{"id":9093,"date":"2021-02-07T19:49:55","date_gmt":"2021-02-07T19:49:55","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9093"},"modified":"2022-08-10T14:07:14","modified_gmt":"2022-08-10T12:07:14","slug":"exodus-32-7-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/exodus-32-7-14\/","title":{"rendered":"Exodus 32, 7-14"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<table border=\"0\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\">\n<p><a name=\"top\"><\/a><b><a href=\"http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/\">G\u00f6ttinger <\/a><\/b><\/p>\n<p>Predigten im Internet<\/p>\n<p>hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch<\/p>\n<\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\">\n<p><b><span style=\"color: #000099;\">Rogate <\/span><span style=\"color: #000099;\">(5. Sonntag<br \/>\nnach Ostern), 5. Mai 2002<br \/>\nPredigt \u00fcber 2. Mose 32, 7-14, verfa\u00dft von Charlotte Hoenen<\/span><\/b><b><\/b><\/p>\n<\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Im Gebet mit Gott zu reden &#8211; das ist ein gro\u00dfer Reichtum. An Gott<br \/>\nals Gegen\u00fcber wenden sich Menschen im Glauben mit ihren \u00e4u\u00dferen<br \/>\nund inneren Verletzungen, mit ihrer Ersch\u00fctterung und Trauer, in<br \/>\nBetroffenheit und Ratlosigkeit. Klage und Schreien finden im Gebet Worte,<br \/>\nsie werden zu Signalen f\u00fcr die anderen. Zugleich sollen sie dazu<br \/>\ndienen, das innere Gleichgewicht wieder zu finden und Hilfe von Gott zu<br \/>\nerhoffen.<\/p>\n<p>Wir stehen nach der vergangenen Woche heute unter dem Eindruck der Bluttat<br \/>\ndes Jugendlichen am Erfurter Gutenberg-Gymnasium vom 26. April, dem Tag<br \/>\nder Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Wieder, wie in letzter Zeit so<br \/>\noft, haben viele Menschen Blumen niedergelegt und Kerzen angez\u00fcndet<br \/>\nsich in Gottesdiensten zum Beten versammelt &#8211; Gl\u00e4ubige und Nicht-Gl\u00e4ubige,<br \/>\naber Fragende und Suchende. Antworten, vor allem schnelle oder einfache<br \/>\nAntworten, sind nicht zu bekommen, aber: Wenn wir nicht beten k\u00f6nnen,<br \/>\nweil die eigene Kraft versch\u00fcttet ist, merken wir die gro\u00dfe<br \/>\nLeere in uns und um uns. Vielleicht wird sogar auch derjenige, dem Gott<br \/>\nbisher unbekannt geblieben ist, sich in der Not auf die Suche nach diesem<br \/>\nr\u00e4tselvollen Gott begeben und ein Zeichen der Hilfe von ihm erwarten.<br \/>\nBesonders seit der Wendezeit 1989 gibt es Erfahrungen von dem, was Gebete<br \/>\nbewirken k\u00f6nnen. Die &#8222;Revolution der Kerzen&#8220; hat einen<br \/>\ngro\u00dfen Anteil an der friedlichen Ver\u00e4nderung der Verh\u00e4ltnisse,<br \/>\nam Sieg \u00fcber die Anwendung von Macht und Gewalt. Beispiele daf\u00fcr<br \/>\ngibt es auch weltweit, wie bei der \u00dcberwindung der Apartheid in S\u00fcdafrika,<br \/>\naber noch nicht \u00fcberall, wo sie n\u00f6tig w\u00e4ren, wie in den<br \/>\nKonfliktherden des Nahen Ostens und Asiens.<br \/>\nKlage und F\u00fcrbitte vor Gott &#8211; sie fordern Zeit, Anspannung und Kraft<br \/>\n&#8211; ja intensivste innere Arbeit.<\/p>\n<p>Ist die Not vorbei &#8211; dann bricht oft das Gespr\u00e4ch mit Gott ab. Eine<br \/>\njunge Mutter erz\u00e4hlte mir im R\u00fcckblick auf die Erfahrungen bei<br \/>\nder Geburt ihres Kindes: &#8222;W\u00e4hrend der Wehen habe ich gerufen:<br \/>\nLieber Gott, hilf mir! Als das Kind geboren war, alles \u00fcberstanden<br \/>\nwar und das Kind in meinen Armen lag, bin ich nicht einmal auf die Idee<br \/>\ngekommen, Gott zu danken.&#8220; Ist das dunkle Tal durchschritten und<br \/>\ndie Not vergessen, ist keine Zeit mehr f\u00fcr das Gespr\u00e4ch mit<br \/>\nGott. Aber was w\u00e4ren das f\u00fcr Gespr\u00e4che ohne die Mitteilung<br \/>\nvon Freude und Dank, Gott gegen\u00fcber in der Sprache des Lobens und<br \/>\nder Anbetung. Die j\u00fcdisch-christliche Tradition hat in ihren Psalmen,<br \/>\nLiedern und Gebeten sowohl der Klage wie dem Lob gegen\u00fcber Gott immer<br \/>\nwieder Sprache geben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Predigttext ist f\u00fcr diesen Sonntag vorgeschlagen, weil er von<br \/>\neiner unglaublichen Kraft des Betens erz\u00e4hlt. Er steht 2. Mose 32<br \/>\nim Zusammenhang des Auszugs Israels aus \u00c4gypten.<br \/>\nMose war von Gott beauftragt, das Volk aus der Sklaverei in \u00c4gypten<br \/>\nin die Freiheit zu f\u00fchren, in ein noch unbekanntes Land. Auf der<br \/>\nunwegsamen W\u00fcstenwanderung, auf der die Ziele immer weiter weg zu<br \/>\nr\u00fccken schienen, musste Mose in Konflikte geraten und angefragt werden:<br \/>\nAuf der einen Seite der Auftrag Gottes, den er zu vermitteln hatte &#8211; auf<br \/>\nder anderen Hunger und Durst des Volkes, Murren und Protest. Nicht nur<br \/>\neinmal wird vom Gebetskampf des Mose um die Gewi\u00dfheit berichtet:<br \/>\nUm der Freiheit willen lohnen sich Verzicht und Strapazen. Der unsichtbare<br \/>\nGott ist mit uns und f\u00fchrt uns ans Ziel in das verhei\u00dfene Land.<\/p>\n<p>In die Auszugsgeschichte Israels ist die &#8222;Sinaitradition&#8220; eingebettet:<br \/>\nder Bundesschluss Gottes mit seinem Volk und der \u00dcbergabe der zehn<br \/>\nWorte, nach denen das Leben geregelt werden soll. Um die Gebote Gottes<br \/>\nin Empfang zu nehmen, muss sich der Vermittler Mose von seinem Volk trennen,<br \/>\nmuss er allein auf den Berg, der ihn verbirgt, weil er Gott begegnet.<br \/>\nDie Zeit seiner Abwesenheit wurde lang. F\u00fcr das Volk am Fu\u00df<br \/>\ndes Berges war die Leitfigur, der Ansprechpartner und der Verantwortliche<br \/>\nverschwunden. Ob er \u00fcberhaupt noch am Leben war? Diese Unsicherheit<br \/>\nwurde unertr\u00e4glich. Wie kann man sie \u00fcberwinden? &#8222;Wir machen<br \/>\nuns Gott sichtbar. Wir k\u00f6nnen das selbst&#8220;, so sprachen sie.<br \/>\nDa wurde aus den mitgef\u00fchrten Sch\u00e4tzen schnell ein Bild gemacht,<br \/>\nein sichtbarer Gott, den man nun anbeten und feiern konnte. Aaron, der<br \/>\nVertreter der priesterlichen Macht und des religi\u00f6sen Kultes, hatte<br \/>\ndem nichts entgegenzusetzen, im Gegenteil: er wurde zum Handlanger des<br \/>\nVolkes, der zu Opfer und Freudenfest aufruft: &#8222;Wir haben es geschafft,<br \/>\nwir haben Gott selbst gemacht. An dem, was wir sehen, k\u00f6nnen wir<br \/>\nuns wieder ausrichten!&#8220;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend das Volk unten in der Ebene feiert, redet Gott in der H\u00f6he<br \/>\nmit Mose.<br \/>\nDamit setzt der folgende Predigttext 2. Mose 32, 7-14 ein:<br \/>\n&#8222;V. 7: Der Herr sprach aber zu Mose: Geh, steig hinab; denn dein<br \/>\nVolk, das du aus \u00c4gypten gef\u00fchrt hast, hat sch\u00e4ndlich gehandelt.<br \/>\nV.8: Sie sind schnell von dem Wege gewichen, den ich ihnen geboten habe.<br \/>\nSie haben sich ein gegossenes Kalb gemacht und haben`s angebetet und ihm<br \/>\ngeopfert und gesagt: Das ist dein Gott, Israel, der dich aus \u00c4gyptenland<br \/>\ngef\u00fchrt hat.<br \/>\nV. 9: Und der Herr sprach zu Mose: Ich sehe, dass es ein halsstarriges<br \/>\nVolk ist.<br \/>\nV. 10: Und nun la\u00df mich, dass mein Zorn \u00fcber sie entbrenne<br \/>\nund sie vertilge; daf\u00fcr will ich dich zum gro\u00dfen Volk machen.<br \/>\nV. 11: Mose aber flehte vor dem Herrn, seinem Gott, und sprach: Ach, Herr,<br \/>\nwarum will dein Zorn entbrennen \u00fcber dein Volk, das du mit gro\u00dfer<br \/>\nKraft und starker Hand aus \u00c4gyptenland gef\u00fchrt hast?<br \/>\nV. 12: Warum sollen die \u00c4gypter sagen: Er hat sie zu ihrem Ungl\u00fcck<br \/>\nherausgef\u00fchrt, dass er sie umbr\u00e4chte im Gebirge und vertilgte<br \/>\nsie von dem Erdboden? Kehre dich ab von deinem grimmigen Zorn und la\u00df<br \/>\ndich des Unheils gereuen, das du \u00fcber dein Volk bringen willst.<br \/>\nV. 13: Gedenke an deine Knechte Abraham, Isaak und Israel, denen du bei<br \/>\ndir selbst geschworen und verhei\u00dfen hast: Ich will eure Nachkommen<br \/>\nmehren wie die Sterne am Himmel, und dies ganze Land, das ich verhei\u00dfen<br \/>\nhabe, will ich euren Nachkommen geben, und sie sollen es besitzen f\u00fcr<br \/>\newig.<br \/>\nV. 14: Da gereute den Herrn das Unheil, das er seinem Volk zugedacht hatte.&#8220;<\/p>\n<p>(1) Anlass des Betens: Gottes Entschl\u00fcsse<br \/>\nDa steht also Mose allein vor Gott, verlassen von seinem Volk, das er<br \/>\nf\u00fchren sollte. Er steht dem Gott gegen\u00fcber, der vor Zorn brennt,<br \/>\nweil dieses Volk sich von Gott abwandte, weil es ihn, Mose, nur eine kurze<br \/>\nZeit nicht sah, deshalb verging es sich gegen das Bilderverbot. Keine<br \/>\nMacht der Welt konnte es von seinem Vorhaben abbringen, hartn\u00e4ckig<br \/>\nist das Volk geworden, halsstarrig &#8211; sagt Gott. Mit steifem Nacken starren<br \/>\nsie auf das selbstgemachte Bild, das sie f\u00fcr Gott halten und von<br \/>\ndem sie ausgerechnet Orientierung in der W\u00fcste erwarten. Gottes Beschluss<br \/>\nist unausweichlich: Mit diesem Volk ist es aus, Ende, Schluss! Dieses<br \/>\nVolk ist nicht mehr Gottes Volk, darum wird es vom Erdboden vertilgt.<br \/>\nDoch Gottes Geschichte soll damit nicht zu Ende sein, mit Mose soll ein<br \/>\nneuer Anfang gemacht werden. Gott bietet Mose an: Ich will dich zum gro\u00dfen<br \/>\nVolk machen! Eine besondere Ehre, eine Anerkennung und Auszeichnung f\u00fcr<br \/>\nMose! Es klingt wie eine Versuchung, die Versuchung zur Macht, zur Ber\u00fchmtheit,<br \/>\nzum &#8222;Eingehen in die Geschichte&#8220;. Doch Mose l\u00e4sst sich<br \/>\nsogar von Gott nicht verf\u00fchren! Er lehnt ab, geht mit keinem Wort<br \/>\ndarauf ein. Er hat anderes im Sinn: Der Entschluss Gottes mit seinem Volk<br \/>\ndarf auf keinen Fall Wirklichkeit werden. &#8211; Stellen wir uns heute einen<br \/>\nAugenblick vor, wie die Weltgeschichte verlaufen w\u00e4re ohne dieses<br \/>\nVolk Gottes? &#8211;<\/p>\n<p>(2) Die Kraft des Betens: Gott umstimmen!<br \/>\nMose gibt sich nicht vor Gott geschlagen, sondern l\u00e4sst sich darauf<br \/>\nein, mit ihm zu ringen: Das w\u00e4re nicht das erste Mal: damals war<br \/>\nes Jakob, der seine k\u00f6rperlichen Kr\u00e4fte einsetzte und so einer<br \/>\nder V\u00e4ter des Volkes wurde: &#8222;Israel &#8211; der mit Gott gek\u00e4mpft<br \/>\nhat&#8220; (1. Mose 32, 29). F\u00fcr Mose geht es um die Kraft der Worte,<br \/>\ndie ihre Kraft gerade aus dem Vertrauen auf Gott selbst sch\u00f6pfen!<br \/>\nDas Vertrauen setzt nicht auf den erbarmungslosen Zorn, sondern auf gn\u00e4dige<br \/>\nZuwendung, die B\u00f6ses zum Guten wenden kann. Beten ist offensichtlich<br \/>\ndas Streiten mit Gott &#8211; um Gottes Geltung, darum m\u00fcssen wir Menschen<br \/>\nauch mit Gott selbst ringen.<\/p>\n<p>Es sind zwei Argumente, die Mose vorbringt: Was sollen die anderen V\u00f6lker,<br \/>\nvor allem die \u00c4gypter sagen, wenn Gott das eigene Volk umbringt,<br \/>\ndas er zuvor mit h\u00f6chstem Einsatz befreit hat? W\u00fcrde er sich<br \/>\ndamit nicht selbst unglaubw\u00fcrdig machen, seine Ehre vor den V\u00f6lkern<br \/>\naufs Spiel setzen? Durch die gegl\u00fcckte Flucht aus der Sklaverei hat<br \/>\nder Gott Israels sich Ansehen bei den \u00c4gyptern erworben. Wenn dieses<br \/>\nGl\u00fcck f\u00fcr Israel in Ungl\u00fcck gekehrt w\u00fcrde, w\u00e4re<br \/>\nnicht jeder Glaube, jede Einsicht in das Wirken Gottes verloren? Der Unglaube<br \/>\nw\u00fcrde verst\u00e4rkt, der sich bei jedem Ungl\u00fcck bis zur Gegenwart<br \/>\nimmer wieder ausspricht: &#8222;An einen Gott, der das zul\u00e4sst, kann<br \/>\nich nicht glauben&#8220;. Dennoch ist das Argument nicht stark: Sollte<br \/>\nGott wirklich eine Rechtfertigung auf Grund des B\u00f6sen n\u00f6tig<br \/>\nhaben? Bringt nicht das eigene Verschulden der Menschen sie selbst ins<br \/>\nUngl\u00fcck, missbrauchen sie nicht ihre Freiheit, indem sie sich nicht<br \/>\nan Gottes Gebot halten?<\/p>\n<p>Es muss noch ein weiteres Argument dazutreten: Gott muss bei seinem eigenen<br \/>\nWort und Willen behaftet werden: Deshalb erinnert Mose Gott an die fr\u00fcher<br \/>\ngegebenen Verhei\u00dfungen: an Israels V\u00e4ter Abraham, Isaak und<br \/>\nIsrael. Sie sollen doch ein gro\u00dfes Volk werden. Sie sollen ein Land<br \/>\nerben, das ihnen bis in Ewigkeit geh\u00f6ren soll.<\/p>\n<p>Weil Mose sich an Gottes eigene Verhei\u00dfung h\u00e4lt und auf sein<br \/>\nWort verl\u00e4sst, kann er f\u00fcr sein Volk bitten, vor Gott beten<br \/>\num seine Rettung, sein Weiterleben. Nicht allein die bisher gemachten<br \/>\nErfahrungen sind Ausgangspunkt f\u00fcr seine F\u00fcrbitte, da g\u00e4be<br \/>\nes ja auch genug negative Erfahrungen, in denen Gott anders gehandelt<br \/>\nhat, als Mose es wollte. Nein, Mose verl\u00e4sst sich auf die ganz einseitige<br \/>\nZusage der Lebensverhei\u00dfungen Gottes. Dieses Vertrauen, dieser Glaube<br \/>\nstimmt Gott um! Gott l\u00e4sst sich durch das Gebet des Menschen Mose<br \/>\nzur Umkehr bewegen vom Zorn zur Gnade. Gott gereut etwas, er revidiert<br \/>\nseinen ersten Entschluss! So menschlich nahe r\u00fcckt uns Gott, dessen<br \/>\nHandeln uns oft unbegreiflich erscheint, und er macht uns vor, was uns<br \/>\nals Schw\u00e4che ausgelegt wird: Um des Lebens und der Wahrheit willen<br \/>\nauch von gefa\u00dften Entschl\u00fcssen zur\u00fcckzutreten. Das Volk<br \/>\nIsrael erhielt die Chance zum Weiterleben. Menschen erhalten die Chance,<br \/>\nGottes Angebot zum Leben zu suchen und so die Gegenwart des unsichtbaren<br \/>\nGottes wahrzunehmen.<\/p>\n<p>(3) Der Sinn des Betens: Mit Gott ringen und die Welt ver\u00e4ndern<br \/>\nIm Blick auf diese Geschichte ist es f\u00fcr uns ermutigend: Es lohnt<br \/>\nsich, mit Gott zu ringen. Ein einzelner hat durch seine F\u00fcrbitte<br \/>\ndas Leben seines ganzen Volkes gerettet. Auch wir k\u00f6nnen alles, was<br \/>\nuns beschwert vor Gott bringen f\u00fcr uns, f\u00fcr andere und f\u00fcr<br \/>\nunser Volk und unsere Welt im Vertrauen auf sein lebenschaffendes Wort.<br \/>\nNicht jede Bitte und F\u00fcrbitte werden erh\u00f6rt. Das besagt unsere<br \/>\nErfahrung. &#8222;Ich habe so gebetet, aber es hat nichts gen\u00fctzt!&#8220;<br \/>\nAber nicht unsere vergangenen positiven oder negativen Erfahrungen sind<br \/>\nAusgangspunkt f\u00fcr unser Beten, sondern Gott selbst.<\/p>\n<p>Was ist das f\u00fcr ein Gott, der sich von Menschen beeinflussen l\u00e4\u00dft?<br \/>\nEr ist nicht unbeweglich und starr, kein unbekanntes Es oder das unabwendbare<br \/>\nSchicksal. Das Beispiel des Mose zeigt, dass er ein lebendiger Gott ist,<br \/>\nder mit jedem Menschen in einer lebendigen Beziehung steht, der das sucht<br \/>\nund will. So wie Menschen sich durch das Bitten anderer bewegen lassen,<br \/>\netwas zu tun oder nicht zu tun, so ist es auch bei Gott. Trotz festgelegter<br \/>\nVorgaben f\u00fcr menschliches Leben l\u00e4\u00dft er sich durch Bitten<br \/>\nund F\u00fcrbitten bewegen, das Leben \u00fcber das Zerst\u00f6rerische<br \/>\nsiegen zu lassen. Da Gott Heil und Leben f\u00fcr uns will und das durch<br \/>\nJesus Christus in die Tat umgesetzt hat, k\u00f6nnen wir ihn daran erinnern.<br \/>\nDas Schwierige f\u00fcr uns ist allerdings, dass wir dieses Tun Gottes<br \/>\nnicht an der Geschichte ablesen k\u00f6nnen, nicht in unserem Handeln<br \/>\nvorfinden. Gegen\u00fcber dem ersten Argument von Mose m\u00fcssen wir<br \/>\nerkennen, dass wir uns den Weg zum Leben oft selbst verbauen &#8211; mit unseren<br \/>\negoistischen W\u00fcnschen, mit unseren Machtstrukturen, die wir erhalten<br \/>\nwollen.<\/p>\n<p>Ich kehre an den Anfang zur\u00fcck. Der Einwand gegen das Beten, im<br \/>\ngew\u00f6hnlichen Alltag g\u00e4be es keine Zeit, entspricht zwar der<br \/>\nhektischen Realit\u00e4t unseres Alltags. Dagegen steht aber: Unser Reden<br \/>\nmit Gott ist an keine Zeit und keinen Ort gebunden. Es gibt viele Gelegenheiten<br \/>\ndes Wartens &#8211; im Stau, an der Kasse im Supermarkt und wenn der K\u00f6rper<br \/>\nsagt: jetzt mach mal Pause. Da gibt es Zeit zum Nach-Denken vor Gott \u00fcber<br \/>\nEreignisse und Erlebnisse und die Gedanken in Worte zu fassen an Gottes<br \/>\nAdresse.<\/p>\n<p>&#8222;Die H\u00e4nde, die zum Beten ruhn, die macht er stark zur Tat.<br \/>\nUnd was der Beter H\u00e4nde tun, geschieht nach seinem Rat&#8220; &#8211; so<br \/>\nsagte es Jochen Klepper in dem Mittagslied &#8222;Der Tag ist seiner H\u00f6he<br \/>\nnah&#8220; (EG 457, 11).<\/p>\n<p>Erst recht k\u00f6nnen Menschen, die wie ich im Ruhestand leben und nicht<br \/>\nmehr in den Arbeitsprozess eingespannt sind, die wichtige Arbeit der F\u00fcrbitte<br \/>\nf\u00fcr andere Menschen \u00fcbernehmen. Hier ist Zeit, auch \u00fcber<br \/>\nMonate hin beharrlich Anliegen vorzubringen und durchzuhalten in der Hoffnung,<br \/>\ndass das Beten seine erstaunliche Kraft und Wirkung entfalten kann. Dieses<br \/>\nRingen mit Gott ist eine Bereicherung des Lebens, an dem wir teilhaben<br \/>\nk\u00f6nnen, auch wenn wir uns ohne Arbeitsstelle vom Klima der Gesellschaft<br \/>\nher im &#8222;Aus&#8220; befinden.<\/p>\n<p>Dann k\u00f6nnen sich Klage und F\u00fcrbitte sogar in Dank und Lob verwandeln<br \/>\nf\u00fcr die erfahrene Ver\u00e4nderung und Hilfe und die Freude \u00fcber<br \/>\nGott zum Ausdruck bringen, dass er sich als gegenw\u00e4rtig und lebendig<br \/>\nerweist. Als Betende k\u00f6nnen wir auch heute einstimmen in die Worte<br \/>\ndes S\u00e4ngers aus dem 16. Jahrhundert: &#8222;Wenn wir dich haben, kann<br \/>\nuns nicht schaden Teufel, Welt, S\u00fcnd oder Tod; du hast\u00b4s in<br \/>\nH\u00e4nden, kannst alles wenden, wie nur hei\u00dfen mag die Not. Drum<br \/>\nwir dich ehren, dein Lob vermehren mit hellem Schalle, freuen uns alle<br \/>\nzu dieser Stunde. Halleluja. Wir jubilieren und triumphieren, lieben und<br \/>\nloben dein Macht dort droben mit Herz und Munde. Halleluja. (EG 398, 2).<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><b>Charlotte Hoenen, Superintendentin i.R.<br \/>\nAm Hasengarten 14a, 06120 Lieskau<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><noscript><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1\" height=\"1\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=1&amp;bn=neukirch&amp;f=020505-2.html&amp;r=r1\"\/><\/noscript><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch Rogate (5. Sonntag nach Ostern), 5. Mai 2002 Predigt \u00fcber 2. Mose 32, 7-14, verfa\u00dft von Charlotte Hoenen Liebe Gemeinde! Im Gebet mit Gott zu reden &#8211; das ist ein gro\u00dfer Reichtum. 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