{"id":9057,"date":"2021-02-07T19:49:56","date_gmt":"2021-02-07T19:49:56","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9057"},"modified":"2023-02-02T09:52:14","modified_gmt":"2023-02-02T08:52:14","slug":"1-koenige-19-1-13","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-koenige-19-1-13\/","title":{"rendered":"1. K\u00f6nige 19, 1-13"},"content":{"rendered":"<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Oculi, 3. M\u00e4rz 2002<br \/>\nPredigt \u00fcber 1. K\u00f6nige 19, 1-13, verfa\u00dft von Wolfdietrich\u00a0Rasp<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>Liebe Geschwister in Christus,<\/p>\n<p>Elija rennt, er nimmt seine Beine in die Hand, geht im Eiltempo, flieht aus Angst um sein Leben.<\/p>\n<p>Hinter Elija liegt ein scheinbar \u00fcberw\u00e4ltigender Sieg, die wichtigsten Priester des Baal sind umgekommen, dort am Berg Karmel. Er hat mit ihnen gewetteifert, wessen Gott m\u00e4chtiger sei, ob der Gott seiner Vorv\u00e4ter, der Gott Abrahams, Issaks und Jakobs oder ihr Gott, Baal, der Gott des Lebens und der Fruchtbarkeit. Hinter ihnen, den Priestern des Baal steht Isebel, die K\u00f6nigin, die aus Ph\u00f6nizien stammt, der Gegend, in der heute der Libanon liegt. Sie hatte Ahab geheiratet, den K\u00f6nig des Staates Israel, der n\u00f6rdlichen Teils des einst gro\u00dfen Reiches von David und Salomo, heute Galil\u00e4a. Sie hat auch ihren Glauben mit gebracht. Isebel f\u00f6rdert, protegiert die Verehrung des Baal, sie unterst\u00fctzt die Religion, deren Gott auf einem Stier thront, deren Gott die Menschen sehen k\u00f6nnen, anfassen, ber\u00fchren, mit Augen und H\u00e4nden ergreifen k\u00f6nnen. Schwer hat es Elija, haben es die Freunde des Elija. Ihren Gott k\u00f6nnen die Menschen nur glauben, nicht sp\u00fcren, nicht ber\u00fchren oder anfassen und schon gar nicht sehen. Und dann geschieht das f\u00fcr Isebel und die Menschen im Glauben an Baal Unfassbare: die Oberschicht der Priester kommt um. Als Isebel, die unsere Bibel als eifernde und machtbewu\u00dfte K\u00f6nigin schildert, als Isebel dies erf\u00e4hrt, will sie Elija ans Leder. Sie will seinen Kopf, sein Leben.<\/p>\n<p>Und Elija rennt, rennt um sein Leben, flieht aus Samaria, l\u00e4uft durch Juda hindurch, an Jerusalem vorbei, bis hinunter an das s\u00fcdlichste Ende Judas, bis nach Beerscheba. Erst dort w\u00e4hnt er sich einigerma\u00dfen sicher, hat hier doch sein Gott, der Gott Israels einen ganz alten Altar.<\/p>\n<p>Doch ist dieser Ort nicht das Ziel Elijas, er will, muss weiter. Allein geht er einen Tag lang mitten in die W\u00fcste, so lange, bis er an einen Ginsterbusch kommt. Elija ist gelaufen, gerannt und jetzt ist er allein &#8211; er w\u00e4hnt sich am Ziel. Er setzt sich in den Schatten des Busches, will \u00fcberhaupt nicht mehr weiter. Er hat keine Kraft mehr, alle seine Reserven sich aufgebraucht, die physischen und die psychischen Tanks sind leer, er ist ausgebrannt, kaputt, fertig mit sich, mit Gott und mit der Welt. Elija ist lebensm\u00fcde. Gott lass mich hier und heute sterben, ich bin nicht besser als meine V\u00e4ter, so bittet Elija Gott, so bitter ist das Fazit seines Lebens. Ich bin nicht besser als meine V\u00e4ter, sagt er. Sein Traum, es besser zu machen als sein Vater, als seine v\u00e4terlichen Vorbilder ist verflogen, ist unterwegs verloren gegangen.<\/p>\n<p>Elija, liebe Mitchristinnen und Mitchristen, ein Parademann, ein Vorbild f\u00fcr M\u00e4nner heute? Gro\u00dfe Dinge bewegen, Heldentaten tun, dar\u00fcber die Perspektive verlieren dann fertig sein, ohne Kraft und Mut, Elija &#8211; ein moderner Mann &#8211; hier in der W\u00fcste am Ende angekommen?<\/p>\n<p>Nicht mehr kann Elija tr\u00e4umen, nicht mehr hat er Visionen, nicht mehr Kraft &#8211; Elija ist ausgepowert. Nach seinen Ma\u00dfst\u00e4ben, nach den Ma\u00dfst\u00e4ben unserer Welt bleibt nur der Weg in den Tod. Er legt sich hin, schl\u00e4ft. Nicht mehr will er aufwachen im Hier und Heute, sondern erst dort im Jenseits.<\/p>\n<p>Aber es kommt anders. Ein Bote Gottes, ein Engel nimmt Kontakt mit dem Schlafenden auf, erreicht ihn an dem Sinnesorgan, das uns auch im Schlaf zum Tod erhalten bleibt &#8211; Elija wird ber\u00fchrt. Dann: keine Diskussionen, keine Debatten, sondern schlicht und einfach Lebensmittel findet der Prophet und die Weisung zu essen. Der lebenssatte Elija erh\u00e4lt Lebensmittel &#8211; und hungrig isst er. Satt schl\u00e4ft er wieder, aber nicht mehr den Schlaf zum Tod. Und dann kommt Gott im Engel ein zweites Mal zu dem Schlafenden. Wieder soll er essen und trinken, satt werden um sich auf den Weg zu machen.<\/p>\n<p>Nicht soll er hier bleiben an diesem Ort, an dem der Tod auf ihn wartet. Er soll von hier weg gehen, soll sich nach der N\u00e4he des Todes wieder dem Leben, soll sich wieder Gott zuwenden. Elija wird wieder unterwegs sein, wird wieder rennen &#8211; doch diesmal wird er nicht fliehen und davon laufen. Gest\u00e4rkt durch Brot und Wasser, gest\u00e4rkt durch Lebensmittel geht Elija eine lange Zeit, unser Text spricht von vierzig Tagen. Elija geht vierzig Tage, die Zeit, die damals und heute j\u00fcdische Frauen nach einer Geburt brauchen, um wieder Gottesdienst mitfeiern zu d\u00fcrfen, um kultisch rein zu werden. Elija l\u00e4sst den Tod hinter sich, er wird wieder rein um zu Gott zu gelangen. Und er geht, weit geht er in die W\u00fcste hinein, sein Ziel ist der Berg Sinai, der Horeb, der Berg, an dem Mose die Weisungen Gottes empfangen hat.<\/p>\n<p>Elija hat wieder ein Ziel, nicht rennt er mehr einfach weg, sondern er geht nach dem tiefen Tal der Depression, der Sehnsucht nach dem Tod und der N\u00e4he des Todes zu dem Ort, an dem ihm Gott begegnen wird. Im Traum erscheint ihm Gott, kommt er mit Gott ins Gespr\u00e4ch. Er l\u00e4sst seine Leidensgeschichte noch einmal Revue passieren. Seine Niederlage lebt noch einmal auf, wieder schmerzen die Verletzungen, in dem Elija sie Gott erz\u00e4hlt, wieder ist es ganz klar vor seinem inneren Auge da, was ihn aus Israel und Samaria, was ihn vor Isebel davon laufen lies. Aber Elija ist aus dem tiefen Tal der Depression herausgetreten, obwohl er sich in einer H\u00f6hle, im Bauch der Erde birgt. Gott antwortet der Schilderung Elijas, er wird sich ihm zeigen. Elija sp\u00fcrt einen Sturm, wie er ihn erlebt hat von Isebel her kommend, Elija sp\u00fcrt ein Erdbeben, gro\u00dfe Ersch\u00fctterungen, wie er sie ausgel\u00f6st hat, Elija sp\u00fcrt ein Feuersturm, wie er ihn auf dem Berg Karmel erlebt hat &#8211; aber in all dem ist Gott nicht zu finden.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich, liebe Mitchristinnen und Mitchristen, k\u00f6nnten wir jetzt spekulieren, ob Elija Gott in diesen m\u00e4chtigen Erscheinungen \u00fcberhaupt h\u00e4tte aushalten und ertragen k\u00f6nnen, ob der sein inneres Gleichgewicht findende Mann Gott \u00fcberhaupt ausgehalten h\u00e4tte im Sturm, im Erdbeben, im Feuer.<\/p>\n<p>Aber Gott zeigt sich anders, unerwartet, im sanft s\u00e4uselnden Windhauch. Gott zeigt sich so, wie Elija ihn annehmen, aushalten kann, ohne weg zu laufen oder zu rennen. Gott zeigt sich sanft und mild, liebevoll umweht ein zarter Hauch Elija &#8211; und wenn wir wollen, auch uns. Halleluja, gelobt sei unser Gott.<\/p>\n<hr \/>\n<p>(Literatur: Predigtstudien VI\/1 zur Stelle)<\/p>\n<p><strong>Gebet:<\/strong><\/p>\n<p>Gott in der W\u00fcste, Du bist ein Gott, der immer da ist, ob wir uns in der W\u00fcste aufhalten, ob wir im tiefen Tal der Depression gefangen sind, ob wir am Rand des Todes stehen &#8211; immer bist Du da, nie willst Du uns alleine lassen. Doch oft genug kann ich das gar nicht richtig annehmen, kann ich Deine N\u00e4he gar nicht gut sp\u00fcren und empfinden, geschweige denn &#8211; glauben. Ich fliehe, ich gehe weg, st\u00fcrze mich in Besch\u00e4ftigung, in Beziehungen, in Hektik &#8211; und das alles nur, um Dich, Gott, nicht wahr zu nehmen, so bitten wir Dich: Kyrie eleison<\/p>\n<p>Gott am Ginsterbusch, Du bist da, auch wenn wir an den \u00e4u\u00dfersten Rand fliehen, wenn wir gar nichts mehr vom Leben wissen wollen. Dann machst Du uns einfach Mut mit Lebensmitteln, nicht mit langen Debatten und klugen Reden, dann st\u00e4rkst Du uns und machst uns satt und hilfst von Neuem auf die Beine, so wie Du dem Elija geholfen hast. Danke. Mache uns immer wieder Mut, schenke uns Kraft und Zuversicht, und dann stelle uns Menschen an die Seite, die uns begleiten, st\u00fctzen und st\u00e4rken, so bitten wir Dich: Kyrie eleison<\/p>\n<p>Gott, im zarten Windhauch, dort, wo Dich Niemand vermutet h\u00e4tte, im zarten Windhauch, da bist Du zu finden, guter Gott. Du ummantelst uns mit Deiner zarten Liebe, mit einer Geste, die Trauernden gut tut, mit einem L\u00e4cheln eines Menschen nach einer schlechten Note in der Schule, nach einem Streit zu Hause, nach einer Diskussion im Gesch\u00e4ft. Sei immer wieder neu um uns herum. Und Gott, umwehe auch die Menschen unter uns, die krank sind, umwehe die Menschen, die mitleiden und sich sorgen um die nahen und die fernen N\u00e4chsten, so bitten wir Dich: Kyrie eleison<\/p>\n<p>Gott, H\u00f6rerin unserer Bitten,<\/p>\n<p>stille<\/p>\n<p>so bitten wir Dich: Kyrie eleison<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Wolfdietrich Rasp<br \/>\nWaldmohrer Strasse 13<br \/>\n66916 Breitenbach<br \/>\n<a href=\"mailto:ProtPfarramtBreitenbach@t-online.de\">E-Mail: ProtPfarramtBreitenbach@t-online.de<\/a><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oculi, 3. M\u00e4rz 2002 Predigt \u00fcber 1. K\u00f6nige 19, 1-13, verfa\u00dft von Wolfdietrich\u00a0Rasp Liebe Geschwister in Christus, Elija rennt, er nimmt seine Beine in die Hand, geht im Eiltempo, flieht aus Angst um sein Leben. Hinter Elija liegt ein scheinbar \u00fcberw\u00e4ltigender Sieg, die wichtigsten Priester des Baal sind umgekommen, dort am Berg Karmel. 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