{"id":8541,"date":"2022-06-28T14:08:32","date_gmt":"2022-06-28T12:08:32","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=8541"},"modified":"2022-06-29T14:10:36","modified_gmt":"2022-06-29T12:10:36","slug":"lukas-1511-32-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-1511-32-3\/","title":{"rendered":"Lukas 15,11-32"},"content":{"rendered":"<h3>3. Sonntag nach Trinitatis | 03.07.22 | Lk 15,11-32 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Lasse R\u00f8dsgaaard Lauesen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dieses Gleichnis geh\u00f6rt zu den absolut wichtigsten Erz\u00e4hlungen der Kirche \u00fcber Gott. Es ist so klar, dass Jesus nicht \u00fcber es gepredigt hat. Jesus hat es nur erz\u00e4hlt, und dann konnte jeder sich selbst und Gott darin sehen. Man denke, wir k\u00f6nnten mit den beiden S\u00f6hnen sprechen und mehr dar\u00fcber erfahren, wer Gott eigentlich ist. Lasst uns den Versuch machen und den beiden S\u00f6hnen einige Fragen stellen. Wir beginnen mit dem j\u00fcngsten Sohn.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Frage: <\/strong>\u00a0Wie ist dein Vater?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Sohn 1: <\/strong>Tja, er gab mir die Freiheit, von zuhause fortzugehen. Ich kam zu ihm und fragte, ob ich mein Erbe schon vor seinem Tod bekommen k\u00f6nnte. Dann reiste ich hinaus in die Welt, weg von meiner Familie und lebte mein Leben. Mir ging es so gut, dass ich alles \u00fcber meine Familie verga\u00df und wo ich eigentlich Zuhause war. Als mir das Geld ausging und eine Hungersnot kam, versuchte ich Arbeit zu finden, um mich selbst zu versorgen. Nicht mehr an irgendeinen Ort in der Welt gebunden zu sein. Nur die Freiheit zu haben, die das schenkt, dass man Geld hat und machen kann, was man will. Ich fand keine Arbeit, ich fing an zu hungern, und pl\u00f6tzlich dachte ich an das Essen zuhause bei meinem Vater. Ich fing an, mich nach Hause zu sehnen, und musste in mich gehen. Ich erinnere mich noch immer daran, wie ich mit schweren Schritten nachhause ging. W\u00fcrde er mich empfangen. W\u00fcrde es gen\u00fcgen, sich zu entschuldigen und zuzugeben, dass ich ges\u00fcndigt habe? W\u00fcrde ich dann wieder satt werden k\u00f6nnen? Der Tag wurde zu einer Wende in meinem Leben. Ich ging mit schweren Schritten und schaute auf die Erde, aber als ich aufblickte, lief der Alte mnir entgegen und fiel mir um den Hals. Ich sagte die Worte, auf die ich mich vorbereitet hatte, aber der Alte war mehr damit besch\u00e4ftigt, dem Diener zu sagen, dass man mit der feinsten Kleidung kommen und ein Kalb schlachten solle.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Frage:<\/strong> Warum was das f\u00fcr dich ein entscheidender Tag?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Sohn 1: <\/strong>Ja, denn ich musste in mich gehen und konnte nun sehen, dass ich auch drau\u00dfen in der Welt davon lebte, einen Ort zu haben, woi ich zuhause war und wo ich nachhause kommen konnte. Er war trotzdem mein Vater, auch wenn ich um das Erbe gebeten hatte und fortgereist war und damit so getan hatte als sei ich tot.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Frage: <\/strong>Hast du dich entschuldigt?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Sohn 1: <\/strong>Ich sagte die Worte, aber ob er sie geh\u00f6rt hat, wei\u00df ich nicht. Er war nur froh. Und das \u00fcberraschte auch mich. Ich hatte geglaubt, er w\u00fcrde erst eine Entschuldigung verlangen und sich erst dann \u00f6ffnen f\u00fcr mich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Frage:<\/strong> Du sagst also, dass seine Liebe dich \u00fcber alles liebte, weil ihr eine Beziehung zwischen Vater und Sohn hattet. Eine Liebe, die den Bruch \u00fcberlebte, der geschah, als du sein Geld verprasst hattest. Aber du hattest dir auch gedacht, dass eine Entschuldigung alles wieder gut macht und nicht die Liebe, die noch immer zwischen Euch war?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Sohn 1: <\/strong>Ja, er sah deswegen nicht auf mich herab f\u00fcr das, was ich getan hatte, er machte mir keine Vorw\u00fcrfe, dass ich nicht auf mich selbst aufpassen konnte. Er erkannte mich auch nicht an wegen meiner Entschuldigung, er liebte mich nur. Als er mir um den Hals fiel und mich k\u00fcsste, war es als st\u00fcnde die Zeit stille, und ich war sein kleiner Sohn, der nachhause gekommen war.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Frage: <\/strong>Dir wurde klar, was Liebe eigentlich ist. Der Vater, den du kennst, schenkt dir also die Freiheit selbst zu entscheiden, und genug Liebe, dich zu lieben als du in dich gingst um heimkehrtest.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Sohn 1: <\/strong>\u00a0Ja.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Frage: <\/strong>Lasst uns deinen gro\u00dfen Bruder fragen, wie er sich an den Tag erinnert.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Sohn 2: <\/strong>\u00a0Das tue ich, aber lass mich woanders beginnen. Denn ich erinnere mich, als du weggingst. Vater hoffte bis zuletzt, dass du umkehren w\u00fcrdest, er blickte dir nach. Schlie\u00dflich war da nur ein kleiner Punkt am Horizont. Ich lie\u00df die Knechte ihm Wasser hinauszubringen, er war so still, und auch wenn ich mir extra viel M\u00fche gab, dass alles in der kommenden Zeit gut w\u00fcrde, war es die Trauer um dich, die seinen Blick auf den Boden senken lie\u00df.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Frage: <\/strong>\u00a0Wurdest du w\u00fctend?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Sohn 2: <\/strong>Ja, er liebte das, was verloren war, ihn, der uns den R\u00fccken gekehrt hatte, aber nicht all das, was ich tat. Dass ich den Hof wieder in Schuss brachte, daf\u00fcr hatte er keinen Blick. Ich wollte f\u00fcr diese Arbeit geliebt werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Frage: <\/strong>Verwechselst du hier nicht Liebe mit Anerkennung?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Sohn 2: <\/strong>Was meinst du eigentlich damit? Ist es nicht so, dass wir viel tun, f\u00fcr das wir gern geliebt werden wollen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Frage:<\/strong> Nein, so ist die Liebe nicht, sie ist keine Handelsware. W\u00e4re es nicht verkehrt, wenn dein Vater sagen w\u00fcrde: <em>Ich liebe dich, weil du hart f\u00fcr mich gearbeitet hast<\/em>? Dann best\u00fcnde eure Beziehung darin, dass du arbeiten sollst und er genie\u00dfen kann. Was er dir sagen sollte, ist wohl dasselbe, was dein Bruder entdeckt, dass dein Vater dich liebt, weil du sein Sohn bist \u2013 ein unverbr\u00fcchliches Band, das die Familie zusammenbindet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Sohn 2: <\/strong>Da ist wohl etwas dran.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Frage: <\/strong>Hast du sich gefreut, als dein Bruder zur\u00fcckkam?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Sohn 2: <\/strong>Eigentlich nicht, ich war drau\u00dfen auf dem Feld, niemand hat mir erz\u00e4hlt, dass er zur\u00fcckgekehrt war. Aus ich m\u00fcde nachhause kam, hatte das Fest schon begonnen. Niemand hatte mir etwas gesagt. Ich musste einen Knecht fragen, was das alles bedeutete.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Frage: <\/strong>F\u00fchltest du dich ausgeschlossen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Sohn 2: <\/strong>Ja, ein Knecht erz\u00e4hlte mir, dass mein Bruder wohlbehalten zur\u00fcckgekehrt war und alle ohne mich feierten. Das machte mich w\u00fctend, un dich wollte nicht hineingehen. Vater hatte doch die Freude mit mir teilen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Frage: <\/strong>\u00a0Hat dein Vater dich gesehen, als er deinen Bruder von weitem sah?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Sohn 2: <\/strong>Er kam hinaus zu mir, aber ob es die Knechte waren, die ihn auf diese Idee gebracht haben, oder ob ich ihm beim Fest fehlte, das wei\u00df ich nicht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Frage: <\/strong>\u00a0Glaubst du nicht, dass ein Vater mit zwei S\u00f6hnen den einen vermisst, wenn er nicht da ist?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Sohn 2: <\/strong>Ja doch, vielleicht den J\u00fcngsten, aber er kam ja heraus zu mir und wollte mich mit dabei haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Frage:<\/strong> Was hast du da gesagt?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Sohn 2: <\/strong>Dass er mir nie einen Bock gegeben, damit ich mit meinen Freuden feiern konnte \u2013 trotz all dem, was ich f\u00fcr ihn getan habe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Frage: <\/strong>\u00a0Wei\u00dft du noch, was er dann gesagt hat?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Sohn 2: <\/strong>Ja, er sagte: <em>Mein Sohn, du bist allezeit bei mir und alles, was mein ist, das ist dein. Du solltest aber fr\u00f6hlich und guten Mutes sein, denn dieser Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden. <\/em>Er soll mir nicht erz\u00e4hlen, was ich soll.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Frage: <\/strong>\u00a0Nein, wenn du zornig bist, kann dir niemand erz\u00e4hlen, wann es an der Zeit ist, wieder zu lieben. Die Liebe der Menschen ist nicht wie die Liebe Gottes, die vieles ertragen kann, ehe sie zu Zorn wird. Was nun, wenn wir das Wort <em>solltest<\/em> liegen lassen und auf all das andere sehen, was er gesagt hat. Hast du das geh\u00f6rt?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Sohn 2: <\/strong>Das war wohl vor allem das, was ich <em>sollte<\/em>, was ich an dem Tag mitbekommen habe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Frage: <\/strong>Wenn ich die Worte h\u00f6re, die dein Vater gesagt hat, denke ich daran, wie ihr beide, du und dein Vater, miteinander gelebt und alles geteilt habt. Ihr wart eine Einheit, vielleicht in einem Verstehen ohne Worte, das nie formuliert wurde oder durch einen Bock anerkannt wurde. Ihr wusstet nur, dass ihr einander liebtet, und ihr habt alles geteilt, bis da Eines Tages Zweifel kamen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Hat die Liebe deines Vaters zu deinem Bruder dich daran zweifeln lassen, dass er auch dich liebt?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Sohn 2: <\/strong>Ja.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Frage: <\/strong>Kannst du die Einheit sehen, die ihr immer gehabt hattet, und wie dein Bruder Dinge von deinem Vater bekommen hat; das Erbe, Kleider und ein Fest. Du m\u00f6chtest vielleicht auch etwas haben?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Sohn 2: <\/strong>Ja.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Frage: <\/strong>Ihr habt vielleicht beide etwas f\u00fcr euch selbst haben wollen und wolltet nicht nur alles mit einander teilen. Dein kleiner Bruder war nur so frech, dass er es offen gesagt hat, w\u00e4hrend du sehr wohl wusstest, wie man sich verhalten muss.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Sohn 2: <\/strong>Ich wei\u00df nicht, warum ich einen Beweis f\u00fcr die Liebe brauchte. Braucht ihr nicht auch manchmal einen Beweis? Gen\u00fcgt es, dass man nur neben einander her lebt? Und blo\u00df daran glaubt, dass ihr geliebt seid? So geht es wohl allen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Frage: <\/strong>\u00a0Bist du mit zum Fest gegangen und hast mit den anderen gefeiert?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Sohn 2: <\/strong>Das will ich nicht beantworten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Frage: <\/strong>Liebst du deinen Bruder nur, wenn er f\u00fcr dich auf dem Hof schuftet, bis er genug geb\u00fc\u00dft hat f\u00fcr den Zorn, den du offenbar in dir hast?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Sohn 2: <\/strong>\u00a0So kannst du das nicht hinstellen. Du sagst ja selbst, dass man sich Liebe nicht verdienen kann, sondern dass sie geschenkt wird.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Frage:<\/strong> So ist die Liebe Gottes, die Liebe von uns Meschen ist nicht grenzenlos. Denke daran, dass Jesus sagt, dass dieses Gleichnis davon handelt, wie Gott Vater ist, nicht wie wir uns als Kinder verhalten sollen. Vielleicht w\u00e4re es f\u00fcr dich als gro\u00dfen Bruder leichter, wenn wir uns einig werden k\u00f6nnten, wenn dein Bruder ein Jahr auf dem Hof gearbeitet hat, dann kannst du deinen Zorn gut fahren und in Liebe verwandeln lassen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">W\u00e4re die Arbeit deines Bruders ein Beweis?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Sohn 2: <\/strong>Eigentlich nicht, ich muss nur auf die Liebe warten. Und glauben, dass ich nach meinem Zorn lieben kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Frage: <\/strong>Gott liebt dich jedenfalls, auch wenn du nicht das tust, was du nach der Meinung deines Vaters tun solltest.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Sohn 2: <\/strong>Danke, ich glaube, dass Vater mich liebt jund alles, was mein ist, ist sein, auch wenn er mir keinen Bock als Beweis gibt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Frage: <\/strong>\u00a0So leben wir wohl alle davon, dass wir daran glauben, geliebt au sein, nicht wahr?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Kirche ist der Ort, in den wir gehen, wenn wir w\u00fctend sind \u00fcber uns selbst und \u00fcber einander. Hier k\u00f6nnen wir kommen und die Vergebung Gottes empfangen, wie der kleine Bruder, f\u00fcr das, was wir uns nicht selbst verzeihen k\u00f6nnen, und wie der gro\u00dfe Bruder das, was wir einander nicht vergeben k\u00f6nnen. Hier begegnen wir uns im Glauben daran, dass es eine Liebe gibt, die all das umfassen kann und die uns mit offenen Armen annimmt, auch wenn wir uns nach einem Beweis sehen sollten. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">___<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastor Lasse R\u00f8dsgaard Lauesen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">DK-5000 Odense<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-Mail: lrl(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3. Sonntag nach Trinitatis | 03.07.22 | Lk 15,11-32 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Lasse R\u00f8dsgaaard Lauesen | Dieses Gleichnis geh\u00f6rt zu den absolut wichtigsten Erz\u00e4hlungen der Kirche \u00fcber Gott. Es ist so klar, dass Jesus nicht \u00fcber es gepredigt hat. Jesus hat es nur erz\u00e4hlt, und dann konnte jeder sich selbst und Gott darin sehen. 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