{"id":9154,"date":"2002-09-07T19:49:58","date_gmt":"2002-09-07T17:49:58","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9154"},"modified":"2025-04-19T14:43:19","modified_gmt":"2025-04-19T12:43:19","slug":"hebraeer-10-35-39","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/hebraeer-10-35-39\/","title":{"rendered":"Hebr\u00e4er 10, 35-39"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000099;\">16. Sonntag nach Trinitatis | 15. September 2002 | Hebr\u00e4er 10, 35-39 | Jorg Christian Salzmann |<\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"center\">I<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Liebe Gemeinde!<br \/>\nSo mancher Sparstrumpf wurde bei den B\u00f6rseng\u00e4ngen der Telekom<br \/>\naufgel\u00f6st, und viele haben mit gro\u00dfen Hoffnungen ihr Geld in<br \/>\nAktien angelegt. Heute wissen alle: die Aktienkurse sind gefallen, die<br \/>\nBetroffenen haben den Schaden, und die andern spotten dazu. Wer sich beizeiten<br \/>\ngetrennt hat von Wertpapieren, die ihren Wert verlieren, ist froh. Bei<br \/>\nden anderen glimmt noch ein Funken Hoffnung: wenn wir lange genug warten,<br \/>\ndann geht es wieder aufw\u00e4rts, und am Ende hat sich das Gesch\u00e4ft<br \/>\ndoch noch gelohnt. Wenn man nur einen Experten h\u00e4tte, der wirklich<br \/>\nBescheid wei\u00df und den richtigen Rat geben kann!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Verlust von einigen Aktien wird f\u00fcr die meisten noch zu verschmerzen<br \/>\nsein. Richtig schlimm ist es eigentlich erst, wenn das Projekt eines ganzen<br \/>\nLebens scheitert und alle Hoffnungen, die ein Mensch sich gemacht hat,<br \/>\nsich in Luft aufl\u00f6sen. Da hat jemand sich nach vielem Z\u00f6gern<br \/>\nselbst\u00e4ndig gemacht, und der Laden kommt doch nicht in Gang, es droht<br \/>\nder Konkurs. Oder eine Ehe geht kaputt und endet in einem Scherbenhaufen.<br \/>\nWorauf kann man dann noch hoffen, wie kann das Leben weitergehen?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wir Christen antworten auf solche Fragen mit gutem Grund: setz deine<br \/>\nHoffnung auf Gott und vertraue auf Jesus Christus: da ist Leben und Geborgenheit<br \/>\n&#8211; auch ohne da\u00df sonst alles abgesichert sein mu\u00df. Wer Gott<br \/>\nvertraut, hat wohl gebaut, egal wie die Aktien stehen und egal wie es<br \/>\nl\u00e4uft im Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Was aber, wenn auch dieser tiefste Grund des Lebens ins Wanken kommt,<br \/>\nwenn die Angst uns beschleicht, da\u00df wir vergebens hoffen und trauen,<br \/>\nda\u00df es am Ende nichts ist mit diesem Jesus?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"center\">II<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Genau in dieser Lage befanden sich die Leute, f\u00fcr die der Hebr\u00e4erbrief<br \/>\ngeschrieben wurde. Schon einige waren ins Wanken gekommen und hatten sich<br \/>\nentt\u00e4uscht vom Christentum wieder abgewandt. Statt des ersehnten<br \/>\nFriedens hatten sie Verfolgung erleben m\u00fcssen, statt eines Lebens<br \/>\nin Zufriedenheit und Ruhe nur Angst und Bedr\u00fcckung. Das konnte doch<br \/>\nnicht der richtige Gott sein &#8211; sie hatten offenbar aufs falsche Pferd<br \/>\ngesetzt!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Hebr\u00e4erbrief beschreibt dagegen, wie Jesus den Christen den<br \/>\nunmittelbaren Zugang zu Gott selbst verschafft hat. Sie m\u00f6gen in<br \/>\n\u00e4rmlichen H\u00fctten wohnen, aber sie haben doch die Eintrittsberechtigung<br \/>\nzum himmlischen Palast Gottes. Sie m\u00f6gen sich wie Leute einer zweit-<br \/>\nund drittklassigen Religion vorkommen, aber sie sind doch mehr als das<br \/>\nganze bisherige Gottesvolk Israel. W\u00e4hrend sie dort, wenn \u00fcberhaupt,<br \/>\nnur in den Au\u00dfenbezirken des Tempels verweilen durften, k\u00f6nnen<br \/>\nsie durch Jesus Christus bis ins Allerheiligste vordringen: unmittelbarer<br \/>\nZugang zu Gott, was kann es besseres geben?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Schwierigkeit war schon damals, da\u00df solche Gottesunmittelbarkeit<br \/>\nsich nicht einfach umm\u00fcnzen l\u00e4\u00dft in Erfolg, Frieden, Reichtum,<br \/>\nGesundheit. Und so ruft der Briefschreiber die Gemeinde auf: werft euer<br \/>\nneu gewonnenes Gottesverh\u00e4ltnis nicht einfach weg! Habt noch Geduld,<br \/>\ndenn euer Glaube wird am Ende den gro\u00dfen Lohn ernten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In der Sprache und mit einem Bild unserer Zeit k\u00f6nnte man also sagen:<br \/>\nsto\u00dft eure Glaubensaktien nicht ab. Auch wenn jetzt nur Verluste<br \/>\nsichtbar sind und die Dividende in Frage steht: am Ende macht ihr das<br \/>\ngro\u00dfe Gesch\u00e4ft!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"center\">III<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Kann man aber diesem Analysten, dem B\u00f6rsen-Experten, der solchen<br \/>\nRat gibt, trauen? Er baut nicht auf seine eigene Expertise, sondern f\u00fchrt<br \/>\neinen gr\u00f6\u00dferen Kenner an. Unser Briefschreiber n\u00e4mlich<br \/>\nzitiert zum Beleg seiner aufmunternden Worte die Bibel. &#8222;Nur noch<br \/>\neine kleine Weile, so wird kommen, der da kommen soll, und wird nicht<br \/>\nlange ausbleiben&#8220; &#8211; das ist ebenso aus den alttestamentlichen Prophetenb\u00fcchern<br \/>\nentnommen wie das nachfolgende Wort: &#8222;Mein Gerechter aber wird aus<br \/>\nGlauben leben. Wenn er aber zur\u00fcckweicht, hat meine Seele kein Gefallen<br \/>\nan ihm.&#8220; Haltet fest am Glauben und weicht nicht zur\u00fcck! Das<br \/>\nist keine neue Botschaft, sondern das galt schon vormals im Alten Bund<br \/>\n&#8211; denn schon immer waren die Menschen in Gottes Volk angefochten und neigten<br \/>\ndazu, ihren Glauben zu verlassen. Genauso das andere: habt Geduld, wartet<br \/>\nnur noch eine kleine Weile, Gott hat euch nicht vergessen und wird sein<br \/>\nVersprechen wahr machen und kommen mit seinem Heil. Auch das mu\u00dfte<br \/>\nschon fr\u00fcher den Menschen in Gottes Volk gesagt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">So bald ist er aber nun doch nicht gekommen, der da kommen soll. Das<br \/>\nerinnert mich an Eltern zu Beginn einer langen Autofahrt. Auf die ungeduldige<br \/>\nFrage der Kinder: &#8222;Wann sind wir endlich da?&#8220; mu\u00df die<br \/>\nAntwort kommen: &#8222;Bald, keine Sorge, es dauert nicht mehr lange.&#8220;<br \/>\n&#8211; obwohl es noch Stunden sind bis zum Ziel. Ob das Ziel der Christen,<br \/>\nob die Wiederkunft des Herrn jemals kommt? Die Eltern auf der Autofahrt<br \/>\nwissen: wir kommen an, auch wenn es den Kindern endlos vorkommt bis dahin.<br \/>\nVielleicht ist das bei uns auch so &#8211; Gott hat wohl ein anderes Verh\u00e4ltnis<br \/>\nzur Zeit als wir.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"center\">IV<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Was aber erhoffen wir uns eigentlich, um noch einmal im Bild zu sprechen,<br \/>\nvon unsern Glaubensaktien? Von der gro\u00dfen Belohnung am Ende haben<br \/>\nwir wom\u00f6glich gar keine so konkrete Vorstellung. Wir nutzen Worte<br \/>\nund Bilder wie Himmel und Heil, Vers\u00f6hnung und Frieden, Paradies<br \/>\nund Freude, um etwas davon zu erfassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Dividende aber k\u00f6nnen wir jetzt schon beschreiben und begreifen.<br \/>\nMit den Worten des Hebr\u00e4erbriefs: freier Zutritt zu Gott! Das bedeutet<br \/>\nHoffnung, wo es nach Menschenermessen nichts mehr zu hoffen gibt. Das<br \/>\nbedeutet Geborgenheit auch in schwerer Zeit. Das bedeutet Vergebung f\u00fcr<br \/>\ndas, was uns belastet. Das bedeutet die M\u00f6glichkeit zum Gebet, zur<br \/>\nZwiesprache mit Gott. Wer wollte solches Zutrauen zu Gott einfach fortwerfen?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">K\u00f6nnen wir nun Menschen, die eben dabei sind, ihren Glauben zu verlieren,<br \/>\nmit der Botschaft des Hebr\u00e4erbriefes tr\u00f6sten und davon abhalten,<br \/>\nden gro\u00dfen Schatz, den sie haben, ihre Gottesbeziehung einfach wegzuwerfen?<br \/>\nDas geht wohl kaum durch belehrende Worte. Schon eher k\u00f6nnen wir<br \/>\nvon unserm eigenen Glauben erz\u00e4hlen, wie er uns getragen hat auch<br \/>\nin Entt\u00e4uschungen und Krisen. Bestimmt aber k\u00f6nnen wir unsern<br \/>\nfreien Zugang zu Gott nutzen und ihn um starken Glauben bitten &#8211; f\u00fcr<br \/>\ndie Mitchristen, denen wir begegnen, und f\u00fcr uns selbst.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"center\">V<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">La\u00dft uns zum Schlu\u00df noch ein wenig mit dem Bild von den<br \/>\nGlaubensaktien spielen. Die Gesch\u00e4ftsergebnisse der Kirchen, ihre<br \/>\nMitgliederstatistiken geben nicht gerade zu Optimismus Anla\u00df. Viele<br \/>\nLeute fragen, was denn so eine Aktie wert sein kann, wenn man sie einfach<br \/>\nvon Jesus geschenkt bekommt. Mancher oder manche hat ein Aktienpaket zu<br \/>\nHause liegen und wei\u00df gar nicht, was er oder sie da hat. Der schwarze<br \/>\nFreitag, als Jesus gekreuzigt wurde, f\u00fchrte zum Sturz dieser Aktie<br \/>\nin den Keller &#8211; und machte sie doch gerade zum Geheimtip. Wie immer wir<br \/>\nuns die Sache ausmalen, eins kann uns auf jeden Fall aus dem Hebr\u00e4erbrief<br \/>\nim Ged\u00e4chtnis bleiben: Weshalb sollte man so etwas Wertvolles wegwerfen?<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: left;\"><b>Prof. Dr. Jorg Christian Salzmann<br \/>\nLutherische Theologische Hochschule Oberursel<br \/>\n<a href=\"mailto:salzmann.j@lthh-oberursel.de\">salzmann.j@lthh-oberursel.de<\/a><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><noscript><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1\" height=\"1\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=1&amp;bn=neukirch&amp;f=020915-2.html&amp;r=r1\"\/><\/noscript><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>16. Sonntag nach Trinitatis | 15. September 2002 | Hebr\u00e4er 10, 35-39 | Jorg Christian Salzmann | I Liebe Gemeinde! So mancher Sparstrumpf wurde bei den B\u00f6rseng\u00e4ngen der Telekom aufgel\u00f6st, und viele haben mit gro\u00dfen Hoffnungen ihr Geld in Aktien angelegt. 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