{"id":9050,"date":"2021-02-07T19:49:59","date_gmt":"2021-02-07T19:49:59","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9050"},"modified":"2022-08-08T15:17:41","modified_gmt":"2022-08-08T13:17:41","slug":"hebraeer-11-8-10-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/hebraeer-11-8-10-3\/","title":{"rendered":"Hebr\u00e4er 11, 8-10"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<table border=\"0\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><a name=\"top\"><\/a><b><a href=\"http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/\">G\u00f6ttinger<br \/>\nPredigten im Internet<br \/>\nhg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch <\/a><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><b><span style=\"color: #000099;\">Reminiscere, 24. Februar 2002<br \/>\nPredigt \u00fcber Hebr\u00e4er 11, 8-10, verfa\u00dft von Charlotte Hoenen<br \/>\n<\/span> <\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Im Laufe des Lebens kommen wir ab und zu mal in die Lage, Erbe zu werden<br \/>\nund den materiellen oder geistigen Reichtum, den Menschen vor uns erarbeitet<br \/>\nhaben, zu \u00fcbernehmen.<br \/>\nManchmal wei\u00df man schon lange vorher: ich werde Erbe sein und warte<br \/>\nvoll Spannung darauf.<br \/>\nEin lockendes Erbe veranla\u00dft Menschen entweder zu guten Aktivit\u00e4ten<br \/>\noder auch zu Straftaten, weil sie den Zeitpunkt des Erbfalles nicht abwarten,<br \/>\nsondern ihn selbst bestimmen wollen. Der Zeitpunkt und der genaue Inhalt<br \/>\ndes Erbes sind in der Regel unbekannt.<\/p>\n<p>Zum Sonntag Reminiszere h\u00f6ren wir einen Abschnitt aus dem Hebr\u00e4erbrief<br \/>\nim 11. Kapitel. Die Glaubenden werden vom Verfasser des Briefs als potentielle<br \/>\nErben Gottes und Jesu Christi charakterisiert. Ein zuk\u00fcnftiges Erbe<br \/>\nist den Glaubenden zugesagt von alters her. Zum Teil wurde das verhei\u00dfene<br \/>\nErbe schon sichtbar, zum anderen steht es noch aus. Es bleibt spannend<br \/>\nund offen, was Inhalt, Zeitpunkt und Erbberechtigung betreffen.<\/p>\n<p>Der Predigttext steht Hebr\u00e4er 11, 8-10:<br \/>\n&#8222;V. 8: Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde,<br \/>\nin ein Land zu ziehen, das er erben sollte; und er zog aus und wu\u00dfte<br \/>\nnicht, wo er hink\u00e4me.<br \/>\nV. 9: Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen in dem verhei\u00dfenen<br \/>\nLande wie in einem fremden und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den<br \/>\nMiterben derselben Verhei\u00dfung.<br \/>\nV. 10: Denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren<br \/>\nBaumeister und Sch\u00f6pfer Gott ist.&#8220;<\/p>\n<p>Was beinhaltet das Erbe f\u00fcr Abraham?<br \/>\nNach der Auslegung des Hebr\u00e4erbriefes wurde ihm von Gott ein doppeltes<br \/>\nErbe verhei\u00dfen:<br \/>\n&#8211; Zum ersten: das unbekannte Land, das Abraham und seine Nachkommen erben<br \/>\nsollten,<br \/>\n&#8211; zum anderen: die zuk\u00fcnftige festgegr\u00fcndete Stadt, deren Architekt<br \/>\nund Baumeister Gott selbst ist.<\/p>\n<p>Das unbekannte Land, das einmal zur dauerhaften Heimat f\u00fcr seine<br \/>\nNachkommen werden sollte &#8211; diese Erbzusage Gottes lie\u00df Abraham auswandern.<br \/>\nVon der fremden neuen Heimat ergriff er dann aber nicht gewaltsam Besitz,<br \/>\nsondern er lebte im Zelt, also immer im Provisorium, bereit zum erneuten<br \/>\nAufbruch. Seine Spuren im neuen Land sind die Alt\u00e4re, die er als<br \/>\nZeichen der Begegnung mit seinem Gott baute. Nur eine Grabh\u00f6hle erwarb<br \/>\ner, in der seine Frau Sarah bestattet wurde.<br \/>\nMit ihm lebten andere, fremde Nomadenst\u00e4mme im Land. In festen H\u00e4usern<br \/>\nangesiedelt waren die Kanaan\u00e4er. Er lie\u00df ihnen ihren Lebensraum<br \/>\nund blieb fremd im eigenen Erbe.<\/p>\n<p>Die politische Geschichte dieses Gebietes, des heutigen Pal\u00e4stina,<br \/>\nerweist bis heute, welche Schwierigkeiten die dort lebenden Menschen mit<br \/>\nihren unterschiedlichen Kulturen und Religionen zu l\u00f6sen hatten und<br \/>\nhaben.<br \/>\nDie Nachkommen Abrahams, Isaaks und Jakobs reklamieren dieses Land seit<br \/>\nAusgang des 19. Jahrhunderts erneut f\u00fcr sich. Es wurde ihnen von<br \/>\nder UNO 1947 als rechtm\u00e4\u00dfiger Staat &#8222;Israel&#8220; zur<br \/>\ndauerhaften Heimat gegeben. Es sind die Pal\u00e4stinenser, die aus politischen<br \/>\nund religi\u00f6sen Gr\u00fcnden Anspruch auf Teile Pal\u00e4stinas erheben<br \/>\nund endlich einen eigenen Staat, in ihrer bisherigen Heimat, gr\u00fcnden<br \/>\nwollen.<br \/>\nEine zwiesp\u00e4ltige Situation, die wieder seit Monaten t\u00e4glich<br \/>\nMenschenopfer fordert und zu eskalieren droht! In beiden V\u00f6lkern<br \/>\nstreiten religi\u00f6se Fanatiker dem jeweils anderen Volk das politische<br \/>\nExistenzrecht ab. Menschlicher Wille und Verstand m\u00fc\u00dften L\u00f6sungen<br \/>\nfinden. Pl\u00e4ne liegen vor, wie zwei unterschiedliche Staaten das Zusammenleben<br \/>\nregeln k\u00f6nnten. Aber politisches Wollen und menschlicher Verstand<br \/>\nreichen bisher nicht aus, den Konflikt zu l\u00f6sen.<br \/>\nTrotz der alten Zusage Gottes ist ein dauerhaftes und ruhiges Leben f\u00fcr<br \/>\nAbrahams Nachkommen in diesem Land umstritten.<\/p>\n<p>Bleiben die Glaubenden als die Erben Gottes gegen\u00fcber allem Besitz<br \/>\nzugleich auch Fremde, so wie sich Abraham damals im Land verstand? Er<br \/>\nteilte sein Heimatrecht mit anderen, lebte in Provisorien &#8211; nicht aus<br \/>\nNot und Schw\u00e4che, sondern aus Glaubensst\u00e4rke!<br \/>\nWarum nahm er eigentlich das Erbe nicht als Eigent\u00fcmer in Besitz?<br \/>\nWeil er auf ein anderes zuk\u00fcnftiges Erbe im Glauben wartete. Das<br \/>\nhatte f\u00fcr ihn einen h\u00f6heren Stellenwert.<\/p>\n<p>Der Hebr\u00e4erbrief bringt dieses Lebensgef\u00fchl von Glaubenden<br \/>\nin die Worte: &#8222;Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die<br \/>\nzuk\u00fcnftige suchen wir.&#8220; (Hebr. 13,14). Die zuk\u00fcnftige Stadt,<br \/>\nauf die nun auch wir warten k\u00f6nnen, ist Bild f\u00fcr ein heiles,<br \/>\nfriedvolles Leben.<\/p>\n<p>Dieses zweite verhei\u00dfene Erbe steht noch aus.<br \/>\nEs wird keine irdische, sondern eine himmlische Stadt sein, in der alle<br \/>\nein Lebensrecht haben, die sie erben. Dort gibt es keine Machtk\u00e4mpfe,<br \/>\nkeine Tr\u00e4nen, keine Besitzanspr\u00fcche gegen andere, sondern alle<br \/>\ngemeinsam werden lachende Erben sein. Manchmal leuchtet diese Stadt auf,<br \/>\nwenn wir sagen: Das ist der Himmel auf Erden! Da reicht die Zukunft schon<br \/>\nin die Gegenwart hinein! Wie aber die himmlische Stadt aussehen wird,<br \/>\ndas bleibt zun\u00e4chst einer genaueren Vorstellung entzogen, allein<br \/>\ndass Gott ihr Architekt und Baumeister ist, l\u00e4\u00dft Vollendetes<br \/>\nerahnen.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns als Christen ist wichtig: Jesus Christus selbst ist aus<br \/>\nden Nachkommen Abrahams als Erbe \u00fcber alles (Hebr.1,2) von Gott eingesetzt<br \/>\nworden, und er gibt diese Erbberechtigung an die Kinder, die Gott ihm<br \/>\ngegeben hat, weiter. Als Christen sind wir Miterben der Verhei\u00dfungen<br \/>\nGottes!<\/p>\n<p>Bei einer Erbschaft ist es m\u00f6glich, das Erbe auch auszuschlagen.<br \/>\nDas sieht der Hebr\u00e4erbrief in aller Sch\u00e4rfe, weil damals viele<br \/>\nChristen der Gemeinde den R\u00fccken zukehrten und meinten, wir leben<br \/>\nproblemloser ohne den unsichtbaren Gott und ein von ihm verhei\u00dfenes<br \/>\nzuk\u00fcnftiges Erbe.<br \/>\nWer Gott ablehnt und sein Herz hart macht gegen\u00fcber seinem Wort,<br \/>\nf\u00fcr den gibt es ein Zu-sp\u00e4t. Aus dem Erbrecht ist uns das bekannt,<br \/>\nwenn jemand erkl\u00e4rt, ich will die Erbschaft nicht antreten, der kann<br \/>\ndiesen Entschlu\u00df im Erbfall nicht r\u00fcckg\u00e4ngig machen. So<br \/>\nwirbt und mahnt der Hebr\u00e4erbrief (3,7.8 u.\u00f6.) mit dem Psalmwort:<br \/>\n&#8222;Heute, wenn ihr seine Stimme h\u00f6rt, so verstockt euer Herz nicht&#8220;-<br \/>\nihr verspielt sonst endg\u00fcltig die Chancen f\u00fcr eure Zukunft!<br \/>\nEine zweite Bu\u00dfe, eine erneute Umkehr gibt es nicht!<\/p>\n<p>Wie wird man zum Erben Gottes?<br \/>\nIn unserem Erbrecht gibt es eine gesetzliche Erbfolge und den Vorgang<br \/>\nder Benennung eines Erben durch ein Testament.. F\u00fcr Erben Jesu Christi<br \/>\nf\u00e4llt eine gesetzliche, nat\u00fcrliche Erbfolge aus. Es gilt der<br \/>\nVorgang der Benennung. Gott benennt durch Jesus Christus den einzelnen<br \/>\nMenschen mit seinem Namen und redet ihn an. Das geschieht in der Taufe.<br \/>\nWie damals bei Abraham gilt es, auf Gottes Stimme zu h\u00f6ren und seinem<br \/>\nWort zu gehorchen. Dabei machen wir &#8211; wie Abraham &#8211; Gottes Wort zur eigenen<br \/>\nSache und nehmen es mit hinein in unser allt\u00e4gliches Tun und Entscheiden.<br \/>\nWir erfahren, Gott schafft sich in unserem Innersten Geh\u00f6r, vertreibt<br \/>\ndas Mi\u00dftrauen und die Unsicherheiten und erm\u00f6glicht uns mit<br \/>\nVertrauen und Gewi\u00dfheit unseren Weg zu gehen. Dieser Weg endet nicht<br \/>\nim &#8222;Dunkel&#8220; oder &#8222;Nichts&#8220;, sondern bei ihm, in seiner<br \/>\nGegenwart. Bei ihm werden wir aufgehoben sein in der zuk\u00fcnftigen,<br \/>\nfest gegr\u00fcndeten Stadt.<\/p>\n<p>Ist dieses Erbe heute attraktiv?<br \/>\nF\u00fcr viele Menschen nicht.<br \/>\n&#8211; Auf Gott zu h\u00f6ren pa\u00dft nicht zu dem Anspruch auf alleinige<br \/>\nSelbstbestimmung.<br \/>\n&#8211; Auf ein Erbe in sp\u00e4terer Zukunft zuzugehen steht dem Bestreben<br \/>\nentgegen, allein das Heute mit einem &#8222;Kick&#8220; zu genie\u00dfen.<\/p>\n<p>&#8211; Das allgemeine Sicherheitsbed\u00fcrfnis widerspricht dem Mut zum Provisorium<br \/>\nund dem Teilen des Besitzes mit anderen.<br \/>\n&#8211; Die Wirklichkeit des Unsichtbaren hat keine Realit\u00e4t f\u00fcr Menschen,<br \/>\ndie nur gelten lassen, was sie sehen, um es zu z\u00e4hlen, zu messen<br \/>\nund zu wiegen.<br \/>\nEin Erbe, das nicht sofort verf\u00fcgbar ist und nicht materielle oder<br \/>\nkulturelle Vorteile bringt, sondern in der Dimension des Glaubens Wirklichkeit<br \/>\nwird &#8211; das hat wenig Attraktivit\u00e4t f\u00fcr Menschen in unserem Land.<br \/>\nDoch wer sich auf Gott eingelassen hat und mit ihm in Beziehung steht,<br \/>\nwird trotz aller Unverf\u00fcgbarkeit fr\u00f6hlich und hoffnungsvoll<br \/>\nleben und an seine Lebensaufgaben gehen.<\/p>\n<p>Wer rechnet sich heute selbst zu den Erben Abrahams?<br \/>\nNicht nur wir Christen, sondern ebenso die Juden verstehen sich als die<br \/>\nErben Abrahams. Hinzu kommen die Muslime. Auch sie berufen sich auf Abraham.<br \/>\nIn der 2. Sure des Koran hei\u00dft es 125 ff: &#8222;Als sein Herr zu<br \/>\nihm (Abraham) sprach: &#8222;Werde Muslim&#8220;, sprach er: &#8222;Ich ergebe<br \/>\nmich v\u00f6llig dem Herrn der Welten.&#8220; Und Abraham legte es seinen<br \/>\nKindern ans Herz, und Jakob (sprach:) &#8222;O meine Kinder, siehe Allah<br \/>\nhat euch eine Religion erw\u00e4hlt; so sterbt nicht, ohne Muslime geworden<br \/>\nzu sein&#8220;&#8230;.Sie sprachen: &#8222;Anbeten werden wir deinen Gott und<br \/>\nden Gott deiner V\u00e4ter Abraham und Ismael und Isaak, einen einigen<br \/>\nGott, und ihm sind wir v\u00f6llig ergeben.&#8220; Jenes Volk ist nun dahingefahren;<br \/>\nihm ward nach seinem Verdienst, und euch wird nach eurem Verdienst.&#8220;<\/p>\n<p>Wegen der gemeinsamen Wurzeln im Glauben Abrahams m\u00fc\u00dften die<br \/>\nReligionen trotz der Unterschiede von Juden, Christen und Moslems daran<br \/>\narbeiten, ein friedliches Miteinander und Nebeneinander in Pal\u00e4stina<br \/>\nund auf der Erde zu erreichen. Das erfordert harte Arbeit politisch, wirtschaftlich,<br \/>\np\u00e4dagogisch. Auch das f\u00fcrbittende Gebet f\u00fcr das Gelingen<br \/>\nben\u00f6tigt Kr\u00e4fte und innerstes Engagement. Arbeit und Erbe geh\u00f6ren<br \/>\nvom Wortstamm her zusammen. Es erfordert aber erstlich und letztlich Glauben,<br \/>\nein Vertrauen darauf, dass es der eine Gott ist, der auch seine Verhei\u00dfungen<br \/>\ngegen\u00fcber allen Menschen einl\u00f6st, ihnen Leben und Lebensraum<br \/>\nzu geben. Ich denke, Gott erwartet von uns Glaubenden diese Arbeit durch<br \/>\n&#8222;die feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln<br \/>\nan dem, was man nicht sieht&#8220; (11,1) &#8211; durch den Glauben an das zuk\u00fcnftige<br \/>\nErbe.<\/p>\n<p><b>Charlotte Hoenen, Superintendentin i.R.<br \/>\n06120 Lieskau<br \/>\n<a href=\"mailto:rhoenen@t-online.de\">E-Mail via: rhoenen@t-online.de<\/a><\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch Reminiscere, 24. Februar 2002 Predigt \u00fcber Hebr\u00e4er 11, 8-10, verfa\u00dft von Charlotte Hoenen Liebe Gemeinde! 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