{"id":9030,"date":"2021-02-07T19:49:57","date_gmt":"2021-02-07T19:49:57","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9030"},"modified":"2022-12-30T17:19:38","modified_gmt":"2022-12-30T16:19:38","slug":"2-korinther-4-3-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/2-korinther-4-3-7\/","title":{"rendered":"2. Korinther 4, 3-7"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"color: #0000a0;\">G\u00f6ttinger Predigten im<br \/>\nInternet, hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch<\/span><\/h3>\n<hr \/>\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Epiphanias<\/span><span style=\"color: #000099;\"><br \/>\n6. Januar 2002<br \/>\n2. Korintherbrief 4, 3-7<\/span><\/b><\/h3>\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">verfa\u00dft von Elisabeth\u00a0Tobaben<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>&#8222;Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland&#8220;, sagen die Weisen &#8222;und sind gekommen, ihn anzubeten&#8220;, Noch sind sie auf der Suche, sind noch nicht am Ziel ihrer Tr\u00e4ume. &#8222;Wo ist der neugeborene K\u00f6nig der Juden?&#8220; fragen sie in Jerusalem. Doch im Grunde hat das &#8222;Licht der Erkenntnis&#8220; sie schon l\u00e4ngst erleuchtet, sie ahnen, dass es etwas ganz besonderes auf sich haben muss mit diesem Kind!. Das Licht, der Stern wird sie weiter leiten, wird vor ihnen hergehen.<\/p>\n<p>Sie werden es finden, das Kind in der Krippe, sie werden ihm glauben, es anbeten und ihm ihre Geschenke bringen. Und sie werden auch ihren Tr\u00e4umen glauben, eine g\u00f6ttliche Weisung darin erkennen und K\u00f6nig Herodes ihre Erfahrung und ihren neugewonnenen Glauben verschweigen. Auf einem andern Weg werden sie wieder in ihr Land ziehen. Und so werden sie zur Rettung des Neugeborenen beitragen. Die Eltern k\u00f6nnen fliehen mit dem weinige Tage alten Kind<\/p>\n<p>Das Licht der Erkenntnis hat die Weisen bewegt, und es hat auch diesem Festtag heute seinen Namen gegeben: Epiphanias, Erscheinungsfest &#8211; Menschen erkennen in einem Kind, das aussieht wie alle anderen Neugeborenen den Heiland und Retter der Welt! Abgeschriebene Hirten, ausl\u00e4ndische Sterndeuter, der uralte Simeon im Tempel&#8230; Wie kann das sein? Und woran liegt es, dass anderen diese Erkenntnis verschlossen bleibt, dass es ihnen nicht &#8211; u. U. auch bei aller Anstrengung und allem Einsatz der intellektuellen Kr\u00e4fte nicht- gelingen will, mit Christus etwas anfangen zu k\u00f6nnen, damals wie heute? Das besch\u00e4ftigt auch den Apostel Paulus, ausf\u00fchrlich setzt er sich mit dem Thema auseinander in einem seiner Schreiben an die Gemeinde in Korinth. Ein kurzer, komplizierter Abschnitt daraus ist uns heute morgen zum Nachdenken vorgeschlagen:<\/p>\n<p>&#8222;Wenn unser Evangelium dennoch verh\u00fcllt ist, ist es nur denen verh\u00fcllt, die verloren gehen: denn der Gott dieser Weltzeit hat das Denken der Ungl\u00e4ubigen verblendet. So strahlt ihnen der Glanz der Heilsbotschaft nicht auf, der Botschaft von der Herrlichkeit Christi, der Gottes Ebenbild ist. Wir verk\u00fcndigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus als den Herrn, uns aber als eure Knechte um Jesu willen. Denn Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten! Er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des g\u00f6ttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi.&#8220; 1. Korinther 4, 3-7<\/p>\n<p>Kann man Glauben lernen, liebe Gemeinde? Kann man, k\u00f6nnen wir den Glauben im anderen Menschen (oder bei uns selbst) bewirken, ihn sozusagen entwickeln, anerziehen oder beibringen? Elternabend. Die Gem\u00fcter hatten sich erhitzt, die Debatte ebenso. Mit Recht, wie ich fand, denn es ging um die wichtige Frage: Sollen wir in unserer Gemeinde den Vorkonfirmandenunterricht im 4. Schuljahr einf\u00fchren? Es ging hoch her, vor allem an dem Punkt, wo es darum ging, Eltern f\u00fcr die Mitarbeit zu motivieren und zu finden. &#8222;K\u00f6nnen die das denn \u00fcberhaupt?&#8220; wurde sofort gefragt, &#8222;unsere Kinder so unterrichten, dass \u0082etwas dabei herauskommt&#8216;, d.h. dass sie lernen, an Gott zu glauben und sich auf Christus zu verlassen?&#8220; Brauchen wir dazu nicht Experten? Fachleute wie Diakon oder Pastor\/in? Leute mit der entsprechenden theologischen und p\u00e4dagogischen Ausbildung? Vielleicht sogar mit einer priesterlichen Qualit\u00e4t?&#8220; &#8222;Aber eine Garantie ist das auch nicht,&#8220; sagte da mit einemmal sehr nachdenklich geworden ein Vater. &#8222;Wisst ihr, wir hatten wirklich einen ganz tollen Pastor zu Hause, und auch unsere Eltern&#8230;, es war eigentlich ganz selbstverst\u00e4ndlich, dass wir uns alle in der Kirche engagiert haben, Posaunenchor, Jugendgruppe, Freizeiten -ach, war das eine sch\u00f6ne Zeit! Und trotzdem sind alle meine vier Geschwister heute nicht mehr in der Kirche&#8230; Und ich?&#8220; Er zuckte mit den Schultern. &#8222;Ich wei\u00df oft auch gar nicht so genau&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Kann man Glauben produzieren? Oder anders gefragt: Woran liegt es denn, dass manche Menschen das Licht des g\u00f6ttlichen Glanzes, das in uns aufgeleuchtet ist, nicht erkennen k\u00f6nnen oder wollen? Paulus hat eine sehr handfeste Erkl\u00e4rung daf\u00fcr parat: Das macht der &#8222;Gott dieser Weltzeit&#8220;, sagt er, und an anderer Stelle nennt er ihn &#8222;Satan oder Teufel.&#8220; Nun sind wir sicher gut beraten, uns darunter nat\u00fcrlich kein huff\u00fc\u00dfiges, geh\u00f6rntes Wesen von einer Schwefelwolke eingeh\u00fcllt vorzustellen. Dennoch geht es mir auch so ein bisschen zu schnell, die Gr\u00fcnde f\u00fcr das Nichtglaubenk\u00f6nnen eines Menschen sofort au\u00dferhalb, in einer fremden, bedrohlichen Macht zu suchen; In einer von b\u00f6sen Kr\u00e4ften bewirkten Verblendung, f\u00fcr die ich ja selber demzufolge konsequenterweise eigentlich gar nichts kann! Ich denke an Menschen, die voller Sehnsucht nach dem Glauben sind und voller Unsicherheit suchen und fragen. Werden sie doch durch so eine Theorie in nur noch tiefere Verzweiflung gest\u00fcrzt! &#8222;Ich habe doch gelernt, dass der Glaube ein Geschenk sein soll&#8220;, h\u00f6re ich in solchen Gespr\u00e4chen oft. &#8222;Wenn ich aber nun mal keinen Zugang dazu habe, dann muss ich doch davon ausgehen, dass ich von diesem Geschenk eben nichts abgekriegt habe. Was soll ich denn tun?&#8220; Und Resignation breitet sich aus. Und? Wie ist es nun also: Kann ich \u00fcberhaupt etwas tun, um zum Glauben zu finden? F\u00fcr mich selbst, oder auch um anderen dazu zu verhelfen? Das Stichwort &#8222;Geschenk&#8220; l\u00e4sst mich noch einmal an Weihnachten denken. Wie viele haben nicht vor dem Fest Wunschzettel geschrieben. Warum also nicht auch eine Art &#8222;Wunschzettel&#8220; an Gott richten? Die Bitte: &#8222;Schenke mir, Gott, diese Erleuchtung, die Erfahrung deiner N\u00e4he, den Glauben an dich!&#8220; Das ist das eine. Bei manchen Menschen habe ich eigentlich vielmehr das Gef\u00fchl, dass sie einfach schlicht vergessen haben, ihr Geschenk auszuwickeln, das l\u00e4ngst vor ihnen liegt! Das Evangelium ist verh\u00fcllt, sagt Paulus, f\u00fcr die, die verloren gehen. Eingepackt wie ein Weihnachtsgeschenk, dem man auch von au\u00dfen nicht ansieht, was drin ist, ist mir dazu eingefallen. Eingepackt vielleicht in das Papier falscher oder \u00fcbersteigerter Erwartungen und Vorstellungen? So als d\u00fcrfe es gar keine Fragen und Unsicherheiten mehr geben, Zweifel oder Verzweiflungen&#8230; So als m\u00fcsse die eigene Glaubens\u00fcberzeugung eines Tages pl\u00f6tzlich perfekt und fertig dastehen, unwandelbar und unumst\u00f6\u00dflich.<\/p>\n<p>Paulus spielt mit dem Verh\u00fcllungs-Symbol auf eine Geschichte aus dem Alten Testament an, erz\u00e4hlt von Mose, der im Sinaigebirge mit den Geboten Gottes vom Berg kommt, mit einem strahlenden Leuchten auf dem Gesicht, das von der Begegnung mit Gott herr\u00fchrt. Die Menschen sind v\u00f6llig geblendet davon. So dass Mose sein Gesicht in eine Decke h\u00fcllt, um sie nicht unn\u00f6tig zu erschrecken. So verletzt und blendet das Licht nicht mehr, aber zur Erkenntnis, zur Erleuchtung kommt man so nat\u00fcrlich nicht. Aber wie dann?<\/p>\n<p>Vielleicht eher so wie bei den Weisen aus dem Morgenland, die von ihrer Hoffnung auf den Weg gebracht wurden, von der Sehnsucht nach Heil und Frieden. An ihnen wird mir deutlich, dass die Entstehung von Glauben auch immer etwas Paradoxes hat: da ist die Anstrengung und M\u00fche, die die weite Reise ihnen abverlangt, die Suche und das Fragen. Und da ist trotz allem das Geschenk der Begegnung mit dem Kind und die Bereitschaft, dieses Geschenk anzunehmen. Und auch Weihnachten und Epiphanias -spiegeln etwas wider von diesen beiden Seiten: Der Grund ist mit Weihnachten gelegt. Gott wird Mensch, das Licht leuchtet auf in der Dunkelheit, kommt auch in unsere Herzen. (V.6); Nun kommt es -Epiphanis- darauf an, Erfahrungen zu machen mit diesem menschlichen Gott und das Licht, das l\u00e4ngst da ist, auch wahrzunehmen, wo es mir scheint; Unterwegs zu bleiben (wie die Weisen) immer wieder neu zu fragen: Wo ist jetzt der neugeborene K\u00f6nig&#8230;, wo ist jetzt Gottes Gegenwart erkennbar in meiner Welt? So kann die &#8222;Sternstunde der Menschheit&#8220; zu meiner werden. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Elisabeth Tobaben, Moringen <\/strong><\/p>\n<p><strong>E-Mail Kirchengemeinde Moringen:kirchengemeinde@gmx.net<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00f6ttinger Predigten im Internet, hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch Epiphanias 6. Januar 2002 2. 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