{"id":9140,"date":"2021-02-07T19:49:55","date_gmt":"2021-02-07T19:49:55","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9140"},"modified":"2022-08-10T15:15:05","modified_gmt":"2022-08-10T13:15:05","slug":"2-samuel-12-1-10-13-15a-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/2-samuel-12-1-10-13-15a-3\/","title":{"rendered":"2. Samuel 12, 1-10.13-15a"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<table border=\"0\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><a name=\"top\"><\/a><b><a href=\"http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/\">G\u00f6ttinger<br \/>\nPredigten im Internet<br \/>\nhg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch <\/a><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><b><span style=\"color: #000099;\">11. Sonntag nach Trinitatis,<br \/>\n11. August 2002<br \/>\nPredigt-Entwurf \u00fcber 2. Samuel 12, 1-10.13-15a, verfa\u00dft von<br \/>\nKarsten Matthis<br \/>\n<\/span><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>eine Skandalgeschichte steht in 2. Samuel 12, die sich vor gut 1.000<br \/>\nJahren im K\u00f6nigshaus zu Jerusalem ereignet hat. Wenn sich diese Story<br \/>\nin unserer Zeit ereignete, begeistert h\u00e4tte die Boulevardpresse diese<br \/>\nAff\u00e4re aufgegriffen. Wochenlang w\u00fcrden die Bl\u00e4tter der<br \/>\nRegenbogenpresse die Leser \u00fcber alle Details des Skandals informieren.<br \/>\nNiemand k\u00f6nnte sich dieser marktschreierischen Berichterstattung<br \/>\nentziehen. Unsere Blicke fielen immer wieder auf die roten Balken\u00fcberschriften<br \/>\nder Boulevardpresse, wie &#8222;K\u00f6nig schickt Nebenbuhler in den Tod&#8220;.<\/p>\n<p>In der Familie, im B\u00fcro und im Sportverein w\u00e4re der Ehebruch<br \/>\nDavids ein gro\u00dfes Thema. Da w\u00fcrden der erzwungene R\u00fccktritt<br \/>\ndes Telekom-Chefs Ron Sommer, die Miles &amp; More-Aff\u00e4re einiger<br \/>\nBundestagsabgeordneten oder die Trennung des &#8222;Fu\u00dfballkaisers&#8220;<br \/>\nFranz Beckenbauer von seiner Frau als harmlose Geschichtchen verblassen.<br \/>\nEhebruch und Mord am Hauptmann Uria, das w\u00e4re doch ein Stoff von<br \/>\nder Qualit\u00e4t der Barschel-Aff\u00e4re oder k\u00f6nnte sich mit den<br \/>\ntragischen Ereignissen um Lady Diana im K\u00f6nigshaus der Windsors messen.<\/p>\n<p>Es ist schon peinlich, wie sehr ein gro\u00dfer Teil des Journalismus<br \/>\nvon diesen tats\u00e4chlichen oder vermeintlichen Skandalgeschichten lebt.<br \/>\nAber zu dieser Berichterstattung geh\u00f6ren immer zwei: Hand auf&#8217;s Herz!<br \/>\nWir nehmen diese Storys auf und reden \u00fcber sie. W\u00e4re es nicht<br \/>\nan der Zeit, wenn wir sagten: Stopp! Schluss damit. Wir m\u00f6chten diese<br \/>\nSkandalgeschichten nicht mehr mit allen Details \u00fcber Fu\u00dfballstars,<br \/>\nTennisspieler und Schlagerstars h\u00f6ren. Wir sind es m\u00fcde, die<br \/>\nst\u00e4ndig neuen Enth\u00fcllungen in den europ\u00e4ischen K\u00f6nigsh\u00e4usern<br \/>\nzu erfahren. Wir sind es auch Leid, immer nur wieder Tratsch und Klatsch<br \/>\nin gewissen Teilen der Presse zu lesen. Es gibt einfach Wichtigeres, Dinge<br \/>\ndie uns tats\u00e4chlich angehen. Probleme in Staat und Gesellschaft,<br \/>\ndie dringend angepackt werden m\u00fcssen. Unrecht muss benannt und tats\u00e4chliche<br \/>\nStraftaten aufgedeckt werden. Dies w\u00e4re Aufgabe f\u00fcr einen kritischen<br \/>\nund informativen Journalismus, der verantwortlich schreibt und publiziert.<\/p>\n<p>\u00dcberaus kritisch und offen ging es am Hofe Davids zu. Ganz offensichtlich<br \/>\nlie\u00dfen sich die Vergehen Davids nicht verschweigen. Obwohl sich<br \/>\nK\u00f6nig David intensiv bem\u00fcht hatte, seinen Ehebruch zu vertuschen,<br \/>\nwar die Geschichte ans Tageslicht gekommen. Der treue Hauptmann Uria,<br \/>\nloyal bis in den Tod, wurde von David an der Front geopfert, um einen<br \/>\nl\u00e4stigen Zeugen beiseite zu schaffen. Ruchbar wurde der Skandal,<br \/>\nals Batseba ein Kind erwartete und Uria nicht der leibliche Vater gewesen<br \/>\nsein konnte.<\/p>\n<p>Stets war David listig und politisch umsichtig gewesen, hatte sich Stufe<br \/>\num Stufe nach oben gek\u00e4mpft. Wie ein packender Roman liest sich die<br \/>\nAufstiegsgeschichte des Hirtenjungen David. Einst versto\u00dfen vom<br \/>\nHofe Sauls, k\u00e4mpfte er mit einer Handvoll M\u00e4nner mal auf der<br \/>\neinen und mal auf der anderen Seite der orientalischen M\u00e4chte. So<br \/>\nkonnte er sich geschickt dem Untergang Sauls entziehen und mit einigen<br \/>\nS\u00f6ldner, eine Macht in Israel werden. Durch gro\u00dfes diplomatisches<br \/>\nGeschick brachte David es fertig, die bis dahin verfeindeten St\u00e4mme<br \/>\naus Nord und S\u00fcd zu einen. Vielmehr noch &#8211; die St\u00e4mme Israels<br \/>\nwaren bereit, ihn zum K\u00f6nig zu w\u00e4hlen und zu salben.<\/p>\n<p>Dem jungen K\u00f6nig gelang ein kluger Schachzug nach dem anderen. Mit<br \/>\nder Eroberung Jerusalems und der Errichtung der Hauptstadt legte David<br \/>\ndie Grundlage f\u00fcr ein Gro\u00dfreich. Israel war nun nicht mehr<br \/>\nSpielball politischer M\u00e4chte, sondern wurde selbst zum Machtfaktor<br \/>\nim Orient. Mit diesem sagenhaften Aufstieg und Entfaltung seiner Herrschaft<br \/>\nhatte David sich einen festen Platz in der sich gerade entwickelnden Geschichtsschreibung<br \/>\ngesichert.<\/p>\n<p>Aber auf dem H\u00f6hepunkt seiner Macht begeht David einen schwerwiegenden<br \/>\nFehltritt. Zerst\u00f6rt die Ehe eines Dritten und schreckt nicht zur\u00fcck,<br \/>\nden loyalen Staatsdiener Uria zu opfern. Nicht nur am Hofe wurde Davids<br \/>\nEhebruch und Mord bekannt. Da tritt ein wortgewaltiger Mann mit gro\u00dfer<br \/>\nZivilcourage, der Prophet Nathan, auf. Er war nicht nur mutig, sondern<br \/>\nausgesprochen klug. Er wusste darum, dass der m\u00e4chtige K\u00f6nig<br \/>\ndie Weisheit liebte und erz\u00e4hlte ihm eine Parabel vom armen Mann,<br \/>\ndem sein Lamm geraubt wurde.<\/p>\n<p>Nathan riss David, dem scheinheiligen G\u00f6nner von Musik und Kultur,<br \/>\nvon Wissenschaft und Religion, die Maske vom Gesicht: &#8222;Du bist der<br \/>\nMann. Du hast den armen Mann beraubt. Du selbst, David, bist der R\u00e4uber<br \/>\nund M\u00f6rder&#8220;. Mit dieser Blo\u00dfstellung Davids, der sich<br \/>\nzuvor selbst der Tat bezichtigte, hatte Nathan nach g\u00e4ngigen orientalischen<br \/>\nMa\u00dfst\u00e4ben sein eigenes Todesurteil gesprochen. An anderen orientalischen<br \/>\nK\u00f6nigsh\u00f6fen w\u00e4re dieser Oppositionelle liquidiert worden.<br \/>\nWiderspruch oder gar Widerstand wurden nicht geduldet.<\/p>\n<p>Doch nach den Worten Nathans, die Davids Schuld schonungslos aufdeckten,<br \/>\nzeigte sich David \u00fcberraschend schuldbewusst und bewies menschliche<br \/>\nGr\u00f6\u00dfe. Er unternahm keinen Versuch der Verteidigung. David<br \/>\nging offen mit seiner Schuld um. Nicht nur aus Angst kehrte er um und<br \/>\nbekannte sich zu seiner Schuld. Auf die Blo\u00dfstellung des Propheten<br \/>\nreagierte er nicht mit den \u00fcblichen Methoden. Nein, er kehrte um<br \/>\nund versuchte zu retten, was zu retten ist. Er nahm Batseba zu sich und<br \/>\nbekannte sich zu ihr.<\/p>\n<p>David hatte erkannt, dass es sein gr\u00f6\u00dftes Unrecht war, sich<br \/>\nso verhalten zu haben, als gebe es Gott \u00fcberhaupt nicht. Er hatte<br \/>\ngeglaubt, die Gebote Gottes seien f\u00fcr ihn nicht in Kraft. So sind<br \/>\ndie Worte des 51. Psalm Worte, die David h\u00e4tte sprechen k\u00f6nnen:<br \/>\n&#8222;An dir allein habe ich ges\u00fcndigt und \u00fcbel vor dir getan&#8220;<br \/>\n(Psalm 51, 6). Er bat Gott um Verzeihung, weil er wusste, dass Gott seinen<br \/>\nLebensweg begleitet hatte und ihn auf den Thron gebracht hatte.<\/p>\n<p>Die Aff\u00e4re wurde zu einem Wendepunkt in seinem Leben. Das mit Batseba<br \/>\ngezeugte Kind starb kurz nach der Geburt. Ein dunkler Schatten lag nun<br \/>\nauf seiner Herrschaft.. An seinen H\u00e4nden klebte Blut, und erst sein<br \/>\nSalomo durfte den Tempel in Jerusalem bauen. Wirren um seine Nachfolge<br \/>\nbrachen aus. Nord- und S\u00fcdreich strebten auseinander.<\/p>\n<p>Dennoch: David wird von seinen Nachfolgern und von Generationen nach<br \/>\nihm, von Juden und Christen, hoch geehrt. F\u00fcr Juden ist er einer<br \/>\nder gro\u00dfen Stammv\u00e4ter Israels, f\u00fcr Christen ein Vorfahre<br \/>\nJesu Christi. Alle sp\u00e4teren K\u00f6nige Israels m\u00fcssen sich<br \/>\nan David messen. Nur noch der fromme K\u00f6nig Josia kann es mit ihm<br \/>\naufnehmen. Mittelalterliche Herrscher des Abendlandes berufen sich auf<br \/>\nDavid und stellten sich in seine Tradition.<\/p>\n<p>David hatte durch sein Schuldeingest\u00e4ndnis seine Herrschaft gerettet<br \/>\nund einen Rest Glaubw\u00fcrdigkeit behalten. Durch den Spruch Nathans<br \/>\nhatte Gott ihm die Chance zur Bu\u00dfe und Umkehr gegeben. Der Gott<br \/>\nIsraels hatte in die Lebensgeschichte des Davids eingegriffen und lie\u00df<br \/>\nUnrecht nicht Unrecht sein. Durch das Wort des Propheten sch\u00e4rfte<br \/>\ner das Gewissen des Volkes und rief den Menschen David zur Umkehr von<br \/>\nseinen Irrwegen und Abwegen auf.<\/p>\n<p>Gott hob das Todesurteil, welches David selbst \u00fcber sich gesprochen<br \/>\nhat, auf. Der Gott Israels l\u00f6schte eine b\u00f6se Geschichte aus,<br \/>\ndie sich in Davids Leben ereignet hatte und bot ihm die Chance zum Neuanfang.<br \/>\nDas ist das Wunder des g\u00f6ttlichen Verzeihens. Sein Verzeihen tilgt<br \/>\nauch die gr\u00f6\u00dfte menschliche Schuld. Seine Vergebung und Barmherzigkeit<br \/>\ngilt auch uns, durch die wir leben. Und so d\u00fcrfen wir beten mit einem<br \/>\nMicha Wort: &#8222;Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter<br \/>\ndie F\u00fc\u00dfe treten und alle unsere S\u00fcnden in die Tiefe des<br \/>\nMeeres werfen&#8220; (7, 19).<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p>Literatur:<\/p>\n<p>Gottfried Vogt: Die lebendigen Steine, Homiletische Auslegung der Predigttexte<br \/>\nder Reihe VI, 11. Sonntag nach Trinitatis, 2. Aufl. Berlin 1989, S. 331-337.<\/p>\n<p>Stefan Heym: Der K\u00f6nig David Bericht, Neuauflage 1998, btb\/Goldmann<br \/>\nVerlag<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Karsten Matthis, Dipl. Theol.<br \/>\nHochheimer Weg 11a<br \/>\n53343 Wachtberg<br \/>\n<a href=\"mailto:karsten.matthis@t-online.de\">karsten.matthis@t-online.de<br \/>\n<\/a><\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch 11. Sonntag nach Trinitatis, 11. August 2002 Predigt-Entwurf \u00fcber 2. Samuel 12, 1-10.13-15a, verfa\u00dft von Karsten Matthis Liebe Gemeinde, eine Skandalgeschichte steht in 2. Samuel 12, die sich vor gut 1.000 Jahren im K\u00f6nigshaus zu Jerusalem ereignet hat. Wenn sich diese Story in [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8543,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13,480,1,2,727,114,1013,349,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-9140","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-2-samuel","category-11-so-n-trinitatis","category-aktuelle","category-at","category-archiv","category-deut","category-kapitel-12-chapter-12-2-samuel","category-kasus","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9140","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9140"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9140\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12935,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9140\/revisions\/12935"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8543"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9140"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9140"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9140"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=9140"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=9140"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=9140"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=9140"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}