{"id":9091,"date":"2002-04-07T19:50:00","date_gmt":"2002-04-07T17:50:00","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9091"},"modified":"2025-04-21T10:36:08","modified_gmt":"2025-04-21T08:36:08","slug":"lukas-24-29","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-24-29\/","title":{"rendered":"Lukas 24, 29"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"color: #000099;\">Kantate | <\/span><span style=\"color: #000099;\">28. April 2002 | Lukas 24, 29 | <\/span><span style=\"color: #000099;\">Ulrich Nembach |<\/span><\/h3>\n<div><b>Nach dem Tod von 17 Menschen in Erfurt<br \/>\n<\/b><\/div>\n<p><b>Herr, erbarme dich.<br \/>\nKyrie, eleison.<br \/>\nHerr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt (Lk. 24,29)<br \/>\nAmen<\/b><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>diese S\u00e4tze, Bitten, gehen mir andauernd durch den Kopf . Nicht nur am Freitag dachte ich an sie, sondern auch heute am Morgen.<\/p>\n<p>Eigentlich erst am Freitagabend wurde uns bewusst, was wir vorher geh\u00f6rt hatten. 17 Menschen sind tot, starben in Erfurt. Wir sagen, erz\u00e4hlen uns dieses Ereignis immer wieder. Und immer f\u00fchlen wir uns dabei irgendwie allein. Es geht uns so wie jenen M\u00e4nner vor fast 2000 Jahren, von denen das Neue Testament erz\u00e4hlt und dabei auch die zitierte Bitte berichtet. Sie waren auf dem Weg weg von Jerusalem und trafen einen dritten. Er wusste nichts von dem grausamen Tod in Jerusalem, von Jesu Sterben am Kreuz. Die beiden anderen waren davon tief betroffen. Am Abend dann wollten sie nicht allein sein. Sie baten ihren Weggef\u00e4hrten zu bleiben, sie sprachen jenen Satz. &#8222;Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt.&#8220; Unser Tag neigt sich auch, obwohl er erst begonnen hat, es noch Morgen, Sonntag-Morgen ist.<\/p>\n<p>Es ist der Sonntag &#8222;Kantate&#8220;. Und wir wollten singen, singen, wozu uns der Name des Sonntags Kantate, das lateinische Wort f\u00fcr &#8222;singt&#8220;, auffordert. Aber wir sind schwach, m\u00fcde. Gesang kommt nicht auf. &#8222;Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder&#8220; (Ps. 98,1). Es ist der Spruch dieser Woche.<\/p>\n<p>Gott, wo warst du? fragen wir. Wir fragen. Wir klagen. Wir klagen nicht an, denn auch dazu sind wir zu schwach. Gott, wo warst du in Erfurt? Hast du vielleicht nur einen Moment weggeschaut, denn es passiert soviel in der Welt? Wir selbst schauen zwar hin auf die Bilder aus Pal\u00e4stina. Wir sehen tote Araber. Wir blicken auf tote Israeli. Dann, nach der Tagesschau, schauen wir vielleicht einen Krimi.<\/p>\n<p>Wir fragen: warum? Psychologen erkl\u00e4ren. Sie erkl\u00e4ren nachher. Heute blieben an 17 Fr\u00fchst\u00fcckstischen in Erfurt St\u00fchle leer. Warum?<br \/>\nWarum maskierte sich der T\u00e4ter? Verkleidete er sich, weil er sich selbst f\u00fcrchtete, allein war? Hatte er niemanden, zu dem er sagen konnte: Herr, bleibe bei uns?<\/p>\n<p>Mir geht heute Morgen noch eine Frage durch den Kopf. &#8222;Von guten M\u00e4chten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewi\u00df an jedem neuen Tag&#8220; So dichtete Dietrich Bonhoeffer. Wie konnte er so reden? Mu\u00df man Bonhoeffer hei\u00dfen, um so zu reden? Er dichtete dies 1944 zur Jahreswende. Das folgende Jahr 1945 wurde sein Todesjahr, ein Todesjahr f\u00fcr viele, sehr viele.<\/p>\n<p>Ist vielleicht das Lied die gesungene Bitte jener beiden trauernden M\u00e4nner: &#8222;Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden&#8220;? Ich habe diesen Text als Predigttext gew\u00e4hlt und nicht den f\u00fcr den heutigen Sonntag vorgeschlagenen. Mir ist nicht nach singen und doch, aber leiser. Traurigkeit mit etwas, mit Hoffnung steckt in der Bitte. Hinter jeder Bitte steckt Hoffnung. Mir ist nicht nach singen. Ihnen, vermute ich einmal, auch nicht. Mir ist aber nach jener Bitte und damit nach jenem leisen Singen Bonhoeffers. Die Antwort auf die Bitte erhalten die M\u00e4nner erst sp\u00e4ter. Sie fragen nicht mehr. Sie brauchen auch nicht zu fragen. Der Fremde, der Gebetene, ihr Weggef\u00e4hrte ist geblieben. Sie sind auch schon quasi wieder im Alltag gelandet. Sie essen. Da gibt Jesus sich ihnen zu erkennen.<\/p>\n<p>Lassen Sie uns singen Lied 65, 1 und 7.<\/p>\n<p>Bonhoeffer hat vielleicht an unseren Text gedacht, als er sein Lied dichtete. Vielleicht ging ihm etwas anderes durch den Kopf. Eins hat aber nicht getan, weggeschaut &#8211; aus unserer Sicht von heute gesagt: er sah sich nach der Tagesschau nicht einen Krimi oder was auch immer anderes an. Da\u00df er das nicht getan hat, zeigen die Verse seines Liedes, die wir nicht gesungen haben. Wir sangen den ersten und den letzten Vers. Die Verse dazwischen handeln vom Leid. 5 Verse Leid, gerahmt von 2 Versen Geborgenheit, Hoffnung. Leid gerahmt von Geborgenheit und Hoffnung!<br \/>\nWir singen nun von Lied 65 die Verse 2 und 3.<\/p>\n<p>Die beiden von Jerusalem kommenden Wanderer bitten um Gemeinschaft am Abend. Das ist Hoffnung. Sie wissen nicht, wen sie bitten. Sie wissen nicht, was an dem Abend geschehen wird. Sie wissen letztendlich nicht einmal, was sie mit ihrer Bitte wirklich bitten. Sie erkennen in jenem Begleiter nicht Jesus. Sie bitten quasi blind. Sie fragen ihn, sie laden ihn ein, aber es bleibt ihnen verborgen, wen sie einladen. Sie haben in ihrer Trauer einen Weggef\u00e4hrten gefunden. In ihrer Bitte, dass der Gef\u00e4hrte des Weges auch zum Gef\u00e4hrten ihres Lebens werde, steckt die Bitte nach Geborgenheit. Wir baten eingangs : &#8222;Herr, erbarme dich, Kyrie, eleison&#8220;. Ihre Geborgenheit war ihnen zun\u00e4chst verborgen. Sie war darum nur eine Hoffnung &#8211; &#8222;nur&#8220; eine Hoffnung? Ihre Geborgenheit, ihre Hoffnung, fand sp\u00e4ter ihre Best\u00e4tigung, im Abendmahl.<br \/>\n&#8222;Herr, bleibe bei uns:&#8220;<br \/>\nAmen<\/p>\n<p>Wir singen das Lied 225. Es ist die \u00dcbertragung in die deutsche Sprache und damit auf die deutschen Verh\u00e4ltnisse des Spirituals: Go, tell it on the mountains&#8220;.<br \/>\nUnd dann wollen wir das Abendmahl feiern.<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Prof. Dr. Dr. Ulrich Nembach<br \/>\n<a href=\"mailto:unembac@gwdg.de\">E-Mail: unembac@gwdg.de<\/a><\/b><\/p>\n<p><noscript><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1\" height=\"1\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=1&amp;bn=neukirch&amp;f=020428-4.html&amp;r=r1\"\/><\/noscript><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kantate | 28. April 2002 | Lukas 24, 29 | Ulrich Nembach | Nach dem Tod von 17 Menschen in Erfurt Herr, erbarme dich. Kyrie, eleison. 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