{"id":9004,"date":"2021-02-07T19:49:56","date_gmt":"2021-02-07T19:49:56","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9004"},"modified":"2022-08-09T18:50:03","modified_gmt":"2022-08-09T16:50:03","slug":"hebraeer-10-23-25","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/hebraeer-10-23-25\/","title":{"rendered":"Hebr\u00e4er 10, 23-25"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<table border=\"0\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><a name=\"top\"><\/a><b><a href=\"http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/\">G\u00f6ttinger<br \/>\nPredigten im Internet<br \/>\nhg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch <\/a><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><b><span style=\"color: #000099;\">1<\/span><span style=\"color: #000099;\">.<br \/>\nAdvent, 2. Dezember 2001<br \/>\nPredigt \u00fcber Hebr\u00e4er 10, 23-25 , verfa\u00dft von Ulrich Nembach<\/p>\n<p><\/span> <\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Advent ist. Die Erwartungen sind da, und sie sind gro\u00df &#8211; trotz<br \/>\nund gerade wegen Afghanistan und Bin Laden. Wer noch nicht in der richtigen<br \/>\nStimmung ist, wird von anderen angesteckt und l\u00e4sst sich gerne anstecken.<br \/>\nMir erging es auch so. Das warme Wetter, gr\u00fcne Felder, noch keine<br \/>\nSchneeprobleme &#8211; sonst war um diese Jahreszeit die Autobahn schon einmal<br \/>\nzu gewesen; Autos, besonders LKWs kamen die Kasseler Berge nicht hoch,<br \/>\nrutschten, und alles stand f\u00fcr Stunden &#8211; da fehlte mir einiges. Das<br \/>\n\u00e4ndert sich, wenn andere uns ansprechen. Bei mir war es der Posaunenchor.<br \/>\nSeine Mitglieder sind voller Vorfreude. Freudige Adventslieder wurden<br \/>\nf\u00fcr unseren Gottesdienst vorgeschlagen. Sie nahmen mich mit in ihrer<br \/>\nVorfreude, und ich lie\u00df mich gern mitnehmen. Die Vorfreude gilt<br \/>\nWeihnachten.<\/p>\n<p>Wie bereiten wir uns vor? Vielleicht eine nicht sehr intelligente Frage,<br \/>\ndenken Sie jetzt. Ich gestehe, dass ich mich etwas scheue, diese Frage<br \/>\nzu stellen. Aber ist die Frage wirklich banal? Richtig, wir alle kennen<br \/>\nWeihnachten und feiern es gern. Wir wissen auch schon, wie wir es dieses<br \/>\nMal feiern werden. Geschenke sind gekauft, oder wenigstens in Gedanken<br \/>\nschon ausgesucht. Das ist richtig, aber ist es auch die ganze Wahrheit?<br \/>\nDer Predigttext ist anderer Meinung und die, die ihn f\u00fcr den heutigen<br \/>\nSonntag uns vorschlagen, sind ebenfalls anderer Meinung.<\/p>\n<p>H\u00f6ren Sie:<br \/>\n&#8222;La\u00dft uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht<br \/>\nwanken; denn er ist treu, der sie verhei\u00dfen hat; und lasst uns aufeinander<br \/>\nAcht haben und uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken und nicht verlassen<br \/>\nunsere Versammlungen, wie einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen,<br \/>\nund das um so mehr, als ihr seht, dass sich der Tag naht.&#8220; (Hebr.<br \/>\n10, 23-25).<\/p>\n<p>I.<br \/>\nBekenntnis. &#8222;Typisch Kirche&#8220;, mag es Ihnen jetzt durch den Kopf<br \/>\ngegangen sein. Richtig, und wieder ist es nicht die ganze Wahrheit.<\/p>\n<p>Schauen wir uns einmal um. Hier hinter unserer Kirche steht das alte<br \/>\nRathaus. Dorthin kommen festlich gekleidete Paare. Freunde, Eltern begleiten<br \/>\nsie. Sie wollen heiraten. Sie kommen in das sch\u00f6ne alte Rathaus,<br \/>\num sich ihr Ja in einem festlichen Rahmen zu geben. Sie legen Wert darauf.<br \/>\nManche leben schon Jahre zusammen, nun wollen sie es wissen und klar zum<br \/>\nAusdruck bringen: Ich will Dich.<\/p>\n<p>Paare kommen aus demselben Grund in diese Kirche, zu diesem Altar. Sie<br \/>\nbitten zugleich um Gottes Segen f\u00fcr ihren gemeinsamen Weg.<\/p>\n<p>Bekenntnis ist der Wille zu einer Lebenseinstellung. So ist das christliche<br \/>\nBekenntnis der Wille, Christ zu sein. Da Ja der Trauung ist der Wille,<br \/>\nsein Leben gemeinsam mit der bzw. dem anderen zu teilen.<\/p>\n<p>Um was f\u00fcr eine Bekenntnis geht es im Text? &#8222;Bekenntnis der<br \/>\nHoffnung&#8220; lesen wir. Die Formulierung ist unbekannt. Sie kommt auch<br \/>\nnur hier im Neuen Testament vor. Schauen wir darum im Text nach, was damit<br \/>\ngemeint sein k\u00f6nnte. Der Text kommt uns dabei selbst zur Hilfe. Die<br \/>\nfolgenden Verse konkretisieren das Gemeinte. Sie sagen und zwar klar,<br \/>\nworin die hier gemeinte Lebenseinstellung besteht. Die Verse werden so<br \/>\nkonkret, dass sie uns fast zu konkret sind. So genau wollten wir es eigentlich<br \/>\nnicht wissen. Das hat ja zur Folge, dass wir dann auch unser Leben entsprechend<br \/>\neinstellen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>II.<br \/>\nZun\u00e4chst wird die Liebe genannt. Sie wird n\u00e4her beschrieben<br \/>\nals Aufforderung: &#8222;La\u00dft uns aufeinander achthaben.&#8220;<\/p>\n<p>Eine heikle Aufforderung bekommen wir zu h\u00f6ren. Auf den anderen<br \/>\nachtzuhaben, ist uns in unguter, sehr unguter Erinnerung aus der Zeit<br \/>\nder DDR. Auf der anderen Seite haben wir ein ungutes Gef\u00fchl, wenn<br \/>\nwir wieder einmal in der Zeitung lesen, dass ein Toter tagelang in seiner<br \/>\nWohnung lag und niemand, keine Nachbarn ihn entdeckten. Achtzuhaben und<br \/>\nachtzuhaben ist nicht dasselbe. Bei der Trauung ist die Rede davon, auf<br \/>\ndie, auf den anderen acht zu haben &#8222;in guten und in schlechten Tagen&#8220;.<br \/>\nEine reiche Erfahrung aus Jahrhunderten zeigt sich hier. Die Erfahrung<br \/>\nwird mit dem christlichen Leben, der christlichen Lebenseinstellung zusammengebracht.<\/p>\n<p>Genau das meint unser Text. Er f\u00e4hrt n\u00e4mlich fort, dass wir<br \/>\nuns anreizen sollen zur Liebe und zu guten Werken. Die guten Werke werden<br \/>\nvon uns Evangelischen schnell abgehakt. Wir verweisen dabei auf Luther.<br \/>\nNur der sagte mit Recht, dass wir uns mit guten Werken nicht den Himmel<br \/>\nverdienen k\u00f6nnen. Deshalb k\u00f6nnen sie aber getan werden und sollen<br \/>\ngetan werden. Was soll ich meinem N\u00e4chsten tun, wenn ich ihm nicht<br \/>\nhelfe, ihm ein gutes Werk tue?<\/p>\n<p>III.<br \/>\nDann gibt es noch eine weitere Konkretion. Wir sollen nicht unsere Verrammlungen<br \/>\nverlassen, wie das offensichtlich schon damals einige taten.<\/p>\n<p>Wieder werden manche nun denken: das ist typisch Kirche. Richtig, aber<br \/>\nauch diese Aussage ist nicht die ganze Wahrheit.<\/p>\n<p>Warum begn\u00fcgen wir uns immer mit halben Wahrheiten? Gehen wir wenigstens<br \/>\nheute morgen einmal aufs Ganze. Der Text spricht zuvor von der Liebe zu<br \/>\neinander. Will er uns dann anschlie\u00dfend plagen, ein schlechtes Gewissen<br \/>\nmachen? Ich denke nein.<\/p>\n<p>Konsequent wird die Liebe nun dargestellt, konkretisiert. Wie will ich<br \/>\ndem N\u00e4chsten Gutes tun, wenn ich ihm aus dem Wege gehe?<\/p>\n<p>Ich erlebte Gemeinschaft auf einem Universit\u00e4tscampus. Ich war zu<br \/>\nfr\u00fch da. Es war Sonntagmorgen. Ich wusste nichts so rechtes, mit<br \/>\nmir und meiner Umgebung anzufangen. Da kam eine Frau und sprach mich an:<br \/>\n&#8222;Do you feel a bit alone?&#8220; Ich erschrak. Es war eine ungew\u00f6hnliche<br \/>\nRede. Ich hatte sie noch nie geh\u00f6rt. Dann dachte ich, die Frau hat<br \/>\nrecht, vollkommen recht. Ich bejahte, und sie sagte, ich solle zum Gottesdienst<br \/>\nmitkommen. Der beginne gleich. Ich ging mit. Ich wurde begr\u00fc\u00dft.<br \/>\nIch war auch nicht schwer als Fremder zu erkennen. Ich war der einzige<br \/>\nWei\u00dfe unter Maoris. Es war in Auckland. Alles ging gut, bis die<br \/>\nPredigt begann. Hier sprach der Prediger in seiner Sprache und nicht in<br \/>\nEnglisch wie zu vor. Ich verstand nichts. Und doch dachte ich: &#8222;Das<br \/>\nkommt mir vertraut vor. Das ist wie bei uns. So k\u00f6nnte auch ein Student<br \/>\nbei uns predigen.&#8220; Nachher erfuhr ich, dass er wirklich ein Student<br \/>\nwar, der seine erste Predigt hielt. Ich war da schon zum Mittagessen eingeladen<br \/>\nworden, das wir gemeinsam zubereiteten. Das ging ganz anders zu als bei<br \/>\nuns. Pausen wurden gemacht und viel erz\u00e4hlt, auch von den eigenen<br \/>\nW\u00fcnschen, wo man herkommt usw. Ich war direkt dabei. Es war sch\u00f6n,<br \/>\nso dass ich es bis heute nicht vergessen habe.<\/p>\n<p>IV.<br \/>\nSchlie\u00dflich gibt der Text eine Begr\u00fcndung f\u00fcr seine Aufforderungen.<br \/>\n&#8222;Der Tag naht sich.&#8220; Gemeint ist die Wiederkunft Christi. Advent<br \/>\nmeint die Geburt Jesu, woran wir bei Advent zun\u00e4chst denken, aber<br \/>\nAdvent ist auch die Zeit der Vorbereitung auf Jesu Wiederkunft. Er kommt<br \/>\nzweimal, das erste Mal zu Weihnachten und dann bei seiner Wiederkunft.<\/p>\n<p>Die letzten Worte der Bibel, auf der letzten Seite ganz am Schluss, lauten<br \/>\ndeshalb: &#8222;Amen, ja, komm, Herr Jesus!&#8220; Und es folgt nur noch<br \/>\nder Segen: &#8222;Die Gnade des Herrn Jesu sei mit allen&#8220;.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p><b>Prof. Dr. Dr. Ulrich Nembach<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:unembac@gwdg.de\">unembac@gwdg.de<\/a><br \/>\n<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch 1. Advent, 2. Dezember 2001 Predigt \u00fcber Hebr\u00e4er 10, 23-25 , verfa\u00dft von Ulrich Nembach Liebe Gemeinde, Advent ist. Die Erwartungen sind da, und sie sind gro\u00df &#8211; trotz und gerade wegen Afghanistan und Bin Laden. 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