{"id":9082,"date":"2021-02-07T19:49:57","date_gmt":"2021-02-07T19:49:57","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9082"},"modified":"2022-08-08T18:20:08","modified_gmt":"2022-08-08T16:20:08","slug":"hebraeer-13-20-21-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/hebraeer-13-20-21-3\/","title":{"rendered":"Hebr\u00e4er 13, 20-21"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<table border=\"0\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\">\n<p><a name=\"top\"><\/a><b><a href=\"http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/\">G\u00f6ttinger <\/a><\/b><\/p>\n<p>Predigten im Internet<\/p>\n<p>hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch<\/p>\n<\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\">\n<p><b><span style=\"color: #000099;\">Miserikordias Domini<\/span><span style=\"color: #000099;\"><br \/>\n(2. Sonntag nach Ostern), 14. April 2002<br \/>\nHebr\u00e4er 13, 20-21, verfa\u00dft von Angelika \u00dcberr\u00fcck<\/span><\/b><\/p>\n<\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Haben Sie zu Ostern auch Briefe, Karten und emails geschrieben oder bekommen?<br \/>\nWir w\u00fcnschen anderen &#8222;frohe Ostern&#8220; oder &#8222;ein gesegnetes<br \/>\nOsterfest&#8220; oder &#8222;lasst es euch gutgehen&#8220;. So beenden wir<br \/>\nauch sonst unsere Post oft mit guten W\u00fcnschen, mit dem, was uns wichtig<br \/>\nist. Ein Freund von uns schrieb neulich am Ende seines Briefes &#8222;Vielen<br \/>\nDank f\u00fcr eure Freundschaft&#8220;. Vielleicht haben Sie auch gerade<br \/>\nKonfirmationen in Ihren Familien oder in der Gemeinde und w\u00fcnschen<br \/>\nden Konfirmanden f\u00fcr ihren Lebensweg alles Gute.<\/p>\n<p>Wenn wir uns voneinander verabschieden, wenn jemand aus dem Haus zur<br \/>\nArbeit oder zur Schule geht, dann geben wir dem Anderen auch oft einen<br \/>\nguten Wunsch mit auf den Weg, etwas, was uns wichtig ist. Mein Mann macht<br \/>\ndas meistens leicht ironisch mit den Worten: &#8222;Fahr immer sch\u00f6n<br \/>\nrechts und verlier kein Geld.&#8220;. Ich eher mit: &#8222;Pass gut auf<br \/>\ndich auf.&#8220;<\/p>\n<p>Unser heutiger Predigttext ist auch so ein Briefschlu\u00df. Es ist<br \/>\nein l\u00e4ngerer Brief, in dem der Verfasser des Hebr\u00e4erbriefes<br \/>\nall die Dinge sagt, die er am christlichen Glauben wichtig findet. Und<br \/>\nnun gibt er am Schlu\u00df seines Briefes der Gemeinde, f\u00fcr die<br \/>\nder Brief bestimmt ist, noch einen Segenswunsch mit auf den Weg bevor<br \/>\ner dann, so wie wir es auch tun, Gr\u00fc\u00dfe ausrichtet. Er sagt<br \/>\nin diesem Segenswunsch das, was ihm besonders am Herzen liegt: &#8222;Gott<br \/>\nhelfe euch auch, all das Gute zu tun, das er haben will.&#8220;<\/p>\n<p>W\u00fcnsche auszusprechen oder zu schreiben zum Geburtstag, zu Festen<br \/>\noder eben beim Abschied ist f\u00fcr uns ganz selbstverst\u00e4ndlich,<br \/>\nheute wie damals. Dennoch ist schon die Frage, warum wir das eigentlich<br \/>\ntun. Wenn ich Sie jetzt fragen w\u00fcrde, k\u00e4men sicher Antworten<br \/>\nwie: weil ich dem\/der Anderen sagen m\u00f6chte, dass er\/sie mir wichtig<br \/>\nist. Wir m\u00f6chten dem\/der Anderen sagen, dass er \/sie uns nicht egal<br \/>\nist und wir m\u00f6chten, dass der oder die Andere wei\u00df, dass er\/sie<br \/>\nuns etwas bedeutet. Unsere W\u00fcnsche f\u00fcr Andere, denke ich, sollen<br \/>\ndie Beziehungen zu unseren Familien, Freunden und Bekannten festigen und<br \/>\nsch\u00f6ner werden lassen.<\/p>\n<p>Der Verfasser des Hebr\u00e4erbriefes dagegen begr\u00fcndet seine guten<br \/>\nW\u00fcnsche nicht damit, dass ihm seine Adressaten etwas Besonderes bedeuten,<br \/>\nsondern damit, dass wir Gott etwas bedeuten. Dass Gott uns liebt, ist<br \/>\nder Schl\u00fcssel f\u00fcr seine guten W\u00fcnsche. Gott hat seine Beziehung<br \/>\nzu uns schon verbessert und sch\u00f6ner gemacht. Das sollen wir zuerst<br \/>\nbedenken und verstehen.<\/p>\n<p>Der Hebr\u00e4erbrief sagt das mit in unseren Augen recht komplizierten<br \/>\nWorten: &#8222;Gott, der uns Frieden schenkt, hat den, der durch seinen<br \/>\nTod zum gro\u00dfen Hirten der Schafe geworden ist und mit seinem Blut<br \/>\nden ewigen Bund besiegelt hat, Jesus, unseren Herrn, vom Tod erweckt.&#8220;<\/p>\n<p>Dieser Satz ist erstmal ziemlich kompliziert, finde ich. Aber letztlich<br \/>\nist in diesem Satz nur das ganze Geschehen von Karfreitag und Ostern zusammengefasst.<br \/>\nKarfreitag und Ostern zeigen, wie sehr Gott uns liebt und wie sehr er<br \/>\nan guten Beziehungen zu uns interessiert ist. Um das deutlich zu machen,<br \/>\nbenutzt der Verfasser des Briefes alte christliche Bilder und Symbole,<br \/>\ndie seiner Gemeinde bekannt waren. Wir sollten sie uns noch einmal n\u00e4her<br \/>\nansehen.<\/p>\n<p>Als wir vor zwei Wochen Karfreitag gefeiert haben, haben wir uns daran<br \/>\nerinnert, dass Jesus f\u00fcr uns gestorben ist. Mit Karfreitag besiegelt<br \/>\nGott seine Liebe zu uns, d.h. er setzt ein sichtbares Zeichen f\u00fcr<br \/>\nseine Liebe. Dieses Zeichen, dieses Siegel ist sein Sohn Jesus Christus,<br \/>\nden er in den Tod gibt. Er selbst durchleidet all das, was wir Menschen<br \/>\ndurchleiden. Durch seinen Tod, so sagt es der Hebr\u00e4erbrief, wird<br \/>\ner zum gro\u00dfen Hirten. In anderen Stellen der Bibel steht: guter<br \/>\nHirte, aber es meint dasselbe. Und Ostern mit der Auferstehung Jesu wird<br \/>\ndeutlich, dass Jesus der gro\u00dfe Hirte bleibt, auch \u00fcber den<br \/>\nTod hinaus. Jesus hat den Tod besiegt, er hat Leid und Gewalt besiegt,<br \/>\ner hat Frieden gebracht f\u00fcr uns und die Welt.<\/p>\n<p>Dieses Geschehen von Karfreitag und Ostern, diese Liebe Gottes ist f\u00fcr<br \/>\nden Hebr\u00e4erbrief die Begr\u00fcndung f\u00fcr alle guten W\u00fcnsche.<br \/>\nDieser Wunsch: &#8222;Gott helfe euch auch, all das Gute zu tun, das er<br \/>\nhaben will&#8220; soll aber nicht einfach nur gesagt sein, sondern er soll<br \/>\nauch etwas bewirken, soll auch unsere Beziehungen untereinander verbessern.<br \/>\nUnd nicht nur zur Familie, zu Freunden und Bekannten, sondern zu allen<br \/>\nMenschen. Denn darum geht es beim Tun des Guten. Das Gute zu tun ist unsere<br \/>\nAntwort auf die Liebe Gottes. Weil Gott uns gezeigt hat, wie sehr er uns<br \/>\nliebt, sind wir aufgefordert, anderen unsere Liebe zu zeigen. Wir haben<br \/>\nLiebe empfangen, also k\u00f6nnen und sollen wir sie auch weitergeben.<\/p>\n<p>Ich hoffe, Ihnen ist die Gedankenbewegung des Segenswunsches unseres<br \/>\nPredigttextes ein wenig deutlich geworden.<br \/>\nAber ich will nicht bei der Gedankenbewegung allein stehenbleiben, sondern<br \/>\nich m\u00f6chte probieren, ein wenig konkreter zu sagen, was es bedeutet,<br \/>\ndas Gute zu tun. Denn es hat einen weiteren Horizont als nur unsere Freunde<br \/>\nund Bekannten und es meint nicht, ab und an mal hier und da eine Spende<br \/>\nf\u00fcr einen guten Zweck zu t\u00e4tigen, sondern es meint eine Lebenshaltung.<br \/>\nDiese m\u00f6chte ich, weil mir das Bild des gro\u00dfen Hirten f\u00fcr<br \/>\nJesus in unserem Predigttext am einleuchtendsten und anschaulichsten erscheint,<br \/>\nauch f\u00fcr uns am Bild des Hirten und der Schafherde deutlich machen.<br \/>\nAu\u00dferdem haben wir heute auch in den Lesungen schon eine Menge \u00fcber<br \/>\nden guten Hirten geh\u00f6rt. Es ist das Bild dieses Sonntags f\u00fcr<br \/>\nJesus.<\/p>\n<p>Sie kennen vielleicht die Hirten, die mit ihren Schafherden am Elbdeich<br \/>\nentlangziehen oder in der Heide das Heidekraut kurz halten.<br \/>\nEinmal ganz abgesehen davon, dass es sch\u00f6n ist, den Schafherden zuzusehen,<br \/>\nwie die Schafe so umeinander wuseln, gerade im Fr\u00fchjahr mit den L\u00e4mmern<br \/>\ndabei, gibt so eine Schafherde mit ihren Hirten f\u00fcr mich auch ein<br \/>\nBild des Friedens ab. Die Schafe leben miteinander in einer Herde und<br \/>\nsie sind kein Freundes- und Bekanntenkreis, sondern eine Zufallsgemeinschaft.<br \/>\nManchmal beginne ich beim Anblick so einer Herde davon zu tr\u00e4umen,<br \/>\ndass wir als Menschen auch so friedlich miteinander leben k\u00f6nnten.<br \/>\nAber sp\u00e4testens, wenn ich die Nachrichten anh\u00f6re oder sehe,<br \/>\nsp\u00fcre ich, dass wir es noch nicht schaffen, den Frieden, den Gott<br \/>\nuns geschenkt hat, wirklich zu leben. Krieg und Gewalt bestimmen immer<br \/>\nnoch unseren Alltag.<\/p>\n<p>Das zweite, was mir beim Anblick der Schafe und ihres Hirten auff\u00e4llt,<br \/>\nist der Umgang des Hirten mit seinen Schafen. Der Hirte steht scheinbar<br \/>\nnur herum. Er l\u00e4\u00dft die Schafe einfach laufen. Aber er hat sie<br \/>\ndennoch immer im Auge. Er beobachtet sie und ist f\u00fcr sie da. Er achtet<br \/>\ndarauf, dass keines verschwindet. So wie Gott es auch mit uns macht. Und<br \/>\nso wie wir f\u00fcr Andere da sein sollen. Bei unseren kleinen Kindern<br \/>\ntun wir das auch. Da stehen wir daneben, geben acht, wenn sie im Sandkasten<br \/>\nspielen, dass sie nichts in den Mund stecken, dass sie auf dem Spielplatz<br \/>\nnicht fallen. Im Haus passen wir auf, dass sie nichts in die Hand nehmen,<br \/>\nwomit sie sich verletzen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Und wenn wir erwachsen sind? Sind wir dann auch noch f\u00fcr Andere<br \/>\nda? Vielleicht noch innerhalb der Familie. Aber dar\u00fcber hinaus? Oft<br \/>\nsind da Schlagzeilen bestimmender, die davon berichten, dass jemand gefallen<br \/>\nist und keiner ihm aufgeholfen hat. Oder dass jemand geschlagen wird und<br \/>\nkeiner hat Zivilcourage und greift ein. Oder Menschen sind einsam, weil<br \/>\nsie keiner besucht. Wie wenig wissen wir oft von den Menschen, mit denen<br \/>\nwir in Vereinen oder in der Nachbarschaft zusammen sind und wie wenig<br \/>\nf\u00e4llt es uns oft auf, wenn wir jemanden lange Zeit nicht sehen.<\/p>\n<p>Das Dritte: Der Hirte sucht nach Schafen, die sich verirrt haben. Ich<br \/>\nerlebe es in unserem Alltag oft anders: wir klingeln nicht an der Haut\u00fcr<br \/>\nunseres Nachbarn, wenn wir ihn eine Weile nicht gesehen haben. Oder wenn<br \/>\nsich jemand lange nicht meldet, na ja, dann war das wohl nichts mit der<br \/>\nBeziehung. Oder: &#8222;wenn die nicht mal zu Besuch kommt, dann gehe ich<br \/>\nda auch nicht hin.&#8220;<\/p>\n<p>Gutes tun hei\u00dft, Gottes Liebe weitergeben. Gutes tun hei\u00dft,<br \/>\nf\u00fcr Andere da zu sein, so wie Jesus als guter Hirte f\u00fcr uns<br \/>\nda ist. In einer Gesellschaft, in der sich jeder selbst der N\u00e4chste<br \/>\nist, in der jeder erstmal an seinen eigenen Spa\u00df denkt, schon ein<br \/>\nungew\u00f6hnliches Anliegen.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde! Am Anfang habe ich gesagt, wir w\u00fcnschen einem anderen<br \/>\nMenschen etwas, weil er uns wichtig ist w\u00e4hrend der Verfasser des<br \/>\nHebr\u00e4erbriefes etwas w\u00fcnscht, weil wir Gott wichtig sind.<br \/>\nDas muss in den konkreten Auswirkungen kein gro\u00dfer Unterschied sein.<br \/>\nAuch nicht in den W\u00fcnschen, die wir anderen mit auf den Weg geben<br \/>\noder in dem, was wir anderen tun. Denn alle W\u00fcnsche haben ja das<br \/>\nZiel, die Beziehungen zu anderen Menschen zu verbessern<br \/>\nAber ich denke, wer sich von Gott und seiner Liebe getragen wei\u00df,<br \/>\nder sieht eben auch gr\u00f6\u00dfere Zusammenh\u00e4nge \u00fcber Familie,<br \/>\nFreunde und Bekannte hinaus. Der sieht auch, wo andere, die uns zun\u00e4chst<br \/>\neinmal nicht verbunden sind, unsere guten W\u00fcnsche, unsere Hilfe und<br \/>\nN\u00e4he brauchen. Der handelt auch da, wo andere wegschauen oder sich<br \/>\nnicht zust\u00e4ndig f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Gottes Liebe zu uns kann nicht ohne Folgen bleiben in unserem Leben.<br \/>\nWenn wir Gottes Liebe ernst nehmen, dann werden wir auch ganz anderen<br \/>\nGutes w\u00fcnschen und tun, weil Gott uns liebt und wir diese Liebe weitergeben<br \/>\nwollen, damit auch ganz andere sie sp\u00fcren.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p>Liedvorschl\u00e4ge:<br \/>\nEG 452:Er weckt mich alle Morgen<br \/>\nEG 274 Der Herr ist mein getreuer Hirt<br \/>\nEG 107 Wir danken dir, Herr Jesu Christ<br \/>\nEG 100 Wir wollen alle fr\u00f6hlich sein<br \/>\nEG 395 Vertraut den neuen Wegen<br \/>\nBei Abendmahl: EG 221 Das sollt ihr Jesu J\u00fcnger<\/p>\n<p><b>Pastorin Angelika \u00dcberr\u00fcck<br \/>\nJakob-Kaiser-Str. 14<br \/>\n21337 L\u00fcneburg<br \/>\nTel.: 04131\/852731<br \/>\n<a href=\"mailto:RUeberrueck@t-online.de%20\">email: RUeberrueck@t-online.de<\/a><br \/>\n<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><noscript><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1\" height=\"1\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=1&amp;bn=neukirch&amp;f=020414-1.html&amp;r=r1\"\/><\/noscript><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch Miserikordias Domini (2. 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