{"id":9079,"date":"2021-02-07T19:49:57","date_gmt":"2021-02-07T19:49:57","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9079"},"modified":"2022-08-08T19:50:57","modified_gmt":"2022-08-08T17:50:57","slug":"apostelgeschichte-10-34a-36-43-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/apostelgeschichte-10-34a-36-43-2\/","title":{"rendered":"Apostelgeschichte 10, 34a.36-43"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<table border=\"0\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><a name=\"top\"><\/a><b><a href=\"http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/\">G\u00f6ttinger<br \/>\nPredigten im Internet<br \/>\nhg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch <\/a><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\">\n<p><b><span style=\"color: #000099;\">Ostermontag, 1. April 2002<br \/>\nApostelgeschichte 10, 34a.36-43, verfa\u00dft von Johannes Neukirch<br \/>\n<\/span><\/b><\/p>\n<\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Apostelgeschichte 10, 34a.36-43<br \/>\nPetrus tat seinen Mund auf und sprach: Gott hat das Wort dem Volk Israel<br \/>\ngesandt und Frieden verk\u00fcndigt durch Jesus Christus, welche ist Herr<br \/>\n\u00fcber alle. Ihr wi\u00dft, was in ganz Jud\u00e4a geschehen ist,<br \/>\nangefangen von Galil\u00e4a nach der Taufe, die Johannes predigte, wie<br \/>\nGott Jesus von Nazareth gesalbt hat mit heiligem Geist und Kraft; der<br \/>\nist umhergezogen und hat Gutes getan im j\u00fcdischen Land und in Jerusalem.<br \/>\nDen haben sie an das Holz geh\u00e4ngt und get\u00f6tet. Den hat Gott<br \/>\nauferweckt am dritten Tag und ihn erscheinen lassen, nicht dem ganzen<br \/>\nVolk, sondern uns, den von Gott vorher erw\u00e4hlten Zeugen, die wir<br \/>\nmit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er auferstanden war von<br \/>\nden Toten. Und er hat uns geboten, dem Volk zu predigen und zu bezeugen,<br \/>\nda\u00df er von Gott bestimmt ist zum Richter der Lebenden und der Toten.<br \/>\nVon diesem bezeugen alle Propheten, da\u00df durch seinen Namen alle,<br \/>\ndie an ihn glauben, Vergebung der S\u00fcnden empfangen sollen.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>&#8222;Bewegungsfreiheit&#8220; ist f\u00fcr mich ein sehr hohes Gut. Ich<br \/>\nliebe das Gef\u00fchl, mich frei bewegen zu k\u00f6nnen, reisen zu k\u00f6nnen<br \/>\ngenau so wie das Gef\u00fchl, frei denken und reden zu k\u00f6nnen, beides<br \/>\nist, wie wir wissen, nicht selbstverst\u00e4ndlich. Selbstverst\u00e4ndlich<br \/>\nbewege ich mich, wie alle anderen Menschen auch, in bestimmten Grenzen.<br \/>\nIch kann auch nur dann wegfahren, wenn meine Frau und ich Urlaub haben.<br \/>\nIch bewege mich, ich f\u00fchre mein Leben nach bestimmten Regeln und<br \/>\nKonventionen. Trotzdem habe ich ganz grunds\u00e4tzlich das Gef\u00fchl<br \/>\nvon Bewegungsfreiheit.<\/p>\n<p>Ich komme auf diesen Begriff &#8222;Bewegungsfreiheit&#8220;, weil er am<br \/>\nEnde eines faszinierenden Werbespots steht, der zur Zeit im Fernsehen<br \/>\nausgestrahlt wird. Ein junger Mann steht in einem leerger\u00e4umten nichtssagenden<br \/>\nRaum, sein Gesicht in Nahaufnahme dr\u00fcckt ernste Entschlossenheit<br \/>\naus. Musik von H\u00e4ndel setzt ein. Dann f\u00e4ngt dieser Mann an zu<br \/>\nrennen, rennt durch den Raum auf die Wand zu und einfach durch die Wand<br \/>\nhindurch. Er rennt weiter, von Raum zu Raum, immer durch die W\u00e4nde<br \/>\nhindurch, quer zu den offenen Fluren, die in die andere Richtung gehen.<br \/>\nNeben ihm taucht eine junge Frau auf, auch sie durchbricht die W\u00e4nde.<br \/>\nBeide rennen durch die letzte Wand des Geb\u00e4udes, sind in einem Wald<br \/>\nund laufen einen riesigen Baum hoch. Sie werden immer schneller, die Musik<br \/>\nwird immer dramatischer, schlie\u00dflich sind sie am Wipfel des Baums,<br \/>\naber sie halten nicht an, sie rennen weiter und springen in den blauen,<br \/>\nendlosen Himmel hinein. Dann wird das Wort &#8222;Bewegungsfreiheit&#8220;<br \/>\neingeblendet. Das Ganze ist \u00fcbrigens ein Werbespot f\u00fcr eine<br \/>\nJeanshose.<\/p>\n<p>Noch nie sah ich einen Drei\u00dfig-Sekunden-Film, der so intensiv Freiheit<br \/>\nund die Sehnsucht nach \u00dcberwindung von Grenzen darstellt. Die Grenzen<br \/>\ndurchbrechen, Mauern \u00fcberwinden und sich dann in den blauen Himmel<br \/>\nfallen lassen. Das ist ja auch die Aufgabe derer, die Werbung machen:<br \/>\nSie m\u00fcssen unsere Sehns\u00fcchte treffen und abbilden, sie m\u00fcssen<br \/>\nuns sagen: mit diesem Produkt hebst du dich \u00fcber dein graues allt\u00e4gliches<br \/>\nLeben hinaus. Mit diesem Produkt kommst du weiter, bist du mehr.<\/p>\n<p>Bewegungsfreiheit &#8211; da f\u00e4llt mir sofort ein, wo die Bewegungsfreiheit<br \/>\neingeschr\u00e4nkt ist. In Fl\u00fcchtlingslagern, in Kriegsgebieten,<br \/>\ndort wo M\u00e4dchen verboten wird, die Schule zu besuchen, \u00fcberall<br \/>\nwo Menschen unterdr\u00fcckt werden, wo sie hungern, wo sie keine Arbeit<br \/>\nhaben. Auch eine Krankheit kann die Bewegungsfreiheit enorm einschr\u00e4nken.<br \/>\nGenau so schlimm ist es, wenn man seine Meinung nicht frei \u00e4u\u00dfern<br \/>\nkann, wenn man im Denken und F\u00fchlen behindert wird. Und was es bedeutet,<br \/>\nwenn sich die Menschen gegenseitig die Bewegungsfreiheit nehmen, das sehen<br \/>\nwir zur Zeit in Israel.<\/p>\n<p>Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht: Der Abschnitt aus<br \/>\nder Apostelgeschichte, den ich als Predigttext vorgelesen habe, ist ein<br \/>\nsch\u00f6nes Beispiel daf\u00fcr, wie Menschen mehr Bewegungsfreiheit<br \/>\ngeschenkt wurde.<\/p>\n<p>Petrus erz\u00e4hlt von Jesus &#8211; aber nicht irgendjemandem, sondern dem<br \/>\nr\u00f6mischen Hauptmann Kornelius. Dieser hatte zwei seiner Leute zu<br \/>\nPetrus geschickt, um ihn zu sich zu holen. Wie Petrus und Kornelius zusammenkommen,<br \/>\nist eine komplizierte, aber interessante Geschichte. Eigentlich ist zwischen<br \/>\nihnen eine Mauer, eine religi\u00f6se Mauer, die zwischen dem Juden Petrus<br \/>\nund dem Heiden Kornelius, der aus der Sicht des Petrus unrein war, ein<br \/>\nFremder, jemand, zu dem man eigentlich keinen Kontakt aufnimmt. In der<br \/>\nApostelgeschichte wird nun sowohl von Kornelius als auch von Petrus berichtet,<br \/>\ndass sie Erscheinungen hatten. Kornelius hatte die Erscheinung eines Engels,<br \/>\nder zu ihm sagte, er solle Petrus zu sich holen. Petrus wiederum hatte<br \/>\neine Erscheinung, die ihm klar machte, dass die Unterscheidung von rein<br \/>\nund unrein, von Jude und Heide keine gottgewollte Unterscheidung ist!<br \/>\nSie sehen, liebe Gemeinde, es waren Umwege und gro\u00dfe Anstrengungen<br \/>\nn\u00f6tig, bis sich die beiden treffen konnten. Aber es war ein historisch<br \/>\n\u00fcberaus bedeutsames Treffen: der christliche Glaube \u00fcberwindet<br \/>\ndie Mauer zwischen Juden und Heiden, nur so konnte er sich weiter und<br \/>\nschlie\u00dflich auch zu uns hin ausbreiten: Bewegungsfreiheit.<\/p>\n<p>Nun ist Petrus also im Haus des Kornelius, das er vor kurzem noch erst<br \/>\ngar nicht betreten h\u00e4tte, sitzt mit ihm und seiner Familie an einem<br \/>\nTisch. Was geschieht?<\/p>\n<p>&#8222;Petrus tat seinen Mund auf und sprach&#8220; hei\u00dft es in aller<br \/>\nN\u00fcchternheit und dann fasst Petrus in wenigen Worten den Kern des<br \/>\nchristlichen Glaubens zusammen, er bezeugt den Grund christlicher Freiheit:<br \/>\nDass Jesus von Nazareth durch die Lande gezogen ist, voll des heiligen<br \/>\nGeistes und voller Kraft, dass er Gutes getan hat, alle gesund gemacht<br \/>\nhat, die in der Gewalt des Teufels waren, dass sie ihn get\u00f6tet haben<br \/>\nund dass Gott ihn am dritten Tag auferweckt hat.. Dass er danach als Auferstandener<br \/>\neinigen erschienen ist und ihnen befohlen hat, das alles weiterzuerz\u00e4hlen<br \/>\n&#8211; n\u00e4mlich dass alle, die an ihn glauben, die Vergebung ihrer S\u00fcnden<br \/>\nbekommen.<\/p>\n<p>In aller Schlichtheit bezeugt Petrus das, was geschehen ist. Nicht ohne<br \/>\nFolgen: &#8222;W\u00e4hrend Petrus noch diese Worte redete,&#8220; hei\u00dft<br \/>\nes, &#8222;fiel der heilige Geist auf alle, die dem Wort zuh\u00f6rten&#8220;.<\/p>\n<p>Bewegungsfreiheit &#8211; pl\u00f6tzlich war sie da, eine neue Bewegungsfreiheit.<br \/>\nWorte sind gefallen, die den Horizont ge\u00f6ffnet haben. Ob rein oder<br \/>\nunrein, ob Jude oder Heide, alle Schranken sind gefallen und der Heilige<br \/>\nGeist hat Kornelius und sein ganzes Haus in Ekstase versetzt. Sie &#8222;redeten<br \/>\nin Zungen&#8220; hei\u00dft es.<\/p>\n<p>Ich bin sicher, wenn Kornelius an diesem Tag diesen Werbespot, von dem<br \/>\nich erz\u00e4hlt habe, h\u00e4tte sehen k\u00f6nnen &#8211; er h\u00e4tte gesagt:<br \/>\ndas trifft genau meine Stimmung: Ich kann Mauern durchbrechen, ich bin<br \/>\nfrei. Denn ich wei\u00df jetzt von dem, der mich befreit hat, der f\u00fcr<br \/>\nmich gestorben ist, der von Gott von den Toten auferweckt worden ist und<br \/>\nf\u00fcr uns diesen Weg freigemacht hat.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich, liebe Gemeinde, gibt Ostern die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche<br \/>\nBewegungsfreiheit, die ich mir vorstellen kann. &#8222;Er hat zerst\u00f6rt<br \/>\nder H\u00f6llen Pfort, die Seinen all herausgef\u00fchrt&#8220; hei\u00dft<br \/>\nes in einem Osterlied. Und was das f\u00fcr uns bedeutet, wird in dem<br \/>\nLied beschrieben, das wir zum Schlu\u00df singen werden: &#8222;Wach auf,<br \/>\nmein Herz, die Nacht ist hin, die Sonn ist aufgegangen. Ermuntre deinen<br \/>\nGeist und Sinn, den Heiland zu umfangen, der heute durch des Todes T\u00fcr<br \/>\ngebrochen aus dem Grab herf\u00fcr der ganzen Welt zur Wonne.&#8220;<\/p>\n<p>Ich wei\u00df, es geht nicht &#8211; aber ich w\u00fcrde gerne der Werbeagentur<br \/>\ndiesen Spot abkaufen und nur den Schluss leicht \u00e4ndern. Wenn die<br \/>\nbeiden den Baum hoch gerannt sind und in den freien Raum springen, m\u00fcsste<br \/>\nman einblenden: Ostern gibt Bewegungsfreiheit. Denn der Herr ist auferstanden<br \/>\n&#8211; er ist wahrhaftig auferstanden.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><b>Dr. Johannes Neukirch<br \/>\n<a href=\"mailto:johannes.neukirch@evlka.de\">E-Mail: johannes.neukirch@evlka.de<\/a><\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch Ostermontag, 1. 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