{"id":9097,"date":"2002-05-07T19:50:01","date_gmt":"2002-05-07T17:50:01","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9097"},"modified":"2025-04-19T14:32:53","modified_gmt":"2025-04-19T12:32:53","slug":"roemer-8-26-30","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/roemer-8-26-30\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 8, 26-30"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"color: #000099;\">Exaudi |<\/span><span style=\"color: #000099;\"> 12. Mai 2002 | R\u00f6mer 8, 26-30 | J\u00fcrgen Berghaus |<\/span><\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde !<\/p>\n<p>&#8222;Eine Predigt m\u00f6chte ich h\u00f6ren, die uns lahmen Christen<br \/>\ndas H\u00fcpfen beibringt,&#8220; hat Rudolf Bohren, Theologieprofessor<br \/>\nin Heidelberg, einmal zu unserem Predigttext gesagt. Gar nicht so einfach,<br \/>\nwar meine erste Reaktion darauf &#8211; denn diese Gedanken des Apostels Paulus<br \/>\nkommen keineswegs sonderlich leichtf\u00fc\u00dfig daher. Sie sind mehr<br \/>\noder weniger willk\u00fcrlich herausgerissen aus dem gro\u00dfen Zusammenhang<br \/>\nder Kap. 6-8 des R\u00f6merbriefes. Dort wird argumentativ entfaltet,<br \/>\nwie sich die g\u00f6ttliche Rechtfertigung im menschlichen Leben auswirkt.<br \/>\nDer besondere Akzent des 8. Kapitels liegt dabei auf dem Wirken des g\u00f6ttlichen<br \/>\nGeistes.<\/p>\n<p>Aber ich merke schon, liebe Gemeinde, so werden wir bestimmt nicht zum<br \/>\nH\u00fcpfen kommen ! Die gedankliche Durchdringung eines Bibelabschnitts<br \/>\nist die eine Sache, sich vom Gemeinten in Bewegung setzen zu lassen eine<br \/>\nganz andere. Dazu braucht es Energie &#8211; es mu\u00df funkeln und knistern,<br \/>\nwenn tr\u00e4ge Masse aus dem bequemen Ruhesessel gelockt werden soll.<br \/>\nAlso gebe ich alle Versuche auf zu erkl\u00e4ren, was in unserem Predigttext<br \/>\nwohl gemeint sein k\u00f6nnte, und bem\u00fche mich vielmehr, jenes Feuer<br \/>\nzu entfachen, das durchaus eine Folge der recht verstandenen Paulusbotschaft<br \/>\nsein kann. An drei Stellen will ich nun meine Steine aufeinander klopfen<br \/>\n&#8211; vielleicht springt ja ein Funke \u00fcber, der auch Sie ansteckt . .<br \/>\n.<\/p>\n<p>1. DIE HILFE DES GEISTES<\/p>\n<p>&#8222;Hier werden Sie geholfen&#8220; : mit ganz eigener Grammatik fl\u00f6tete<br \/>\nuns Verona Feldbusch diese Worte ins Ohr als Werbung f\u00fcr eine ganz<br \/>\nbestimmte Telefonauskunft. Sp\u00e4ter habe ich den Satz wiedergesehen<br \/>\nauf einer Unterkunft deutscher Sodaten, die als Friedenstruppe irgendwo<br \/>\nin Bosnien oder im Kosovo stationiert waren. &#8222;Die Hier-werden-Sie-geholfen-Zentrale&#8220;<br \/>\nstand da sogar zu lesen.<\/p>\n<p>Eigentlich gar nicht so schlecht, solch ein Selbstverst\u00e4ndnis bei<br \/>\neiner milit\u00e4rischen Eingreiftruppe. Nur b\u00f6se Zungen k\u00e4men<br \/>\nauf die Idee zu behaupten, da\u00df doch im Grunde jeder Krieg und jede<br \/>\ngewaltt\u00e4tige Auseinandersetzung vor allem deswegen gef\u00fchrt<br \/>\nwird, weil irgendjemandem zu irgendwas verholfen werden soll. Ob das aber<br \/>\nwirklich den Betroffenen hilft, die Todesopfer und eine zerst\u00f6rte<br \/>\nInfrastruktur beklagen ?<\/p>\n<p>Doch ich will mich auch an die eigene Pastorennase fassen : Eine meiner<br \/>\nLeidenschaften gilt dem Sammeln von Ratgebern. Sie kennen sie bestimmt,<br \/>\ndiese kleinen Heftchen, die im Rathaus, der Apotheke oder sonstwo ausliegen<br \/>\nund ihre L\u00f6sungen anbieten zu einem bestimmten Problem. Manchmal<br \/>\nstehen wirtschaftliche Interessen dahinter, manchmal ist es auch ein<br \/>\ngemeinn\u00fctziger Verein &#8211; jedenfalls sind die Hilfen auf wenigen Seiten<br \/>\nknapp und in der Regel auch verst\u00e4ndlich zusammengefa\u00dft. Ein<br \/>\nguter Pfarrer mu\u00df in der Lage sein, den Gemeindegliedern in allen<br \/>\nm\u00f6glichen Sorgen weiterzuhelfen &#8211; das war mein Motiv, und manchmal<br \/>\nklappt das auch wirklich.<\/p>\n<p>K\u00fcrzlich jedoch fand ich ein h\u00fcbsch aufgemachtes B\u00fcchlein<br \/>\nvon Dr. med. Matthias Rath. Fortschritte im Kampf gegen Krebs und anderes<br \/>\nwurden darin angepriesen. Am Ende stand die Einladung, hochdosierte Pr\u00e4parate<br \/>\nmit Vitamin C und Aminos\u00e4uren zu kaufen &#8211; auf diesem Wege lie\u00dfen<br \/>\nsich gef\u00e4hrliche Krankheiten gleichsam nat\u00fcrlich bek\u00e4mpfen.<br \/>\nMan mu\u00df schon durch und durch von der Schlechtigkeit der medizinischen<br \/>\nund pharmakologischen Wissenschaft \u00fcberzeugt sein, um das zu glauben.<\/p>\n<p>&#8222;Der Geist hilft unserer Schwachheit auf : Wir wissen nicht , was<br \/>\nwir beten sollen; doch Gottes Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem<br \/>\nSeufzen.&#8220; Paulus wei\u00df Rat f\u00fcr hilfesuchende Menschen.<br \/>\nDoch nicht sich selbst und seine Weisheit bietet er als L\u00f6sung an,<br \/>\nsondern er lenkt unsere Hoffnungen auf den Geist Gottes. Der funktioniert<br \/>\nkeineswegs wie eine automatische W\u00fcnsche-erf\u00fcll-Maschine; aber<br \/>\ner kann besser als wir beschr\u00e4nkten Menschen unsere wahren Bed\u00fcrfnisse<br \/>\naufsp\u00fcren und diese wie ein engagierter Rechtsanwalt vor Gott unserem<br \/>\nSch\u00f6pfer vertreten. Sich Gott anzuvertrauen ist allemal besser, als<br \/>\nvon einem menschlichen Ratgeber zum n\u00e4chsten zu laufen.<\/p>\n<p>2. WER GLAUBT, FINDET HILFE<\/p>\n<p>&#8222;Wir wissen aber, da\u00df denen, die Gott lieben, alle Dinge zum<br \/>\nBesten dienen.&#8220; Was Paulus hier als zuverl\u00e4ssige Wahrheit weitergibt,<br \/>\nist nicht so ohne weiteres mit menschlicher Klugheit nachzupr\u00fcfen.<br \/>\nIch merke sogar, da\u00df sich etwas in mir dagegen str\u00e4ubt, vorschnell<br \/>\ndiesem Alles-zum-Besten-Satz zuzustimmen. Ist es denn wirklich so, da\u00df<br \/>\nich als Gl\u00e4ubiger von jetzt auf gleich alle meine Sorgen und Probleme<br \/>\nlos w\u00e4re ? Im Gespr\u00e4ch mit Christen, die das so sagen und vieleicht<br \/>\nauch pers\u00f6nlich erlebt haben, bleibe ich in der Regel sehr auf Distanz<br \/>\nbedacht &#8211; als w\u00fcrde ich mich vor einer ansteckenden Krankheit f\u00fcrchten.<\/p>\n<p>Aber vielleicht liegt die Pointe jenes Paulus-Gedankens in einer ver\u00e4nderten<br \/>\nPerspektive. Die Sorgen und Probleme sind wohl noch da, aber sie erscheinen<br \/>\nauf einmal in einem anderen Licht. Wo ich vorher blo\u00df angstvoll<br \/>\nwie das Kaninchen auf die Schlange starren konnte, da wird nun mein Horizont<br \/>\nge\u00f6ffnet, meine Dunkelheit erhellt, meine Enge aufgebrochen. Auch<br \/>\nwas es Schlechtes gibt in meinem Leben &#8211; es ist umfangen und erf\u00fcllt<br \/>\nvon der G\u00fcte Gottes, wie sie uns durch seinen Geist ganz individuell<br \/>\nund pers\u00f6nlich vermittelt wird. &#8222;Nichts kann uns scheiden von<br \/>\nder Liebe Gottes&#8220; wird Paulus wenig sp\u00e4ter sagen. Im Glauben<br \/>\nist uns Gottes Hilfe ganz nah.<\/p>\n<p>3. HILFE IST HERRLICH<\/p>\n<p>Es war auf meiner allerersten Reise nach Siebenb\u00fcrgen, Anfang der<br \/>\n80er-Jahre : Ich hatte Schwierigkeiten mit dem Visum, den Zwangsumtausch<br \/>\nfalsch berechnet und meinen angek\u00fcndigten Zug schon lange verpa\u00dft.<br \/>\nMit \u00fcber zw\u00f6lfst\u00fcndiger Versp\u00e4tung trudelte ich im<br \/>\nwahrsten Sinne des Wortes im Bahnhof von Kronstadt ein. Was sollte ich<br \/>\ndort machen ohne rum\u00e4nische Sprachkenntnisse und ohne telefonische<br \/>\nErreichbarkeit meines Gastgebers ? Wie ein H\u00e4ufchen Elend mochte<br \/>\nich am Rande des Bahnsteigs gesessen haben, als pl\u00f6tzlich der Freund<br \/>\nbegeistert auf mich zust\u00fcrmte. Jeden Zug aus Richtung Westen hatte<br \/>\ner abgewartet und mich so endlich gefunden.<\/p>\n<p>Hilfe ist herrlich ! Dar\u00fcber m\u00fc\u00dften wir jetzt eigentlich<br \/>\nins Gespr\u00e4ch kommen, liebe Gemeinde. Wo haben Sie in aussichtsloser<br \/>\nLage Hilfe erlebt, und wie war Ihnen danach zumute ? Meine riesige Erleichterung<br \/>\nauf dem rum\u00e4nischen Bahnhof jedenfalls werde ich nicht wieder vergessen.<\/p>\n<p>&#8222;Gott hat uns bestimmt, dem Bild seines Sohnes gleich zu sein; und<br \/>\ndie er so gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht.&#8220; Hier<br \/>\nfinden wir den Dreh- und Angelpunkt f\u00fcr die Hoffnung des Paulus.<br \/>\nWir sind Jesus Christus gleichgestaltet &#8211; in seinem Leiden und in seinem<br \/>\nLeben. Wir sind gerecht in Gottes Augen, und er gibt uns Anteil an seiner<br \/>\nHerrlichkeit. Was f\u00fcr ein Schlu\u00dfwort, liebe Gemeinde. Erst<br \/>\nunser verzweifeltes Ausschauhalten nach verl\u00e4\u00dflichen Ratgebern,<br \/>\ndann der Wechsel der Perspektive hin zum weiten Horizont Gottes und jetzt<br \/>\nsogar beschenkt zu werden mit himmlischem Glanz und ewiger Freude &#8211; ein<br \/>\nlanger und beschwerlicher Weg, den ich heute in meiner Predigt mit ihnen<br \/>\ngehen mu\u00dfte. Aber nun sind wir am Ziel angelangt, \u00fcber das<br \/>\nhinaus wir nichts weiter brauchen. Gott will uns alles schenken !<\/p>\n<p>&#8222;Eine Predigt m\u00f6chte ich h\u00f6ren, die uns lahmen Christen<br \/>\ndas H\u00fcpfen beibringt,&#8220; waren meine Worte zu Beginn. Die Grundbedeutung<br \/>\ndes Wortes &#8222;Hoffnung&#8220; ist hoppen, huppen oder h\u00fcpfen &#8211;<br \/>\nein \u00fcberraschtes In-die-H\u00f6he-Springen als Bild f\u00fcr das<br \/>\nungeduldige Erwarten und Ausschauen nach etwas Kommendem.<br \/>\nJa, liebe Gemeinde, la\u00dft uns h\u00fcpfen in der Erwarung, von Gott<br \/>\nselbst mit aller Herrlichkeit beschenkt zu werden ! (&#8230;)<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Pfarrer J\u00fcrgen Berghaus, Leverkusen-Manfort<br \/>\n<a href=\"#top\">berghaus@ekir.de<\/a><\/b><\/p>\n<p><noscript><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1\" height=\"1\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=1&amp;bn=neukirch&amp;f=020512-2.html&amp;r=r1\"\/><\/noscript><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Exaudi | 12. 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