{"id":9105,"date":"2021-02-07T19:49:55","date_gmt":"2021-02-07T19:49:55","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9105"},"modified":"2022-08-10T14:14:36","modified_gmt":"2022-08-10T12:14:36","slug":"roemer-8-1-2-10-11-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/roemer-8-1-2-10-11-4\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 8, 1-2 (10-11)"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<table border=\"0\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\">\n<p><a name=\"top\"><\/a><b><a href=\"http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/\">G\u00f6ttinger <\/a><\/b><\/p>\n<p>Predigten im Internet<\/p>\n<p>hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch<\/p>\n<\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\">\n<p><b><span style=\"color: #000099;\">Pfingstsonntag<\/span><span style=\"color: #000099;\">,<br \/>\n19. Mai 2002<br \/>\nExegese zu R\u00f6mer 8, 1-2 (10-11), verfa\u00dft von Gertrud Yde<br \/>\nIversen (D\u00e4nemark)<\/span><\/b><b><\/b><\/p>\n<\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><b>Das Leben im Geist &#8211; und der Geist im K\u00f6rper<br \/>\nExegese von R\u00f6m. 8,1-2 (10-11)<\/b><\/p>\n<p><b>Einleitung<\/b><\/p>\n<p>Es liegt eine besondere Intensit\u00e4t \u00fcber diesen Versen (R\u00f6m.<br \/>\n8,1-2 (10-11): Die Tonart der Feder des Apostel Paulus ist erhaben, die<br \/>\nRhetorik treffend und rund zugleich, und die theologische Auslegung des<br \/>\nLebens im Glauben an Christus wird in bemerkenswerter Klarheit in wenigen<br \/>\nWorten und Begriffen entfaltet. Paulus ist auf dem H\u00f6hepunkt im R\u00f6merbrief,<br \/>\nstilistisch, rhetorisch und theologisch.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte nun glauben, ein Text solcher Art lege sich selbst aus.<br \/>\nAber das ist es bei Paulus selten der Fall und auch nicht hier. Was Paulus<br \/>\nlesens- und bedenkenswert macht, ist auch das, was ihn schwer lesbar und<br \/>\nvestehbar macht. Man mu\u00df sich Zeit nehmen und sich in ihn und seine<br \/>\ntheologische Begriffswelt hineinlesen. Das kann geschehen, indem man sich<br \/>\nWissen verschafft, z.B. \u00fcber die Verankerung des Paulus in der j\u00fcdischen<br \/>\nTradition und seine Einbeziehung hellenistischer Philosophie und Rhetorik.<br \/>\nDas kann durch Einleben und Intuition geschehen. Die meisten gro\u00dfen<br \/>\nPaulusausleger benutzen und beherrschen diese Methoden in ihrem Versuch,<br \/>\ndie theologischen Deutungen des Lebens ohne den Glauben an Christus und<br \/>\nin diesem Glauben bei Paulus zu erhellen. Es mag Leute geben, die das<br \/>\nalles in sich verst\u00e4ndlich finden, aber den meisten, Laien wie Fachleuten,<br \/>\nstellt sich die Frage immer aufs Neue, was es bedeuten kann, wenn Paulus<br \/>\ndavon redet, in Christus zu sein (R\u00f6m. 8,1), wenn er vom Gesetz des<br \/>\nGeistes (R\u00f6m. 8,1) spricht, von dem Gesetz der S\u00fcnde und des<br \/>\nTodes (R\u00f6m. 8,2) und davon, da\u00df die sterblichen Leiber durch<br \/>\nden Geist lebendig gemacht werden sollen, &#8222;der in euch wohnt&#8220;<br \/>\n(R\u00f6m. 8,11).<\/p>\n<p>Diese kleine Exegese von R\u00f6m. 8,1-2 (10-11) liefert weder ganze<br \/>\nnoch halbe Antworten auf solche Fragen. Ich begn\u00fcge mich hier damit,<br \/>\ndas Beutungspotenzial des Textes ein wenig zu \u00f6ffnen und einige der<br \/>\nzentralen Probleme anzusprechen, auf die der Leser in diesem Text st\u00f6\u00dft.<br \/>\nIch konzentriere mich auf zwei Dinge. Erstens da\u00df diese Verse ein<br \/>\nTeil des R\u00f6merbriefs sind. Als Predigttext zum Pfingstsonntag sind<br \/>\nsie aus ihrem Zusammenhang herausgerissen. Das ist v\u00f6llig in Ordnung<br \/>\nund legitim. In der Exegese m\u00f6chte ich den entgegengesetzten Weg<br \/>\ngehen und diese Verse jedenfalls zwischenzeitlich an ihren Platz in dem<br \/>\nBrief stellen, dem sie entnommen sind. Zweitens sind diese Verse \u00e4u\u00dferst<br \/>\nkomprimiert. Das Inhaltliche verkn\u00fcpft sich mit dem Detail im Verst\u00e4ndnis<br \/>\ndes einzelnen Wortes oder der einzelnen sprachlichen Konstruktion. In<br \/>\nder Einzelexegese m\u00f6chte ich einzelne dieser wesentlichen Anliegen<br \/>\naufdecken.<\/p>\n<p><b>Ein Teil des R\u00f6merbriefs<\/b><\/p>\n<p>Die meisten Exegeten lesen R\u00f6m. 8,1-13 als einen zusammenh\u00e4ngenden<br \/>\nAbschnitt unter der \u00dcberschrift: Das Leben im Geist. In bezug auf<br \/>\ndie Struktur des R\u00f6merbriefs insgesamt stellen diese Zeilen eine<br \/>\nArt \u00dcbergang dar: Sie beenden die lange Verteidigung des Paulus f\u00fcr<br \/>\ndie Notwendigkeit, der S\u00fcnde zu sterben und mit der Gabe der Rechtfertigung<br \/>\nzu leben, die mit R\u00f6m. 6,1 begann und die zu einer expliziten Entfaltung<br \/>\ndessen \u00fcbergeht, was das zentrale Anliegen des Briefes ist: Die Hoffnung<br \/>\nals ein Teil des Lebens in Christus trotz der Erfahrungen mit Leiden und<br \/>\nTod, die auch f\u00fcr die, die an Christus glauben, zum Leben geh\u00f6ren<br \/>\n(R\u00f6m. 8,14).<\/p>\n<p>Der Leser, der aus den vorhergenden Kapiteln zu R\u00f6m. 8,1ff. kommt,<br \/>\nwird an dieser Stelle des Briefes einen fast handgreiflichen Wechsel im<br \/>\nTon bemerken. Gegen die Knechtschaft unter der S\u00fcnde, an die die<br \/>\nHerrschaft des Gesetzes den Menschen gebunden hat (R\u00f6m. 7,7-25),<br \/>\nfordert Paulus nun seine Leser auf, sich in der neuen \u00c4ra der Freiheit<br \/>\nf\u00fcr Leib und Seele zu freuen, den der Geist in die Welt gebracht<br \/>\nhat. Geh\u00f6rt man zu denen, die Sinn und Blick daf\u00fcr haben, wie<br \/>\nPaulus sich rhetorischer Strukturen bedient, wird man sehen, da\u00df<br \/>\nder Abschnitt den positiven Teil des &#8222;Dyptichon&#8220; darstellt,<br \/>\nder in R\u00f6m. 7,7-25 beginnt. Um seinen vollen rhetorischen Effekt<br \/>\nzu entfalten, mu\u00df der Text also in einem engen Kontrast zu seinem<br \/>\nnegativen Widerpart gelesen oder geh\u00f6rt werden: Die M\u00f6glichkeit<br \/>\ndes Lebens im Geist steht gegen sie Unm\u00f6glichkeit des Lebens unter<br \/>\ndem Gesetz.<\/p>\n<p>Man hat vor allem innerhalb vor allem der literarkritischen Exegese<br \/>\nForm und Genre als wesentlich f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der Briefe<br \/>\ndes Paulus (wieder)entdeckt. Das Briefgenre hat wie andre literarische<br \/>\nGenres seine eigene kommunikative Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit, die u.a.<br \/>\ndurch Situationsbestimmtheit, Gegenwart und Abwesenheit sowie die pers\u00f6nliche<br \/>\nZuwendung gekennzeichnet ist. In unserem Textabschnitt macht sich vor<br \/>\nallem Letzteres explizit bemerkbar: In V. 2 <i>eleutherosen se<\/i> oder,<br \/>\nwie es in der Textvariante hei\u00dft, der die Lutherbibel folgt, <i>eleutherosen<br \/>\nme<\/i>. Also der Geist des Gesetzes, der dich (bzw. mich) befreit hat.<br \/>\nUnd in V. 10-11 in dem wiederholten <i>eph hymin<\/i>, in euch. Man kann,<br \/>\nwie dies in der Exegese und in Predigten \u00fcber diesen Text oft geschehen<br \/>\nist, von diesen expliziten Ausdr\u00fccken des Briefgenres absehen. Man<br \/>\nkann sie aber auch als wesentliche Anzeichen sehen f\u00fcr ein Ausdruckniveau<br \/>\nim Text, das f\u00fcr seine Auslegung von Bedeutung sein kann. Je nach<br \/>\ndem, ob man die erste oder die zweite dieser M\u00f6glichkeiten w\u00e4hlt,<br \/>\nso hat das Konsequenzen daf\u00fcr, wo wir uns in bezug auf den Text befinden<br \/>\nund welchen Aspekten des Textes wir in der Auslegung wesentliche Bedeutung<br \/>\nzuerkennen.<\/p>\n<p>Der R\u00f6merbrief ist ein richtiger Brief, geschrieben an richtige<br \/>\nMenschen zu einem bestimmten Zeitpunkt. Dennoch lesen und deuten wir ihn<br \/>\nin vielen Zusammenh\u00e4ngen, u.a. auch in der Predigt, in denen vor<br \/>\nallem die theologischen Pointen von Interesse sind. Die direkten Hinwendungen<br \/>\nwerden hier schnell unanktuell, weil f\u00fcr jeden historisch bewu\u00dften<br \/>\nLeser das DU\/Ihr des Textes nicht an einen selbst gerichtet ist, sondern<br \/>\nan die damals gemeinten Leser in Rom.<\/p>\n<p>Beziehen wir aber den Status des Texts als Brief in die Auslegung ein,<br \/>\nverschiebt sich der Blick von den theologischen Aussagen zu den direkten<br \/>\nHinwendungen. Das bedeutet, da\u00df die theologischen Pointen von der<br \/>\nFreiheit vom Gesetz der S\u00fcnde und dem Leben im Geist nun nicht mehr<br \/>\nnach ihrem bedeutungsm\u00e4\u00dfigen Inhalt befragt werden, sondern<br \/>\nauch danach, wer die denn sind, die vom Gesetz der S\u00fcnde befreit<br \/>\nsind und das Leben im Geiste leben k\u00f6nnen, der in die Welt gekommen<br \/>\nist. Die direkte Hinwendung in der Form des Du\/Ihr kennzeichnet eine Seite<br \/>\nauch dieses Paulustexts, die traditionell keine gro\u00dfe Beachtung<br \/>\ngefunden hat: Da\u00df die Freiheit bei Paulus nicht nur Freiheit als<br \/>\nsolche ist, sondern Freiheit f\u00fcr jemanden, da\u00df das Leben nicht<br \/>\ndas Leben als solches ist, sondern das Leben des konkreten Menschen. Mit<br \/>\nanderen Worten: Hier wird eine Form von Innerlichkeit und Konkretion sichtbar,<br \/>\ndie f\u00fcr den Text wesentlich sind.<\/p>\n<p><b>Einzelexegese von R\u00f6m 8,1-2(10-11)<\/b><\/p>\n<p>Der gesamte Abschnitt R\u00f6m. 8,1-13 stellt sich im Zusammenhang so<br \/>\ndar: Die beiden ersten Verse f\u00fchren das Hauptthema ein: Die M\u00f6glichkeit<br \/>\nder Freiheit, erm\u00f6glicht durch den Geist. Die Verse 3-4 f\u00fchren<br \/>\ndiese Freiheit zur\u00fcck auf Gott, der seinen Sohn gesandt hat, w\u00e4hrend<br \/>\nder Zwischenteil V. 5-11 auf die beiden M\u00f6glichkeiten hinweist, die<br \/>\nnun f\u00fcr die, die glauben, bestehen, und darauf, wozu beide M\u00f6glichkeiten<br \/>\nf\u00fchren: Es besteht also die Wahl zwischen dem Leben nach dem Fleisch<br \/>\n(das zum Tode f\u00fchrt) und dem Leben im Geist (das zum Leben f\u00fchrt).<br \/>\nDie Verse 12-13 beschie\u00dfen den Abschnitt mit einer dazu passenden<br \/>\nErmahnung.<\/p>\n<p>Im folgenden konzentriere ich mich auf die ausgew\u00e4hlten Verse.<br \/>\nPaulus proklamiert mit gro\u00dfem Triumph eine ganz neue Situation f\u00fcr<br \/>\ndie, die durch Glauben und Taufe in Christus sind (<i>en Christo<\/i>).<br \/>\nDie Auslegung des kleinen Wortes ist entscheidend, freilich nicht leicht.<br \/>\nDie drei wichtigsten Auslegungen sind diese: Die pr\u00e4positionale Verbindung<br \/>\nkann instrumental verstanden werden, sie lebten durch Christus, oder im<br \/>\nlokalen Sinne: in seinem Einflu\u00dfbereich, oder mystisch, im Symbiose<br \/>\nmit ihm. Ich neige der zweiten Interpretation zu, der lokalistischen.<br \/>\nPaulus gebraucht hier die Pr\u00e4positionsverbindung als eine Metapher,<br \/>\num ein Leben in der Gemeinschaft im Einflu\u00dfbereich des auferstandenen<br \/>\nChristus, der durch das Wirken des Geistes gekennzeichnet ist, zum Ausdruck<br \/>\nzu bringen. In Christus leben hei\u00dft als ein Mensch leben, der wirklich<br \/>\nvon S\u00fcnde und Tod befreit ist.<\/p>\n<p>Der, der innerhalb dieser Gemeinschaft lebt, die durch den auferstandenen<br \/>\nChristus konstituiert ist, ist radikal befreit von dem alten Leben, das<br \/>\ndurch die S\u00fcnde bestimmt war, und ist in ein neues Leben eingetreten,<br \/>\nin dem der Geist in ihm bzw. ihr wohnt und auch seinen bzw. ihren sterblichen<br \/>\nLeib lebendig macht (R\u00f6m. 8,11). So bezieht sich der Glaube sowohl<br \/>\nzur\u00fcck auf die Auferstehung Jesu aber auch nach vorn auf eine Auferstehung,<br \/>\ndie dem eigenen sterblichen Leib gilt. Paulus rechnet also auch hier damit,<br \/>\nda\u00df auch die, die an Christus glauben, vor der Wiederkunft des Herrn<br \/>\nund der endg\u00fcltigen Auferstehung den physischen Tod erleiden. Seine<br \/>\nNaherwartung hat sich im Vergleich zum fr\u00fchen 1. Thessalonicherbrief<br \/>\n(4,15-17) hier im R\u00f6merbrief ein St\u00fcck in die Zukunft verschoben.<\/p>\n<p>Die Sph\u00e4re des auferstandenen Christus ist durch das Wirken des<br \/>\nGeistes gekennzeichnet. Dieses Wirken des Geistes besteht n\u00e4her bestimmt<br \/>\ndarin, nun (<i>nyn<\/i>) von dem Gericht befreit zu sein, das sonst jedem<br \/>\nMenschen droht. Die meisten Ausleger sehen in diesem <i>nyn<\/i> einen<br \/>\nHinweis auf R\u00f6m. 3,21, der Proklamation der Auferstehung Christi<br \/>\nzur Rechtfertigung eines jeden, der an ihn glaubt.<\/p>\n<p>In der Beschreibung sowohl der Sph\u00e4re des Gerichts als auch der<br \/>\nbefreienden Sph\u00e4re des Geistes gebraucht Paulus den Begriff des Gesetzes<br \/>\n&#8211; hier wie in R\u00f6m. 7,21-23 im breiten Sinne, d.h. von all dem, was<br \/>\nim Bereich menschlichen Handelns und menschlicher Kontrolle liegt. Das<br \/>\nhei\u00dft, da\u00df das befreiende Gesetz des Geistes in Jesus Christus,<br \/>\nvon dem Paulus spricht, nicht eine Art moralischer Code im engen Sinne<br \/>\nist, sondern vielmehr das Selbst der Geistes, insofern dieser eine neue<br \/>\nForm von Leben konstituiert. Kurz gesagt: In der alten Zeit und unter<br \/>\nder alten Sph\u00e4re waren das Leben provisorisch und der Tod endg\u00fcltig;<br \/>\nnun ist der Tod f\u00fcr den, der an Christus glaubt, provisorisch, so<br \/>\nwie sein Tod es war, und das Leben endg\u00fcltig, so wie sein Leben es<br \/>\nnach der Auferstehung war.<\/p>\n<p>Dies bedeutet freilich nicht, da\u00df die alte Vergangenheit ein f\u00fcr<br \/>\nalle Mal untergegangen ist. Au\u00dferhalb von Christus setzen sich Leiden<br \/>\nund Tod und das Gesetz der S\u00fcnde durch wie immer, und auch die, die<br \/>\nin Christus leben, m\u00fcssen dies an ihrem eigenen sterblichen Leib<br \/>\nerfahren.<\/p>\n<p><b>Das Leben im Geist &#8211; und der Geist im K\u00f6rper<\/b><\/p>\n<p>Man kann sich mit diesen Versen im Rahmen eine fachexegetischen Auslegung<br \/>\ndes R\u00f6merbriefs besch\u00e4ftigen. Und man kann sich mit ihnen besch\u00e4ftigen<br \/>\nals ein Predigttext, sei es als Prediger oder als H\u00f6rer. In den meisten<br \/>\nF\u00e4llen r\u00fcckt die Frage in den Mittelpunkt: In wie hohem Ma\u00dfe<br \/>\nmu\u00df man diese Worte w\u00f6rtlich verstehen oder im \u00fcbertragenen<br \/>\nSinne? Die Pointe freilich ist, da\u00df es <i>die<\/i> w\u00f6rtliche<br \/>\nBedeutung des Textes oder <i>den<\/i> \u00fcbertragenen Sinn nicht gibt,<br \/>\nsondern vielmehr alle Varianten zwischen diesen beiden M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>Es gibt vor allem zwei Topoi in diesen Versen, und wie so oft bei Paulus<br \/>\nhandelt es sich um zwei Gegens\u00e4tze: Der eine ist das, was man den<br \/>\nZeittopos nennen k\u00f6nnte: Vorher-nachher. Das ist u.a. durch das <i>nyn<\/i><br \/>\ndes Textes angezeigt: Nun ist Christus auferstanden. Vorher herrschte<br \/>\nallein das Gesetz der Verdammnis, nun aber herrscht das Gesetz der Freiheit,<br \/>\nwo sich der Geist entfaltet und das Leben umschlie\u00dft. Die, die an<br \/>\nChristus glauben, sind in diese Gegenwart einbezogen, zugleich leben sie<br \/>\ndas Leben, das sie leben, mit Leiden und Tod wie zuvor. Die klassische<br \/>\nUnterscheidung des Schon-noch nicht bezieht sich auf diesen Topos.<\/p>\n<p>Der zweite Topos ist das, was man dem Raumtopos nennen k\u00f6nnte:<br \/>\nInnen und Drau\u00dfen. Er ist u.a. in dem Text durch das <i>en Christo<\/i><br \/>\nangezeigt: die, die in Christus sind. Die, die an Christus glauben, sind<br \/>\ndrinnen, aber drau\u00dfen herrschen der Tod und die Sph\u00e4re des<br \/>\nGerichts. Die neue Paulusforschung r\u00fcckt diesen Topos in den Mittelpunkt.<br \/>\nStatt die Dialektik des Schon und Noch nicht als grundlegendes Prinzip<br \/>\nin der Theologie des Paulus zu verstehen, sieht man den r\u00e4umlichen<br \/>\nTopos des Innen und Drau\u00dfen als grundlegendes Prinzip. Das hat z.B.<br \/>\ndas Verst\u00e4ndnis des Begriffs der S\u00fcnde bei Paulus entscheidend<br \/>\nver\u00e4ndert, auch hier in R\u00f6m. 8,1-13: F\u00fcr die, die in Christus<br \/>\nsind, gibt es keine Verdammnis (R\u00f6m. 8,1), und in ihnen lebt der<br \/>\nGeist (R\u00f6m. 8,11). Sie sind also im Prinzip ohne S\u00fcnde (drinnen),<br \/>\ndenn der Geist hat sich in dieser durch Christus beherrschten Sph\u00e4re<br \/>\nin allen Bereichen dieser Gemeinschaft durchgesetzt &#8211; sie leben im Geist<br \/>\nund haben den Geist im Leib.<\/p>\n<p>Nun ist dies, wie erw\u00e4hnt, ein Leben, das vor der Wiederkunft des<br \/>\nHerrn zu leben ist, und dieses Leben ist nat\u00fcrlich eine Ressource,<br \/>\ninsofern der Geist in ihnen wohnt. Aber dieses Leben ist auch ein Risiko.<br \/>\nEs ist ein Risiko, weil die allgemeinen Unw\u00e4gbarkeiten des Lebens,<br \/>\nLeiden und Tod, zu Anfechtungen f\u00fchren k\u00f6nnen und einige dazu<br \/>\nveranlassen k\u00f6nnen, vom Glauben abzufallen. Und dies ist f\u00fcr<br \/>\nPaulus, auch im R\u00f6merbrief, eine Katastrophe. Denn aus dem Glauben<br \/>\nherausfallen hei\u00dft nicht mehr in Christus leben, d.h. drau\u00dfen<br \/>\nzu sein, dort wo das Gesetz der Verdammnis herrscht. U.a. um zu verhindern,<br \/>\nda\u00df dies geschieht, und zur allgemeinen Erbauung seiner (und anderer)<br \/>\nGemeinden schreibt Paulus seine Briefe, auch den R\u00f6merbrief.<\/p>\n<p><b>Dozentin Dr. theol. Gertrud Yde Iversen<br \/>\nFasanvej 21<br \/>\nDK-6240 L\u00f8gumkloster<br \/>\nTelefon: ++ 45 &#8211; 74 74 55 99<br \/>\n<a href=\"mailto:gyi@mail.tele.dk\">e-mail: gyi@mail.tele.dk<\/a><\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><noscript><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1\" height=\"1\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=1&amp;bn=neukirch&amp;f=020519-exegese.html&amp;r=r1\"\/><\/noscript><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch Pfingstsonntag, 19. Mai 2002 Exegese zu R\u00f6mer 8, 1-2 (10-11), verfa\u00dft von Gertrud Yde Iversen (D\u00e4nemark) Das Leben im Geist &#8211; und der Geist im K\u00f6rper Exegese von R\u00f6m. 8,1-2 (10-11) Einleitung Es liegt eine besondere Intensit\u00e4t \u00fcber diesen Versen (R\u00f6m. 8,1-2 (10-11): [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8543,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41,1,727,447,387,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-9105","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-roemer","category-aktuelle","category-archiv","category-kapitel-08-chapter-08-roemer","category-pfingstsonntag","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9105","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9105"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9105\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12934,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9105\/revisions\/12934"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8543"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9105"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9105"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9105"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=9105"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=9105"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=9105"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=9105"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}