{"id":9033,"date":"2021-02-07T19:49:59","date_gmt":"2021-02-07T19:49:59","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9033"},"modified":"2022-12-30T19:02:13","modified_gmt":"2022-12-30T18:02:13","slug":"jesaja-42-1-4-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-42-1-4-2\/","title":{"rendered":"Jesaja 42, 1-4"},"content":{"rendered":"<h3><b style=\"text-align: -webkit-center;\"><span style=\"color: #000099;\">1. Sonntag nach Epiphanias,<br \/>\n13. Januar 2002<br \/>\nPredigt \u00fcber Jesaja 42, 1-4<\/span><\/b><\/h3>\n<h3><b style=\"text-align: -webkit-center;\"><span style=\"color: #000099;\">verfa\u00dft von Johannes Neukirch<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>&#8222;Siehe, das ist mein Knecht &#8211; ich halte ihn &#8211; und mein Auserw\u00e4hlter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben; er wird das Recht unter die Heiden bringen. Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht h\u00f6ren auf den Gassen. Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht ausl\u00f6schen. In Treue tr\u00e4gt er das Recht hinaus. Er selbst wird nicht verl\u00f6schen und nicht zerbrechen, bis er auf Erden das Recht aufrichte; und die Inseln warten auf seine Weisung.&#8220; Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>die Meldung am Freitag war den Fernsehleuten so wichtig, dass in der Sendung vor den Nachrichten schon ein Text ins Bild eingeblendet worden ist: &#8222;K-Frage entschieden. Angela Merkel verzichtet.&#8220; Die CDU hat sich an diesem Tag daf\u00fcr entschieden, Sie haben das alle gelesen, geh\u00f6rt oder gesehen, Edmund Stoiber als Kanzlerkandidaten ins Rennen zu schicken.<\/p>\n<p>In den letzten Wochen war mir dieses st\u00e4ndige Gerede dar\u00fcber, wer es denn nun werden wird, Angela Merkel oder Edmund Stoiber, schon etwas auf die Nerven gegangen. Die allerletzte Runde fand ich trotzdem spannend. Und wie es der Zufall so will: Was da am Freitag passiert ist und wie das abgelaufen ist, wirft ein interessantes Licht auf unseren Predigttext!<\/p>\n<p>Was hat den Ausschlag gegeben bei dieser Entscheidung der CDU &#8211; bei jeder anderen Partei w\u00e4re das nat\u00fcrlich genau so gewesen? Ist der eine einfach m\u00e4chtiger oder schlauer oder durchtriebener gewesen als die andere? Ist Angela Merkel im Stich gelassen worden? Welche Machtspiele in den letzten Wochen gespielt worden sind, wei\u00df ich auch nicht. Aber wenn ich das richtig verstehe, haben die Umfragen in der Bev\u00f6lkerung und die Umfragen bei den Parteimitgliedern eine ganz entscheidende Rolle gespielt. Und da hat sich offensichtlich herausgestellt, dass diejenigen, die befragt worden sind, dem frisch gek\u00fcrten Kandidaten einfach mehr zutrauen als der Verliererin. Ich kann auch sagen: Sie setzen mehr Hoffnung auf ihre Wahl. Worauf diese Hoffnung beruht, das ist im Einzelnen wahrscheinlich schwer genau zu sagen. Die Stimmung, die Gef\u00fchle haben eine gro\u00dfe Rolle gespielt: Wir trauen dem Kandidaten etwas zu. Er wird das schon machen. Er bringt uns heraus aus der Opposition. Und bei der Wahl im September dann wird das auch f\u00fcr uns alle die wichtigste Entscheidungshilfe sein: Wem trauen wir zu, die Verantwortung zu \u00fcbernehmen, bei wem hoffen wir, dass er die richtigen Entscheidungen trifft, damit es wieder bergauf geht? Denjenigen werden wir w\u00e4hlen -die vielen dagegen, die nicht w\u00e4hlen werden, haben die Hoffnung aufgegeben, dass es \u00fcberhaupt so jemanden geben k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Dieses Vertrauen und diese Hoffnung auf bessere Zeiten sind auch die treibenden Kr\u00e4fte in unserem Predigttext aus dem Buch des Propheten Jesaja. Auch hier geht es um einen Kandidaten, der hier in der \u00dcbersetzung von Martin Luther &#8222;Knecht&#8220; genannt wird, in einer modernen \u00dcbersetzung, in der &#8222;Guten Nachricht&#8220; hei\u00dft er der &#8222;Bevollm\u00e4chtigte&#8220;.<\/p>\n<p>Der Prophet, der die Worte aus unserem Text gesagt hat, spricht in einer besonderen Situation. Wir wissen nicht, wie er hei\u00dft, es ist jedenfalls nicht mehr Jesaja, aber das spielt hier keine Rolle.<\/p>\n<p>Die Situation ist folgende: Ein Teil des Volkes Israel ist im Exil, in der Gefangenschaft. Es besteht aber Hoffnung, bald in das eigene Land zur\u00fcckkehren zu k\u00f6nnen. Dort m\u00fcssen sie aber von vorne anfangen, alles neu aufbauen, neues Vertrauen in ihren Gott gewinnen.<\/p>\n<p>In dieser Situation sagt der Prophet im Auftrag Gottes: Es wird jemand kommen, der daf\u00fcr sorgt, dass das Recht aufgerichtet wird, dass sich Gottes Gerechtigkeit durchsetzen wird. Das bedeutet vor allem: Frieden zwischen den V\u00f6lkern, Ende des Krieges, Freiheit und Wohlstand.<\/p>\n<p>An mehreren Stellen im Jesajabuch ist von diesem Knecht Gottes die Rede, auch davon, dass er leiden muss. Im Neuen Testament taucht er dann wieder auf , so dass Jesus dann als die Erf\u00fcllung des Knechtes Gottes gilt.<\/p>\n<p>Der Kandidat, der Knecht, der Bevollm\u00e4chtigte &#8211; also, wie das immer so sch\u00f6n hei\u00dft: der Hoffnungstr\u00e4ger!<\/p>\n<p>Nun ist klar, dass zwischen dem Knecht, der von Gott beauftragt und bevollm\u00e4chtigt ist und dem Politiker, der von seiner Partei beauftragt ist, ein himmelweiter Unterschied besteht. Der Unterschied besteht aber nicht nur in den Personen, sondern auch wie sie die Hoffnungen, die auf den Kandidaten ruhen, erf\u00fcllen wollen.<\/p>\n<p>Auf der einen Seite der Politiker &#8211; der soll eine starke Pers\u00f6nlichkeit sein, Antworten auf die brennenden Fragen wie Arbeitslosigkeit, Bildung usw. haben, er soll Vertrauen erwecken und vieles mehr. Daf\u00fcr muss er gro\u00dfe Versprechungen machen und sozusagen die Muskeln spielen lassen.<\/p>\n<p>Ganz anders der Knecht Gottes, dessen Aufgabe viel gr\u00f6\u00dfer ist: auf Erden soll er das Recht aufrichten. Aber das tut er nicht mit gro\u00dfen Worten und nicht mit einem Milit\u00e4reinsatz: &#8222;Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht h\u00f6ren auf den Gassen. Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht ausl\u00f6schen.&#8220;<\/p>\n<p>Kanzlerkandidat kann man mit dieser Methode nicht werden &#8211; &#8222;nicht schreien noch rufen&#8220; &#8211; genau das muss man auf jeden Fall tun!<\/p>\n<p>Aber es ist die Methode unseres Gottes, die Methode, auf Erden das Recht aufzurichten. Kein Geschrei, kein Muskelspiel, kein Milit\u00e4reinsatz: &#8222;Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht ausl\u00f6schen.&#8220; So arbeitet der Knecht Gottes. Und so spiegelt es sich ja dann auch im Leben von Jesus Christus wieder. Er stand bei denen, die schon geknickt waren und hat sie wieder aufgerichtet. Er stand bei denen, deren Lebenslicht nur noch geglimmt hat und hat wieder das Licht aufleuchten lassen.<\/p>\n<p>Und darin ist Jesus von Gott best\u00e4tigt worden. Der Geist Gottes war immer bei ihm. Und er ist am Tod nicht zerbrochen, sondern von Gott wieder von den Toten auferweckt worden.<\/p>\n<p>Es ist wichtig, liebe Gemeinde, dass wir uns das immer wieder vor Augen halten, was ein Knecht Gottes tut. Das ist f\u00fcr uns die Orientierung und der Ma\u00dfstab f\u00fcr unser eigenes Handeln. Denn als Nachfolger von Jesus Christus gilt das f\u00fcr uns auch &#8211; das geknickte Rohr nicht zu zerbrechen, den glimmenden Docht nicht auszul\u00f6schen. Wir sind damit auch davor gesch\u00fctzt, den falschen F\u00fchrern hinterherzulaufen. Denn die wahre Gerechtigkeit, die Gerechtigkeit Gottes wird nach der Methode des Knechtes Gottes hergestellt und nicht mit Gewalt und Geschrei.<\/p>\n<p>Die wahre Gerechtigkeit, das Paradies wirklich herzustellen und durchzusetzen, ist und bleibt die Aufgabe Gottes. Das sch\u00fctzt uns vor Fanatismus, der meint, wir Menschen w\u00fcssten, wie das Paradies aussieht und wie wir selbst es auf Erden aufrichten k\u00f6nnten. Wir bleiben im Vorl\u00e4ufigen, wir wissen zum Beispiel nicht, wie das Terrorismusproblem in Afghanistan am besten zu l\u00f6sen ist. Aber bei allem, was wir tun, k\u00f6nnen wir uns am Knecht Gottes, orientieren und mit allem, was in unserer Macht steht, Jesus nachfolgen: nicht zerbrechen, nicht ausl\u00f6schen.<\/p>\n<p>In der Epistel, die wir vorhin geh\u00f6rt haben, schrieb Paulus: &#8222;Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern \u00e4ndert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr pr\u00fcfen k\u00f6nnt, was Gottes Wille ist, n\u00e4mlich das Gute und Wohlgef\u00e4llige und Vollkommene&#8220;<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Dr. Johannes Neukirch<br \/>\n<a href=\"mailto:johannes.neukirch@evlka.de\">E-Mail: johannes.neukirch@evlka.de<\/a><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Sonntag nach Epiphanias, 13. 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