{"id":9035,"date":"2021-02-07T19:49:57","date_gmt":"2021-02-07T19:49:57","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9035"},"modified":"2022-08-08T18:44:40","modified_gmt":"2022-08-08T16:44:40","slug":"2-petrus-1-16-21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/2-petrus-1-16-21\/","title":{"rendered":"2. Petrus 1, 16-21"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<table border=\"0\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><a name=\"top\"><\/a><b><a href=\"http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/\">G\u00f6ttinger<br \/>\nPredigten im Internet<br \/>\nhg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch <\/a><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><b><span style=\"color: #000099;\">Letzter Sonntag nach Epiphanias,<br \/>\n20. Januar 2002<br \/>\nPredigt \u00fcber 2. Petrus 1, 16-21, verfa\u00dft von Heinz Janssen<br \/>\n<\/span> <\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><b>&#8222;&#8230;any private interpretation?&#8220; (2. Petrus 2,20, The Bible,<br \/>\nOxford 1982)<br \/>\nUmstrittene Schriftauslegung<\/b><\/p>\n<p>Predigttext (nach M. Luther, Rev. 1984):<\/p>\n<p>(16) Denn wir sind nicht ausgekl\u00fcgelten Fabeln gefolgt,<br \/>\nals wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen<br \/>\nunseres Herrn Jesus Christus;<br \/>\nsondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen.<br \/>\n(17) Denn er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Preis<br \/>\ndurch eine Stimme, die zu ihm kam von der gro\u00dfen Herrlichkeit:<br \/>\nDies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.<br \/>\n(18) Und diese Stimme haben wir geh\u00f6rt vom Himmel kommen,<br \/>\nals wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge.<br \/>\n(19) Um so fester haben wir das prophetische Wort,<br \/>\nund ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet<br \/>\nals auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort,<br \/>\nbis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen.<br \/>\n(20) Und das sollt ihr vor allem wissen,<br \/>\ndass keine Weissagung in der Schrift eine Sache eigener Auslegung ist.<\/p>\n<p>(21) Denn es ist noch nie eine Weissagung<br \/>\naus menschlichem Willen hervorgebracht worden,<br \/>\nsondern getrieben vom heiligen Geist<br \/>\nhaben Menschen im Namen Gottes geredet.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Mit dem letzten Sonntag nach Epiphanias schlie\u00dft sich der weihnachtliche<br \/>\nFestkreis. Der Wochenspruch, ein Prophetenwort aus dem Jesajabuch (Jes<br \/>\n60,2), ruft uns noch einmal das wunderbare Kommen Gottes in Erinnerung:<br \/>\n\u00dcber dir geht auf der HERR\/GOTT, und seine Herrlichkeit erscheint<br \/>\n\u00fcber dir.<\/p>\n<p>I. In der Mitte des Predigttextes hei\u00dft es (2.Petr. 1,19): Ihr<br \/>\ntut gut daran, dass ihr auf das prophetische Wort achtet als auf ein Licht,<br \/>\ndas da scheint an einem dunklen Ort&#8230; &#8211; und in der heutigen Schriftlesung<br \/>\naus dem Matth\u00e4usevangelium (17,1-9) h\u00f6rten wir von einer Stimme<br \/>\naus der Wolke von Jesus sagen: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen<br \/>\nhabe&#8230; &#8211; Worte, die auch in unserem Predigttext vorkommen.<\/p>\n<p>Es ist der Abschnitt aus einem Brief, mit dem der Apostel Petrus auf<br \/>\nkritische Einreden gegen die christliche Predigt reagiert.<\/p>\n<p><i>Wir sind nicht ausgekl\u00fcgelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan<br \/>\nhaben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus<\/i> &#8211; diese<br \/>\nWorte klingen wie eine Rechtfertigung, wie eine Verteidigung. Tats\u00e4chlich,<br \/>\ndie Apostel, die Botschafter des Evangeliums von Jesus Christus, mussten<br \/>\nihre Botschaft gegen\u00fcber kritischen und zweifelnden Anfragen rechtfertigen,<br \/>\nverteidigen. Es galt auf Einw\u00e4nde zu reagieren, argumentativ darauf<br \/>\nzu antworten, Einw\u00e4nde etwa in dem Sinn: Ihr k\u00f6nnt uns ja viel<br \/>\nvon Jesus erz\u00e4hlen, von seiner Bedeutung, dass Gott ausgerechnet<br \/>\nihn erw\u00e4hlt habe, dass er der Messias, der Hilfe und Heil bringende<br \/>\nK\u00f6nig sei. Ihr k\u00f6nnt uns ja viel erz\u00e4hlen und predigen.<br \/>\nWer sagt uns denn, dass eure Botschaft nicht Spekulationen, sch\u00f6ne<br \/>\nPhantasien und ganz menschliche Wunschtr\u00e4ume sind, mit denen ihr<br \/>\neuch selbst und uns nur etwas vormacht, uns und euch in Illusionen wiegt<br \/>\nund damit eine &#8211; gerade in ethischer Hinsicht &#8211; unverantwortliche Weltflucht<br \/>\nbetreibt? &#8211; Sind das nicht auch unsere Einw\u00e4nde heute? Du Mann oder<br \/>\nFrau der Kirche kannst mir ja viel erz\u00e4hlen. Und wer oder was gibt<br \/>\ndir auf der Kanzel eigentlich das Recht, von Gott und seinem Wort, von<br \/>\nJesus und seiner g\u00f6ttlichen Mission, sogar in Gottes und Jesu und<br \/>\ndes Heiligen Geistes Namen zu reden? &#8211; Wie reden wir von Gott, Du und<br \/>\nich?<\/p>\n<p><i>Kurze Stille<\/i><\/p>\n<p>II. Mich beeindruckt, dass sich die Apostel in dem, was sie predigten,<br \/>\nin Frage stellen lie\u00dfen und ebenso sachlich wie engagiert Stellung<br \/>\nnahmen, Antwort gaben, sich bem\u00fchten, Rechenschaft abzulegen von<br \/>\ndem, was sie in ihrem Apostelamt leitete. Hier sind sie uns Vorbild!<\/p>\n<p>Die st\u00e4rksten und treibenden Gr\u00fcnde f\u00fcr die Wahrhaftigkeit<br \/>\ndes Boteseins der Apostel, der J\u00fcnger und J\u00fcngerinnen Jesu,<br \/>\nwaren nicht, was sie spekulierten, phantasierten oder ertr\u00e4umten,<br \/>\nsondern was sie an und mit Jesus erlebt hatten. Sie waren Augenzeugen.<br \/>\nWas sie an Jesus von Nazareth und in der Gemeinschaft mit ihm in Raum<br \/>\nund Zeit erfahren hatten, wurde zur Grundlage ihres Glaubens. Dieses Erleben<br \/>\nhaben sie weitergegeben, auch an jede und jeden von uns in dieser Kirche.<\/p>\n<p>Die Apostel haben in der Begegnung mit Jesus eine Best\u00e4tigung und<br \/>\nBekr\u00e4ftigung der prophetischen Botschaft gefunden, die sie aus ihrer<br \/>\nBibel kannten. Jesus legte ihnen diese Botschaft, das Wort Gottes, aus.<br \/>\nDie Bibelauslegung war f\u00fcr sie keine beliebige, keine &#8222;private&#8220;<br \/>\nAngelegenheit. Was Jesus zu den Inhalten der Bibel sagte, erhellte, beleuchtete<br \/>\nihnen das Wort Gottes und lie\u00df es sie erkennen. Darum ist dem Apostel<br \/>\nPetrus der Aufruf an die Gemeinden so wichtig: Ihr tut gut daran, dass<br \/>\nihr auf das prophetische Wort achtet als auf ein Licht, das da scheint<br \/>\nan einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe<br \/>\nin euren Herzen. &#8211; Der dunkle Ort ist unsere Welt. Dunkel ist sie, solange<br \/>\nGottes Herrlichkeit ihr noch verborgen ist, d.h. solange wir blind sind,<br \/>\nnicht sehen, nicht erkennen, wie Gott in der Welt wirkt.<\/p>\n<p><i>Orgelchoral zu EG 72 O Jesu Christe, wahres Licht<\/i><\/p>\n<p>III. Kommen wir doch \u00fcber Glauben und Leben miteinander ins Gespr\u00e4ch.<br \/>\nWenn der Glaube Gestalt annimmt in unserem Lebensalltag, in den pers\u00f6nlichen<br \/>\nund gesellschaftlichen Herausforderungen, dann wird es hell, und die Wirkung<br \/>\ndes Glaubens an Gott wird sichtbar.<\/p>\n<p>Die Apostel konnten Botschafter Gottes sein, weil sie aus der Bibel sch\u00f6pften,<br \/>\nweil die Botschaft jenes Ersten Testaments sie in Bewegung setzte und<br \/>\nsie in der Begegnung mit Jesus verstanden, worauf es im Leben ankommt.<br \/>\nDies gab ihnen eine innere Sicherheit, sie konnten sich noch bestimmter<br \/>\nauf die Wahrheit der biblischen Botschaft berufen und mit kritischen Einw\u00e4nden<br \/>\nengagiert umgehen. Freilich m\u00fcssen sich diejenigen, die sich auf<br \/>\ndie Bibel berufen, kritisch fragen lassen, denn die Bibel im Namen Gottes<br \/>\ngegen Gott, die Menschen und seine gesamte Sch\u00f6pfung zu missbrauchen,<br \/>\nist bis heute m\u00f6glich und darum eine ernste Gefahr. Gut, im heutigen<br \/>\nPredigttext daran erinnert zu werden, dass bei der Bibelauslegung kein<br \/>\neinzelner Mensch die ganze Wahrheit hat. Dies bedeutet, in jeder Lebenssituation<br \/>\nnach der Wahrheit zu suchen, die Botschaft der Bibel in Beziehung zum<br \/>\nLeben zu setzen und miteinander um ihre Auslegung zu ringen. So sind wir<br \/>\neine Gemeinde, die auf das Wort Gottes h\u00f6rt und es bewahrt daraus<br \/>\nzu lernen und wieder von neuem zu h\u00f6ren. Ja, wir tun gut daran, darauf<br \/>\nzu achten, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in unseren<br \/>\nHerzen.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><b>Exegetisch-homiletische Hinweise:<\/b> &#8222;Simon Petrus, ein Knecht<br \/>\nund Apostel Jesu Christi, an alle, die mit uns denselben teuren Glauben<br \/>\nempfangen haben&#8220; &#8211; so beginnt der 2.Petrusbrief. Und kurz vor Beginn<br \/>\nunserer Perikope ist zu lesen: &#8222;Ich halte es aber f\u00fcr richtig&#8230;,<br \/>\neuch zu erwecken und zu erinnern (V.13). Den Gemeinden der fr\u00fchen<br \/>\nChristenheit wollte dieser Brief, der wie der Jakobus- und Judasbrief<br \/>\nund die Johannesbriefe zu den sog. &#8222;Kirchenbriefen&#8220; geh\u00f6rt,<br \/>\nden verl\u00e4sslichen Grund des Glaubens in Erinnerung rufen und sie<br \/>\nin den Auseinandersetzungen um die christliche Lehre st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Wegen der dicht aneinandergef\u00fcgten theologisch-dogmatischen Aussagen<br \/>\nlasse ich den am Gottesdienst Teilnehmenden den Predigttext in die Hand<br \/>\ngeben. Um einmal zu veranschaulichen, wie jede \u00dcbersetzung bereits<br \/>\nAuslegung der Bibel ist und jedes H\u00f6ren ihrer Botschaft in ein \u00dcbersetzen<br \/>\n(&#8222;Transfer&#8220;) in die pers\u00f6nliche bzw. gesellschaftliche<br \/>\nLebenssituatuation m\u00fcnden will, stelle ich synoptisch auch die &#8222;Gute<br \/>\nNachricht Bibel&#8220; &#8211; \u00dcbersetzung (1997) daneben:<\/p>\n<p>(16) Wir haben uns nicht auf geschickt erfundene M\u00e4rchen gest\u00fctzt,<\/p>\n<p>als wir euch ank\u00fcndigten, dass Jesus Christus, unser Herr, wiederkommen<br \/>\nwird, ausgestattet mit Macht. Vielmehr haben wir ihn mit eigenen Augen<br \/>\nin der hohen W\u00fcrde gesehen, in der er k\u00fcnftig offenbar werden<br \/>\nsoll.<br \/>\n(17) Denn er empfing von Gott, seinem Vater, Ehre und Herrlichkeit &#8211; damals<br \/>\nals Gott, der die h\u00f6chste Macht hat, das Wort an ihn ergehen lie\u00df:<\/p>\n<p>&#8222;Dies ist mein Sohn, ihm gilt meine Liebe, ihn habe ich erw\u00e4hlt.&#8220;<br \/>\n(18) Als wir mit ihm auf dem heiligen Berg waren,<br \/>\nhaben wir diese Stimme vom Himmel geh\u00f6rt.<br \/>\n(19) Dadurch wissen wir nun noch sicherer,<br \/>\ndass die Voraussagen der Propheten zuverl\u00e4ssig sind,<br \/>\nund ihr tut gut daran, auf sie zu achten.<br \/>\nIhre Botschaft ist f\u00fcr euch wie eine Lampe, die in der Dunkelheit<br \/>\nbrennt,<br \/>\nbis der Tag anbricht und das Licht des Morgensterns eure Herzen hell macht.<\/p>\n<p>(20) Ihr m\u00fc\u00dft aber vor allem folgendes bedenken: Keine Voraussage<br \/>\nin den Heiligen Schriften darf eigenwillig gedeutet werden;<br \/>\n(21) sie ist ja auch nicht durch menschlichen Willen entstanden.<br \/>\nDie Propheten sind vom Geist Gottes ergriffen worden<br \/>\nund haben verk\u00fcndet, was Gott ihnen aufgetragen hatte.<\/p>\n<p><b>Lieder<\/b>: EG 440,1-4 All Morgen ist ganz frisch und neu, EG 272<br \/>\nIch lobe meinen Gott, EG 70,1+3 Wie sch\u00f6n leuchtet der Morgenstern,<br \/>\nEG 73, 5 Halt dich im Glauben an das Wort, EG 66,8 Jesus ist kommen, die<br \/>\nUrsach zum Leben<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Heinz Janssen<br \/>\nPfarrer an der Providenz-Kirche zu Heidelberg,<br \/>\nEvang. Pfarramt Providenz<br \/>\nKarl-Ludwig-Str. 8a<br \/>\n69117 Heidelberg<br \/>\n<a href=\"mailto:providenz@aol.com\">providenz@aol.com<\/a><\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch Letzter Sonntag nach Epiphanias, 20. Januar 2002 Predigt \u00fcber 2. Petrus 1, 16-21, verfa\u00dft von Heinz Janssen &#8222;&#8230;any private interpretation?&#8220; (2. Petrus 2,20, The Bible, Oxford 1982) Umstrittene Schriftauslegung Predigttext (nach M. 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