{"id":9132,"date":"2002-07-07T19:50:00","date_gmt":"2002-07-07T17:50:00","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9132"},"modified":"2025-04-15T16:07:32","modified_gmt":"2025-04-15T14:07:32","slug":"roemer-619-23","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/roemer-619-23\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 6,19-23"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch<\/h3>\n<hr \/>\n<div><b><span style=\"color: #000099;\">8. Sonntag nac<\/span><\/b><strong><span style=\"color: #000099;\">h Trinitatis<\/span><\/strong><\/div>\n<div><strong><span style=\"color: #000099;\">21. Juli 2002<br \/>\n<\/span><\/strong><\/div>\n<div><strong>Predigt \u00fcber R\u00f6mer 6,19-23 <\/strong><\/div>\n<div><strong>verfa\u00dft von Ulrich Nembach<\/strong><\/div>\n<div>\n<hr \/>\n<\/div>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>I: Eine gute, eine sehr gute Nachricht lasen wir neulich in unseren Zeitungen, sahen wir im Fernsehen. Ja, das gibt es auch: ein gute Nachricht. Wir haben uns an Katastrophen, Flugzeugabst\u00fcrze, Terroranschl\u00e4ge in aller Welt gew\u00f6hnt. Und nun eine gute Nachricht, eine echt gute Nachricht. Sie ist sogar besser als die, endlich eine gute Note in einer Klassenarbeit geschrieben zu haben.<\/p>\n<p>Vielleicht fragen Sie sich, welche Nachricht ich meine? Sie k\u00f6nnen sich gar nicht erinnern. Ich meine jene aus S\u00fcdafrika, aus Durban. Afrikaner haben sich dort getroffen und beschlossen: Afrika soll ein Land der Gerechtigkeit werden &#8211; wie Europa.<\/p>\n<p>Ich weiss, ich weiss, dass nicht alles in Ordnung ist bei uns in Europa. Ich weiss, dass Soldaten auf dem Balkan verhindern m\u00fcssen, dass Menschen sich umbringen. Aber wie ist es in Afrika? Regierungschefs h\u00e4ufen privat Millionen auf Millionen und bringen sie in die Schweiz, w\u00e4hrend Menschen verhungern. Andere schaffen gar Milliarden in die Schweiz. In anderen L\u00e4ndern Afrikas schlagen sich Menschen gegenseitig tot zu Hunderten, zu Tausenden. Haben Sie schon die toten Tutsis und Huttus vergessen? Andere f\u00fchren B\u00fcrgerkriege seit Jahrzehnten. Nun soll alles, wirklich alles anders werden in Afrika. Daf\u00fcr wurde ein Vertrag geschlossen, eine Organisation eingerichtet, ein Pr\u00e4sident gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Nun h\u00f6re ich die kritische Gegenfrage: Meinen Sie wirklich, dass das funktionieren kann, in Afrika?! Darauf antworte ich mit einer ebenfalls kritischen Frage: Kann nicht nur ein Wunder Israelis und Araber zum Frieden bringen? Fr\u00fcher gab es in Israel den Spruch: Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.<\/p>\n<p>II: Ich habe noch eine kritische Gegenfrage: es ist unser Predigttext. Ja, unser Predigttext. Paulus spricht in seinem Brief die R\u00f6mer als Getaufte an. Was er in seiner etwas komplizierten Theologensprache sagt, heisst kurz zusammengefasst: -Ja, Theologen sprechen wie andere Wissenschaftler oft in einer f\u00fcr den grossen Rest der Menschheit unverst\u00e4ndlichen Sprache. Darum geh\u00f6rt es schon zur Routine in Krimis und Fernsehspiel, dass Verwandte und Freunde \u00c4rzte fragen, was das heisse, was sie ihnen gerade gesagt haben. Wenn wir Paulus fragen, w\u00fcrde er vielleicht kurz so antworten: &#8211; In der Taufe hat uns Gott zur Gerechtigkeit befreit, sie uns geschenkt.<\/p>\n<p>Und dann schreibt Paulus noch etwas. Was er schreibt, ist mir sehr sympathisch, und auch Ihnen wird es sympathisch sein. Paulus spricht von unserer Schwachheit. Wir Menschen sind schwach, weil wir seit Jahrhunderten, Jahrtausenden von Gott getrennt leben. Wir h\u00f6ren bei schlechten Nachrichten genauer hin als bei guten. Ja, man k\u00f6nnte fast meinen, wir s\u00e4hen lieber Bilder des Grauens als solche von guten Nachrichten.<\/p>\n<p>Nun hilft es nicht, dass ich unser gebrochenes Verh\u00e4ltnis zum Guten nenne, vielleicht auch noch beschreibe. Es hilft ebenso nicht, wenn Sie nun einen guten Vorsatz fassen, gleich heute Abend bei der Tagesschau auf gute Nachrichten zu achten. Das alles &#8211; meine Beschreibung und Ihr guter Vorsatz &#8211; w\u00e4ren gut gemeint, aber &#8211; einmal ehrlich gefragt: W\u00e4re der gute Vorsatz nicht morgen, sp\u00e4testens \u00fcbermorgen vergessen?<\/p>\n<p>III: Was nun? Gewinnt am Ende doch die schlechte Nachricht? Nein!! 1989 fand eien Wende statt. Wo die Mauer stand, stehen heute die modernen Geb\u00e4ude des Potsdamer Platzes mit ihren Cafes und schicken Restaurants. Das Brandenburger Tor ist offen. Schon vorher waren Stalin und Hitler mit ihren Gulags und Kzs verschwunden. Gott ist und bleibt der Chef. Im dunklen November 1989 str\u00f6mten die Menschen in Kirchen zu Friedensgebeten und nachher auf die Strassen mit brennenden Kerzen. Nicht aus Gewehrl\u00e4ufen kam die Macht, wie Mao meinte. Gerechtigkeit ist ein Geschenk, ein grosses Geschenk.<\/p>\n<p>Aber selbst mit grossen Geschenken kann man falsch umgehen. Ich nenne ein Beispiel. Es gibt den Lottomillion\u00e4r, der seinen Kindern etwas zu deren Hausbau gibt und selbst weiter arbeiten geht. Ein anderer Lottomillion\u00e4r nutzt die Gelegenheit, sich ein sch\u00f6nes Leben zu machen. Dann &#8211; fr\u00fcher oder sp\u00e4ter &#8211; ist er so arm, wie er vor dem Gewinn war, und seinen Arbeitsplatz hat er vielleicht auch verloren.<\/p>\n<p>Eine Gabe, ein Geschenk, kann man verlieren, vertun. Wir leben schon lange mit der S\u00fcnde. Die S\u00fcnde hat eine lange und wirkungsgeschichtlich gesehen grosse, m\u00e4chtige Tradition. S\u00fcnde meint dabei vieles, ist in zahlreichen Bereichen anzutreffen.<\/p>\n<p>Tim Thaler ist ein Junge. Vielleicht kennen Sie seine Geschichte. Wenn nicht, sollten Sie sie sich besorgen. Hier die Geschichte von Tim Thaler zu erz\u00e4hlen, w\u00fcrde zu lange dauern. F\u00fcr eine Kurzfassung ist die Geschichte zu sch\u00f6n. Also Tim Thaler begegnet dem Teufel. Der ist m\u00e4chtig. Er hat \u00fcberall seine Finger drin. Darum gelingt dem Teufel fast alles, ja, aber nur fast alles.<\/p>\n<p>S\u00fcnde hat viele Bereiche. S\u00fcnde meint alles, was die 10 Gebote meinen, und noch mehr. S\u00fcnde ist der Ausdruck f\u00fcr unsere Trennung von Gott. Von ihr ist schon auf den ersten Seite der Bibel die Rede. Trennung von Gott ist der Tod. Auch davon handeln die ersten Seiten der Bibel. Paulus verweist kurz in unserem Text darauf, weil er ausf\u00fchrlich von Adam wenig vorher geschrieben hatte. Um diese tiefe Trennung \u00fcberwinden zu k\u00f6nnen, bedarf es einer gewaltigen Br\u00fccke. Um solch eine Br\u00fccke bauen zu k\u00f6nnen, braucht man einen grossen, klugen, umsichtigen Baumeister. Es dauerte lange, bis sich jemand fand, eine grosse Br\u00fccke in Istanbul zwischen Europa und Asien zu bauen, oder eine in San Fanzisco oder \u00fcber den \u00d6resund. Und weil es solche Br\u00fcckenbauer gibt, gelingt dem Teufel nur fast alles. Gott ist der Br\u00fcckenbauer zwischen sich und den Menschen und zwischen Menschen untereinander. Ja, auch zwischen uns Menschen ist der Bau von Br\u00fccken schwer. In Afrika die Br\u00fccke der Gerechtigkeit zu errichten, l\u00e4sst nicht wenige an der Realisierung des Projektes zweifeln. Manche m\u00f6gen sogar insgeheim hoffen, dass das Projekt scheitern m\u00f6ge, um wieder Millionen auf Schweizer Konten zu schaffen. Manche hofften 1989, dass die Friedensgebete verstummen, die Kerzen auf den Strassen verl\u00f6chen m\u00f6chten. Sie halfen gar mit Polizeikn\u00fcppeln nach, aber der 9. November kam.<\/p>\n<p>So m\u00f6gen und werden sich auch Br\u00fcckenbauer zu guten Nachrichten finden. Das gilt auch f\u00fcr Afrika und die dortige Aufrichtung von Gerechtigkeit. Oder bei uns f\u00fcr den Arbeitsplatz, der doch noch gefunden oder gar geschaffen wird, oder f\u00fcr die Klassenarbeit, die endlich gelingt. Dasselbe gilt f\u00fcr gute Nachrichten, die man selbst \u00fcberbringt, vielleicht in den Fernsehsessel neben dem eigenen, indem man die Hand ausstreckt.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Prof. Dr. Dr. Ulrich Nembach, G\u00f6ttingen<br \/>\n<a href=\"mailto:unembac@gwdg.de\">unembac@gwdg.de<\/a><\/b><\/p>\n<p><noscript><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1\" height=\"1\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=1&amp;bn=neukirch&amp;f=020721-2.html&amp;r=r1\"\/><\/noscript><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch 8. Sonntag nach Trinitatis 21. Juli 2002 Predigt \u00fcber R\u00f6mer 6,19-23 verfa\u00dft von Ulrich Nembach Liebe Gemeinde! I: Eine gute, eine sehr gute Nachricht lasen wir neulich in unseren Zeitungen, sahen wir im Fernsehen. Ja, das gibt es auch: ein gute Nachricht. 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