{"id":9162,"date":"2002-10-07T19:49:56","date_gmt":"2002-10-07T17:49:56","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9162"},"modified":"2025-06-27T19:38:25","modified_gmt":"2025-06-27T17:38:25","slug":"hebraeer-13-15-16","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/hebraeer-13-15-16\/","title":{"rendered":"Hebr\u00e4er 13, 15-16"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<table border=\"0\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><b><span style=\"color: #000099;\">19. Sonntag nach Trinitatis<br \/>\n&#8211; Erntedankfest, 6. Oktober 2002<br \/>\nPredigt \u00fcber Hebr\u00e4er 13, 15-16, verfa\u00dft von Anke Fasse<br \/>\n<\/span><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Heute m\u00f6chte ich Malerin sein, dieses farbenpr\u00e4chtige Bild<br \/>\nhier im Altarraum in seiner ganzen Sch\u00f6nheit festhalten. Wieder einmal<br \/>\nwird uns durch diesen Anblick vor Augen gef\u00fchrt, welch eine F\u00fclle<br \/>\nund Vielfalt an Farbe, Form, Gr\u00f6\u00dfe, Geschmack die Natur f\u00fcr<br \/>\nuns bereit h\u00e4lt: da strahlen leuchtend gelbe Sonnenblumen, neben<br \/>\nnoch erdverkrusteten Kartoffeln, dicke Kohlk\u00f6pfe neben roten und<br \/>\ngr\u00fcnen \u00c4pfeln, gro\u00dfe und kleine K\u00fcrbisse &#8211; und auf<br \/>\ndem Altar das warme Braun des Brotes. Ich habe den Eindruck, die ganze<br \/>\nbunte Pracht dieser Erde sammelt sich heute zum Erntedankfest hier in<br \/>\nder Kirche.<\/p>\n<p>Aber, liebe Gemeinde, dieser sch\u00f6ne Anblick all der Gaben hat einen<br \/>\nbestimmten Sinn, und den gilt es auch nach dem Erntedankfest nicht zu<br \/>\nvergessen: das Lob und der Dank an Gott f\u00fcr alle Gaben.<\/p>\n<p>Das Erntedankfest bietet einen festen Punkt im Kirchenjahr, zu Beginn<br \/>\nder Herbstzeit, einmal Innezuhalten, zur\u00fcckzuschauen und anzuschauen,<br \/>\nwas wir im und zum Leben haben und immer wieder neu geschenkt bekommen.<br \/>\nDazu geh\u00f6rt auch, sich bewusst zu machen, wo unsere Lebenswurzeln<br \/>\nliegen. &#8211; Und nicht ohne Grund haben all die verschiedenen Gaben heute<br \/>\nihren Platz am Altar. Als Zeichen daf\u00fcr, das wir unser Leben, unsere<br \/>\nLebensgrundlage immer wieder neu Gott, dem Sch\u00f6pfer des Himmels und<br \/>\nder Erde verdanken. Ja, liebe Gemeinde, der Dank steht heute im Mittelpunkt.<br \/>\nDer Predigttext f\u00fcr den heutigen Sonntag m\u00f6chte uns den Dank<br \/>\nGott gegen\u00fcber als eine bestimmte Lebenshaltung nahe bringen.<\/p>\n<p>Ich lese aus dem 13. Kapitel des Hebr\u00e4erbriefes die Verse 15 und<br \/>\n16.<\/p>\n<p>(15) So lasst uns nun durch ihn Gott allezeit das Lobopfer darbringen,<br \/>\ndas ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen.<br \/>\n(16) Gutes zu tun und mit anderen zu teilen, vergesst nicht; denn solche<br \/>\nOpfer gefallen Gott.<\/p>\n<p>&#8222;Vergesst nicht!&#8220; lautet eine Aufforderung, eine Mahnung fast<br \/>\nam Ende dieses kurzen Predigttextes. Das Erntedankfest ist ein Tag, der<br \/>\nuns vor diesem Vergessen bewahren will, weil er uns daran erinnert, was<br \/>\nwir t\u00e4glich als selbstverst\u00e4ndlich hinnehmen, obwohl es das<br \/>\ngar nicht ist. Wir leben vom Wachstum, das diese Erde erm\u00f6glicht.<br \/>\nWir leben von dem Boden, auf dem wir stehen. Wir leben von der Arbeit,<br \/>\nder Kraft, dem Flei\u00df, der Hingabe, der F\u00fcrsorge und Liebe unz\u00e4hliger<br \/>\nMenschen, die in der Landwirtschaft und der Viehhaltung arbeiten. Die<br \/>\nmeisten kennen wir gar nicht. Einige von Ihnen sind heute unter uns hier<br \/>\nin der Kirche. Ein Netz der verl\u00e4sslichen Zusammenarbeit ist n\u00f6tig.<br \/>\nUnd in, mit und unter alledem leben wir aber vor allem von der G\u00fcte<br \/>\nund Verl\u00e4sslichkeit Gottes. Sie quillt sozusagen aus allen Poren<br \/>\ndieser Welt, kommt uns in verschiedenster Gestalt entgegen &#8211; heute in<br \/>\nder F\u00fclle und Pracht der Erntegaben, auf denen unser Blick ruht.<br \/>\nDabei sind sie doch nur stellvertretend f\u00fcr all die anderen Gaben,<br \/>\ndie unser Leben reich machen hier in der Kirche. Ein Foto von der Familie,<br \/>\nvon einem besonderen Festtag, eine Erinnerung an ein gutes Gespr\u00e4ch<br \/>\n&#8230; all das h\u00e4tte auch seinen Ort hier vorn bei den Erntegaben. Dieses<br \/>\nnicht zu vergessen, das Gott es ist, der unser Leben h\u00e4lt und tr\u00e4gt,<br \/>\nm\u00fcndet ein in Lob und Dank ihm gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Was bedeutet es eigentlich &#8222;danke&#8220; zu sagen? Danken ist eine<br \/>\nLebenshaltung. Sie geh\u00f6rt zum Glauben. Den Zusammenhang zwischen<br \/>\nGott, den Mitmenschen und uns selbst zu erkennen, das bedeutet Glauben.<br \/>\nWer glaubt wird nachdenklich und kommt schon bald ins Danken. Was gibt<br \/>\nes in unserem Leben, das nicht Gott oder den Mitmenschen zu verdanken<br \/>\nist? Der Dankende wei\u00df sich beschenkt von Gott und seinen Mitmenschen.<br \/>\nDanken macht gelassen, denn es kommt ja Gott sei Dank nicht nur auf uns<br \/>\nan. Danken macht gl\u00fccklich. Danken geh\u00f6rt zur allt\u00e4glichen<br \/>\nchristlichen Lebenskunst. Und vor allem: Danken l\u00e4sst sich nicht<br \/>\nauf ein bestimmtes Kalenderdatum beschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>Kommen wir nun noch einmal zur\u00fcck auf unseren Predigttext: Der Schreiber<br \/>\ndes Hebr\u00e4erbriefes fordert uns nun heute aber dazu auf: <i>Lasst<br \/>\nuns durch Jesus Christus allezeit Gott das Lobopfer darbringen.<\/i> Wahrscheinlich<br \/>\nm\u00f6gen manche von Ihnen auch das Wort &#8222;Lobopfer&#8220; als fremd<br \/>\nempfinden. Der Schreiber setzt sich damit gegen den praktizierten Opferkult<br \/>\nin jener Zeit ab, bei dem Gott Tiere als Opfer dargebracht wurden. Er<br \/>\nsoll deutlich werden, seit Jesus Christus ist das Opfer kein Weg mehr,<br \/>\nGott freundlich zu stimmen. Jetzt, nachdem wir auf die Geschichte Jesu<br \/>\nzur\u00fcckblicken, der Gott uns Menschen ganz nah gebracht hat, kann<br \/>\nes nur noch um ein Opfer im \u00fcbertragenen Sinn gehen. Und damit ist<br \/>\nnun das Lobopfer gemeint: Gott zu loben von ganzem Herzen und ganzer Seele.<\/p>\n<p>Lobopfer &#8211; ich habe mich zun\u00e4chst in diesem Zusammenhang sehr an<br \/>\ndem Wort Opfer gesto\u00dfen. Doch bei n\u00e4herem Nachdenken fiel mir<br \/>\nauf, wie schwer uns oft das Loben ebenso wie das Danken f\u00e4llt. An<br \/>\nallem bleibt noch irgendetwas auszusetzen. Wenn es darum geht, dass ber\u00fchmte<br \/>\nHaar in der Suppe zu finden, sind wir doch oftmals dabei. So gesehen erscheint<br \/>\nLoben wirklich wie ein Opfer. Schade! Und ein weiteres kommt hinzu: Unsere<br \/>\nGesellschaft und somit auch unser t\u00e4gliches Leben ist gepr\u00e4gt<br \/>\nvon der Aufeinanderfolge von Leistung und Gegenleistung. Die alte Frau<br \/>\nzahlt einen bestimmten Geldbetrag, daf\u00fcr steht ihr dann eine ganz<br \/>\nbestimmte Pflegeleistung zu. Ich bestelle im Restaurant ein Essen, im<br \/>\nBewusstsein daf\u00fcr im Anschluss einen bestimmten Preis zu zahlen.<br \/>\nOder noch ein anderes Beispiel: Wenn wir ein Geschenk bekommen, \u00fcberlegen<br \/>\nSie dann nicht auch oft im Stillen, wie Sie sich daf\u00fcr wohl revanchieren<br \/>\nk\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Ja, liebe Gemeinde, alles hat seinen Preis &#8211; dieses Grundgef\u00fchl<br \/>\nist vielerorts zu sp\u00fcren.<\/p>\n<p><i>Einmal wird uns gewiss die Rechnung pr\u00e4sentiert f\u00fcr den<br \/>\nSonnenschein und das Rauschen der Bl\u00e4tter, die sanften Maigl\u00f6ckchen<br \/>\nund die dunklen Tannen, f\u00fcr den Schnee und den Wind, den Vogelflug<br \/>\nund das Gras und die Schmetterlinge, f\u00fcr die Luft, die wir geatmet<br \/>\nhaben, und den Blick auf die Sterne und f\u00fcr alle die Tage, die Abende<br \/>\nund N\u00e4chte.<\/i><\/p>\n<p><i>Einmal wird es Zeit, dass wir aufbrechen und bezahlen; bitte die Rechnung.<br \/>\nDoch wir haben sie ohne den Wirt gemacht: Ich habe euch eingeladen, sagt<br \/>\nder und lacht, so weit die Erde reicht: Es war mir ein Vergn\u00fcgen<\/i>.<br \/>\nSo dr\u00fcckt es Lothar Zenetti, das Geschenk Gottes aus, aus dem heraus<br \/>\nwir leben. Das zu erkennen und dankbar anzunehmen &#8211; das ist unsere Aufgabe<br \/>\n&#8211; das ist das Lobopfer zu dem wir aufgefordert sind.<\/p>\n<p>Aber, liebe Gemeinde, mal ehrlich, immer ist uns doch gar nicht zum Loben<br \/>\nzumute, denn t\u00e4glich begegnen uns in Gespr\u00e4chen durch Zeitung<br \/>\noder Fernsehen oder wir erfahren es am eigenen Leib unz\u00e4hlige schwere<br \/>\nSchicksale, Entwicklungen, die zum Himmel schreien, die uns Angst machen,<br \/>\nja, die Ver\u00e4nderung verlangen. Aber ich meine, gerade das Lob und<br \/>\nder Dank machen uns nicht blind und unempfindlich f\u00fcr viele Leiden,<br \/>\npers\u00f6nliche oder weltweite, f\u00fcr Naturkatastrophen, wie in diesem<br \/>\nJahr die gro\u00dfe Flut. Ich m\u00f6chte sogar sagen, das Danken und<br \/>\nLoben \u00f6ffnet uns die Augen, erm\u00f6glicht uns tiefer zu sehen und<br \/>\nzu erkennen, wo unser Handeln gefordert ist, wo etwas verbesserungsw\u00fcrdig<br \/>\nist. Sei es im Umgang mit der Sch\u00f6pfung, im Zusammenhang mit Landwirtschaft<br \/>\nund Viehhaltung, ja, in unserem Umgang mit all dem, was uns anvertraut<br \/>\nist.<\/p>\n<p>Und da bin ich bei dem n\u00e4chsten wichtigen Punkt auch unseres Predigttextes:<br \/>\nAus dem Lob und dem Dank folgen t\u00e4tige Konsequenzen. Diese sind f\u00fcr<br \/>\nden Schreiber des Briefes so sicher wie das Amen in der Kirche. Ich wei\u00df,<br \/>\nliebe Gemeinde, teilen, opfern, Gutes tun, das sind alles keine knisternden<br \/>\nNeuigkeiten, die der Hebr\u00e4erbrief uns heute hier pr\u00e4sentiert.<br \/>\nEs sind die Klassiker des Christseins &#8211; aber, liebe Gemeinde, es sind<br \/>\neben Klassiker, weil sie gestern galten, heute gelten und morgen immer<br \/>\nnoch ihre G\u00fcltigkeit haben werden. Es ist das Doppelgebot der Liebe,<br \/>\ndas hier anschaulich wird: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von<br \/>\nganzem Herzen und ganzer Seele <i>und<\/i> deinen N\u00e4chsten wie dich<br \/>\nselbst. Mit dem Loben geht das Tun des Guten einher. Ohne Taten, ohne<br \/>\nKonsequenzen w\u00e4re der Glaube reiner Selbstzweck und tot. Aus solchem<br \/>\nDenken heraus ist in den ersten Gemeinden die Geldsammlung f\u00fcr die,<br \/>\ndie in Not sind, entstanden. Das Denken \u00fcber die eigenen Bed\u00fcrfnisse<br \/>\nhinaus, ein Gef\u00fchl und Bestreben nach Gerechtigkeit war seit Beginn<br \/>\ncharakteristisch f\u00fcr das Christentum. Diese t\u00e4tigen Konsequenzen<br \/>\ndes Glaubens sind nach wie vor sicher die materielle Hilfe f\u00fcr andere<br \/>\nMenschen, sei es durch Geld- oder Sachspenden, aber ebenso auch die Aufmerksamkeit<br \/>\nf\u00fcr das Wohlergehen unseres Nachbarn, unserer Nachbarin, <i>denn<br \/>\nmanche Menschen wissen nicht, wie wichtig es ist, dass sie da sind. Manche<br \/>\nMenschen wissen nicht, wie gut es ist, sie nur zu sehen. Manche Menschen<br \/>\nwissen nicht, wie tr\u00f6stlich ihr g\u00fctiges L\u00e4cheln wirkt.<br \/>\nManche Menschen wissen nicht, wie wohltuend ihre N\u00e4he ist. Manche<br \/>\nMenschen wissen nicht, wie viel \u00e4rmer wir ohne sie w\u00e4ren. Manche<br \/>\nMenschen wissen nicht, dass sie ein Geschenk des Himmels sind. Sie w\u00fcssten<br \/>\nes &#8211; w\u00fcrden wir es ihnen sagen.<\/i> So beschreibt Lena Lieblich einen<br \/>\nAspekt christlichen Handelns und Miteinander &#8211; eine Konsequenz des Lobopfers.<\/p>\n<p>Und nun zum Schlu\u00df der Predigt f\u00e4llt mein Blick wieder auf<br \/>\nall die Pracht hier im Altarraum. Das Erntedankfest macht uns deutlich,<br \/>\nwir haben viele Gr\u00fcnde zum Loben und Danken, denn hinter all den<br \/>\nGaben steht nicht allein menschliche M\u00fche und Arbeit, es steckt Gott<br \/>\nals Geber dahinter. Und so schenkt uns der Glaube ein anderes, ein tiefes<br \/>\nund befreites Lebensgef\u00fchl. Vergessen wir es nicht, auch nach dem<br \/>\nErntedankfest: Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn, darum dankt<br \/>\nihm und hofft auf ihn. Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lied nach der Predigt EG 508 (Wir pfl\u00fcgen und wir streuen)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Literatur: Kirche im l\u00e4ndlichen Raum, Erntedank 2002 LippenBekenntnis,<br \/>\n2\/2002 53. Jg, herausgegeben im Auftrag des Ausschusses f\u00fcr den Dienst<br \/>\nauf dem Lande in der Evangelischen Kirche in Deutschland (ADL)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Anke Fasse<br \/>\nPastorin in Sengwarden\/Wilhelmshaven<br \/>\n<a href=\"mailto:anke@sefarim.de\"> email: anke@sefarim.de<\/a><\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><noscript><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1\" height=\"1\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=1&amp;bn=neukirch&amp;f=021006-3.html&amp;r=r1\"\/><\/noscript><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; 19. Sonntag nach Trinitatis &#8211; Erntedankfest, 6. 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