbesiegbaren Lebens, steckt mit drin in unseren zaghaften Glaubensversuchen und wird uns festhalten, bis er ein Ende gemacht hat mit dem Todesspuk in dieser Welt, bis er Sie und mich herausholt aus dem Aus \u00a0des Todes, damit wir Anteil haben an der Welt Gottes, in der es vorbei ist mit diesem elenden Gegensatz von Glauben und Sehen, von Gottes G\u00fcte und menschlichem Leiden, von Wollen des Guten und Tun des B\u00f6sen.<\/p>\n<p>Das ist die Perspektive, unter der wir leben. Und das bleibt die Aufgabe der Kirche, mag sie auch noch so k\u00fcmmerlich und \u00fcberholt erscheinen, dem Kommenden das Wort zu reden und damit zu zeigen,<\/p>\n<p>wes Geistes Kinder wir sind. Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wo Christi Geist Platz greift | Pfingstsonntag | 05.06.2022 | R\u00f6m 8.1-2.11| Rudolf Rengstorf | So gibt es nun keine Verdammnis f\u00fcr die, die in Christus Jesus sind.\u00a0 Denn das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat dich frei gemacht von dem Gesetz der S\u00fcnde und des Todes. 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