{"id":9142,"date":"2002-08-07T19:50:00","date_gmt":"2002-08-07T17:50:00","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9142"},"modified":"2025-04-22T17:13:48","modified_gmt":"2025-04-22T15:13:48","slug":"1-korinther-3-9-15","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-korinther-3-9-15\/","title":{"rendered":"1. Korinther 3, 9-15"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"color: #000099;\">12. Sonntag nach Trinitatis | 18. August 2002 |\u00a01. Korinther 3, 9-15 |<\/span><span style=\"color: #000099;\">\u00a0Walter Meyer-Roscher |<\/span><\/h3>\n<div>Der Apostel schreibt:&#8220; <em>Wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. Ich nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird&#8217;s klar machen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen. Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.&#8220;<\/em><\/div>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Wenn seine Boten<br \/>\nden Z\u00f6gernden zu essen geben,<br \/>\nden Zaghaften reinen Wein einschenken,<br \/>\nbeim Namen nennen,<br \/>\nwas Kummer macht.<\/p>\n<p>Wenn seine Boten<br \/>\nden Schweigenden ein Stichwort geben,<br \/>\nden Hoffnungslosen<br \/>\nSchritte zeigen auf festem Grund<\/p>\n<p>Du da!<br \/>\nIn Schuhen gehend<br \/>\nauf d\u00fcnner Erdenhaut:<br \/>\nMit deinem Munde gibst du Hoffnung weiter;<br \/>\nmit deiner Stimme weckst du neuen Mut,<br \/>\nmit deinen Taten weist du Christi Weg.<\/p>\n<p>&#8222;Wir stehen auf d\u00fcnner Erdenhaut&#8220;, hat Arnim Juhre seine Sammlung von Gedichten und Psalmnachdichtungen genannt. Mich hat schon dieser Titel fasziniert, und ich habe versucht, seine Aussage und meine Gedanken zusammenzubringen: Wir stehen auf d\u00fcnner Erdenhaut &#8211; \u00fcber dem Abgrund, auf schwankendem Boden und doch getragen. Du da, jeder von uns &#8211; wir gehen weiter auf d\u00fcnner Erdenhaut und wir haben etwas zu sagen, was anderen neben uns Hoffnung geben, Mut machen und den Weg weisen kann. Da sind so viele, die auf schwankendem Boden nicht mehr weiterzugehen wagen; die unsicher geworden sind und \u00e4ngstlich, vielleicht schon resigniert und hoffnungslos zu Boden blicken, aber nicht mehr nach vorn und nicht mehr nach oben sehen.<\/p>\n<p>Ja, da warten neben uns Menschen auf eine Botschaft der Hoffnung und auf Wegweisung, die sie aus Unsicherheit und Orientierungslosigkeit, aus Angst und Resignation, aus Trauer und Hoffnungslosigkeit befreien k\u00f6nnten. Da sind so viele, die sich in unserer von Hass, Gewalt und Tod bedrohten Welt nicht mehr zurechtfinden; die sich von einer schuldbehafteten Vergangenheit nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen. Da sind die Z\u00f6gernden und Zaghaften, die nicht wissen, wie es mit ihrem Leben und mit der Welt weitergehen soll; die es nicht wagen, sich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen, weil sie die Orientierung verloren habe. Da sind die vielen Menschen, die nichts mehr zu sagen wissen, denen Leid und Kummer den Mund verschlossen haben, die sprachlos geworden sind und des Nachts wach liegen &#8211; gefangen in ihren \u00c4ngsten und niedergedr\u00fcckt von ihrer Hoffnungslosigkeit.<\/p>\n<p>Wer sagt ihnen das Wort der Hoffnung weiter? Seine Boten, die selbst erfahren haben, dass diese Hoffnung tr\u00e4gt auf d\u00fcnner Erdenhaut und dass ein Weg offen steht, der auf einen weiten Horizont zu f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Wir sind seine Boten. Wir sind Gottes Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die auf d\u00fcnner Erdenhaut einen tragf\u00e4higen Grund gefunden haben, auf dem sie ihr Leben aufbauen k\u00f6nnen und der einen gangbaren Weg nach vorn er\u00f6ffnet. So spricht der Apostel Paulus uns an und erinnert uns an die Lebensgrundlage, auf der es sich aufzubauen lohnt.<\/p>\n<p>Aber da bieten sich so viele Grundlagen f\u00fcr unser Leben an. Sie alle versprechen Tragf\u00e4higkeit, aber sie konkurrieren auch miteinander: Familie, materielle Sicherheit und ein gewisser Wohlstand, Ausbildung und lebenslanges Lernen, berufliches Fortkommen und Selbstbehauptung im Konkurrenzkampf oder auch einfach nur Unterhaltung und Spa\u00dfhaben. K\u00f6nnen sie Lebensgrundlage sein oder sind sie vielleicht doch blo\u00df einzelne Brocken, die sich nicht zusammenf\u00fcgen lassen und deshalb auch nicht tragen k\u00f6nnen? Eine Lebensgrundlage muss doch umfassender sein, wenn sie ein Leben lang tragf\u00e4hig sein soll.<\/p>\n<p>Paulus weist auf ein Fundament f\u00fcr seine Glaubens\u00fcberzeugung hin. Auf ihm hat er seine Lebensarbeit aufgebaut: Das, was Christus gebracht, gelebt und bewirkt hat. Auf andere Menschen ist er zugegangen, als brauchte man sich nicht vor ihnen zu rechtfertigen oder gar zu f\u00fcrchten, als brauchte man sich nicht gegen sie durchzusetzen, als gen\u00fcgte es, menschlich miteinander umzugehen, mit Verst\u00e4ndnis und mit Hilfsbereitschaft zu reagieren. Die Menschen aber, denen er sich so zugewandt hat, sind in seiner N\u00e4he frei von einer belasteten Vergangenheit und frei von der Angst vor der Zukunft geworden. In der Offenheit und Menschenfreundlichkeit Christi haben sie eine neue Grundlage f\u00fcr ihr Leben gesehen und Gottes Wertsch\u00e4tzung ihres Lebens gesp\u00fcrt. Ein neuer Geist der Verst\u00e4ndigungsbereitschaft, der N\u00e4chstenliebe und Mitmenschlichkeit hat ihr Denken und Handeln bestimmt. Sie wussten pl\u00f6tzlich, wozu sie lebten und wof\u00fcr es sich zu leben lohnt: Auf Gottes N\u00e4he zu vertrauen und f\u00fcr andere da zu sein, sie in die eigenen Lebensvorstellungen und W\u00fcnsche einzubeziehen, mit ihnen f\u00fcrsorglich und menschenw\u00fcrdig zusammen zu leben.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich bleibt das immer eine Herausforderung. Nat\u00fcrlich bleibt das Leben auf d\u00fcnner Erdenhaut eine Aufgabe. Jeder sehe zu, wie er auf diesem Fundament, das mit Christus gelegt ist, sein Leben aufbaut, sagt Paulus. Manches wird gelingen und unser Leben reich machen. Anderes wird misslingen &#8211; in den Augen der Mitmenschen, vielleicht auch in unserem eigenen Urteil. Entscheidend aber ist das Urteil Gottes.<\/p>\n<p>Paulus gebraucht ein f\u00fcr seine Zeit \u00fcbliches und einpr\u00e4gsames Bild: Das wirklich Wertvolle &#8211; daf\u00fcr setzt er die Begriffe &#8222;Gold, Silber, Edelstein&#8220; &#8211; wird am Ende durchs Feuer gel\u00e4utert. Holz, Heu und Stroh verbrennen. Aber das soll uns keine Angst machen. Der Mensch ist vor Gott mehr als die Summe des von ihm Geleisteten. Von der Lebensarbeit mag manches verloren gehen, der Mensch als Kind Gottes aber nicht. Niemand wird von Gott als wertlos abgetan, weil Christus f\u00fcr alle da war, weil dieses Fundament sich zu jeder Zeit und f\u00fcr alle als tragf\u00e4hig erweist &#8211; mag die Erdenhaut auch noch so d\u00fcnn werden.<\/p>\n<p>Entscheidend aber ist, dass sich in einer Gesellschaft, in der so viele m\u00f6gliche Lebensgrundlagen miteinander konkurrieren, immer noch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Gottes finden, seine Boten, die auf das eine tragf\u00e4hige Fundament hinweisen. Wir alle sind angesprochen: Du da, in Schuhen gehend auf d\u00fcnner Erdenhaut. Mit deinem Munde gibt du Hoffnung weiter, mit deiner Stimme weckst du neuen Mut. Mit deinen Taten weist du Christi Weg.<\/p>\n<p>Seine Boten &#8211; sie alle bauen gemeinsam an einem gro\u00dfen Bau mit, dem Bau seiner Gemeinde, seiner Kirche. Sie will Heimat f\u00fcr alle sein, die sich mit dem eigenen Leben abm\u00fchen, vor den konkurrierenden Angeboten manchmal die Orientierung zu verlieren drohen und bisweilen vor der Gr\u00f6\u00dfe der Lebensaufgabe resignieren m\u00f6chten.<\/p>\n<p>H\u00e4ngt das alles von uns und von unserem Einsatz ab? Die Aufgaben sind vielf\u00e4ltig, und niemand muss f\u00fcr alles verantwortlich sein. Da kann man schon f\u00fcr sich selbst und f\u00fcr die eigene Mitarbeit an Gottes gro\u00dfem Bau der Kirche Priorit\u00e4ten setzen. Da d\u00fcrfen die einen durchaus neue Aufgabenfelder aus \u00dcberzeugung bejahen, w\u00e4hrend andere sich kritisch zur\u00fcckhalten und lieber mithelfen, Bew\u00e4hrtes weiter zu bewahren. Entscheidend bleibt die gemeinsame Konzentration auf das Fundament, das schon gelegt ist. Letzten Endes hat sich alles Engagement an dem zu messen, was Christus gebracht, gelebt und gewirkt hat. Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, Christus.<br \/>\nAmen<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Walter Meyer-Roscher<br \/>\nLandessuperintendent i.R.<br \/>\nAdelogstr. 1<br \/>\n31141 Hildesheim<br \/>\n<a href=\"mailto:meyro-hi@t-online.de\">E-Mail: meyro-hi@t-online.de<\/a><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>12. Sonntag nach Trinitatis | 18. August 2002 |\u00a01. Korinther 3, 9-15 |\u00a0Walter Meyer-Roscher | Der Apostel schreibt:&#8220; Wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. 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