{"id":9151,"date":"2002-09-07T19:50:00","date_gmt":"2002-09-07T17:50:00","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9151"},"modified":"2025-04-22T13:53:17","modified_gmt":"2025-04-22T11:53:17","slug":"psalm-46-jahrestag-9-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/psalm-46-jahrestag-9-11\/","title":{"rendered":"Psalm 46"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"color: #000099;\">Jahrestag des Terroranschlags auf das WTC in New York | <\/span><span style=\"color: #000099;\">11. September 2002 | Psalm 46 |<\/span><span style=\"color: #000099;\"> Paul Kluge |<\/span><\/h3>\n<p>Liebe Geschwister,<\/p>\n<p>in der Not zu wissen, woher mir Hilfe kommt: Das l\u00e4sst in Not nicht\u00a0verzagen, das nimmt die Angst, das gibt Hoffnung, dass die Errettung naht.<\/p>\n<p>Die Passagiere aber in den Flugzeugen, die am 11. September vorigen Jahres\u00a0ins Welthandelszentrum rasten, konnten nicht auf Rettung hoffen. Sie flogen\u00a0direkt in den Tod, und sie wussten das. Auch die Menschen in den beiden\u00a0anderen Maschinen. Manche von ihnen werden gebetet haben, sich vielleicht\u00a0an den 46. Psalm erinnert. Da hei\u00dft es zu Beginn (VV 2 bis 4):<\/p>\n<p>Gott ist unsre Zuversicht und St\u00e4rke, eine Hilfe in den gro\u00dfen\u00a0N\u00f6ten, die uns getroffen haben.<br \/>\nDarum f\u00fcrchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge und\u00a0die Berge mitten ins Meer s\u00e4nken,\u00a0wenngleich das Meer w\u00fctete und wallte und von seinem Ungest\u00fcm\u00a0die Berge einfielen.<\/p>\n<p>\u00dcber drei tausend Tote, \u00fcber drei Tausend trauernde Familien,\u00a0V\u00e4ter und M\u00fctter, Ehepartner, Kinder, dazu Freunde und Verwandte.\u00a0Trauer, die in kurzer Zeit \u00fcber viele tausend Menschen kam. Manche\u00a0von ihnen werden gebetet und im Gebet Trost und Zuversicht gewonnen haben.<br \/>\nAndere werden ihre Verzweiflung, ihre Wut vor Gott gebracht haben, noch\u00a0andere in Trauer und Verzweiflung versunken sein.<\/p>\n<p>Angst hat sich ausgebreitet seit dem, Angst vor weiteren Anschl\u00e4gen\u00a0\u00e4hnlicher Brutalit\u00e4t und Skrupellosigkeit. Angst auch vor dem,\u00a0wozu Fanatismus, zumal religi\u00f6ser, Menschen bringen kann. Wer f\u00fcr\u00a0eine Idee, eine Ideologie bereit ist, sich selbst zu opfern, ist auch\u00a0bereit, andere mit in den Tod zu rei\u00dfen &#8211; r\u00fccksichtslos wie\u00a0jeder Egoist.<\/p>\n<p>Mit der Angst ist die Erinnerung an das gekommen, wozu Menschen f\u00e4hig\u00a0sein k\u00f6nnen. Die sich in Sicherheit wiegten, sich vielleicht gar\u00a0unangreifbar w\u00e4hnten, mussten ihren Irrtum einsehen; die an einen\u00a0Fortschritt des Menschen zum Besseren, gar zum Guten glaubten, mussten\u00a0ihren Irrglauben eingestehen: Wie in alten Zeiten und Welten sind auch\u00a0in neuen Zeiten und Welten Menschen zum B\u00f6sen bereit. Mag das B\u00f6se\u00a0auch ab und an schlafen oder schlummern: Wenn es geweckt wird, wenn es\u00a0erwacht, schl\u00e4gt es zu. Gnadenlos und unbarmherzig.<\/p>\n<p>Das B\u00f6se ruft, ja, schreit nach Vergeltung &#8211; mit seines gleichen.\u00a0Vermehrt sich dadurch, gewinnt an Macht und Einfluss. Vergiftet, die sich\u00a0f\u00fcr gut halten, auch die sich um das Gute bem\u00fchen, und macht\u00a0sie sich untertan. Wer B\u00f6ses mit B\u00f6sem vergilt, st\u00e4rkt\u00a0das B\u00f6se und gibt ihm Recht. Wird zum Knecht des B\u00f6sen, zu seinem\u00a0Handlanger. Macht sich ihm gleich.<\/p>\n<p>Nein, die Welt ist nicht anders geworden vor einem Jahr. Sie hat nur\u00a0daran erinnert, wie sie auch sein kann, und was Menschen dieser Welt tun\u00a0k\u00f6nnen. Die Gefahr lauert auf den, der sie ignoriert, der nicht mit\u00a0ihr rechnet und sich tr\u00fcgerisch in Sicherheit glaubt. Wer sich f\u00fcr<br \/>\nunangreifbar stark und gut h\u00e4lt, fordert heraus, die das Gleiche\u00a0von sich glauben. Und die unter solcher St\u00e4rke leiden.<\/p>\n<p>Was vor einem Jahr in New York geschah oder vor einem halben in Erfurt,\u00a0kann \u00fcberall und immer geschehen, pl\u00f6tzlich und unerwartet.\u00a0Kann wie ein Blitz aus heiterem Himmel einschlagen, Tod und Verw\u00fcstung\u00a0bringen. Menschen in Trauer und Verzweiflung st\u00fcrzen, ihnen Mut und\u00a0Zuversicht nehmen, jede Hoffnung rauben. Und Angst verbreiten, die l\u00e4hmen<br \/>\nkann. Aber nicht l\u00e4hmen muss. Ja, den nicht l\u00e4hmen kann, der\u00a0wei\u00df, woher ihm in der Not Hilfe kommt. Der zuversichtlich bleibt\u00a0trotzt seiner Angst, der auch in der Schwachheit seine St\u00e4rke kennt.\u00a0Der es nicht n\u00f6tig hat, B\u00f6ses mit B\u00f6sem zu vergelten. Der\u00a0vielmehr wei\u00df, dass B\u00f6ses sich mit Gutem \u00fcberwinden l\u00e4sst,\u00a0Ungerechtigkeit mit Gerechtigkeit, Gewalt mit G\u00fcte, Hass mit Liebe.\u00a0Der hat auch die Gr\u00f6\u00dfe, andere anders sein zu lassen, sie nicht\u00a0mit seinem Ma\u00dfstab zu messen.<\/p>\n<p>Wen die Angst nicht l\u00e4hmen soll, kann nicht aus sich heraus leben.\u00a0Er braucht die Quelle seiner Kraft und St\u00e4rke au\u00dferhalb seiner\u00a0selbst. Denn in der Angst versiegt die eigene Quelle. Wer Angst hat, braucht\u00a0R\u00fcckbindung an die Zuversicht, wer schwach ist, an die St\u00e4rke,\u00a0und wer zum B\u00f6sen f\u00e4hig ist, an das Gute.<\/p>\n<p>Angst und Schwachheit, die Versuchung des B\u00f6sen bleiben ihm reale\u00a0Erfahrungen. Doch er wird ihnen nicht erliegen, in ihnen nicht untergehen.\u00a0Sondern wie der Psalmdichter singen k\u00f6nnen:<\/p>\n<p>Gott ist uns Zuflucht in Bedr\u00e4ngnis<br \/>\nund Hilfe gegen das Verh\u00e4ngnis.<br \/>\nWenn unter uns der Boden bebt,<br \/>\nwir bangen nicht, da er uns hebt.<br \/>\nWenn rings umher die Berge sinken<br \/>\nund Felsen in der Flut ertrinken:<br \/>\nDer HERR ist mit uns. Er gibt Halt.<br \/>\nGewaltig birgt er vor Gewalt.<br \/>\n(EG ERK Reimpsalm 46, 1; Melodie: 1543 \/ Genf 1551, Text: J\u00fcrgen<br \/>\nHenkys 1990)<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Paul Kluge<br \/>\nProvinzialpfarrer im Diakonischen Werk<br \/>\nIn der Kirchenprovinz Sachsen e. V.<br \/>\nMagdeburg<br \/>\n<a href=\"mailto:Paul.Kluge@t-online.de\">Paul.Kluge@t-online.de<\/a><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jahrestag des Terroranschlags auf das WTC in New York | 11. September 2002 | Psalm 46 | Paul Kluge | Liebe Geschwister, in der Not zu wissen, woher mir Hilfe kommt: Das l\u00e4sst in Not nicht\u00a0verzagen, das nimmt die Angst, das gibt Hoffnung, dass die Errettung naht. 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