{"id":9156,"date":"2002-09-07T19:50:00","date_gmt":"2002-09-07T17:50:00","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9156"},"modified":"2025-04-19T14:34:55","modified_gmt":"2025-04-19T12:34:55","slug":"epheser-4-1-6-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/epheser-4-1-6-2\/","title":{"rendered":"Epheser 4, 1-6"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"color: #000099;\">17. Sonntag nach Trinitatis | 22. September 2002 | Epheser 4, 1-6 | Jobst von Stuckrad-Barre |<\/span><\/h3>\n<p>1 So ermahne ich euch nun, ich, der Gefangene in dem Herrn, da\u00df<br \/>\nihr der Berufung w\u00fcrdig lebt, mit der ihr berufen seid,<br \/>\n2 in aller Demut und Sanftmut, in Geduld. Ertragt einer den andern in Liebe<br \/>\n3 und seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band<br \/>\ndes Friedens:<br \/>\n4 ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer<br \/>\nBerufung;<br \/>\n5 ein Herr, ein Glaube, eine Taufe;<br \/>\n6 ein Gott und Vater aller, der da ist \u00fcber allen und durch alle und<br \/>\nin allen.<\/p>\n<p>Wer die Wahl hat, hat die Qual&#8230;<\/p>\n<p>Wer Einigkeit will und Grund daf\u00fcr hat, der wird zuerst einmal die<br \/>\nunterschiedlichen Menschen mit ihren verschiedenen Einstellungen und Positionen<br \/>\nsehen.<\/p>\n<p>1) Nehmen wir den Kindergarten (weil heute Frau F. als neue Leiterin<br \/>\nder Kindertagesst\u00e4tte eingef\u00fchrt wird) &#8211; er gibt ein Bild unseres<br \/>\nZusammenlebens in Familien, die den bunten Mustern unserer Zeit gehorchen;<br \/>\nallein erziehende oder gemeinsam Kinder und Karriere mit einander ausgleichende<br \/>\nM\u00fctter und V\u00e4ter; ein gro\u00dfer Kreis von Mitarbeiterinnen,<br \/>\ndie ihre Fachkenntnisse und das Interesse an einer christlichen Lebensgestaltung<br \/>\nim Rahmen des evangelischen Kindergartens einbringen wollen und sollen.<br \/>\nWoher in alldem die Einigkeit nehmen, wenn nicht im Hinsehen auf die Kinder<br \/>\nim Geist der Demut, also geduldig und liebevoll. Hinsehen, ausgleichen,<br \/>\naufmerksam sein f\u00fcr die Unterschiede und aufmerksam machen f\u00fcr<br \/>\ndie gemeinsamen M\u00f6glichkeiten, mit friedlichen Mitteln zu neuen L\u00f6sungen<br \/>\nzu kommen. Wenn christlich und evangelisch hei\u00dft offen und \u00f6ffnend,<br \/>\nkann der Kindergarten ein wichtiges Element in einer Gesellschaft sein,<br \/>\ndie das Behaupten von Positionen und Macht, Geld und Gier an oberste Stelle<br \/>\nsetzt.<\/p>\n<p>Ein Leib und ein Geist, berufen zu einer Hoffnung.<\/p>\n<p>2) Ihr Konfirmandinnen und Konfirmanden (*eine Gruppe der Konfirmanden<br \/>\nist f\u00fcr diesen Gottesdienst zum ersten Mal zur Teilnahme am Abendmahl<br \/>\neingeladen worden*) stellt die gleiche Vielfalt dar und bringt sie selbst<br \/>\ndeutlicher zum Ausdruck als die kleinen Kinder. Deutlicher: Dynamischer<br \/>\nund welthaltiger, eben schon n\u00e4her am erwachsenen Ausdruck unseres<br \/>\nLebens. Daf\u00fcr sind die Wunden, die ihr euch selbst und andern zuf\u00fcgen<br \/>\nk\u00f6nnt, auch st\u00e4rker &#8211; Eltern wie Jugendliche sind Zeugnis. Wie<br \/>\nsoll sich da Einigkeit im Geist des Friedens zeigen; \u00fcberfordern<br \/>\nwir uns da nicht?<\/p>\n<p>Wir t\u00e4ten es, wenn wir da allein auf uns gestellt w\u00e4ren. Das<br \/>\nAbendmahl, das wir heute feiern und an dem Ihr Jugendlichen zum ersten<br \/>\nMal teilnehmt, macht uns bewu\u00dft: Die Einheit, der Leib, ist beg\u00fcndet<br \/>\nin dem, der sein Leben f\u00fcr uns hingegeben hat, der uns damit den<br \/>\nGeist der Freiheit schenkt, loszukommen von Unfrieden, Egoismus und Ha\u00df<br \/>\nund Frieden zu empfangen und weiterzugeben. Wo so gefeiert wird, k\u00f6nnen<br \/>\nwir Hoffnung sch\u00f6pfen. Da ist ein Ausgangspunkt f\u00fcr all die<br \/>\nweiteren Schritte ins Leben &#8211; dahin, wo wir gebraucht werden oder andere<br \/>\nbrauchen, Hilfe aus dem Geist, der Hoffnung macht.<\/p>\n<p>3) Die Erwachsenen sehen, wie die ganze Vielfalt des Lebens in Spiel<br \/>\nund Widerspiel, Druck und Gegendruck zustandekommt. Der Wahlkampf hat<br \/>\ngezeigt, wie bestimmte Themen hochgespielt oder in den Hintergrund gedr\u00e4ngt<br \/>\nwerden. In Zeiten der Globalisierung von Wirtschaft und Lebensstil k\u00f6nnen<br \/>\nsolche Erfahrungen zu einem produktiven &#8222;Oh ja!&#8220; oder zu einem<br \/>\nresignativen R\u00fcckzug aus der Gestaltungsaufgabe f\u00fchren. Denken<br \/>\nSie nur an die gro\u00dfe Konferenz in Johannesburg zur nachhaltigen<br \/>\nEntwicklung und die schier unl\u00f6sbaren Aufgaben des Ausgleichs zwischen<br \/>\n\u00d6konomie und \u00d6kologie, zwischen Politik und Menschlichkeit oder<br \/>\ndie nicht weniger schwierigen Fragen einer Friedenl\u00f6sung im Nahen<br \/>\nOsten.<\/p>\n<p>Das ist es gut, da\u00df wir heute an unseren Ausgangspunkt erinnert<br \/>\nwerden: Im Glauben bezeugen wir, da\u00df nicht wir die Herren der Welt<br \/>\nsind, sondern da\u00df wir auf den getauft sind, der in Kreuz und Auferstehung<br \/>\nsich als Herr des Lebens gezeigt hat. Der Tod und all seine Macht sind<br \/>\nin die Schranken verwiesen. All unser Wollen und Tun, es sind Schritte<br \/>\nauf dem Weg ins Leben, f\u00fcr den Bedrohten und und Mi\u00dfachteten,<br \/>\ngegen den Terror und die Gewalt, ob sie nun von kleinen Gruppen oder Staaten<br \/>\nausgehen.<\/p>\n<p>Christen, die als Getaufte erwachsen werden, sind dem Frieden verpflichtet<br \/>\nim einzelnen und aufs Ganze gesehen. Entlastung und Ma\u00dfstab zugleich.<\/p>\n<p>Weil es der 22. 9. ist &#8211; Christen beteiligen sich darum an der heutigen<br \/>\nWahl und setzen ihr Kreuzchen im Interesse an einer gewaltmindernden demokratischen<br \/>\nL\u00f6sung.<\/p>\n<p>4) Aus alldem ergibt sich: Gottes Eintreten f\u00fcr diese Welt stellt<br \/>\nsich dar in uns, in unserm Tun und Lassen, im Umgang mit uns selbst, mit<br \/>\nunsern N\u00e4chsten und mit denen, die uns fremd sind und doch anvertraut;<br \/>\nwir stehen ihnen gegen\u00fcber und k\u00f6nnen doch nur mit ihnen zusammen<br \/>\ndie Welt bewahren helfen und so aus der Haltung des Evangeliums leben.<\/p>\n<p>Gott als Vater aller, \u00fcber allen, durch alle, in allen.<\/p>\n<p>Da steckt mehr Stoff f\u00fcr Entdeckungen darin, als den feierlichen<br \/>\nFormeln des Epheserbriefs auf den ersten Blick anzumerken ist:<\/p>\n<p>Wie, wenn wir nicht einfach uns, unsere Menschen und Verh\u00e4ltnisse<br \/>\nals sich selbst \u00fcberlassen sehen m\u00fcssen?<\/p>\n<p>Wie, wenn Gott sich im N\u00e4chsten wie auch im Feind als der erweist,<br \/>\nder das Leben will und nicht den Tod?<\/p>\n<p>Wie, wenn die uns anvertrauten Dinge, die Ressourcen, also die M\u00f6glichkeiten<br \/>\nder Sch\u00f6pfung, nicht blo\u00dfes auszubeutendes Material, sondern<br \/>\nKr\u00e4fte zum Guten der Welt und ihrer Menschen sind?<\/p>\n<p>Wenn Gott durch uns alle und mit allen Menschen wirkt, dann haben wir<br \/>\nGrund genug, auf Frieden auszusein und uns mit dem herk\u00f6mmlichen<br \/>\nLagerdenken nicht zu begn\u00fcgen.<\/p>\n<p>5) Da wird eine Einheit der so verschiedenen Menschen sichtbar, die zu<br \/>\ntun gibt und zugleich gelassen macht: Alles Erdenkliche und Menschenm\u00f6gliche<br \/>\nzu tun und dies gerade darum, weil nicht der Augenblicksvorteil, sondern<br \/>\ndie langfristige Hoffnung uns tr\u00e4gt. Das ist eine Verst\u00e4ndigung<br \/>\nunter Gottes Kindern, die miteinander in dieser Welt leben; die den andern<br \/>\nnicht nur als Konkurrenten, sondern als Gottes Menschen ansehen.<\/p>\n<p>Dann verwirklicht sich diese Einheit in der Verschiedenheit der Dienste<br \/>\nund Befreiungen unter einander, zwischen Gruppen und Koalitionen.<\/p>\n<p>Wie bleiben nicht f\u00fcr uns. Gott ist f\u00fcr uns da, wo immer Leben<br \/>\nin Frieden geschieht, wo immer Christen voller Liebe ihm auf der Spur<br \/>\nsind. Darum haben wir zu w\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Jobst v. Stuckrad-Barre<br \/>\nKleiner Hillen 1<br \/>\n30559 Hannover-Kirchrode<br \/>\n<a href=\"mailto:Jobst.vonStuckrad-Barre@evlka.de\">e-mail: Jobst.vonStuckrad-Barre@evlka.de<\/a><\/b><\/p>\n<p><noscript><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1\" height=\"1\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=1&amp;bn=neukirch&amp;f=020922-2.html&amp;r=r1\"\/><\/noscript><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>17. Sonntag nach Trinitatis | 22. September 2002 | Epheser 4, 1-6 | Jobst von Stuckrad-Barre | 1 So ermahne ich euch nun, ich, der Gefangene in dem Herrn, da\u00df ihr der Berufung w\u00fcrdig lebt, mit der ihr berufen seid, 2 in aller Demut und Sanftmut, in Geduld. 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