{"id":9149,"date":"2002-09-07T19:50:02","date_gmt":"2002-09-07T17:50:02","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9149"},"modified":"2025-04-11T14:32:57","modified_gmt":"2025-04-11T12:32:57","slug":"genesis-2-4b-15","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/genesis-2-4b-15\/","title":{"rendered":"Genesis 2,4b-15"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"color: #000099;\">15. Sonntag nach Trinitatis | 8. September 2002 | 1. Mose 2,4b-15 | Friedrich Seven |<\/span><\/h3>\n<p>4bEs war zu der Zeit, da Gott der Herr Erde und Himmel machte.<br \/>\n5 Und alle die Str\u00e4ucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden,<br \/>\nund all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen; denn Gott der<br \/>\nHerr hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da,<br \/>\nder das Land bebaute; 6 aber ein Nebel stieg auf von der Erde und feuchtete<br \/>\nalles Land.<br \/>\n7 Da machte Gott der Herr den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm<br \/>\nden Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges<br \/>\nWesen.<br \/>\n8 Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und<br \/>\nsetzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte.<br \/>\n9 Und Gott der Herr lie\u00df aufwachsen aus der Erde allerlei B\u00e4ume,<br \/>\nlieblich anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im<br \/>\nGarten und den Baum der Erkenntnis des Guten und B\u00f6sen.<br \/>\n10 Und es ging aus von Eden ein Strom, den Garten zu bew\u00e4ssern, und<br \/>\nteilte sich von da in vier Hauptarme.<br \/>\n11 Der erste hei\u00dft Pischon, der flie\u00dft um das ganze Land Hawila,<br \/>\nund dort findet man Gold;<br \/>\n12 und das Gold des Landes ist kostbar. Auch findet man da Bedolachharz<br \/>\nund den Edelstein Schoham.<br \/>\n13 Der zweite Strom hei\u00dft Gihon, der flie\u00dft um das ganze Land<br \/>\nKusch.<br \/>\n14 Der dritte Strom hei\u00dft Tigris, der flie\u00dft \u00f6stlich<br \/>\nvon Assyrien. Der vierte Strom ist der Euphrat.<br \/>\n15 Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden,<br \/>\nda\u00df er ihn bebaute und bewahrte.<\/p>\n<p><noscript><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1\" height=\"1\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=1&amp;bn=neukirch&amp;f=020908-2.html&amp;r=r1\"\/><\/noscript><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>viele von uns werden einen Garten Eden kennen, vielleicht nur aus ihrer<br \/>\nKindheit, vielleicht aber kennen und besuchen sie noch heute ein St\u00fcck<br \/>\nLand, das f\u00fcr Sie die Erinnerungen an das Paradies wachh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Bei mir ist solch ein St\u00fcck Land der Garten einer d\u00e4nischen<br \/>\nPfarrei auf J\u00fctland, den ich erstmals besuchte, als ich nach dem<br \/>\nGottesdienst zum Kirchenkaffee eingeladen wurde.<\/p>\n<p>Wir sa\u00dfen auf einer Terrasse umgeben von wilden Rosenstr\u00e4uchern,<br \/>\ndie doch den Blick freilie\u00dfen auf alte Linden, Birken und in eine<br \/>\nFerne, die bis zu einer hohen Hecke immer noch Garten war. Ein Landwirt<br \/>\nw\u00fcrde die Ma\u00dfe dieses Grundst\u00fccks einen Morgen nennen.<\/p>\n<p>Hinter der Hecke war die Landschaft erkennbar, Wiesen und Schilfgras<br \/>\nam Ufer des gro\u00dfen Fjords, der sich hier quer \u00fcber die ganze<br \/>\nInsel zieht.<\/p>\n<p>Das Gespr\u00e4ch ging noch ganz um das gegenseitige Kennenlernen, und<br \/>\nich war froh, in dem alten Pfarrer jemanden getroffen zu haben, der gerne<br \/>\nund sehr gut meine Sprache sprach.<\/p>\n<p>Er lebte und tat in dieser Pfarrei seit drei\u00dfig Jahren seinen Dienst,<br \/>\nseine Kinder waren hier geboren worden, hier aufgewachsen, von hier aufgebrochen<br \/>\nund kehrten gelegentlich hierhin zur\u00fcck, mit Enkelkindern, wie die<br \/>\nSchaukeln an den starken \u00c4sten einiger B\u00e4ume verrieten.<\/p>\n<p>Nach dem Kaffee, aber noch nicht zum Abschied f\u00fchrte er mich dann<br \/>\nin seinen Garten und zeigte mir, wie \u00fcber die Jahre und Jahrzehnte<br \/>\nhin er diesen Garten angelegt hatte und wie jede gr\u00f6\u00dfere Anlage,<br \/>\netwa die Terrassen, die hier nach Westen hin aufgeschichtet worden waren,<br \/>\nauch ein St\u00fcck Familiengeschichte bedeuteten. &#8220; Hier haben meine<br \/>\nJungens mit ihren Freunden in den Osterferien Schubkarre f\u00fcr Schubkarre<br \/>\nheranbewegt, und dort drohte es immer wieder abzurutschen.&#8220; &#8220;<br \/>\nHier habe ich mit meiner Frau einen K\u00fcchengarten angelegt.&#8220;<br \/>\n&#8222;Der wundersch\u00f6ne Rosenstrauch ist ein Geschenk der Gemeinde<br \/>\nan meine Frau.&#8220; So wusste er zu erz\u00e4hlen, zu unterhalten und<br \/>\nden Gast auch geh\u00f6rig zu beeindrucken.<\/p>\n<p>Als ich mich dann, nachdem die Kirchenglocke bereits Mittag gel\u00e4utet<br \/>\nhatte, verabschiedete und noch einmal von einer kleinen Anh\u00f6he auf<br \/>\nden ganzen Garten schaute, atmete ich tief ein und aus und genoss f\u00fcr<br \/>\neine lange Weile danach noch das ruhige Atmen. Mein Gastgeber hatte dies<br \/>\nwohl erwartet.<\/p>\n<p>Dem Pfarrer blieb ich verbunden. Inzwischen ist er verstorben. Ihn und<br \/>\nseinen Garten behalte ich in guter Erinnerung.<\/p>\n<p>In diesem Garten schienen alle Ma\u00dfe zu stimmen, hier waren Sinn<br \/>\nf\u00fcr Sch\u00f6nheit, praktischer Verstand f\u00fcr das Nahrhafte und<br \/>\nN\u00fctzliche und die Bereitschaft zu harter Arbeit \u00fcber eine lange<br \/>\nZeit, fast eine kleine Ewigkeit lang zusammengekommen.<\/p>\n<p>Der ganze Unterschied zwischen einem Garten und den sogenannten landwirtschaftlichen<br \/>\nNutzfl\u00e4chen wurde hier augenf\u00e4llig. N\u00fctzlich und ertragreich<br \/>\nwar dieser Morgen Land zwar auch, aber er lud daneben zum Verweilen ein,<br \/>\nzum Schmecken und Schauen. Er war ein Ort der Arbeit und des Lebens, ein<br \/>\nOrt, in dem die Arbeit dem Leben und den vielen kleinen Erlebnissen galt,<br \/>\nvon denen hier erz\u00e4hlt werden konnte.<\/p>\n<p>Viele h\u00e4tten gern einen solchen Ort, an dem sich einfach nur leben<br \/>\nl\u00e4sst, ohne dass Nichtstun zum Zwang w\u00fcrde, ein Ort, an dem<br \/>\ndas Wachsen und Reifen noch geschaut und geschmeckt werden kann. Doch<br \/>\nauch wenn viele gerne solch einen Garten h\u00e4tten, k\u00f6nnen nicht<br \/>\nalle solch ein St\u00fcck Land genie\u00dfen. Auf jedem Dachgarten jedoch,<br \/>\nin Tausenden von Schreberg\u00e4rten und beim Besuch der \u00f6ffentlichen<br \/>\nParks w\u00e4chst und gedeiht die Hoffnung auf ein wenig Garten Eden.<\/p>\n<p>Sicher, bei all diesen G\u00e4rten wird neben der Hoffnung auch viel<br \/>\nvon der Verzweiflung dar\u00fcber deutlich, dass der Garten Eden uns verschlossen<br \/>\nist. Der Pfarrgarten auf J\u00fctland und all die anderen G\u00e4rten<br \/>\nsind immer auch Wahrzeichen einer Sehnsucht, die nicht zu erf\u00fcllen<br \/>\nist, und das Paradies mu\u00df immer wieder neu versprochen werden.<\/p>\n<p>Versprochen werden mu\u00df ein Bereich, der ausreichen k\u00f6nnte<br \/>\nzum Leben und vor allem, in dem es sich zu leben lohnt. Ein Garten mit<br \/>\n\u00fcberschaubaren Ma\u00dfen, aber gleichzeitig mit einer Verbindung<br \/>\nzur \u00fcbrigen Welt, die diese Welt gliedert und erschlie\u00dft.<\/p>\n<p>Der Garten Eden, von dem die Bibel erz\u00e4hlt, ist solch ein Land:<br \/>\nvon Gott urbar und fruchtbar gemacht, \u00fcber einen Strom mit der \u00fcbrigen<br \/>\nWelt wie mit einer gemeinsamen Lebensader verbunden und als ein Ort angelegt,<br \/>\nin dem der Mensch frei atmen und leben soll. Und wie in jedem Garten,<br \/>\nso sollte auch hier dem Menschen die Aufgabe bleiben, zu bebauen, zu bewahren<br \/>\nund vor allem auch sich zu bewahren.<\/p>\n<p>Der Garten Eden ist diesem Menschen so angemessen, dass uns erz\u00e4hlt<br \/>\nwird, der erste Mensch sei aus der Erde dieses Gartens von Gott selbst<br \/>\ngemacht, und die bleibende Verbindung mit Gott sei \u00fcber dessen Atem<br \/>\ngeschehen. Gott habe dem Menschen seinen Atem gegeben, damit dieser nun<br \/>\nselbst ein- und ausatmen und damit leben k\u00f6nne in einem Garten von<br \/>\neiner Erde, von der er selbst genommen ist.<\/p>\n<p>Der Mensch lebt, doch der Garten Eden ist ihm verschlossen und nur noch<br \/>\nerinnerbar in G\u00e4rten, die viele Menschen sich anlegen wie ihre wahre<br \/>\nHeimat. Aber die Sehnsucht nach dem Garten Eden, der verlorenen Heimat,<br \/>\nbleibt in allen G\u00e4rten und davor und dahinter die gleiche.<\/p>\n<p>Der Ort, wo das Atmen wie ein Geschenk erfahren wird, mu\u00df immer<br \/>\nwieder gesucht werden und kann nur so selten f\u00fcr Sekunden gefunden<br \/>\nwerden.<\/p>\n<p>Die Atemwende bleibt ein sicheres Zeichen daf\u00fcr, dass ich zum Leben<br \/>\nnotwendig etwas brauche, was mir von au\u00dfen zukommen mu\u00df, so<br \/>\nwie in diesem Garten Gott war, der dem Menschen von seinem Atem gegeben<br \/>\nhat.<\/p>\n<p>Den d\u00e4nischen Pfarrgarten gibt es wohl immer noch, und gewi\u00df<br \/>\nwird in ihm schon wieder an einer neuen Familiengeschichte geschrieben.<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Dr. Friedrich Seven<br \/>\nIm Winkel 6<br \/>\n37412 Scharzfeld<br \/>\n05521\/2429<br \/>\n<a href=\"mailto:friedrichseven@compuserve.de\">e-mail: friedrichseven@compuserve.de<\/a><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>15. 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