{"id":9152,"date":"2002-09-07T19:49:57","date_gmt":"2002-09-07T17:49:57","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9152"},"modified":"2025-04-19T17:10:57","modified_gmt":"2025-04-19T15:10:57","slug":"jahrestag-des-terroranschlags-auf-das-wtc-in-new-york","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jahrestag-des-terroranschlags-auf-das-wtc-in-new-york\/","title":{"rendered":"Psalm 46,1\u201312"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"color: #000099;\">Jahrestag des Terroranschlags auf das WTC in New York | 11. September 2002 | Ps 46,1\u201312 | Karin Klement |<\/span><\/h3>\n<p><b>An-denken und An-gedachtes in Form einer Ansprache<\/b><\/p>\n<p><b>AN-DENKEN zum 11. September 2002<\/b><\/p>\n<p>Am Mittwochabend ist Kirchenvorstandssitzung. Wie \u00fcblich beginnen<br \/>\nwir mit einer 5-Minuten-Andacht zu einem aktuellen, bzw. noch immer &#8222;brennend-hei\u00dfen&#8220;<br \/>\nThema.<\/p>\n<p>&#8222;Nine-eleven&#8220; und das bevorstehende Gedenken am Ground Zero<br \/>\nliegen auf der Hand. Hinein mischt sich die Sorge um einen m\u00f6glichen<br \/>\nmilit\u00e4rischen Einsatz der USA gegen den Irak. Die Kriegsvorbereitungen<br \/>\nlaufen seit Monaten. Einen Alleingang unabh\u00e4ngig von Natoverb\u00fcndeten<br \/>\nund UNO-Charta, die jeden Einsatz von Gewalt au\u00dfer zur Selbstverteidigung<br \/>\nverbietet, scheinen die USA nicht zu scheuen. In seiner Juni-Rede vor<br \/>\nder Milit\u00e4rakademie in West Point behielt Pr\u00e4sident Bush sich<br \/>\nvor, \u00fcber die bisher gewohnte Abschreckungsstrategie mit Atomwaffen<br \/>\nhinaus zu gehen. Im Kampf gegen den Terrorismus w\u00e4re er bereit einen<br \/>\natomaren Pr\u00e4ventivschlag in Erw\u00e4gung ziehen.<\/p>\n<p>Eine Kriegserkl\u00e4rung? &#8211; aber gegen welchen offiziellen Feind? Gegen<br \/>\nden grausamen Diktator eines fremden Landes, dessen innen- und au\u00dfenpolitische<br \/>\nAktionen zugegebenerma\u00dfen nicht unseren westlich-demokratischen<br \/>\nund schon gar nicht christlichen Ma\u00dfst\u00e4ben gerecht werden?<br \/>\nGegen L\u00e4nder wie Irak, Iran und Nordkorea als sogenannte &#8222;Achse<br \/>\ndes B\u00f6sen&#8220; &#8211; aber mit welcher legitimen, rechtsstaatlichen Begr\u00fcndung?<br \/>\nKRIEG contra TERROR &#8211; l\u00e4sst sich das \u00fcberhaupt verbinden? Kann<br \/>\nund darf ein Staat den Terror einzelner &#8211; selbst wenn es der Diktator<br \/>\neines Landes oder &#8222;nur&#8220; ein religi\u00f6ser Anf\u00fchrer ist<br \/>\n&#8211; mit Krieg gegen ein ganzes Land bek\u00e4mpfen?<\/p>\n<p>Die religi\u00f6s-verbr\u00e4mten, fanatischen Gewaltaktionen am 11.9.2001<br \/>\nin zuvor nicht vorstellbaren Dimensionen &#8211; ausgef\u00fchrt von einer quasi<br \/>\nprivat operierenden Gruppe\/Organisation &#8211; sprengten den bisherigen Erfahrungshorizont<br \/>\nunserer Gesellschaft. Fraglich ist, ob staatlich-milit\u00e4rische Re-Aktionen<br \/>\ndarauf angemessen sind, oder nicht eher eine Art Welt-Polizei mit internationalem<br \/>\nGewaltmonopol (wie sie z.B. von Erhard Eppler gefordert wird) f\u00fcr<br \/>\nsolche privatisierte Gewalt zust\u00e4ndig sein m\u00fcsste.<\/p>\n<p>Die politischen Fragen werden immer komplexer; Antworten einer christlichen<br \/>\nGesellschaftsethik immer schwieriger.<br \/>\nWas also k\u00f6nnen wir als Christen und Christinnen zu Gewalt und Terror,<br \/>\nKrieg und Frieden sagen? Welche biblischen Texte k\u00f6nnen uns weiterhelfen?<br \/>\nIch greife einen Vorschlag von Professor i.R. Ulrich Nembach auf: Psalm<br \/>\n46<br \/>\nWorauf setzen wir unsere Zuversicht und St\u00e4rke, wenn Mensch und Sch\u00f6pfung<br \/>\nverr\u00fcckt spielen, und unsere scheinbar gesicherten Mauern unter Beschuss<br \/>\nstehen?<a name=\"andacht\"><\/a><\/p>\n<p><b>AN-GEDACHTES in Form einer ANSPRACHE<\/b><br \/>\nNach dem Verlesen von PSALM 46, 1 &#8211; 12<\/p>\n<p>F\u00fcr die Ereignisse des 11. September 2001 gibt es kein biblisches<br \/>\nBeispiel. Sie bleiben einmalig grauenvoll, erschreckend unmenschlich und<br \/>\nsinnlos; sie ersch\u00fctterten nicht einfach nur Menschen, sondern ganze<br \/>\nNationen. Bis heute nehmen sie weltweit Einfluss auf pers\u00f6nliche<br \/>\nund gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Prozesse. Sie leiten<br \/>\neine neue \u00c4ra ein &#8211; und \u00e4hneln in ihren zuvor nicht vorstellbaren<br \/>\nDimensionen vielleicht den Erfahrungen des Holocaust.<\/p>\n<p>Doch es gibt Analogien, die sind zumindest ein St\u00fcck weit in allen<br \/>\nGenerationen und weltweiten Regionen zu finden.<br \/>\nF\u00fcr unz\u00e4hlige Menschen war es ein Erleben, als ob die Welt unterginge.<br \/>\nDie Feste ihrer gesicherten Existenz st\u00fcrzte mit den beiden T\u00fcrmen<br \/>\ndes World Trade Centers in sich zusammen. Der symbolische Berg und Gipfel<br \/>\nkapitalistischer Erfolgsmacht, der Inbegriff von Gr\u00f6\u00dfe, Autorit\u00e4t<br \/>\nund \u00dcberlegenheit der derzeit einzigen Supermacht der Erde versank<br \/>\nim Meer von Betonstaub, Schutt und Asche. Der w\u00fctende Aufruhr einer<br \/>\nlange nicht ernst genommenen Frustration in L\u00e4ndern der Dritten Welt<br \/>\nwallte ungest\u00fcm gegen die harten, unnachgiebigen Felsen einer selbstsicheren<br \/>\nersten Welt. Wie sollte da die &#8222;Stadt Gottes&#8220;, das Zentrum moderner<br \/>\nSelbstverg\u00f6tterung und Selbstsucht, fein lustig bleiben, unger\u00fchrt<br \/>\ntrotz der angerichteten Zerst\u00f6rung, des tausendfachen Mordes in religi\u00f6sem<br \/>\nIrrglauben?<\/p>\n<p>Doch inmitten jener grauenvollen Schrecken beweisen Menschen, wie viel<br \/>\nMitmenschlichkeit in ihren Herzen wohnt, welche wundervollen, von Gott<br \/>\nangelegten Eigenschaften &#8211; entgegen allem Pessimismus und Egoismus &#8211; in<br \/>\nihnen stecken: Heldenmut und Opferbereitschaft, Gemeinschaftssinn und<br \/>\nfraglose gegenseitige Hilfe. Die Bereitschaft zu lebensrettenden Eins\u00e4tzen<br \/>\nsogar auf Kosten des eigenen Lebens wird zum trotzigen Symbol des Widerstandes<br \/>\ngegen die M\u00e4chte des Todes. Firefighter in New York, Passagiere der<br \/>\n4. gekaperten Maschine (United Airlines 93) \u00fcber Pennsylvania bekr\u00e4ftigen<br \/>\nmit ihrem selbstlosen Handeln, dass es inmitten dieser Katastrophe noch<br \/>\netwas anderes gibt als das Empfinden einer verzweifelten Ohnmacht.<\/p>\n<p>Eine Welle weltweiter Hilfsbereitschaft, Entsetzen \u00fcber die Tat,<br \/>\nMitleid und Solidarit\u00e4t erreichte in den ersten Tagen und Wochen<br \/>\ndie USA und schien alle zwischenstaatlichen Streitigkeiten vergessen zu<br \/>\nmachen. Kooperation und Zusammenhalt aller westlich orientierten L\u00e4nder<br \/>\nim Kampf gegen den Terrorismus schien in greifbare N\u00e4he zu r\u00fccken.<br \/>\nDer altb\u00f6se Feind hatte ein Gesicht, einen Namen &#8211; was sollte man<br \/>\nsich da Gedanken \u00fcber die eigene Verantwortung und mit-urs\u00e4chliche<br \/>\nSchuld machen??<\/p>\n<p>Der helfende, beistehende GOTT in Psalm 46 tr\u00f6stet die \u00c4ngstlichen<br \/>\nund Verzweifelten; er st\u00e4rkt ihren \u00dcberlebenswillen. Nur darum<br \/>\nsteht er an ihrer Seite und ist ihr Schutz. Aber nicht als Feind der anderen!<br \/>\nDen hemmungslosen Zorn und die Kriegslust der Menschen lenkt er in geregelte<br \/>\nBahnen. Die von Menschen Hand f\u00fcr den Krieg bereiteten Waffen zeigen,<br \/>\nwas sie wirklich sind: Vernichtungsmittel, die bei ihrem Gebrauch selbst<br \/>\nzerbrochen, zerschlagen, verbrannt werden. Ihr Sinn und ihre Aufgabe ist<br \/>\nnichts anderes als die Zerst\u00f6rung ihrer selbst unter &#8222;Mitnahme&#8220;<br \/>\nall dessen, was (und wer!) sie umgibt.<\/p>\n<p>&#8222;Gebt endlich Ruhe mit eurem Kriegsgeschrei&#8220;, klagt Gott, &#8222;und<br \/>\nan-erkennt, wer ich bin! Gott Zebaoth, Gott der Heere und Gewalten, der<br \/>\nH\u00f6chste, der die Macht in seinen H\u00e4nden h\u00e4lt, der \u00fcber<br \/>\nallem steht und (- wie wir Christen von Christus glauben -) zugleich an<br \/>\nund mit euch leidet. &#8220;<\/p>\n<p>Die beste aller Waffen, die sicherste aller sch\u00fctzenden Burgen,<br \/>\nwenn die Welt voller Teufel erscheint, ist nicht das, was wir selbst errichten<br \/>\noder produzieren. Unsere milit\u00e4rischen M\u00f6glichkeiten bauen nichts<br \/>\nauf, sie dienen immer nur der Zerst\u00f6rung. Unsere Zuversicht und St\u00e4rke<br \/>\nw\u00e4chst aus dem, worauf wir uns wirklich felsenfest verlassen k\u00f6nnen,<br \/>\naus der Basis unseres Glaubens:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"center\">GOTT<br \/>\nist UNSERE ZUVERSICHT und ST\u00c4RKE,<br \/>\neine HILFE<br \/>\nIN DEN GROSSEN N\u00d6TEN,<br \/>\ndie uns getroffen haben.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Pastorin Karin Klement<br \/>\nLange Stra\u00dfe 42<br \/>\n37077 G\u00f6ttingen<br \/>\n<a href=\"mailto:karin.klement@evlka.de\">email: karin.klement@evlka.de<\/a><\/b><\/p>\n<p><noscript><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1\" height=\"1\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=1&amp;bn=neukirch&amp;f=020911-2.html&amp;r=r1\"\/><\/noscript><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jahrestag des Terroranschlags auf das WTC in New York | 11. 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