{"id":9179,"date":"2002-11-07T19:49:57","date_gmt":"2002-11-07T18:49:57","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9179"},"modified":"2025-06-27T20:05:43","modified_gmt":"2025-06-27T18:05:43","slug":"1-thessalonicher-5-1-6-7-11-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-thessalonicher-5-1-6-7-11-2\/","title":{"rendered":"1. Thessalonicher 5, 1-6 (7-11)"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<table border=\"0\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\">\n<p><b><span style=\"color: #000099;\">Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres, <\/span><\/b><\/p>\n<p>10. November 2002<br \/>\nPredigt \u00fcber 1. Thessalonicher 5, 1-6 (7-11), verfa\u00dft von Hans-Gottlieb<br \/>\nWesenick<\/p>\n<\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>1 Von den Zeiten und Stunden aber, liebe Br\u00fcder, ist es nicht n\u00f6tig,<br \/>\neuch zu schreiben;<br \/>\n2 denn ihr selbst wi\u00dft genau, da\u00df der Tag des Herrn kommen<br \/>\nwird wie ein Dieb in der Nacht.<br \/>\n3 Wenn sie sagen werden: Es ist Friede, es hat keine Gefahr -, dann wird<br \/>\nsie das Verderben schnell \u00fcberfallen wie die Wehen eine schwangere<br \/>\nFrau, und sie werden nicht entfliehen.<br \/>\n4 Ihr aber, liebe Br\u00fcder, seid nicht in der Finsternis, da\u00df<br \/>\nder Tag wie ein Dieb \u00fcber euch komme.<br \/>\n5 Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind<br \/>\nnicht von der Nacht noch von der Finsternis.<br \/>\n6 So la\u00dft uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern la\u00dft<br \/>\nuns wachen und n\u00fcchtern sein.<br \/>\n[7 Denn die schlafen, die schlafen des Nachts, und die betrunken sind,<br \/>\ndie sind des Nachts betrunken. 8 Wir aber, die wir Kinder des Tages sind,<br \/>\nwollen n\u00fcchtern sein, angetan mit dem Panzer des Glaubens und der<br \/>\nLiebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil.<br \/>\n9 Denn Gott hat uns nicht bestimmt zum Zorn, sondern dazu, das Heil zu<br \/>\nerlangen durch unsern Herrn Jesus Christus, 10 der f\u00fcr uns gestorben<br \/>\nist, damit, ob wir wachen oder schla-fen, wir zugleich mit ihm leben.11 Darum ermahnt euch untereinander, und einer erbaue den andern, wie<br \/>\nihr auch tut.]<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Jetzt im November werden die Tage immer k\u00fcrzer, die Abende beginnen<br \/>\nimmer fr\u00fcher, und die N\u00e4chte dauern l\u00e4nger. Den Himmel<br \/>\nbedecken oft graue Regenwolken, die Sonne hat es schwer. Das legt sich<br \/>\nleicht auf unsere Stimmung. Wir sind mehr traurig als fr\u00f6hlich, mehr<br \/>\nbedr\u00fcckt als zuversichtlich. Wir sp\u00fcren etwas von der Verg\u00e4nglichkeit<br \/>\nder Welt, wenn wir die abgestorbenen Bl\u00e4tter und trockenen Gr\u00e4ser<br \/>\nzu unseren F\u00fc\u00dfen sehen und die kahlen B\u00e4ume in leeren<br \/>\nG\u00e4rten.<\/p>\n<p>In den vergangenen Sommermonaten haben wir gern gesungen: &#8222;Geh aus,<br \/>\nmein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit&#8220;. Das pa\u00dft<br \/>\nnicht mehr in diese Zeit. Stattdessen k\u00f6nnten wir singen: &#8222;Herzlich<br \/>\ntut mich erfreuen die liebe Sommerzeit &#8230;&#8220; Doch dieses Lied steht<br \/>\nleider nicht mehr im neuen Ev. Gesangbuch. Im alten Ev. Kirchengesangbuch,<br \/>\naus dem wir es bis vor einigen Jahren gern gesungen haben, war der 1.<br \/>\nStrophe eine Fu\u00dfnote beigegeben: &#8222;Sommerzeit&#8220; sei ein<br \/>\nBild f\u00fcr &#8222;Ewigkeit&#8220;. Dem Text wie der Melodie war die ausgelassene<br \/>\nFreude abzusp\u00fcren dar\u00fcber, &#8222;da\u00df Gott wird sch\u00f6n<br \/>\nverneuen alles zur Ewigkeit &#8230;&#8220; und da\u00df &#8222;&#8230; all Kreatur<br \/>\nsoll werden ganz herrlich, sch\u00f6n und klar.&#8220; So konnte einer<br \/>\nsingen vor 450 Jahren &#8211; obwohl Kaiser Karl V. gerade einen Krieg gegen<br \/>\nK\u00f6nig Heinrich II. von Frankreich begonnen hatte, der dann vier Jahre<br \/>\ndauern sollte &#8211; alles andere als erfreuliche Aussichten in jener Zeit.<br \/>\nAber der Dichter Johann Walter hat damals so gesungen. Ich bedaure sehr,<br \/>\nda\u00df die frohe, zuversichtliche Stimmung seines Liedes uns in unseren<br \/>\nGottesdiensten nun nicht mehr anstecken kann und wir uns mitten in einer<br \/>\nWelt des Vergehens nicht mehr darauf hinweisen lassen k\u00f6nnen, da\u00df<br \/>\nalles im Werden ist und unser Leben bei Gott Zukunft hat.<\/p>\n<p>Damit m\u00f6chte ich freilich nicht ablenken vom Erschrecken \u00fcber<br \/>\nunsere Todeswelt. Wir wurden von ihr in der letzten Zeit sehr betroffen:<br \/>\nder 11. September vor einem Jahr in New York, die Bluttat von Erfurt,<br \/>\ndas Hochwasser im Sommer, erst vor ein paar Tagen das Erdbeben in S\u00fcditalien,<br \/>\ndie fast t\u00e4glichen Selbstmordattentate in Israel und die Vergeltungsschl\u00e4ge<br \/>\ngegen die Pal\u00e4stinenser, dazu heute die Meldung vom Flugzeugabsturz<br \/>\nbei Luxemburg und vom Feuer im Nachtexpress &#8211; die d\u00fcstere November-Stimmung<br \/>\nentspricht durchaus der Todeswirklichkeit. Das zweite Lied unseres Gottesdienstes<br \/>\nsagt das richtig: &#8222;Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen.&#8220;<\/p>\n<p>Wer um einen lieben Menschen trauert, der wei\u00df von entt\u00e4uschter<br \/>\nund sogar betrogener Hoffnung. Zukunft soll Leben sein, Krankheit soll<br \/>\nHeilung finden, Schmerzen sollen Linderung erfahren. Aber dann ist eben<br \/>\ndoch das Ende gekommen, manchmal v\u00f6llig unerwartet und pl\u00f6tzlich,<br \/>\nund es war nicht mehr m\u00f6glich, sich wenigstens noch ein Wort zu sagen.<br \/>\nBitter ist diese Endg\u00fcltigkeit, dieses &#8222;Zu sp\u00e4t&#8220;.<br \/>\nIch kann verstehen, wie da Zweifel an Gottes G\u00fcte und Gerechtigkeit<br \/>\nRaum gewinnen und auch Entt\u00e4uschung nicht ausbleibt \u00fcber Mitmenschen,<br \/>\ndie nun doch nicht mehr oder nur selten noch kommen. Ich kann es verstehen,<br \/>\nwenn dann einer immer wieder fragt: &#8222;Wozu hat er, hat sie, habe ich<br \/>\ngelebt? Soll das nun alles gewesen sein?&#8220;<\/p>\n<p>Vor zw\u00f6lf Jahren, ein Jahr nach der Wende, besuchte ich mit einer<br \/>\nGemeindegruppe unsere Partnergemeinde in Chemnitz. Damals haben wir viel<br \/>\ngesehen, viel geh\u00f6rt, haben viele Spuren und Zeugnisse gescheiterter<br \/>\nHoffnungen, get\u00e4uschter und betrogener Menschen angetroffen, viele<br \/>\nFragen und Selbstzweifel, viel Unsicherheit und Sorge, manches neue Unbehagen<br \/>\nund Kopfsch\u00fctteln wahrgenommen. Mu\u00df einer, der dort vierzig<br \/>\nJahre gelebt und gearbeitet hat, diese vier Jahrzehnte seines Lebens nun<br \/>\nin den M\u00fcll werfen?<\/p>\n<p>Im Zentrum von Chemnitz steht ein riesiger Bronzekopf von Karl Marx.<br \/>\nEin russischer Bildhauer hat diese Monumentalplastik gearbeitet, und die<br \/>\nStadv\u00e4ter mu\u00dften einst auf Befehl der Partei viel Geld f\u00fcr<br \/>\ndieses Werk aufwenden, das die Leute nur &#8222;den Nischel&#8220; nennen,<br \/>\nden &#8222;Nichts&#8220;. Nach der Wende wurde lebhaft diskutiert: Soll<br \/>\nder Nischel nun bleiben, oder soll er fort? Die einen sagten: &#8222;Blo\u00df<br \/>\nweg damit! Sein System ist kaputt. Was soll er hier noch?&#8220; Die anderen<br \/>\nsagten: &#8222;Nein, la\u00dft ihn stehen! Erstens kostet es unsere Stadt<br \/>\nwieder sehr viel Geld, ihn zu beseitigen; das wird jetzt dringend f\u00fcr<br \/>\nviele lebenswichtige Notwendigkeiten gebraucht. Zweitens k\u00f6nnen wir<br \/>\ndoch nicht einfach diese vierzig Jahre unserer Geschichte ungeschehen<br \/>\nmachen. Das tun wir aber, wenn wir den Nischel verschrotten. La\u00dft<br \/>\nihn nur stehen, als Denk-Mal!&#8220; Die Chemnitzer haben sich entschieden,<br \/>\nihn stehen zu lassen, und ich h\u00e4tte es auch so gemacht; aber ich<br \/>\nhabe nicht vierzig Jahre in Chemnitz gelebt.<\/p>\n<p>Immerhin: Diese Frage nach der Zukunft des Nischel habe ich seinerzeit<br \/>\nals Symbol daf\u00fcr empfunden, wie Menschen hin- und hergerissen werden<br \/>\nangesichts eines Zusammenbruchs bisher geltender Ordnungen und Orientierungen,<br \/>\nselbst wenn sie ihnen nicht anhingen, aber sich doch ihr Leben unter ihnen<br \/>\neinrichten mu\u00dften. Deutlich war, wie schwer es vielen wurde, neue<br \/>\nOrientierungen zu finden und zu erkennen. Resignation blieb da nicht fern.<\/p>\n<p>Resignation gibt es freilich auch heute. Steht erneut ein Krieg am Persischen<br \/>\nGolf bevor? K\u00f6nnen wir denn gar nichts tun, damit es dort nicht zum<br \/>\n\u00c4u\u00dfersten kommt, zu einem Krieg, dessen Wirkungen und Folgen<br \/>\ngar nicht abzusch\u00e4tzen sind? Oder brauchen wir uns da nicht zu sorgen?<br \/>\nBetrifft uns das alles nicht? Ob wir es wollen oder nicht: wir sind ja<br \/>\nmit verwickelt in diesen Konflikt. B\u00fcndnisverpflichtungen sind einzul\u00f6sen,<br \/>\neine Spezialeinheit der Bundeswehr ist mit Minenr\u00e4umen dort besch\u00e4ftigt,<br \/>\nund im Verborgenen werden undurchsichtige Gesch\u00e4fte abgewickelt.<br \/>\nAuch da tut sich eine Todeswelt auf. Doch wenn ich das so sage, mu\u00df<br \/>\nich aufpassen, da\u00df ich selbst dabei nicht gleich wieder \u00fcberheblich<br \/>\nwerde.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, vielleicht k\u00f6nnen Sie sich hineindenken in solche<br \/>\nBeobachtungen und Erfahrungen, bei denen wir keinen Ausweg sehen. So vieles<br \/>\nerscheint hoffnungslos, macht uns sprachlos, l\u00e4hmt uns. Zuweilen<br \/>\nkann man wirklich jegliche Lust und Freude am Leben verlieren und dann<br \/>\nnur noch ein dunkles Loch vor sich sehen. Das macht uns m\u00fcde und<br \/>\nbitter.<\/p>\n<p>&#8222;Herzlich tut mich erfreuen die liebe Sommerzeit &#8230;&#8220; &#8211; der<br \/>\nTon will eigentlich nicht recht hineinpassen in diese Gedanken und Stimmungen.<br \/>\nAber eigentlich will er nur darauf hinweisen, da\u00df unser Leben nicht<br \/>\nim Dunkeln bleiben soll. Er will uns wecken aus unserer M\u00fcdigkeit<br \/>\nund Gel\u00e4hmtheit, damit wir wieder zu wachen und beweglichen Menschen<br \/>\nwerden. Freilich geht das nicht auf die beliebte Melodie: &#8222;Auf jeden<br \/>\nDezember folgt wieder ein Mai,&#8220; die auffordert: Kopf hoch, nicht<br \/>\nmehr dran denken! Nein, das ist kein Trost. Da wird das Leben so hingenommen<br \/>\nwie der Kreislauf der Natur, das ewige, unab\u00e4nderliche Werden und<br \/>\nVergehen. Und in meiner Trostlosigkeit werde ich nicht verstanden. Aber<br \/>\nwir wollen uns doch verstehen, wollen es jedenfalls versuchen, und wollen<br \/>\nTod und Leiden keinesfalls verharmlosen. Ich bleibe dabei, da\u00df es<br \/>\nstimmt: &#8222;Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen.&#8220;<\/p>\n<p>Aber dennoch &#8222;Herzlich tut mich erfreuen&#8220;? Wie das? Weil ich<br \/>\ndagegen behaupte: &#8222;Mitten wir im Tode sind mit dem Leben umfangen.&#8220;<br \/>\nLeben ist n\u00e4mlich mehr als das, was wir vor Augen haben. Es ist das<br \/>\nLeben, was Gott gemeint hat, wenn Jesus vom Reiche Gottes sprach, vom<br \/>\nHimmelreich. Unser Leben ist nicht ein Kreislauf, ist nicht ewige Wiederkehr,<br \/>\nsondern es ist ein Weg mit einem Ziel. Und das Ziel ist das Reich Gottes.<br \/>\nWir sind noch nicht angekommen. Immer noch sind wir unterwegs. Und auf<br \/>\ndiesem Wege d\u00fcrfen wir tr\u00e4umen. Ja, ich m\u00f6chte Sie ermuntern,<br \/>\nzu tr\u00e4umen und dabei ganz wach zu sein. Ich m\u00f6chte Sie ermuntern,<br \/>\nIhre Augen nicht zu schlie\u00dfen, sondern sie weit zu \u00f6ffnen vor<br \/>\ndem, was kommt, und f\u00fcr den, der kommt &#8211; sich die Sehnsucht nach<br \/>\neinem sinnvollen, erf\u00fcllten Leben, nach dem Himmel zu erlauben.<\/p>\n<p>Wie k\u00f6nnte die aussehen? F\u00fcr Trauernde hat es der Kirchenvater<br \/>\nHieronymus einmal so gesagt: &#8222;Wir wollen nicht trauern, da\u00df<br \/>\nwir ihn (n\u00e4mlich unseren geliebten N\u00e4chsten) verloren haben,<br \/>\nsondern dankbar sein daf\u00fcr, da\u00df wir ihn gehabt haben, ja, auch<br \/>\njetzt noch besitzen. Denn wer heimkehrt zum Herrn, bleibt in der Gottesfamilie<br \/>\nund ist nur vorausgegangen.&#8220; Dankbar die geschenkte Gemeinschaft,<br \/>\ndie gemeinsame Wegstrecke durch das Leben in der Erinnerung bewahren und<br \/>\nnun entschlossen weitergehen, unterwegs bleiben und sich den Aufgaben<br \/>\nzuwenden, die der Herr uns Tag f\u00fcr Tag stellt &#8211; ich denke, das ist<br \/>\nLeben, das den Tod \u00fcberwindet, wenn auch unter Tr\u00e4nen. Es hofft<br \/>\nnicht auf Menschen, sondern auf den lebendigen Herrn, der den Tod \u00fcberwunden<br \/>\nhat.<\/p>\n<p>Psalm 126 beginnt er mit dem Satz: &#8222;Wenn der Herr die Gefangenen<br \/>\nZions erl\u00f6sen wird, werden wir sein wie die Tr\u00e4umenden.&#8220;<br \/>\nDieser wie auch die folgenden S\u00e4tze m\u00fcssen aber als R\u00fcckblick<br \/>\nin die Vergangenheit verstanden und \u00fcbersetzt werden: &#8222;Als Gott,<br \/>\nder Herr, unser Schicksal wendete und uns freilie\u00df, da waren wir<br \/>\nwie die Tr\u00e4umenden&#8220;. Gemeint ist die Entlassung der Israeliten<br \/>\naus der Verbannung in Babylon vor etwa 2.500 Jahren, und dazu sagt der<br \/>\nPsalm: &#8222;Der Herr hat Gro\u00dfes an uns getan; des waren wir froh.&#8220;<br \/>\nIn der Heimat dagegen finden die R\u00fcckkehrer eine trostlose Lage vor:<br \/>\nein vom Krieg zerst\u00f6rtes Land, brachliegende, verwilderte \u00c4cker<br \/>\nund Weinberge, die Wirtschaft am Boden, keine geregelte Rechtspflege.<br \/>\nStatt Licht \u00fcberall Dunkelheit, statt Heil vielf\u00e4ltiges Unheil.<br \/>\nResignation und Hoffnungslosigkeit greifen um sich. In dieser Lage bittet<br \/>\nder Psalm: &#8222;Wende nun, Herr, unser Schicksal aufs neue. Du gibst<br \/>\nden B\u00e4chen im S\u00fcdland Wasser, wenn sie trocken sind. Gib nun<br \/>\nauch uns Leben aus deiner Kraft!&#8220;<\/p>\n<p>Diesen Psalm hat damals die Chemnitzer Pastorin Ursula P\u00f6che \u00fcbertragen<br \/>\nund dabei ihre Erfahrungen und ihre Bitten im Jahr nach der Wende aufgenommen.<br \/>\nEinige S\u00e4tze daraus m\u00f6chte ich vorlesen:<br \/>\n&#8222;Der Herr hat Gro\u00dfes an uns getan. Mit unserer Vernunft k\u00f6nnen<br \/>\nwir es nicht fassen. &#8230;<br \/>\nNun merken wir, da\u00df wir vor einem Scherbenhaufen stehen in allen<br \/>\nBereichen unseres Lebens.<br \/>\nWir merken, da\u00df es noch viel zu tun gibt, aber manches noch blockiert<br \/>\nwird. Wir bitten wieder: Gott, unser Herr, wende unser Schicksal.<br \/>\nLa\u00df uns Verantwortung in der Freiheit wahrnehmen.<br \/>\nLa\u00df uns Solidarit\u00e4t \u00fcben mit den Schwachen, mit den Alten<br \/>\nund Arbeitslosen, mit den Ausl\u00e4ndern und am Rande Lebenden.<br \/>\nLa\u00df uns nicht vergessen, was du Gro\u00dfes an uns getan hast.<br \/>\n&#8230;<br \/>\nMit einer gro\u00dfen Hoffnung s\u00e4en wir und wissen, da\u00df du<br \/>\nmit dabei bist. Eines Tages werden wir mit Jubel die Ernte einbringen<br \/>\nund alle M\u00fchsal vergessen haben. Bis dahin brauchen wir viel Geduld.<br \/>\nHerr, unser Gott, auch da hoffen wir auf dich.&#8220;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, von solcher Hoffnung haben wir uns damals anstecken und<br \/>\nermutigen lassen, auch wenn sie wie ein Traum, wie eine Vision war. Ich<br \/>\ndenke freilich, da\u00df wir solche Hoffnung auch heute brauchen in unserer<br \/>\nTodeswelt!<\/p>\n<p>Denn wir bleiben ja in ihr unterwegs. Nur m\u00fcssen wir uns zum Gl\u00fcck<br \/>\nnicht selbst ins Licht stellen. Wir stehen bereits im Licht und sehen<br \/>\nklar &#8211; weil Christus in unserer Taufe uns versprochen hat, alle Tage bei<br \/>\nuns zu sein als Licht der Welt. Wir gehen immer noch durch Niederlagen,<br \/>\nund wir werden alle auf dieser Erde sterben. Und doch haben wir bereits<br \/>\nTeil am Reiche Gottes, das unterwegs ist zu uns und kommt. Jeder Tag kann<br \/>\nso sein, als br\u00e4che es herein, unberechenbar wie ein Dieb in der<br \/>\nNacht, erwartet und doch pl\u00f6tzlich, wie die Wehen eine Schwangere<br \/>\n\u00fcberfallen. Indem wir uns von Gottes Reich und seiner Zukunft bestimmen<br \/>\nlassen, bleiben wir der Erde treu und unserer Gegenwart. Indem wir uns<br \/>\nauf Gottes Reich einlassen, werden wir auferstehen aus dem t\u00e4glichen<br \/>\nTod, aus Resignation und Hoffnungslosigkeit, aus M\u00fcdigkeit und Bitterkeit.<br \/>\nAuch im November gibt es \u00fcbrigens zuweilen und unverhofft Tage mit<br \/>\nherrlichem Sonnenschein und strahlend blauem Himmel &#8211; ein Vorscheinen<br \/>\nder Ewigkeit. Amen.<\/p>\n<p>Als Arbeitshilfe verwendet:<br \/>\nGottesdienstpraxis Serie A, VI. Perikopenreihe Bd. 3, G\u00fctersloh 1990,<br \/>\nS. 130 ff (G\u00fcnter Berndt)<\/p>\n<p><b>Hans-Gottlieb Wesenick<br \/>\nPastor i. R.<br \/>\nStauffenbergring 33, 37075 G\u00f6ttingen<br \/>\n<a href=\"mailto:H.G.Wesenick@t-online.de\">H.G.Wesenick@t-online.de<\/a><br \/>\n<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><noscript><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1\" height=\"1\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=1&amp;bn=neukirch&amp;f=021110-2.html&amp;r=r1\"\/><\/noscript><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres, 10. November 2002 Predigt \u00fcber 1. Thessalonicher 5, 1-6 (7-11), verfa\u00dft von Hans-Gottlieb Wesenick 1 Von den Zeiten und Stunden aber, liebe Br\u00fcder, ist es nicht n\u00f6tig, euch zu schreiben; 2 denn ihr selbst wi\u00dft genau, da\u00df der Tag des Herrn kommen wird wie ein Dieb in der Nacht. 3 [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8543,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[48,1,727,157,853,114,587,1535,588,349,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-9179","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-1-thessalonicher","category-aktuelle","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-drittl-s-d-kj","category-hans-gottlieb-wesenick","category-kapitel-05-chapter-05-1-thessalonicher","category-kasus","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9179","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9179"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9179\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24690,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9179\/revisions\/24690"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8543"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9179"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9179"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9179"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=9179"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=9179"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=9179"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=9179"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}