{"id":8492,"date":"2022-06-21T09:00:55","date_gmt":"2022-06-21T07:00:55","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=8492"},"modified":"2022-06-21T09:20:12","modified_gmt":"2022-06-21T07:20:12","slug":"lukas-14-25-36","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-14-25-36\/","title":{"rendered":"Lukas 14, 25-36"},"content":{"rendered":"<h3>\u00a02. So. n. Trinitatis |\u00a026.06.22 | Lk 14,25-36 | Preben Kr\u00e6n Christensen |<\/h3>\n<p>Lasst mich das sogleich klarmachen: Dies hier ist keine unchristliche Drohung, dass wir so behandelt werden, wie wir es verdient haben. Dies ist vielmehr eine Verhei\u00dfung der Gnade Gottes, die wir nicht verdient haben. Dies ist also kein Schlag ins Gesicht, sondern eine offene Hand, die uns annimmt. Was erz\u00e4hlt uns der Herr denn heute, k\u00f6nnen wir h\u00f6ren, was gemeint ist? Es muss ja einen Sinn haben, dass Gott uns all das gegeben hat, Vater, Mutter, Ehemann, Ehefrau, Kinder, Br\u00fcder und Schwestern \u2013 und dann hinzuf\u00fcgt, dass wir sie hassen sollen. Ja nicht nur die \u2026 auch uns selbst sollen wir hassen, um einer von den Seinen zu sein. Ja, wir k\u00f6nnen sehr wohl nach dem Sinn fragen, aber die Sache ist die, dass es Gott ist und bleibt und nicht ich, der etwas meint \u2013 dass es Gott ist, der glaubt, und nicht ich. Das ist der Sinn.<\/p>\n<p>Der Sinn Gottes ist das Evangelium und nach dem Verst\u00e4ndnis der Evangelien wird stets nur auf den Weg des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe verwiesen \u2013 das h\u00f6ren die Ohren, die h\u00f6ren k\u00f6nnen \u2013 auch wenn wir das heutige Evangelium h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Um dies h\u00f6ren zu k\u00f6nnen \u2013 um dies glauben zu k\u00f6nnen, muss man die Hilfe Gottes erfahren, der dich unter Millionen im Mutterleib erw\u00e4hlt hat. Das ist \u00fcber allem Verstand, wenn man h\u00f6rt, dass diese umfassende Liebe uns gilt, ohne dass man das Gericht Gottes \u00fcber uns erf\u00e4hrt. Dieser Hass, um den er bittet, liefert alle dem Gericht aus &#8211; denn wir k\u00f6nnen nicht danach leben \u2013 hoffentlich! Niemand entgeht so dem Gericht jeden Tag, wenn wir zugleich an seine Gnade glauben sollen. Die Gnade, die Barmherzigkeit, die Vergebung geh\u00f6ren zusammen mit dem Gericht.\u00a0 \u2013 und dies macht Gnade zur Gnade! Und dies bekommst du umsonst \u2013 das ist zugleich das Schwere und das Leichte im Christentum.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfen alten holl\u00e4ndischen Maler hatten einen Sinn daf\u00fcr, das sieht man deutlich an ihren Gem\u00e4lden \u2013 in denen stellen sie selten Menschen dar, die sch\u00f6n sind im \u00fcblichen Sinn. Es handelt sich nicht um Menschen mit feinen, regelm\u00e4\u00dfigen, harmonischen Z\u00fcgen, weder bei Rembrandt im 17. Jahrhundert noch bei Van Gogh im 19. Jahrhundert. Keiner von ihnen will wirklich sch\u00f6ne Menschen malen. Ganz im Gegenteil, k\u00f6nnte man fast sagen. Das liegt nicht daran, wie man vielleicht versucht sein k\u00f6nnte zu glauben, dass Holl\u00e4nder nicht sch\u00f6n sind. Die Sache ist eine ganz andere. Mit ihren Bildern protestierten sie gegen die Verherrlichung von Menschen und ihrer Entwicklung. Es ist als wollten sie uns sagen, dass die Gr\u00f6\u00dfe der g\u00f6ttlichen Gnade uns dort begegnet, wo wir sind. Dort wo wir gefangensind in einer Falle unserer Kindheit, unserer Jugend unserer reifen Zeit \u2013 mit unseren L\u00fcsten und Lastern und gef\u00e4hrlichen Leidenschaften, dort wo wir nicht mehr selbst etwas tun k\u00f6nnen \u2013 das sind die Bilder, die sie malen. Es ist als wollten sie sagen: Verschone uns vor den himmelw\u00e4rts gerichteten Augen und den seligen Blicken! Was sollen wir damit? Nicht die sind es, die uns zeigen, dass Gottes Barmherzigkeit eine lebendige Wirklichkeit ist. Diese Barmherzigkeit zeigt sich nicht in r\u00fchrenden Z\u00fcgen in einem Portrait. Die Barmherzigkeit findet sich im gefallenen \u2013 in dem etwas selbstbewusstem, vielleicht etwas wehen, vielleicht stolzen oder vielleicht \u00e4ngstlichem Menschen.<\/p>\n<p>Es gibt im d\u00e4nischen Fernsehen eine Reklame einer Kosmetikfirma, und die Botschaft in ihr lautet: Weil ich das verdiene! Es ist ja sch\u00f6n und gut, etwas aus sich zu machen \u2013 das dient der Versch\u00f6nerung der Umgebung \u2013 aber Gott gegen\u00fcber k\u00f6nnen wir uns nicht schm\u00fccken, uns verdient machen \u2013 tut man dies dennoch, entfernt man sich nur von der Barmherzigkeit, die herabgestiegen ist zu uns.<\/p>\n<p>So war es auch, als diese Maler ein Menschenportrait malten. Ganz unmittelbar und ohne Ausschm\u00fcckung schilderten sie etwas, was fern von Gott war, fern vom Himmel und seinem Glanz, das ist wahr. Zugespitzt gesagt war es so als s\u00e4he man das Verbrecheralbum der Polizei neben den Engeln Rafaels.<\/p>\n<p>Das Urteil, das der Pinsel des Malers einf\u00e4ngt und das sogleich f\u00e4llt, wenn der der Pinsel die Leinwand verlassen hat \u2013 schlie\u00dft es dann die Gnade Gottes aus? Keineswegs!\u00a0 Denn die gerichteten scharf charakterisierten Menschenwesen, die fern von Gott sind, sind der Barmherzigkeit nahe. Sie ist bei ihnen. Und wer bedarf eigentlich der Barmherzigkeit? Engel oder Gerichtete? Das tun die letzteren, die ersten nicht!<\/p>\n<p>Jesus ist nicht zu den Gerechten gekommen &#8211; dann w\u00e4re er recht allein geblieben \u2013 sondern zu S\u00fcndern. Und sollte jemand im Zweifel sein \u2013 dies sind wir. Und deshalb feiern wir Gottesdienst. F\u00fcr den, der Ohren hat zu h\u00f6ren, ist das deshalb eine Befreiung, diese Worte zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Es f\u00e4llt uns schwer zu verstehen, dass sich Gericht und Gnade vereinbaren lassen, weil wir von der Gerechtigkeit aus denken. Ein gutes und aktuelles Beispiel finden wir, wenn es um die Pl\u00e4tze in der Nationalmannschaft beim Fu\u00dfball f\u00fcr die n\u00e4chste Weltmeisterschaft geht. Hier wird gut und gr\u00fcndlich um die Pl\u00e4tze gek\u00e4mpft. Alle Spieler m\u00fcssen sich gefallen lassen, beurteilt zu werden, ehe es eigentlich losgeht. Und wird man als zu leicht gewogen, dann ist man nicht mehr mit von der Partie. Dann findet man keine Gnade beim Landestrainer \u2013 er f\u00e4llt das Urteil, und man ist drau\u00dfen. So l\u00e4sst man die Gerechtigkeit walten.<\/p>\n<p>Eben dieselben Worte Gericht und Gnade benutzen wir, wenn wir von unserem Verh\u00e4ltnis zu Gott reden. Aber der Unterschied ist deutlich \u2013 Gott gegen\u00fcber gibt es keine Gerechtigkeit \u2013 und die Gnade Gottes wird denen zuteil, die ihrer bed\u00fcrfen, und das tun die, die unter dem Gericht stehen und ihm nicht entkommen k\u00f6nnen. Unter dem Gericht steht der, der nicht Vater und Mutter, Ehefrau und Ehemann, Br\u00fcder und Schwestern und sich selbst hassen kann. Wir m\u00fcssen eingestehen, dass Unverm\u00f6gen zum Leben geh\u00f6rt \u2013 Ohnmacht ist ein Teil des Lebens. Wir sind f\u00fcr das, was wir sollen, nicht gut genug ger\u00fcstet. Wir sind ganz einfach nicht imstande, Jesus nachzufolgen. Das bedeutet dann aber, dass wir nicht nach seiner Gnade, seinem Heil oder seiner Liebe zu streben brauchen. Wir sind nie imstande, das Kreuz Jesu zu tragen \u2013 deshalb hat er es selbst getragen. Das will unser Herr mit diesen scharfen Worten deutlich machen.<\/p>\n<p>Aber \u2013 um nun im Bilde zu bleiben \u2013 unter dem Portrait hat der Maler seinen Namen, seine Signatur angebracht, m.a.W. er steht zu seinem Werk. So hat Gott seine Signatur unter dem Portrait \u2013 unter deinem Leben \u2013 angebracht. Er kennt jeden Millimeter in diesem Bild. Er hat dich durchschaut, aber dennoch steht da sein Name. Er steht zu seinem Bild.<\/p>\n<p>Es ist fast unm\u00f6glich sich vorzustellen, dass Liebe gratis ist. Aber der Trost Gottes ist dies: Wenn du nicht gut genug bist, dann brauchst du es nicht zu sein \u2013 du brauchst nicht so zu tun, als w\u00e4rest du es. Du bist dennoch geliebt \u2013 du bist geliebt, auch wenn du durchschaut bist als der, der nicht alle diese Gesetze und Gebote erf\u00fcllen kann. Dir ist vergeben \u2013 deine S\u00fcnden sind dir vergeben. Das ist zugleich Gericht und Gnade Gottes.<\/p>\n<p>Und das h\u00f6re der, der Ohren hat zu h\u00f6ren. Amen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Propst Preben Kr\u00e6n Christensen<br \/>\nDK-6710 Esbjerg V<br \/>\nE-Mail: pkch(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a02. So. n. Trinitatis |\u00a026.06.22 | Lk 14,25-36 | Preben Kr\u00e6n Christensen | Lasst mich das sogleich klarmachen: Dies hier ist keine unchristliche Drohung, dass wir so behandelt werden, wie wir es verdient haben. Dies ist vielmehr eine Verhei\u00dfung der Gnade Gottes, die wir nicht verdient haben. 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