{"id":8421,"date":"2022-05-31T17:41:14","date_gmt":"2022-05-31T15:41:14","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=8421"},"modified":"2022-06-05T15:59:01","modified_gmt":"2022-06-05T13:59:01","slug":"apg-2-und-joh-14-15-26","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/apg-2-und-joh-14-15-26\/","title":{"rendered":"Apg. 2 und Joh. 14,\u00a0\u00a015-26"},"content":{"rendered":"<p>Der Heilige Geist, der Tr\u00f6ster | Pfingstsonntag | 05.06.22 | Apg. 2 und Joh. 14,\u00a0\u00a015-26 | Ulrich Nembach<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; text-align: center;\">1.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pfingsten ist ein bedeutendes und gerade in unserer Zeit hoch aktuelles Fest. Vielleicht meinen Sie, Weihnachten und Ostern w\u00e4ren wichtiger. Aber ohne Pfingsten w\u00fcrden wir weder mit Weihnachten noch mit Ostern etwas anfangen k\u00f6nnen. Wer versteht schon, warum uns die mehr als 2000 Jahre zur\u00fcckliegende Geburt eines Kindes in prek\u00e4ren Verh\u00e4ltnissen bis heute besch\u00e4ftigt? Wer kann begreifen, dass jemand, der mit Jubel begr\u00fc\u00dft und gro\u00df gefeiert wurde, f\u00fcnf Tage sp\u00e4ter hingerichtet wird? Pfingsten macht es m\u00f6glich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir geben uns M\u00fche, die Vergangenheit zu verstehen. Weit schwieriger ist es, sich in der Gegenwart zurechtzufinden. Sie zu verstehen ist fast unm\u00f6glich. Die vielen, sich vielfach widersprechenden Informationen machen ratlos. Dazu kommen die \u2013 gef\u00fchlt sind es immer mehr \u2013 gezielt gestreuten Desinformationen. Besch\u00f6nigend nennen wir sie heute Fake News. Menschen setzen bewusst falsche Aussagen in die Welt und geben ihnen den Anschein von Wahrheit. Wer sie h\u00f6rt oder liest, l\u00e4uft Gefahr, das Erfundene f\u00fcr wahr, das Falsche f\u00fcr richtig zu halten. Das Internet verbreitet alles unterschiedslos rasch.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Politiker treiben mit Unwahrheiten Propaganda. Manager verbreiten manipulierte Daten. In den sozialen Netzwerken werden Jugendliche von anderen Jugendlichen schlechtgemacht und blo\u00dfgestellt. Die Betroffenen leiden. Sie wissen oft nicht, wie sie dem standhalten k\u00f6nnen oder wer ihnen helfen kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir nehmen die Probleme wie neu wahr. In Wirklichkeit sind sie es nicht. Die Bibel wei\u00df gleich mehrfach davon zu erz\u00e4hlen. Sie verwendet freilich ein anderes Vokabular. Fake News hei\u00dfen dort schlicht L\u00fcgen. Das achte Gebot geht genauer auf die Sache ein und weist konkret an: <em>Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen<\/em> N\u00e4chsten. Das gilt unter Jugendlichen wie unter Erwachsenen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">K\u00f6nig David, so berichtet die Bibel, sah einst eine Frau. Sie war sehr sch\u00f6n, er hat Verlangen nach ihr und l\u00e4sst sie sofort zu sich holen. Die Frau, Frau eines Untergebenen, hat keine M\u00f6glichkeit, dem zu entgehen. David setzt durch, was er m\u00f6chte. Die Frau kann sich nicht dagegen wehren. Sie wird schwanger. Und David? Ihm liegt daran, die Angelegenheit zu vertuschen. Er sinnt auf einen Weg, dem Ehemann das Kind unterzuschieben (2. Sam. 11). M\u00e4nnliche \u00dcbergriffigkeit, sexualisierte Gewalt, ein Gespinst von L\u00fcgen: ein Fall von \u201eMe Too\u201c. Nicht der Beginn einer Kampagne, doch schonungslos \u00f6ffentlich gemacht vor mehr als 2000 Jahren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nicht anders eine andere Geschichte. In ihr gehen L\u00fcgen und Gewalt umgekehrt von einer Frau aus. Der Mann wird zum Opfer einer Machenschaft. Joseph lebt als Sklave im Haus eines angesehenen \u00c4gypters. Dessen Frau hat nicht nur <em>ein<\/em> Auge auf den Sklaven geworfen. Als er sich ihr verweigert und gar vor ihr fl\u00fcchtet, wird sie w\u00fctend. Sie berichtet ihrem Mann, der Sklave habe sie bedr\u00e4ngt. Daraufhin l\u00e4sst der Mann Joseph ins Gef\u00e4ngnis werfen (Gen. 39) \u2013 wo er jahrelang bleibt, bis er schlie\u00dflich zum Ratgeber und Bevollm\u00e4chtigten des Pharao aufsteigt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vor Angriffen und Verleumdungen ist niemand gefeit, die Erwachsenen nicht, Jugendliche nicht, schon Kinder nicht. Das ist ein Thema f\u00fcr Pastorinnen und Pastoren. Lassen sie sich auf es ein?<br \/>\nIn diesen Tagen finden in unserem Land vielerorts Konfirmationen statt. Manche Gemeinden konfirmieren zu Pfingsten. Haben Pastorinnen und Pastoren in der Konfirmandenzeit das Vertrauen begr\u00fcnden k\u00f6nnen, eine Anlaufstelle zu sein, die Hilfe bietet? Die Kirchen, beide, die evangelische wie die katholische, tun sich in der Praxis wie im Umgang mit Betroffenen bekanntlich sehr schwer.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Bibel erz\u00e4hlt vielfach von ausweglosen Situationen. Sie berichtet, dass gegebenenfalls Gott die Hand im Spiel hat und im Laufe des Geschehens die Dinge selbst in die Hand nimmt. Notsituationen verhindert er nicht, so ist das nicht. Aber er greift in sie ein, und sei es auf verschlungenen Wegen, wie bei Joseph, vor dem, aus dem Gef\u00e4ngnis freigekommen, eine gro\u00dfe Zukunft liegt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; text-align: center;\">2.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pfingsten l\u00e4sst sich verstehen als Brennpunkt einer Befreiungsgeschichte. Gott sendet seinen Geist. Er kommt in die Welt, nachdem Jesus sie verlassen hat. Er hilft J\u00fcngerinnen und J\u00fcngern, \u00fcber die Abwesenheit Jesu hinwegzukommen. Nur f\u00fcr eine kurze Zeit war der Auferstandene bei ihnen. Jetzt steht Gottes Geist ihnen bei, sodass sie zurechtkommen, auch mit der Abwesenheit Jesu.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der gottgesandte Geist macht die J\u00fcnger mutig. Nach Jesu Tod waren sie \u00e4ngstlich und verwirrt zur\u00fcckgeblieben. Sie sa\u00dfen beieinander hinter verschlossenen T\u00fcren (Joh. 20,19), weil sie bef\u00fcrchteten, nicht anders als Jesus verurteilt und hingerichtet zu werden. An Pfingsten gehen sie hinaus. Sie verlassen den Untergrund und die Anonymit\u00e4t. Sie werden sichtbar, unverkennbar. Sie beginnen zu begreifen, was geschehen ist, Karfreitag und Ostern. Sie beginnen, davon zu reden. Und sie beginnen in Jesu Namen zu handeln (Apg. 2). Gottes Geist hilft ihnen auf. Sie bleiben nicht ohne Orientierung zur\u00fcck. Gott nimmt sich ihrer an.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Unter dem Strich ist Pfingsten der Knotenpunkt einer fortgesetzten Liebesgeschichte. In diese Perspektive stellt das Johannesevangelium das Kommen des Heiligen Geistes. Jesus k\u00fcndigt es vorausschauend als Gottes eigenes Tun an. Es bezeugt seine erneute Zuwendung mit bleibender, bindender Kraft. Der Heilige Geist richtet den Blick auf die Verbundenheit Jesu mit Gott aus, die Verbundenheit Gottes mit den Menschen, die Verbundenheit der J\u00fcnger mit Jesus und untereinander, und dies unter dem Vorzeichen der Liebe. So lesen wir es im 14. Kapitel des Johannesevangeliums (Joh. 14, 15 -26).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; text-align: center;\">3.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was Liebe ist, sahen wir dieser Tage. Es war ein bewegendes Erlebnis. Sie haben es vielleicht vor dem Fernseher miterlebt, liebe Gemeinde, oder gar im Olympiastadion in Berlin. Das Pokalspiel Freiburg gegen Leipzig war gerade zu Ende gegangen. Leipzig hatte gl\u00fccklich gewonnen. F\u00fcr die Leipziger war eine Zitterpartie positiv ausgegangen. Sie hatten lange Zeit in Unterzahl gespielt, weil einer der Ihren mit Recht eine rote Karte gesehen hatte. Nun also der Sieg! Jubel sollte ausbrechen. Aber nichts geschah. Was war los? Stille herrschte. Der Fernsehsprecher sagte:\u00a0\u201eSie k\u00f6nnen es nicht sehen. Am Seitenrand bem\u00fchen sich Sanit\u00e4ter um einen Menschen.\u201c Sp\u00e4ter sah man einen Krankenwagen ins Stadion fahren. Die Menschen, zigtausende, schwiegen. Sp\u00e4ter holten sie ihre Smartphones heraus und schalteten das Licht ein. Dazu schwiegen sie. Das Fernsehen zeigte das weite Rund des Olympiastadions in Berlin mit den leuchtenden Smartphones. Es war eindrucksvoll. Sie merken, ich bin noch immer beeindruckt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie war das m\u00f6glich? Was ist da passiert? Ich diskutierte mit einigen anderen dar\u00fcber. Manche meinten, das sei Betroffenheit gewesen. Andere sprachen von Solidarit\u00e4t. Ebenso war die Rede von Empathie. Ein verbindendes Miteinander zeichnet die Menschen aus, wie man es auch nennen mag, Mitf\u00fchlen, Sich-zuwenden, Zur-Seite-Stehen. Das alles meint Liebe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir sprechen heute viel von ihr und \u00fcber sie, und sind doch skeptisch. Aus Liebe wird geheiratet. Gleichwohl landen nicht wenige Ehen vor dem Scheidungsrichter. Etliche heiraten schon gar nicht mehr deswegen. Einfach auseinanderzugehen ist einfacher als eine Scheidung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott w\u00e4hlt den Weg der Liebe und sendet seinen Geist. Kennen, f\u00fchlen Menschen diese Liebe, wenn sie sie auch anders nennen oder gar keine Worte f\u00fcr sie haben? Denken Menschen so, wenn sie nur noch selten in die Kirche gehen oder gar nicht mehr, ja aus der Kirche austreten? Betroffen und solidarisch nehmen Menschen zurzeit vor dem Krieg gefl\u00fcchtete Ukrainerinnen und Ukrainer bei sich auf. Menschen halfen im Ahrtal, als die Flut dort H\u00e4user, Wohnungen, Existenzen zerst\u00f6rte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pfingsten erinnert uns an Gottes Liebe. Nicht nur Weihnachten ist, wie es landl\u00e4ufig hei\u00dft, das Fest der Liebe. Die Liebe von Weihnachten setzt sich fort. Ostern feiern wir den Sieg der Liebe Gottes in der Auferstehung Jesu von den Toten. Pfingsten bedeutet: Gott schenkt seine Liebe uns allen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Darum lasst uns Pfingsten feiern! Amen.<\/p>\n<p>___<\/p>\n<p>Prof. Dr. Dr. Ulrich Nembach, G\u00f6ttingen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Heilige Geist, der Tr\u00f6ster | Pfingstsonntag | 05.06.22 | Apg. 2 und Joh. 14,\u00a0\u00a015-26 | Ulrich Nembach Liebe Gemeinde, 1. Pfingsten ist ein bedeutendes und gerade in unserer Zeit hoch aktuelles Fest. Vielleicht meinen Sie, Weihnachten und Ostern w\u00e4ren wichtiger. 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