{"id":9055,"date":"2002-03-07T19:50:01","date_gmt":"2002-03-07T18:50:01","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9055"},"modified":"2025-04-22T13:28:21","modified_gmt":"2025-04-22T11:28:21","slug":"1-koenige-19-1-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-koenige-19-1-8\/","title":{"rendered":"1. K\u00f6nige 19, 1-8"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"color: #000099;\">Oculi | <\/span><span style=\"color: #000099;\">3. M\u00e4rz 2002 |<\/span><span style=\"color: #000099;\"> 1. K\u00f6nige 19, 1-8 |<\/span><span style=\"color: #000099;\">\u00a0Marlies St\u00e4hler |<\/span><\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>der Predigttext f\u00fcr den heutigen Sonntag Okuli steht im Zeichen\u00a0des Themas dieses Sonntags:\u00a0&#8222;Meine Augen sehen stets auf den Herrn&#8220;<\/p>\n<p>Mit bewegenden Worten wird uns im 1. Buch K\u00f6nige, Kapitel 19 Vers\u00a01-8 folgende Begebenheit geschildert:<br \/>\n<em>1:Und Ahab sagte Isebel alles, was Elia getan hatte und wie er alle\u00a0Propheten Baals mit dem Schwert umgebracht hatte. 2: Da sandte Isebel\u00a0einen Boten zu Elia und lie\u00df ihm sagen:Die G\u00f6tter sollen\u00a0mir dies und das tun, wenn ich nicht morgen um diese Zeit dir tue, wie\u00a0du diesen getan hast!\u00a03: Da f\u00fcrchtete er sich, machte sich auf und lief um sein Leben\u00a0und kam nach Beerscheba in Juda und lie\u00df seinen Diener dort.\u00a04: Er aber ging hin in die W\u00fcste eine Tagesreise weit und kam und\u00a0setzte sich unter einen Wacholder und w\u00fcnschte sich zu sterben<\/em><br \/>\n<em>und sprach: Es ist genug, so nimm nun Herr meine Seele; ich bin nicht\u00a0besser als meine V\u00e4ter.<\/em><br \/>\n<em>5: Und er legte sich hin und schlief unter dem Wacholder. Und siehe,\u00a0ein Engel r\u00fchrte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und i\u00df!\u00a06: Und er sah sich um, und siehe, zu seinen H\u00e4upten lag ein ger\u00f6stetes\u00a0Brot und ein Krug mit Wasser. Und als er gegessen und getrunken hatte,\u00a0legte er sich wieder schlafen.\u00a07: Und der Engel des Herrn kam zum zweitenmal wieder und r\u00fchrte\u00a0ihn an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor\u00a0dir.\u00a08: Und er stand auf und a\u00df und trank und ging durch die Kraft\u00a0der Speise vierzig Tage und vierzig N\u00e4chte bis zum Berg Gottes,\u00a0dem Horeb.<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Elia ist auf der Flucht. Er f\u00fchlt sich bedroht. Isebel hat angedroht\u00a0ihn ermorden zu lassen.\u00a0In dieser Situation zieht er sich in die W\u00fcste zur\u00fcck und\u00a0w\u00fcnscht sich zu sterben.<\/p>\n<p>Der Seufzer, &#8222;so nimm nun Herr meine Seele, es ist genug, ich\u00a0will nicht mehr leben&#8220;,\u00a0begegnet uns in vielerlei Gestalt. \u00a0Mitten unter uns leben Menschen, die mit dem Leben hadern, weil es keine\u00a0Perspektive zu scheinen gibt.<\/p>\n<p>Mir fallen spontan unterschiedliche Beispiele ein:<\/p>\n<ol>\n<li>Ich sehe meine 95 j\u00e4hrige Gro\u00dfmutter vor mir liegen,\u00a0die nach einem langen und aktiven Leben pflegebed\u00fcrftig auf den\u00a0ersehnten Tod wartet. Meine Gro\u00dfmutter ist eine gl\u00e4ubige\u00a0Frau. Ganz selbstverst\u00e4ndlich richtet auch Sie diese Bitte an Gott.<\/li>\n<li>Da geht eine kleine Handwerksfirma in Konkurs. Schulden \u00fcber\u00a0Schulden t\u00fcrmen sich auf. Eigenes Versagen und die schwierige wirtschaftliche\u00a0Situation haben die Situation herbeigef\u00fchrt die da hei\u00dft\u00a0Arbeitslosigkeit und Existenzangst. Die Erkenntnis &#8222;ich bin am\u00a0Ende&#8220; und der Wunsch &#8222;ich will nicht mehr&#8220;, sind nicht\u00a0abwegig. Als Reaktion sind der Griff zur Flasche, Drogen oder \u00e4hnliches\u00a0naheliegend.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Der Konkurs wird abgewickelt und wer k\u00fcmmert sich um die menschliche\u00a0Trag\u00f6die?<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li>Die Medien berichteten diese Woche \u00fcber ein &#8222;Blutbad in\u00a0Bayern&#8220;. In meiner Tageszeitung war zu lesen: &#8222;Ein 22 Jahre\u00a0alter Amokl\u00e4ufer t\u00f6tet in Bayern drei Menschen &#8211; dann sprengt\u00a0er sich selbst in die Luft&#8220;.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Dieser Gewaltausbruch hat mich sehr betroffen. Bei diesem jungen Mann\u00a0haben sich nach Erkenntnis der Polizeipsychologen offenbar Angst, Eifersucht,\u00a0Scham und Dem\u00fctigung so lange aufgestaut, bis die Wut f\u00fcr\u00a0ihn unbeherrschbar wurde und ihn zu dieser Wahnsinnstat trieb.<\/p>\n<p>Betrachtet man die Beispiele, so stellt man fest, dass es eine wesentliche\u00a0Gemeinsamkeit und einen wesentlichen Unterschied gibt.\u00a0Die <strong>Gemeinsamkeit<\/strong> besteht darin, dass sich alle in hoffnungsloser\u00a0Lage das Ende herbeiw\u00fcnschen.<\/p>\n<p>Im Falle meiner Gro\u00dfmutter sieht sich ein Mensch im Recht, seinem\u00a0Leiden ein Ende zu fordern. Im anderen Fall ist es die schiere Aussichtlosigkeit,\u00a0die sich mit Hoffnungslosigkeit verkn\u00fcpft.\u00a0Hier ist die faktische Bitte um ein Ende durch Gott Hoffnungslosigkeit,\u00a0kein Eingest\u00e4ndnis eigener Schuld. Unser wahnsinniger Amokl\u00e4ufer\u00a0jedoch, der als Resultat einer Kette von zu dieser Wahnsinnstat f\u00fchrenden\u00a0pers\u00f6nlichkeitszerst\u00f6renden Erfahrungen gesehen werden kann,\u00a0ist schuldig. Er hat es getan. Er hat gemordet und sucht den Tod. Nicht\u00a0als Strafe f\u00fcr sich, sondern als letzten Akt in der Hoffnungslosigkeit.\u00a0Er richtet. Er glaubte nicht an etwas H\u00f6heres, dem er verpflichtet\u00a0sein k\u00f6nnte oder das zu ihm stehen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Anders Elia. \u00a0Er hat eine Geschichte mit Gott, er ist ein Prophet, der sein Leben\u00a0in Gottes Dienst gestellt hat und entsprechend handelt. Auf sein Wort\u00a0hin t\u00f6tete Elia vierhundertundf\u00fcnfzig Propheten Baals.\u00a0Als Konsequenz trachtet Isebel ihm nach dem Leben.\u00a0Er flieht und bittet um den Tod, weil er sich schuldig f\u00fchlt und\u00a0sich f\u00fcr genauso verwerflich h\u00e4lt, wie die, die er umgelegt\u00a0hat. An Elias Verhalten wird der wesentliche <strong>Unterschied<\/strong> deutlich.<\/p>\n<p>In dieser Lage wendet sich Elia ganz selbstverst\u00e4ndlich an seinen\u00a0Herrn, nicht mit der Bitte, die Bedrohung von ihm abzuwenden, sondern\u00a0ihn sterben zu lassen. Er gibt sein Leben in Gottes H\u00e4nde. Der\u00a0Wunsch das Leben zu beenden, unterscheidet Elia weder von vielen verzweifelten\u00a0Selbstm\u00f6rdern oder anderen am Leben verzagten Menschen, noch vom\u00a0Amokl\u00e4ufer aus Freising.<\/p>\n<p>Elia gibt sich eine Schuld, die nur durch den Tod getilgt werden kann.\u00a0Deshalb gibt er sein Leben in Gottes H\u00e4nde, w\u00e4hrend die, die\u00a0Gott nicht kennen bei sich selber bleiben. Diesen bleibt die M\u00f6glichkeit\u00a0von Gott Hilfe und Rettung zu erfahren verborgen. In zugespitzter Variante\u00a0werden unschuldige Mitmenschen f\u00fcr die eigene Hoffnungslosigkeit\u00a0verantwortlich gemacht.\u00a0Gott schickt nicht Tod, sondern Leben.<\/p>\n<p>Gott schickt einen Boten, der an Elia ganz praktisch handelt: er bringt\u00a0ihm die Nahrungsmittel, die ihm in der W\u00fcste das \u00dcberleben\u00a0erm\u00f6glichen: Wasser und Brot. Elia st\u00e4rkt sich. Er gewinnt\u00a0seine k\u00f6rperlichen Kr\u00e4fte zur\u00fcck und im Vertrauen auf\u00a0die F\u00fchrung Gottes isst er, steht er auf und setzt erfrischt seinen\u00a0Lebensweg fort. Er geht weiter. Sein Leben mit Gott ist noch nicht zu\u00a0Ende. Bereitwillig l\u00e4sst sich Elia f\u00fchren. Hierbei macht Elia\u00a0allerdings die Erfahrung, dass Gott anders an ihm handelt als er es\u00a0sich gew\u00fcnscht h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Kehren wir zur\u00fcck zu unseren sehr unterschiedlichen Beispielen,\u00a0die uns im Alltag begegnen.<\/p>\n<p>Schaue ich etwas genauer hin, so sehe ich, dass Gott auch meiner Gro\u00dfmutter\u00a0nicht den ersehnten Tod schickt, stattdessen meiner Mutter die n\u00f6tige\u00a0Kraft gibt sie zu pflegen.<\/p>\n<p>Die Begegnung unseres kleinen Handwerkers mit Gott kenne ich nicht.\u00a0Eine Begegnung des Amokl\u00e4ufers mit Gott nach der Tat in dieser\u00a0Welt hat es vermutlich nicht mehr gegeben.<\/p>\n<p>Die Vorstellung Gott als Begleiter in der Abwendung von der Welt wurde\u00a0uns mit Elia gerade verwehrt.\u00a0Ich kann nur eines sagen: seht mit euren Augen stets auf den Herrn.\u00a0Von dort kommt euch Hilfe. Hilfe vielleicht anders als erwartet und\u00a0gew\u00fcnscht wird. Doch sie kommt so sicher wie sie auch f\u00fcr\u00a0Elia gekommen ist. Diese Hilfe f\u00e4llt jedoch nicht vom Himmel. Gott\u00a0gibt die St\u00e4rke, die uns im Glauben <strong>und<\/strong> im Hadern hilft,\u00a0den Glauben zu leben. Elia war schwach und wollte fliehen. Doch auf\u00a0der Flucht hat Gott ihn zur\u00fcckgeholt. Im Hadern wurde der Glaube\u00a0erneut geweckt und ist lebendig geworden. Er war noch nicht entflohen.\u00a0Glaube ist keine Laune.<\/p>\n<p>\u00d6ffnet eure Augen und seid bereit. Auf Gottes Hilfe hoffen hei\u00dft\u00a0auch aus Verzweiflung geholt werden und sich in einen gesch\u00fctzten\u00a0Raum begeben, der vor mancher \u00dcbeltat oder Kurzschlusshandlung\u00a0bewahrt.<\/p>\n<p>Nach deiner Weisung sehne ich mich, mein Gott,\u00a0Denn im unklaren komme ich nicht zurecht.\u00a0Dein Wort ordnet mir die Welt,\u00a0dass ich erkenne, was recht ist. \u00a0Dein Ruf lockt mich ins Licht,\u00a0dass ich dir sehend folgen kann.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Dr. Marlies St\u00e4hler<br \/>\n<a href=\"mailto:MarliesStaehler@aol.com\">E-Mail: MarliesStaehler@aol.com<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oculi | 3. M\u00e4rz 2002 | 1. K\u00f6nige 19, 1-8 |\u00a0Marlies St\u00e4hler | Liebe Gemeinde, der Predigttext f\u00fcr den heutigen Sonntag Okuli steht im Zeichen\u00a0des Themas dieses Sonntags:\u00a0&#8222;Meine Augen sehen stets auf den Herrn&#8220; Mit bewegenden Worten wird uns im 1. 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