{"id":8515,"date":"2022-06-21T09:03:13","date_gmt":"2022-06-21T07:03:13","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=8515"},"modified":"2022-06-21T21:58:18","modified_gmt":"2022-06-21T19:58:18","slug":"jona-3-1-10-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jona-3-1-10-4\/","title":{"rendered":"Jona 3, 1-10"},"content":{"rendered":"<h3>Und Gott sah aus von seiner H\u00f6h\u00b4 | 2. So. n.\u00a0Trinitatis | 26.06.2022 | Jona 3,1-10 | Thomas-M. Robscheit |<\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>nat\u00fcrlich freuen wir uns, wenn etwas gut ausgeht. Unser ganzes Sinnen und Trachten ist darauf ausgerichtet. Sie k\u00f6nnen fast jeden beliebigen Film ansehen, bei den allerwenigsten endet alles im schwarzen Nichts. Am Ende wird alles gut \u2013 das erwarten wir und wahrscheinlich brauchen wir auch diese \u00dcberzeugung um im irdischen Leben bestehen zu k\u00f6nnen, in dem ja bei Leibe nie alles gut ist.<\/p>\n<p>Aber manchmal, manchmal da \u00e4rgern wir uns auch, wenn etwas gut ausgeht. Ja, Sie haben richtig geh\u00f6rt! Manchmal \u00e4rgern wir uns, wenn etwas positiv endet. \u201eDer h\u00e4tte eigentlich eine Abreibung verdient\u2026!\u201c; und wir sind entt\u00e4uscht, wenn es schlechten Menschen gut ergeht. So geht es auch dem Jona. Wie gut k\u00f6nnen wir uns doch in ihn hineinversetzen!<\/p>\n<p>Doch der Reihe nach. Zun\u00e4chst hat er Sorge, dass er mit Gottes Auftrag aneckt: die werden mich nicht f\u00fcr voll nehmen, wer wei\u00df was mir alles angetan wird! \u00dcberbringer einer schlechten Nachricht will niemand sein. Er flieht, sie kennen die Geschichte. Schlie\u00dflich \u00fcberwindet er sich und geht nach Ninive, predigt dort das drohende Unheil und ruft zur Umkehr auf.<\/p>\n<p>Und, es geschieht das Unerwartete: sowohl die Bev\u00f6lkerung als auch der K\u00f6nig nehmen ihn ernst. Das w\u00fcnscht man sich, nicht nur als Prediger! Meistens ist es anders. Wie oft steht man als Mahner in der W\u00fcste und wird dann dort auch stehen gelassen! Seit wie vielen Jahrzehnten wird gemahnt, dass wir \u00fcber unsere Verh\u00e4ltnisse leben? Der club of rome war prominenter Mahner, unz\u00e4hlige Initiativen in Ost und West haben zur Bewahrung der Sch\u00f6pfung aufgerufen, fr\u00fchzeitig vor der Klimakatastrophe gewarnt, zur Umkehr aufgerufen. Seit Jahrzehnten wird Friedensarbeit geleistet und Gerechtigkeit zwischen den Menschen und V\u00f6lkern angemahnt. Und, wurde auf die Mahner geh\u00f6rt? Wieviele sind durch ihr Gewissen oder ihren Verstand aufgestanden und haben anderen die Augen \u00f6ffnen wollen, haben Spiegel vorgehalten und Prognosen.\u00a0 So wie Jona. So aussichtslos.<\/p>\n<p>Doch auf den wird geh\u00f6rt! Was f\u00fcr ein Traum!<\/p>\n<p>Jona kann gl\u00fccklich sein! Ist er aber nicht. Er \u00e4rgert sich: Strafe h\u00e4tten die Menschen in Ninive doch verdient! So meint er.\u00a0 Oder meint er, ich h\u00e4tte lieber Recht behalten: \u201eIch hab\u00b4s ja schon immer gesagt, dass nimmt ein schlimmes Ende.\u201c Doch so, mit Gottes Gnade? Wer wird sich sp\u00e4ter da erinnern und sagen: \u201eGut, dass wir auf den Jona geh\u00f6rt haben?\u201c Niemand! Es ist ja alles gut gegangen. Es wei\u00df keiner, dass alles auf Messers Schneide stand. Und Jona? Er ist sich nicht einmal selber sicher: Vielleicht w\u00e4re die Stadt auch ohne meine Predigt nicht untergegangen.\u201c, fragt er sich und ganz menschlich verblasst das Unscheinbare und sein Beitrag zur guten Wendung. Ihm dankt keiner; allenfalls wird er als Panikmacher verspottet: schlie\u00dflich ist es ja gar nicht so schlimm gekommen.<\/p>\n<p>Das ist heute nicht anders. Deswegen k\u00f6nnen wir den \u00c4rger des Jona so gut nachvollziehen. Deswegen lohnt es sich aber auch, auf das Rufen der vergangenen Jahre zur\u00fcck zu blicken! Wie w\u00e4re die Welt, wenn es die Mahner nicht gegeben h\u00e4tte? Der immer lautere Aufschrei wegen des Waldsterbens in den 80er &amp; 90er Jahren? Als saurer Regen unsere W\u00e4lder krank und tot gemacht hat. H\u00e4tten diese W\u00e4lder \u00fcberhaupt noch eine Chance bei der Trockenheit unserer Zeit gehabt? Es wurde umgedacht. Die Verbannung des verbleiten Kraftstoffes, der Bremsbel\u00e4ge mit Asbest. Das Aus f\u00fcr FCKW oder strengere Regeln beim Verwenden von Pestiziden und D\u00fcngemitteln. Das alles h\u00e4tte sich nicht zum Besseren gewendet, h\u00e4tte es nicht unz\u00e4hlige Menschen wie den Jona gegeben. Die sehenden Auges unbequem wurden, wachr\u00fcttelten und drastische Folgen des Weiter-So an die Wand malten. Wurde es ihnen gedankt, hat jemand gesagt: \u201eGut, dass Sie so unbequem hartn\u00e4ckig waren!\u201c? Meistens nicht; es ist ja nochmal gut gegangen.<\/p>\n<p>Der Frust ist verst\u00e4ndlich, der des Jona und der der Namenlosen, die immer wieder die Menschen zum Umdenken bringen. Die Jona-Geschichte ist f\u00fcr mich eine Geschichte, die den Blick auf die erfolgreichen, aber nicht wahrgenommenen Prophetinnen und Propheten lenkt. Wieviel verdanken wir ihnen!<\/p>\n<p>Und sie ist eine hoffnungsvolle Geschichte! Menschen k\u00f6nnen auf die Mahner h\u00f6ren, sie k\u00f6nnen ihr Verhalten \u00e4ndern. Beispielhaft in Ninive, im R\u00fcckblick auf die Jahrzehnte unseres Lebens sehen wir aber: auch in unserer Zeit geschieht das.<\/p>\n<p>Ninive ist nicht untergegangen, sie haben, wie man so sch\u00f6n sagt, gerade noch die Kurve gekriegt. Aber nicht dadurch, dass Gott alles durchgehen lie\u00df. Nein, dadurch, dass die Menschen sich um Ver\u00e4nderung ihres Denkens und Handelns bem\u00fcht haben. Ihr Ansto\u00df war Jona mit seiner Predigt.<\/p>\n<p>Wie sieht das bei uns aus? H\u00f6ren Sie auf die mahnenden Worte der Unbequemen? Sind sie bereit sich &amp; Ihr Tun zu hinterfragen? Werden Sie Ihre Einstellungen und Ihr Verhalten \u00e4ndern? So dass auch \u00fcber uns einmal gesagt werden kann: Als aber Gott ihr Tun sah, wie sie umkehrten von ihrem b\u00f6sen Wege, reute ihn das \u00dcbel, das er ihnen angek\u00fcndigt hatte, und tat&#8217;s nicht.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Thomas-M. Robscheit<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Buchempfehlung: Klaus-Peter Herztsch; Die Geschichte von Jona und der sch\u00f6nen Stadt Ninive, in: Der ganze Fisch war voll Gesang : Biblische Balladen zum Vorlesen \/ Klaus-Peter Hertzsch.\u00a0 <a href=\"https:\/\/d-nb.info\/1059932210\">https:\/\/d-nb.info\/1059932210<\/a><\/p>\n<p>Die Ballade sollte unbedingt im Gottesdienst vorgelesen werden, ggf, dann die Predigt lieber etwas k\u00fcrzer halten!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und Gott sah aus von seiner H\u00f6h\u00b4 | 2. So. n.\u00a0Trinitatis | 26.06.2022 | Jona 3,1-10 | Thomas-M. Robscheit | Liebe Gemeinde, nat\u00fcrlich freuen wir uns, wenn etwas gut ausgeht. Unser ganzes Sinnen und Trachten ist darauf ausgerichtet. Sie k\u00f6nnen fast jeden beliebigen Film ansehen, bei den allerwenigsten endet alles im schwarzen Nichts. 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