{"id":9056,"date":"2021-02-07T19:49:56","date_gmt":"2021-02-07T19:49:56","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9056"},"modified":"2023-02-02T09:48:17","modified_gmt":"2023-02-02T08:48:17","slug":"1-koenige-19-1-8-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-koenige-19-1-8-2\/","title":{"rendered":"1. K\u00f6nige 19, 1-8"},"content":{"rendered":"<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Oculi, 3. M\u00e4rz 2002<br \/>\nPredigt \u00fcber 1. K\u00f6nige 19, 1-8, verfa\u00dft von Friedrich<br \/>\nSeven<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>(Zur Predigt vgl. Die Meditation von H.-M. Gutmann in GPM 2001, 1)<\/p>\n<p><em>1 Und Ahab sagte Isebel alles, was Elia getan hatte und wie er alle Propheten Baals mit dem Schwert umgebracht hatte. 2 Da sandte Isebel einen Boten zu Elia und lie\u00df ihm sagen: Die G\u00f6tter sollen mir dies und das tun, wenn ich nicht morgen um diese Zeit dir tue, wie du diesen getan hast! 3 Da f\u00fcrchtete er sich, machte sich auf und lief um sein Leben und kam nach Beerscheba in Juda und lie\u00df seinen Diener dort. 4 Er aber ging hin in die W\u00fcste eine Tagereise weit und kam und setzte sich unter einen Wacholder und w\u00fcnschte sich zu sterben und sprach: Es ist genug, so nimm nun, Herr, meine Seele; ich bin nicht besser als meine V\u00e4ter. 5 Und er legte sich hin und schlief unter dem Wacholder. Und siehe, ein Engel r\u00fchrte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und i\u00df! 6 Und er sah sich um, und siehe, zu seinen H\u00e4upten lag ein ger\u00f6stetes Brot und ein Krug mit Wasser. Und als er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen. 7 Und der Engel des Herrn kam zum zweitenmal wieder und r\u00fchrte ihn an und sprach: Steh auf und i\u00df! Denn du hast einen weiten Weg vor dir. 8 Und er stand auf und a\u00df und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig N\u00e4chte bis zum Berg Gottes, dem Horeb.<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>&#8222;Steh auf und i\u00df&#8220;, so mu\u00df man nicht zu einem Sieger sprechen, und hat nicht der Prophet Elia doch gerade noch einen gro\u00dfen Sieg davongetragen: Es war auf dem Berg Karmel gewesen, wohin Elia seine religi\u00f6sen Konkurrenten, die Propheten des Baal versammelt hatte, um endlich die \u00dcberlegenheit seines Herrn zu demonstrieren. Der Scheiterhaufen der Baalspropheten wollte nicht brennen, aber der Gott Elias anwortete mit Feuer und wu\u00dfte die Zuschauer von sich und von seinem Propheten zu \u00fcberzeugen, so da\u00df sie bekannten: &#8222;Der Herr ist Gott, der Herr ist Gott.&#8220;(1. K\u00f6nige 18, 39b)<\/p>\n<p>Der Sieg war so gro\u00df, da\u00df der Taumel Elia zu einer Tat hinri\u00df, vor der wir noch heute erschrecken: der Prophet wollte den Sieg seines Herrn noch \u00fcberbieten, der Rausch wurde zum Blutrausch und Elia t\u00f6tete die doch schon vernichteten religi\u00f6sen Konkurrenten.<\/p>\n<p>Nun mu\u00df er freilich selbst damit rechnen, get\u00f6tet zu werden. Isebel, die Gattin des K\u00f6nigs Ahab will ihre Propheten, ihre Glaubensbr\u00fcder r\u00e4chen, sie schw\u00f6rt bei ihren G\u00f6ttern, ihm das anzutun, was er seinen Widersachern angetan hat. Der Sieger mu\u00df fliehen.<\/p>\n<p>Wir erfahren nichts genaues, woran Elia bei seiner Flucht denken mag, doch wie auf jeden Rausch die Ern\u00fcchterung , so werden auf diesen Blutrausch auch die Angst und das Gef\u00fchl der Schuld gefolgt sein.<\/p>\n<p>Sollte das Leben mit diesem Gott ein Leben im Auf- und Ab von religi\u00f6sen Siegen und Niederlagen bleiben. Sollte er, Elia, nicht anders leben und weiter leben k\u00f6nnen, als seine V\u00e4ter vor ihm gelebt haben, immer wieder in Krisensituationen verstrickt mit feindlichen M\u00e4chten und ihren fremden G\u00f6ttern, im Glauben und im Selbstvertrauen stets davon abh\u00e4ngig, wie gef\u00e4hrlich oder weniger gef\u00e4hrlich andere Menschen und deren G\u00f6tter f\u00fcr sie werden konnten.<\/p>\n<p>W\u00fcrde der Kampf nie enden und w\u00fcrden Glaubensschwestern und -br\u00fcder in erster Linie immer nur Kampfgef\u00e4hrten bleiben. Ein Leben mit Siegen, die doch immer schon den Keim der n\u00e4chsten Niederlage in sich tr\u00fcgen und mit Menschen, die sich gerade nur im gemeinsamen Kampf am n\u00e4chsten sind.<\/p>\n<p>Bei solchen Aussichten mag man den Mut wohl sinken lassen, und es sind gar nicht mehr die H\u00e4scher der Isebel, die den Propheten bedrohen, lebensbedrohlich wird er sich selbst: &#8222;Es ist genug, so nimm nun Herr meine Seele; ich bin nicht besser als meine V\u00e4ter!&#8220;.<\/p>\n<p>Elia ist in der tiefsten Verzweiflung und der gr\u00f6\u00dften Gefahr, er zweifelt an sich und ist in der Einsamkeit, in die er sich begeben hat, sich selbst ausgeliefert. Er ist nicht etwa in die H\u00e4nde des lebendigen Gottes gefallen, sondern in seine eigenen.<\/p>\n<p>Darum m\u00f6chte er, da\u00df Gott ihn aus diesem Leben nimmt. Gott soll ihn nur als Sieger im Leben kennen, als erfolgreiches Werkzeug und Knecht, nicht als den, der sich immer wieder auch f\u00fcrchtet und dessen Mut und Zutrauen neu entfacht werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Da kommt einer, ein Engel hei\u00dft es, also ein Bote, und der r\u00fchrt ihn an und spricht nur einen Satz: &#8222;Steh auf, und i\u00df!&#8220; So spricht kein Kampfgef\u00e4hrte, der meint, doch vor allem die Moral, den Glauben dieses m\u00fcden Kameraden aufrichten zu m\u00fcssen. Da spricht einer, der im Augenblick, da er spricht und handelt, wei\u00df, da\u00df es jetzt nur auf diesen Augenblick allein ankommt, und das, was davor oder danach kommen wird, jetzt ohne Belang ist.<\/p>\n<p>Der Bote Gottes scheint alles qu\u00e4lende zuvor und danach f\u00fcr diesen Augenblick wegzuwischen und die m\u00e4chtige Hand Gottes wird zur menschlichen Ber\u00fchrung. Gottes Gnadenzusage klingt wie die Aufforderung &#8222;Steh auf und i\u00df&#8220; und der Segen schmeckt nach frischem Wasser und warmem Brot. F\u00fcr einen Moment ist Gott ganz bei diesem Menschen und lebt dieser Mensch ganz aus Gott.<\/p>\n<p>So fangen keine Siege an und keine Niederlagen. Hier keimt eine andere Geschichte. Doch wenn der Engel dann fortf\u00e4hrt: &#8222;Denn du hast einen weiten Weg vor Dir&#8220; h\u00f6ren wir gleich, wie fl\u00fcchtig der Augenblick ist. Da wird schon wieder begr\u00fcndet, schon wieder Ausschau gehalten und der Weg soll dem Propheten vor Augen liegen, damit die schon bekannte Geschichte endlich weitergehen kann.<\/p>\n<p>Diese Geschichte braucht uns freilich keiner mehr zu erz\u00e4hlen. Zu sehr leben wir selbst unter dem Diktat von Siegen und noch mehr Niederlagen, von eingebildeten Erfolgen und noch sch\u00f6ner geredeten Pleiten.<\/p>\n<p>Nur wird die Verzweiflung vielleicht heute noch gr\u00f6\u00dfer, weil der Glaube nicht mehr heranreicht an den Gott, der nehmen, geschweige denn geben k\u00f6nnte. &#8222;Wer befreit mich von mir selbst?&#8220; -so gefragt, kommen wir heute vielleicht der Verzweiflung des Propheten am n\u00e4chsten.<\/p>\n<p>Doch kann mit der Verzweiflung auch die Hoffnung wachsen, die sich von solchen Geschichten n\u00e4hrt, mit denen wir uns mutmachen; wenn etwa ein Genesender von dem Krankenpfleger erz\u00e4hlt, der pl\u00f6tzlich am Bett stand und ihm, dem verzweifelten Kranken, etwas zutraute, was er sich selbst nicht mehr zugetraut h\u00e4tte: &#8222;Sie k\u00f6nnen bestimmt schon etwas trinken!&#8220; Da wurde dann pl\u00f6tzlich bei einem Schluck Tee klar, da\u00df die Krise noch vor dem Anbruch des Morgens \u00fcberwunden war. Oder wenn einer von der Hand erz\u00e4hlt, die ihn in die Tischgemeinschaft zur\u00fcckholte, von der er sich noch gerade zuvor entfernt hatte in der verzweifelten Gewi\u00dfheit, mit diesen Menschen nie wieder essen und trinken zu k\u00f6nnen. Vielleicht wei\u00df auch einer von einem Lehrer zu berichten, der w\u00e4hrend der Klausur beim gef\u00fcrchteten Blick \u00fcber die Schulter den Fehler entdeckte und mit einem kurzen Fingerzeig weiterhalf.<\/p>\n<p>Gottes Boten kommen zumeist \u00fcberraschend und gehen unbemerkt wieder weg. Im Nachhinein wird es dann auch wieder unklar, wer mir denn da nun weitergeholfen hat, ob es \u00fcberhaupt eine Hilfe war und ob Gott da seine Hand mit im Spiel hatte. Was aber bleibt ist die Hoffnung, da\u00df Gott helfen kann im n\u00e4chsten Augenblick.<\/p>\n<p>Amen!<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Dr. Friedrich Seven<br \/>\nIm Winkel 6<br \/>\n37412 Scharzfeld<br \/>\n05521\/2429<br \/>\n<a href=\"mailto:friedrichseven@compuserve.de\">E-mail: friedrichseven@compuserve.de<\/a><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oculi, 3. M\u00e4rz 2002 Predigt \u00fcber 1. K\u00f6nige 19, 1-8, verfa\u00dft von Friedrich Seven (Zur Predigt vgl. Die Meditation von H.-M. 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