{"id":8375,"date":"2022-06-01T20:01:51","date_gmt":"2022-06-01T18:01:51","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=8375"},"modified":"2022-06-04T03:58:18","modified_gmt":"2022-06-04T01:58:18","slug":"numeri-1111-14-17-24-25","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/numeri-1111-14-17-24-25\/","title":{"rendered":"Numeri 11,11.14\u201317.24\u201325"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Pfingstmontag | 06. 06. 2022 | Predigt zu Numeri 11,11.14\u201317.24\u201325: Von geistlicher Arbeitsteilung. | Hansj\u00f6rg Biener |<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Predigttext <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201e11 Er [Mose] fragte den Herrn: \u00bbWas spielst du deinem Knecht so \u00fcbel mit? Warum bist du nicht auf meiner Seite? Du hast mir das ganze Volk aufgeladen. [&#8230;] 14 Ich kann diese Last nicht allein tragen,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>sie ist zu schwer f\u00fcr mich. 15 Bevor du das von mir verlangst, lass mich lieber sterben! Ich kann mein Elend nicht mehr mitansehen.\u00ab<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>16 Da sagte der Herr zu Mose: \u00bbVersammle vor mir 70 M\u00e4nner von den \u00c4ltesten Israels! Sie sollen dir als \u00c4lteste des Volkes und als Verwalter bekannt sein. Bring sie zum Zelt der Begegnung! Dort sollen sie sich zusammen mit dir aufstellen. 17 Ich werde herabkommen und dort mit dir reden. Ich will ihnen etwas von dem Geist \u00fcbertragen, den ich dir gegeben habe. Dann k\u00f6nnen sie zusammen mit dir die Last des Volkes tragen, und du bist nicht mehr allein. [&#8230;]<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>24 Mose ging hinaus zum Volk und [&#8230;] versammelte 70 M\u00e4nner von den \u00c4ltesten des Volkes. Die stellte er rings um das Zelt der Begegnung auf. 25 Da kam der Herr in einer Wolke herab und redete mit Mose. Auf die 70 \u00c4ltesten \u00fcbertrug er etwas von dem Geist, den er Mose gegeben hatte. Sobald der Geist mit ihnen war, redeten sie eine Zeit lang wie Propheten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Numeri 11,11.14\u201317.24\u201325 BasisBibel)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Predigt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Vorgeschichte einer geistlichen F\u00fchrungskrise<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Gottesmann ist m\u00fcde geworden. \u201eIch kann nicht mehr. Ich mag nicht mehr. Mach ein Ende mit mir und mach Dein Ding allein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das hat, wenn man in der Bibel nachliest, eine lange Vorgeschichte. Wir k\u00f6nnen die Frage nach den Details der historischen Ereignisse auf sich beruhen lassen. Die alttestamentliche Wissenschaft erkl\u00e4rt, dass wir in den Mose-Erz\u00e4hlungen viele Stimmen h\u00f6ren. Das Erz\u00e4hlte hat immer wieder bewegt, wurde aber auch neu durchdacht. Es geht nicht einfach um die Historie, sondern darum, wie der Glaube ins Leben geschrieben wurde. Das wiederum ist dann schon f\u00fcr uns wichtig: Wir m\u00fcssen wahrnehmen, wie andere glaubten, um unseren eigenen Glauben besser zu entdecken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alles begann an einem brennenden Busch, als ein Viehhirte in der Einsamkeit des Sinai auf ein Naturph\u00e4nomen aufmerksam wurde. Vielleicht kennen Sie die Geschichte. Mose h\u00fctete die Schafe seines Schwiegervaters und zog einmal \u00fcber die ihm bekannten Gebiete hinaus. Ihm f\u00e4llt ein Busch auf. Der brennt und wird doch nicht vom Feuer verzehrt. Solche Pflanzen gibt es. Stichwort \u00e4therische \u00d6le, die aufsteigen und Feuer fangen, ohne dass wir jetzt auf eine solche Pflanze am Sinai deuten k\u00f6nnten. Als Mose sich das n\u00e4her ansehen will, widerf\u00e4hrt ihm eine Stimme. \u201eMose, Mose.\u201c &#8211; \u201eHier bin ich.\u201c Und es widerf\u00e4hrt ihm ein Auftrag. \u201eIch habe das Elend meines Volkes gesehen. Gehe hin und f\u00fchre Israel aus der Knechtschaft in \u00c4gypten.\u201c Das erscheint Mose wie eine Mission impossible. \u201eWer bin ich, dass ich&#8230;\u201c Mose wehrt sich. \u201eMan kennt mich nicht, man kennt Dich nicht, und reden kann ich auch nicht.\u201c Am Ende hilft\u2019s nichts. Aus Mose wird nicht Mose 2.0 werden, wenn er den Auftrag seines Lebens nicht annimmt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer diese Geschichte mit anderen Berufungserz\u00e4hlungen in der Bibel vergleicht, wird sehen: Bei Mose, Jeremia, aber auch bei unbekannteren Gestalten wie Gideon springen die Berufenen nicht hoch vor Freude. Sie alle werden unvorbereitet und meist unerw\u00fcnscht angesprochen. Keiner der Berufenen hat eine neue Aufgabe gesucht. \u201eIch kann das nicht. Ich bin doch nicht wichtig. Ich bin noch so jung.\u201c Doch Gottes Ruf ist unausweichlich und unwiderstehlich. Und es ist wie mit dem lebenslangen Lernen in unserer Berufswelt. Man denke da nur an die Corona-Krise. Diesem Digitalisierungsschub konnte sich niemand entziehen. Es gab kein \u201eIch will das nicht. Ich kann das nicht.\u201c. Es gab nur ein \u201eIch kann das &#8211; noch &#8211; nicht.\u201c. Und wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit &#8211; n\u00e4mlich in die Arbeitslosigkeit. Mose geht ohne Sicherheiten nach \u00c4gypten, um Israel aus \u00c4gypten herauszuf\u00fchren. Er hat nur die Erfahrung, wie der \u201eGott seiner V\u00e4ter\u201c sein Gott wurde. Wenn so etwas geschieht, ordnet sich auch bei uns vieles neu. In der biblischen Geschichte wird das daran deutlich, dass Mose einen neuen Namen f\u00fcr den Gott seiner Vorfahren hat. Mose nimmt wenig mehr mit als: diese Erfahrung, den Gottesnamen, den Auftrag und die Verhei\u00dfung, dass sich alles erf\u00fcllt. Es ist wie im normalen Leben: Wer etwas Neues anf\u00e4ngt, muss glauben, dass es gelingt. Sonst wird es von vorneherein nichts. Warum sollte das im Glauben anders sein? Niemand hat im Glauben Beweise im R\u00fccken, sondern muss, wie die Alten sagten, \u201eim Glauben gehorsam werden\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mose ist zum Zeitpunkt seiner geistlichen F\u00fchrungskrise schon sehr, sehr gehorsam gewesen. Er hat f\u00fcr sein Volk vor dem \u00e4gyptischen Pharao Partei ergriffen. Er hat sein Volk aus \u00c4gypten herausgef\u00fchrt. Er hat sein Volk an den Sinai gebracht. Er hat seinem Volk Gottes Grundgesetz \u00fcbermittelt. Er hat sein Volk durch viele Schwierigkeiten gef\u00fchrt und auf der W\u00fcstenwanderung leises und lautes Murren gegen sich ertragen. Er ist an seinen Aufgaben gewachsen. Und doch: Mose ist an einem Punkt angekommen, wo ihm scheinbar oder tats\u00e4chlich alles \u00fcber den Kopf w\u00e4chst. \u201eIch kann nicht mehr. Ich mag nicht mehr. Mach ein Ende mit mir und mach Dein Ding allein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Geistliche Arbeitsteilung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interessant ist jetzt die Fortsetzung. Es gibt keine R\u00fcge Gottes f\u00fcr Moses Patzigkeit. [Es gibt auch keine Abl\u00f6sung wie beim Propheten Elija, als der seinem Gott sein \u201eIch allein bin \u00fcbrig geblieben.\u201c entgegenschleuderte.] Es gibt aber auch keine wundersame St\u00e4rkung. Im Gegenteil.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDa sagte der Herr zu Mose: \u00bbVersammle vor mir 70 M\u00e4nner von den \u00c4ltesten Israels! Sie sollen dir als \u00c4lteste des Volkes und als Verwalter bekannt sein. [&#8230;] Ich will ihnen etwas von dem Geist \u00fcbertragen, den ich dir gegeben habe. Dann k\u00f6nnen sie zusammen mit dir die Last des Volkes tragen, und du bist nicht mehr allein. [&#8230;]\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist keineswegs so, dass Moses allein ist, denn die Leute sind schon da. Die Leute, die er aussuchen soll, sind ihm sogar bekannt. Und noch mehr: Sie alle haben Leitungserfahrung. Denn bald nach dem Auszug aus \u00c4gypten hat ihn sein Schwiegervater ger\u00fcgt und einen Ausweg gewiesen. Er hatte gesehen, dass die Menschen bei Streitfragen vor Mose Schlange standen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[Zitat] <em>\u201eDu bist v\u00f6llig ersch\u00f6pft, und das Volk, das bei dir ist, ist es auch. Diese Aufgabe ist zu schwer f\u00fcr dich. Du kannst sie allein nicht bew\u00e4ltigen.\u201c<\/em> (Exodus 18,18 BasisBibel)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was sollte Mose tun? Er sollte f\u00e4hige Leute suchen und einsetzen, als F\u00fchrer und Richter f\u00fcr 10, 50, 100, 1000. Sie sollten, wie die Erz\u00e4hlung sagt, die kleinen Dinge regeln. So sollten nur die noch ungel\u00f6sten Fragen zu Mose kommen. Mose wiederum sollte sich um seine Beziehung zu Gott und die Beziehung des Volkes zu Gott k\u00fcmmern. Offensichtlich hat Mose in seiner geistlichen F\u00fchrungskrise Recht und Unrecht. Subjektiv Recht in seinem Gef\u00fchl des Alleinseins, denn so etwas kann man niemandem wegdemonstrieren. Objektiv aber Unrecht, weil l\u00e4ngst Leute zusammen mit ihm Verantwortung tragen und offenbar auch geistliches F\u00fchrungspotenzial haben. Aus diesen soll Mose jetzt die bew\u00e4hrtesten Kr\u00e4fte heraussuchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die sind nun bereit f\u00fcr den n\u00e4chsten Level: Nicht mehr nur Streitschlichter und Organisatoren, sondern Teilhaber an der spirituellen Verantwortung f\u00fcr das Volk. Mose macht eine Liste geeigneter Kandidaten und bringt sie vor Gott. Und tats\u00e4chlich: Etwas von dem Spirit Moses geht auf die anderen \u00fcber. Es ist ein verwirrendes Ergebnis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[Zitat] <em>\u201eSobald der Geist mit ihnen war, redeten sie eine Zeit lang wie Propheten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und es ist in der biblischen Geschichte sogar so, dass zwei der Liste nicht erschienen sind und trotzdem in Verz\u00fcckung geraten. Einen kleinen Teil des Verwirrenden kann ich aufkl\u00e4ren. Wir denken bei Prophetie an Leute wie Jeremia und die Prophetenb\u00fccher der Bibel. Die Prophetie hat ihre Urspr\u00fcnge aber nicht beim \u201ewohlgeformten Wort\u201c, sondern bei ekstatischen Erlebnissen. Die erwartet man in volkskirchlichen Kreisen eher nicht. Trotzdem kann ich eine Hilfe zum Verst\u00e4ndnis anbieten. Es ist, wie wenn Menschen nach Worten ringen und das Gesagte stockend kommt und manchmal auch widerspr\u00fcchlich zu sein scheint. Im Religionsunterricht kann man das immer wieder erleben. Ein Sch\u00fcler, eine Sch\u00fclerin versucht eine religi\u00f6se \u00c4u\u00dferung und kann sich irgendwie doch nicht ausdr\u00fccken. Am Ende: \u201eVerstehen Sie, was ich meine?\u201c Manchmal wird man als Lehrkraft Worte und Geschichten zur Verf\u00fcgung stellen, damit sich der Glaube selber besser versteht. Anderes wird sich von selber kl\u00e4ren. Irgendwann, so die Hoffnung, wird sie\/er sagen k\u00f6nnen, was Glauben f\u00fcr ihn\/sie bedeutet. Bis dahin wird sich manches etwas wirr anh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Geistliche Arbeitsteilung und F\u00fchrung heute<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir sind l\u00e4ngst bei uns. Auch wir kennen Aufgaben, die uns ungewollt zufallen. Manchmal erleben wir sogar Situationen, in denen wir uns \u201eals Christen, Christinnen\u201c zum Handeln gezwungen f\u00fchlen. Der w\u00f6chentliche Besuch bei einer Frau, die immer f\u00fcr die Gemeinde da war, aber jetzt im Pflegeheim ist. Die Fl\u00fcchtlinge, die jetzt eben da sind und ein Fl\u00fcchtlingscaf\u00e9 im Gemeindehaus brauchen. Die Hausaufgabenhilfe, die jetzt einfach dran ist. Manchmal kommt so \u201eneues Leben\u201c zu uns. Herausforderungen werden zu Chancen und bringen bereichernde neue Erfahrungen. Aber wir kennen Herausforderungen nicht nur als Chancen und Krisen nicht nur als Wachstumserfahrungen. Wir kennen auch M\u00fcdewerden. Hoffentlich muss es dann nicht ein Befreiungsschlag nach Moses Art sein: \u201eIch werfe alles hin.\u201c Vielleicht reicht auch ein Innehalten, Nachdenken und planvolles Teilen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber den Schlussteil der Predigt habe ich sehr lange nachdenken m\u00fcssen. Mir scheint eine Parallelisierung nahe zu liegen und doch falsch zu sein: Mose und seine \u00c4ltesten. Der Pfarrer und seine Mitarbeiter. Gerne auch multipliziert mit Gender-Stern. \u201eFalsch, falsch, falsch\u201c ruft es in mir. Die meisten Pfarrer und Pfarrerinnen sind ja keine Vision\u00e4re nach Moses Art, die auf Gottes Gehei\u00df etwas Neues gr\u00fcnden. Sie kommen als bezahlte Kr\u00e4fte in bestehende Gemeinden mit bestehenden Strukturen und Dienstauftr\u00e4gen. M\u00fcsste man nicht richtiger \u201eJesus und seine J\u00fcnger und J\u00fcngerinnen\u201c denken, auch unabh\u00e4ngig von einer Gemeindeorganisation?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe versucht, mich von der Kirchengeschichte der Hierarchien und Organisationen frei zu machen. Kommen wir zu dem f\u00fcr mich leichteren Teil. Man kann die geistliche F\u00fchrung und Arbeitsteilung von oben her denken: Der Papst, in Gemeinschaft mit seinen Kardin\u00e4len und Bisch\u00f6fen, den Priestern und allen geistlichen Amtstr\u00e4gern. So das historische Bild der r\u00f6misch-katholischen Kirche [, um die es mir als Mitchrist ebenso weh tut wie um die russisch-orthodoxe Kirche im Ukraine-Krieg oder um Freikirchen, wenn Pastoren von ihrem Glauben abfallen und dar\u00fcber B\u00fccher schreiben]. Selig zu preisen ist ein Papst, wenn er von einer spirituellen Gemeinschaft umgeben, getragen und begleitet wird, und nicht umsonst waren auch Domkapitel urspr\u00fcnglich m\u00f6nchische, d. h. hoffentlich betende und gel\u00e4uterte Lebensgemeinschaften um einen Bischof. Ein geistlicher F\u00fchrer darf nicht allein sein, &#8211; damit er sich weder \u00fcberhebt, noch unter der Verantwortung zusammenbricht. Man muss kein Kirchenkritiker sein, um zu wissen, dass nicht jeder Papst, Kardinal, Bischof, Priester ausreichend fromm war, um geistlich zu f\u00fchren. Und umgekehrt hat auch die umgebende Gemeinschaft oft genug ihre Begleitungsaufgabe nicht ausreichend wahrgenommen. Offensichtlich muss man ja auch nicht ganz oben stehen, um sich breit zu machen. Dann kann es sogar dazu kommen, dass ein Papst sein Amt aufgibt. Sicherlich nicht ohne Gr\u00fcnde und nach reiflicher \u00dcberlegung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den Protestantismus begleitet seit jeher ein tiefes Misstrauen gegen ein prim\u00e4r hierarchisches Verst\u00e4ndnis geistlicher Leitung. Man setzt auf gemeinsame Leitung und das sogenannte Priestertum aller Gl\u00e4ubigen. Doch hier beginnt der f\u00fcr mich schwerere Teil der Schluss\u00fcberlegungen. Die allgemeine Arbeitsteilung ist uns schnell einsichtig, doch wie steht das mit der geistlichen F\u00fchrung. Da wird dann doch schnell auf die Personen geschaut, die \u00f6ffentlich zu Predigt und Seelsorge berufen worden sind. \u201eDie sind ja auch daf\u00fcr ausgebildet.\u201c Und: \u201eDie werden immerhin daf\u00fcr bezahlt.\u201c Aber jeder kann wissen, dass Hauptamtliche nicht \u00fcberall sein k\u00f6nnen. Oft genug mit Gr\u00fcnden, die sie von Schuld oder b\u00f6sem Willen freisprechen. Umgekehrt will ich auch nicht Ehrenamtliche \u00fcberfordern. Ich kann also nur sanft beschreiben, wie der n\u00e4chste Level kommt, von Teilhabe an Arbeitsteilung hin zur geistlichen Arbeitsteilung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am schnellsten beschrieben ist es am Kirchenvorsteher, einer Kirchenvorsteherin einer vakanten Gemeinde. Man ist eine im Gottesdienst l\u00e4ngst bew\u00e4hrte Kraft. Man will, dass das Gottesdienstangebot nicht eingeschr\u00e4nkt wird. Man erkennt aber, dass die Pfarrstellenvertretung am Sonntag schon ausreichend besch\u00e4ftigt ist. Und man macht mehr als bisher: Nicht nur die Begr\u00fc\u00dfung und die Bibellesungen. Man verliest eine Lesepredigt und merkt, wie Predigen geistliches Wachstum generiert. Man beginnt dar\u00fcber nachzudenken, Pr\u00e4dikant zu werden und eigene Predigten zu halten. Daf\u00fcr gibt es ja Ausbildungsangebote.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich gehe im Alter zur\u00fcck und komme zu einem\/einer jungen Erwachsenen, die sich um die Website der Gemeinde k\u00fcmmert. Sie versteht, dass es mit der Website nicht getan ist. Sie sieht, dass man \u00fcber die Neuen Medien so viel mehr erreichen k\u00f6nnte. Sie sieht aber auch, dass der Pfarrer nicht mit Twitter und Co. aufgewachsen ist. Er kann sich ohnehin nicht in 280 Zeichen fassen. Sie f\u00e4ngt an, nach geistlichen Kurzimpulsen zu suchen, und ringt um eigene Worte. Und der Lohn k\u00f6nnte sein, dass die Konfis der Gemeinde merken: Man kann Glauben auf den Punkt bringen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das letzte Beispiel, auch im Gemeindealltag gesehen, soll ein Konfi-Teamer sein. Er will nicht mehr nur beim Spieleabend \u201eKonfis bespa\u00dfen\u201c. Er fragt neu auch nach dem Glauben der Jungen und M\u00e4dchen auf ihrem Weg ins Leben. Zugleich hat auch er noch nicht \u201ealles ergriffen\u201c, sondern sucht selber noch seinen Weg. Sein Segen k\u00f6nnte es sein, dass die eingesetzte Konfi-Zeit nicht nur Spa\u00df macht, sondern Sinn. Und wom\u00f6glich entdeckt so ein Teamer ein m\u00f6gliches Berufsfeld, wird Religionsp\u00e4dagoge oder Pfarrer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Abschluss ist es an der Zeit, allen Danke zu sagen, die im Kindergottesdienst, in der Konfirmandenarbeit, in Gruppenleitungen und Ch\u00f6ren bereits Verantwortung tragen, und in Presbyterien und Kirchenvorst\u00e4nden, Pfarrgemeinder\u00e4ten und Kirchenverwaltungen, Gemeinde-, Diakonie- oder F\u00f6rdervereinen auch hochoffiziell Verantwortung \u00fcbernehmen. Sie helfen nicht nur einem Pfarrer\/einer Pfarrerin, nicht \u00fcberfordert zu sein. Sie helfen, jedenfalls in meiner prim\u00e4ren Perspektive, Jesus mit seiner Mission in der Welt. Und selig sind Sie, wenn dabei auch Ihr Glaube den n\u00e4chsten Level sp\u00fcrt. Nutzen Sie die in Ihren Kirchen vorhandenen Bildungsangebote, begonnen bei den religi\u00f6sen Beitr\u00e4gen in der Sonntagszeitung Ihrer Kirche, gerne auch online, weitergehend \u00fcber Jugend- und Erwachsenenbildung im Umfeld Ihrer Gemeinde bis hin zu regul\u00e4ren Ausbildungen. Sie sind Ihre Verhei\u00dfung f\u00fcr den n\u00e4chsten Level im Glauben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Amen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">___<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dr. Hansj\u00f6rg Biener (*1961) ist Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und derzeit als Religionslehrer an N\u00fcrnberger Gymnasien t\u00e4tig. Au\u00dferdem ist er au\u00dferplanm\u00e4\u00dfiger Professor f\u00fcr Religionsp\u00e4dagogik und Didaktik des evangelischen Religionsunterrichts an der Friedrich-Alexander-Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pfingstmontag | 06. 06. 2022 | Predigt zu Numeri 11,11.14\u201317.24\u201325: Von geistlicher Arbeitsteilung. | Hansj\u00f6rg Biener | Predigttext \u201e11 Er [Mose] fragte den Herrn: \u00bbWas spielst du deinem Knecht so \u00fcbel mit? Warum bist du nicht auf meiner Seite? Du hast mir das ganze Volk aufgeladen. 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