{"id":8395,"date":"2022-06-01T20:00:46","date_gmt":"2022-06-01T18:00:46","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=8395"},"modified":"2022-06-03T16:35:08","modified_gmt":"2022-06-03T14:35:08","slug":"numeri-11-11-12-14-17-24-30","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/numeri-11-11-12-14-17-24-30\/","title":{"rendered":"Numeri 11, 11-12.14-17.24-30"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Geist tut not | Pfingstmontag | 6. Juni 2022 | Predigt zu Numeri 11, 11-12.14-17.24-30 | Autorin Susanna Kschamer |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Gnade unseres Herren Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen -Geistes sei mit uns allen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">es gibt N\u00e4chte, die sind schier endlos. Die Zeiger der Uhr scheinen sich so gar nicht zu bewegen. Trotz bleierner M\u00fcdigkeit ist an Schlaf nicht zu denken.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">N\u00e4chte, in denen eins meiner damals sehr kleinen Kinder krank war und so gar nicht schlafen konnte, waren f\u00fcr mich solche N\u00e4chte. Die ganze Zeit wollte das Kind nur herumgetragen werden. Arme und R\u00fccken taten mir weh. Versuchte ich mich hinzusetzen, brach das kleine Wesen in ein bitterliches Geschrei aus. Wie lange sollte das noch so weiter gehen? Meine Nerven wurden immer d\u00fcnner. Aber ich konnte ja nicht einfach weggehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mose muss solche N\u00e4chte gekannt haben, und hat seine M\u00fche mit dem Volk Israel, das er im Auftrag Gottes durch die W\u00fcste in das gelobte Land f\u00fchren sollte, damit verglichen:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich lese den Predigttext aus 4. Mose Kapitel 11<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Und Mose sprach zu dem HERRN: Warum bek\u00fcmmerst du deinen Knecht? Und warum finde ich keine Gnade vor deinen Augen, dass du die Last dieses ganzen Volks auf mich legst? Hab ich denn all das Volk empfangen oder geboren, dass du zu mir sagen k\u00f6nntest: Trag es in deinen Armen, wie eine Amme ein Kind tr\u00e4gt, in das Land, das du ihren V\u00e4tern zugeschworen hast?\u00a0 Ich vermag all das Volk nicht allein zu tragen, denn es ist mir zu schwer. Willst du aber doch so mit mir tun, so t\u00f6te mich lieber, wenn anders ich Gnade vor deinen Augen gefunden habe, damit ich nicht mein Ungl\u00fcck sehen muss.<br \/>\nUnd der HERR sprach zu Mose: Sammle mir siebzig M\u00e4nner unter den \u00c4ltesten Israels, von denen du wei\u00dft, dass sie \u00c4lteste im Volk und seine Amtleute sind, und bringe sie vor die Stiftsh\u00fctte und stelle sie dort vor dich, so will ich herniederkommen und dort mit dir reden und von deinem Geist, der auf dir ist, nehmen und auf sie legen, damit sie mit dir die Last des Volks tragen und du nicht allein tragen musst.<br \/>\nUnd Mose ging heraus und sagte dem Volk die Worte des HERRN und versammelte siebzig M\u00e4nner aus den \u00c4ltesten des Volks und stellte sie rings um die Stiftsh\u00fctte.\u00a0 Da kam der HERR hernieder in der Wolke und redete mit ihm und nahm von dem Geist, der auf ihm war, und legte ihn auf die siebzig \u00c4ltesten. Und als der Geist auf ihnen ruhte, gerieten sie in Verz\u00fcckung wie Propheten und h\u00f6rten nicht auf.<br \/>\nEs waren aber noch zwei M\u00e4nner im Lager geblieben; der eine hie\u00df Eldad, der andere Medad. Und der Geist kam \u00fcber sie, denn sie waren auch aufgeschrieben, jedoch nicht hinausgegangen zu der Stiftsh\u00fctte, und sie gerieten in Verz\u00fcckung im Lager. Da lief ein junger Mann hin und sagte es Mose und sprach: Eldad und Medad sind in Verz\u00fcckung im Lager. 28 Da antwortete Josua, der Sohn Nuns, der dem Mose diente von seiner Jugend an, und sprach: Mose, mein Herr, wehre ihnen! 29 Aber Mose sprach zu ihm: Eiferst du um meinetwillen? Wollte Gott, dass alle im Volk des HERRN Propheten w\u00e4ren und der HERR seinen Geist \u00fcber sie kommen lie\u00dfe! 30 Darauf kehrte Mose zum Lager zur\u00fcck mit den \u00c4ltesten Israels.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mose f\u00fchlte sich von seiner Verantwortung f\u00fcr das Volk Israel \u00fcberlastet, wie eine Mutter oder ein Vater, von einem st\u00e4ndig schreienden S\u00e4ugling \u00fcberfordert sein kann. Dieses Volk war eine riesige Zumutung. St\u00e4ndig verlangen sie mitten in der W\u00fcste nach frischem Wasser, besserem Essen, mehr Fleisch \u2013 dabei ist er gar nicht die Mutter (bzw. der Vater) oder die Amme dieses Volkes.\u00a0 Das ist doch Gott selbst! (und nebenbei gesagt sind das spannende nicht-patriarchale Gottesbilder!) Mose ist jedenfalls mit seinen Kr\u00e4ften am Ende und f\u00fchlt sich von seinem Gott im Stick gelassen. Er ist so ersch\u00f6pft, dass er lieber sterben m\u00f6chte, als so weiter zu leben und als Ergebnis all seiner M\u00fche nur Ungl\u00fcck zu erleiden. In der heutigen Zeit w\u00fcrde man ihm vielleicht eine Ersch\u00f6pfungsdepression diagnostizieren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und was tut Gott? Er bel\u00e4sst es nicht bei klugen Ratschl\u00e4gen und verweist auch nicht auf ein oder zwei weitere Helfer, sondern fordert Moses auf, gleich 70 \u00c4lteste vor der Stiftsh\u00fctte zu versammeln, damit sie ihn unterst\u00fctzen k\u00f6nnen. Jene M\u00e4nner, die auf mittlerer Ebene auch jetzt schon Verantwortung \u00fcbernehmen. Er erfindet das Rad also nicht neu, sondern kn\u00fcpft an bew\u00e4hrten Strukturen an.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das klingt etwas nach einem der Patentrezepte aus dem modernen F\u00fchrungscoaching: \u201eDelegieren\u201c: F\u00fcr den, der entlastet wird, ist das oft ein zweischneidiges Schwert. Ist er doch derjenige, der es nicht alleine geschafft hat, der versagt hat. Und auch bei denen, die dann das Delegierte auch noch \u00fcbernehmen sollen, l\u00f6st es oft wenig Begeisterung aus.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Doch hier geht es um Begeisterung: als die siebzig \u00c4ltesten mit Moses zusammen vor der Stiftsh\u00fctte stehen, ist es der Geist des Mose, mit dem alle in Verz\u00fcckung versetzt werden. Hier wird nicht Mose als \u00fcberforderter Chef blo\u00df gestellt oder an das schlechte Gewissen der \u00c4ltesten und der Amtsleute appelliert. Gott weckt Enthusiasmus und macht eine Vision erlebbar. Solche Erfahrungen motivieren dann auch noch in den Niederungen des Alltags und sind ansteckend.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Den daf\u00fcr n\u00f6tigen Geist kann man nicht erzwingen, sondern nur erbitten. Er weht, wo er will. Er l\u00e4sst sich nicht kanalisieren und begrenzen.\u00a0 Wenn man f\u00fcr den Geist offen ist\u00a0 \u2013\u00a0 in der Kirche ebenso wie in der Familie, im Berufsleben, in Politik und Gesellschaft &#8211; dann kann\u00a0 sich vieles bewegen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mose f\u00fchlt sich nicht degradiert, als sein Geist auf die 70 verteilt wird. Er freut sich dar\u00fcber. Auch als noch zwei weitere M\u00e4nner aus dem Lager in Verz\u00fcckung geraten, ist das f\u00fcr ihn keine Bedrohung. Im Gegenteil: Er w\u00fcrde sich w\u00fcnschen, dass alle Menschen einen direkten Draht zu Gott haben und zu Propheten werden w\u00fcrden. Denn so kann aus einem Volk, das wie Kleinkinder nach Fleisch quengelt, eine Gemeinschaft werden, die gemeinsam mit Gott unterwegs ist. Und aus l\u00e4hmender Bedr\u00fcckung begeisterte Bewegung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch wir brauchen diesen pfingstlichen Geist. In der Kirche, die sich selbst treu bleiben und sich zugleich weiter ver\u00e4ndern muss, um ihre Aufgabe erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen. In unseren Familie, die l\u00e4ngst neue Formen angenommen haben. In unserer Gesellschaft, die immer wieder von neuen Herausforderungen steht. Im ganz Gro\u00dfen, wenn es um Weltfrieden, die Umwelt- und Klimakrise und die gerechte Verteilung von Lebensg\u00fctern und -chancen geht. Und in unserem kleinen eigenen Leben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lasst uns um Gottes Geist bitten. Lasst uns geduldig auf ihn warten Und wenn er dann kommt: Lassen wir es dann zu von ihm angesteckt und bewegt zu werden. Komm Heiliger Geist!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als alle menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">___<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastorin Susanna Kschamer<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kosel<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-Mail: s.kschamer@kirche-kosel.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geist tut not | Pfingstmontag | 6. Juni 2022 | Predigt zu Numeri 11, 11-12.14-17.24-30 | Autorin Susanna Kschamer | Die Gnade unseres Herren Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen -Geistes sei mit uns allen. Liebe Gemeinde, es gibt N\u00e4chte, die sind schier endlos. 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