{"id":9008,"date":"2002-06-07T19:50:00","date_gmt":"2002-06-07T17:50:00","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9008"},"modified":"2025-04-22T17:28:55","modified_gmt":"2025-04-22T15:28:55","slug":"offenbarung-31-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/offenbarung-31-6\/","title":{"rendered":"Offenbarung 3,1-6"},"content":{"rendered":"<h3>Offenbarung 3,1-6 | Jobst von Stuckrad-Barre |<\/h3>\n<p>1 Und dem Engel der Gemeinde in Sardes schreibe: Das sagt, der die sieben<br \/>\nGeister Gottes hat und die sieben Sterne: Ich kenne deine Werke: Du hast<br \/>\nden Namen, da\u00df du lebst, und bist tot!<br \/>\n2 Werde wach und st\u00e4rke das andere, das sterben will, denn ich habe<br \/>\ndeine Werke nicht als vollkommen befunden vor meinem Gott.<br \/>\n3 So denke nun daran, wie du empfangen und geh\u00f6rt hast, und halte<br \/>\nes fest und tue Bu\u00dfe! Wenn du aber nicht wachen wirst, werde ich<br \/>\nkommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich<br \/>\n\u00fcber dich kommen werde.<br \/>\n4 Aber du hast einige in Sardes, die ihre Kleider nicht besudelt; die<br \/>\nwerden mit mir einhergehen in wei\u00dfen Kleidern, denn sie sind&#8217;s wert.<br \/>\n5 Wer \u00fcberwindet, der soll mit wei\u00dfen Kleidern angetan werden,<br \/>\nund ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens, und<br \/>\nich will seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln.<br \/>\n6 Wer Ohren hat, der h\u00f6re, was der Geist den Gemeinden sagt!<\/p>\n<p>Offenbarung 3,1-6<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Anna, 18 Jahre alt, wieder einmal zu sp\u00e4t dran, schickt ihrem wartenden\u00a0Freund per SMS die Botschaft: &#8222;<b>I.h.d.g.d.l<\/b>.&#8220; (F\u00fcr\u00a0Nicht-Handy-Benutzer: &#8222;Ich habe dich ganz doll lieb!&#8220;) Und der<br \/>\nFreund, eben noch ganz grimmig, sieht seltsam bes\u00e4nftigt aus.<\/p>\n<p>Der Satz, mit dem die Botschaft aus der Offenbarung des Johannes heute\u00a0beginnt, l\u00f6st ganz Anderes aus: &#8222;Schreibe dem Engel der Gemeinde\u00a0in Sardes: Ich kenne deine Werke: Du hast den Namen, da\u00df du lebst,\u00a0und bist tot!&#8220; Na bitte. Alles, was eben noch lebendig und fr\u00f6hlich<br \/>\ndreinschaute, sackt in sich zusammen &#8211; durchschaut; sinnlos, weiter so\u00a0zu tun, als ob&#8230; Auch die matte Gegenwehr verf\u00e4ngt kaum &#8211; wir sind\u00a0doch nicht in Sardes, wo alles drunter und dr\u00fcber gegangen sein mag,\u00a0wir sind doch in NN.<\/p>\n<p>Ich stelle mir vor, ich h\u00e4tte diesen Abschnitt im Gottesdienst am\u00a0ersten Adventssonntag vorgelesen, vor der Er\u00f6ffnung des Basars &#8211;\u00a0was w\u00e4ren das f\u00fcr Reaktion geworden: Unerh\u00f6rt! Was erlauben\u00a0Sie sich eigentlich, unsere ganze Arbeit der letzten Wochen und jetzt\u00a0vor Weihnachten so in den Schmutz zu ziehen; oder: kaum ist man mal in\u00a0der Kirche, wird man auch noch beschimpft: Tot, unvollkommen, besudelt.\u00a0Woher, lieber Herr Pastor, nehmen Sie sich eigenlich das Recht f\u00fcr\u00a0Ihr Urteil &#8211; wie&#8217;s drinnen ausschaut, geht niemanden was an usw.usf.<\/p>\n<p>Es kann so weit gehen, da\u00df die Menschen die Aufforderung zum Neubeginn,\u00a0zur Umkehr gar nicht mehr h\u00f6ren.<b> I.h.d.g.d.l.<\/b>. Ich komme zu\u00a0dir &#8211; wann, wirst du schon sehen!\u00a0Es geht um Sein und Nicht-Sein, um Leben und Tod &#8211; in Sardes. Bei uns.\u00a0Heute. Doch so, da\u00df die H\u00f6rer, die wirklich H\u00f6renden,\u00a0erkennen, Gott will euch aus dem Tod, aus der Oberfl\u00e4chlichkeit,\u00a0aus all der Betriebsamkeit &#8211; und sei es f\u00fcr Weihnachten &#8211; heraus\u00a0zur Lebendigkeit, zur gewonnenen Zeit bringen. Nicht mehr Auge um Auge\u00a0&#8211; dies ewige Zur\u00fcckschlagen der Erwachsenen, die wie Kinder reagieren;\u00a0sondern peace um peace, Frieden um Frieden. Das gilt f\u00fcr den Mittleren\u00a0Osten wie f\u00fcr uns, f\u00fcr Politiker wie Privatleute.<\/p>\n<p>Aber die Form dieser Briefe aus der Offenbarung Johannis, dieser antike\u00a0Stil der Beglaubigung des (Schreibers und des ) Sprechers: Geister und\u00a0Sterne m\u00f6gen in Sardes am Ende des 1. Jahrhunderts eingeleuchtet\u00a0haben; wir, die wir unsere Horoskope aus Zeitschriften entnehmen oder\u00a0von Computern anfertigen lassen, wir sind doch dar\u00fcber l\u00e4ngst\u00a0hinaus&#8230;<\/p>\n<p>Und wer ist eigentlich der Engel, dem dieser bedrohlich wirkende Brief\u00a0gilt &#8211; ein Repr\u00e4sentant der Gemeinde, ein Bote? Der Empf\u00e4nger\u00a0jedenfalls der Botschaft des Auferstandenen.\u00a0(Hier ist mit einem Overhead-Projektor der Ausri\u00df aus einem Engel-Bild\u00a0von Chagall, das Sie leicht auf eine Folie drucken k\u00f6nnen, an die\u00a0Wand, die Decke oder, wie ich es in unserer sehr hellen Kirche tun mu\u00df,\u00a0auf eine Leinwand zu projizieren. &#8211;<\/p>\n<p>(Aus Datenschutzgr\u00fcnden Engel bitte selber raussuchen)<\/p>\n<p>Bei meinen Vorbereitungen fiel mein Blick auf das Fensterbild von Chagall,\u00a0und mit einem Mal sah ich den Engel f\u00fcr Sardes mit ganz anderen Augen.\u00a0Was, wenn er so auss\u00e4he &#8211; freundlich, fast l\u00e4chelnd, mit ausgebreiteten\u00a0Armen, erwartungsvoll, in himmlisches Blau geh\u00fcllt. Und als ich noch\u00a0l\u00e4nger hinschaue auf den Engel, der da tagein, tagaus zu sehen ist,\u00a0aber nicht immer so genaue Beachtung findet, merke ich: Chagall hat diesen\u00a0Engel so gestaltet, da\u00df seine Haltung der des Gekreuzigten \u00e4hnelt,\u00a0doch nicht tot, sondern ganz lebendig, und die Freude spiegelt sich noch\u00a0in dem Kopf zu seiner Linken.<\/p>\n<p>Wer so weit mitgeht, nimmt auch zur Kenntnis, da\u00df dieser Engel\u00a0mit Zeichen j\u00fcdischer \u00dcberlieferung versehen ist; doch das ist\u00a0im Augenblick nicht so vornean wie die \u00dcberlegung: Der Engel der\u00a0Gemeinde wird den Andern in Sardes, in NN., zum Christus, einladend mit<br \/>\noffenen Armen: Kommt, la\u00dft hinter euch, was am Leben hindert, und\u00a0Verzweiflung, Sinnlosigkeit, Tod zur Folge hat. Kommt, seid aufmerksam\u00a0und wach f\u00fcr einander, f\u00fcr eure Zeit, f\u00fcr Gott. Denn ich\u00a0bin unterwegs zu euch, und das zu einer Stunde, die ihr nicht kennt, auch\u00a0nicht kennen m\u00fc\u00dft, weil f\u00fcr euch jederzeit Gottes Zeit\u00a0ist. Das sag den Menschen, die suchen nach dem Leben, die sich nicht mit\u00a0der Oberfl\u00e4che begn\u00fcgen, den Menschen, die Freude und Zeit suchen,\u00a0um Gottes Kommen nicht zu vers\u00e4umen.<\/p>\n<p>Sie werden im Buch des Lebens eingetragen sein. Ihr Name ist in Christi\u00a0Mund &#8211; vor Gott und den Engeln; auch dem Engel f\u00fcr Sardes, dem ich\u00a0vielmals danke f\u00fcr sein leichtes L\u00e4cheln: <b>I.h.d.g.d.l.<\/b><\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Jobst von Stuckrad-Barre, Hannover<br \/>\n<a href=\"mailto:Jobst.vonStuckrad-Barre@evlka.de\">e-mail: Jobst.vonStuckrad-Barre@evlka.de<\/a><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Offenbarung 3,1-6 | Jobst von Stuckrad-Barre | 1 Und dem Engel der Gemeinde in Sardes schreibe: Das sagt, der die sieben Geister Gottes hat und die sieben Sterne: Ich kenne deine Werke: Du hast den Namen, da\u00df du lebst, und bist tot! 2 Werde wach und st\u00e4rke das andere, das sterben will, denn ich habe [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":7872,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[62,1,727,157,853,114,1368,818,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-9008","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-offenbarung","category-aktuelle","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-jobst-v-stuckrad-barre","category-kapitel-03-chapter-03-offenbarung","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9008","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9008"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9008\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23131,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9008\/revisions\/23131"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7872"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9008"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9008"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9008"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=9008"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=9008"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=9008"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=9008"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}