{"id":9181,"date":"2002-11-07T19:49:56","date_gmt":"2002-11-07T18:49:56","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9181"},"modified":"2025-06-27T20:07:08","modified_gmt":"2025-06-27T18:07:08","slug":"1-thessalonicher-5-1-6-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-thessalonicher-5-1-6-2\/","title":{"rendered":"1. Thessalonicher 5, 1-6"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<table border=\"0\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\">\n<p><b><span style=\"color: #000099;\">Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres, <\/span><\/b><\/p>\n<p>10. November 2002<br \/>\nPredigt \u00fcber 1. Thessalonicher 5, 1-6, verfa\u00dft von Christian<br \/>\nTegtmeier<\/p>\n<\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8222;Als Martin Luther einmal gefragt wurde, was er untern\u00e4hme,<br \/>\nwenn er mit Gewi\u00dfheit w\u00fc\u00dfte, da\u00df morgen die Welt<br \/>\nunterginge, habe er geantwortet: heute noch w\u00fcrde ich einen Apfelbaum<br \/>\npflanzen.&#8220;<\/p>\n<p>W\u00e4re das nicht ein Wort f\u00fcr uns, liebe Gemeinde? W\u00e4re<br \/>\ndas nicht eine Perspektive f\u00fcr Menschen, die nach den Zeichen der<br \/>\nZeit schauen und ahnen, dass vieles am Zerbrechen, Vergehen, Verkommen,<br \/>\nUntergehen ist. Und die dennoch nicht den Mut verlieren wollen? Und in<br \/>\nder Tat ist dies Martin Luther zugeschriebene Wort f\u00fcr viele ein<br \/>\nWort der Hoffnung, der Sicherheit, der Zuversicht, so als wenn man doch<br \/>\nnoch etwas tun kann, wenn alles andere mir aus den H\u00e4nden gleitet.<br \/>\nIch habe es jetzt wiederholt von Eltern geh\u00f6rt, die es als Taufspruch<br \/>\nf\u00fcr ihre Kinder gew\u00e4hlt haben. Warum?<\/p>\n<p>G\u00e4be es nicht auch noch andere Worte, und solche aus der Bibel?<br \/>\nOder ist dies Buch zu alt daf\u00fcr? Warum also dieses Wort, das uns<br \/>\nso vertraut vorkommt: &#8222;Wenn morgen die Welt unterginge, dann w\u00fcrde<br \/>\nich heute noch ein Apfelb\u00e4umchen pflanzen.&#8220;<\/p>\n<p>Sie nennen zwei Gr\u00fcnde, warum ihnen dies Wort wichtig ist. Zum einen<br \/>\nsind sie besorgt um das, was kommt: den Fortbestand und Fortgang der Welt.<br \/>\nSie bef\u00fcrchten eine nationale oder globale Katastrophe, die sie nicht<br \/>\nverschont. Der Terror ruht nicht, er arbeitet, auch gegen und in unserem<br \/>\nLand. Sie f\u00fcrchten um ihre und ihrer Kinder Zukunft und wissen, dass<br \/>\nsie nur sehr begrenzt dem Einhalt gebieten k\u00f6nnen, was uns zerst\u00f6rt:<br \/>\nder blinden, ma\u00dflosen Gewalt, der bedrohten Natur und Kultur, der<br \/>\nvergifteten Luft und den ungenie\u00dfbaren Gew\u00e4ssern, einer unsicheren,<br \/>\nselbstgef\u00e4lligen, mitunter auch skrupellosen Politik. Aber auch der<br \/>\nK\u00e4lte zwischen den Menschen, ihrer Hast und ihrer Hektik, dem Kampf<br \/>\nums \u00dcberleben in einer Gesellschaft, die unbezahlbar und zahlungsunf\u00e4hig<br \/>\ngeworden ist, die l\u00fcgt, betr\u00fcgt und entt\u00e4uscht. Grund genug,<br \/>\nein Ende der Welt, meiner jetzigen Lebensumst\u00e4nde zu ahnen, um Leib<br \/>\nund Seele, um Gesundheit und Frieden zu bangen.<\/p>\n<p>Und der liebe Gott?<br \/>\nNoch bleibt er au\u00dfen vor, wird durch den Hinweis gebeten, dass der<br \/>\nSpruch vom Apfelb\u00e4umchen von Luther stamme. Wichtiger ist, dass ich<br \/>\ndurch eigene Anstrengung , durch ein gutes Zeichen meine Angst und meine<br \/>\nFurcht abarbeite. Das w\u00e4re das Zweite. Gewi\u00df, eine gute Tat,<br \/>\njetzt noch ein Apfelb\u00e4umchen zu pflanzen, eine Tat, die mich beruhigt<br \/>\nund ein Angeld ist f\u00fcr die Zukunft meiner Kinder, sagen die Eltern.<br \/>\nGleichsam mein Kredit f\u00fcr eine gesicherte Zukunft, eine Gabe des<br \/>\nLebens im Umfeld des Ablebens. Ein Zeichen, dass ich nicht nur f\u00fcr<br \/>\ndas Negative in dieser Welt mich zu verantworten habe.<\/p>\n<p>Und der liebe Gott?<br \/>\nDamit w\u00e4re ich bei der Botschaft unseres Tages, wie sie uns vorhin<br \/>\nvorgelesen wurde aus dem Brief des Paulus. Wie gehe ich mit ihr um, wenn<br \/>\nich das Ende der Welt vor Augen habe?<\/p>\n<p>Die Angst um die Zukunft, oder wie Paulus sagt, die Sorge um das Ende<br \/>\nder Tage und jenen der Rechenschaft hat andere Generationen vor uns ebenso<br \/>\nbesch\u00e4ftigt. Sie mahnten zur Sorgfalt, auch zur Sorglosigkeit, indem<br \/>\ndie Weisen riefen: es ist kein Anla\u00df zur Angst, es herrscht Friede<br \/>\nund Sicherheit. Andere hingegen d\u00fcnkten sich weise und klug, den<br \/>\nletzten Tag der Welt berechnen zu k\u00f6nnen. Auf solcher Art Gesch\u00e4ftigkeit<br \/>\nund auf die Horoskope, auf die Unruhe der Zukunftsromane und die Futuristen<br \/>\ngibt Paulus eine tr\u00f6stliche Nachricht. Indem er seine Gemeinde und<br \/>\nin der Nachfolge auch uns wissen l\u00e4sst: &#8222;Regt euch nicht auf,<br \/>\nsondern behaltet einen k\u00fchlen Kopf! Die Endzeit k\u00f6nnen und brauchen<br \/>\nwir nicht zu errechnen. Denn der letzte Tag kommt wie ein Dieb in der<br \/>\nnacht! Wie die Wehen kurz vor der Geburt. Als Mensch kennst du Gottes<br \/>\nWege und Absichten noch nicht, selbst den Hirten auf dem Felde musste<br \/>\nerst gesagt werden, dass der Stern von Bethlehem ein Bote sei f\u00fcr<br \/>\nGottes Kommen. Zerbrecht euch nicht den Kopf, \u00fcberlegt nicht und<br \/>\ndeutet eure Welt nicht falsch, so dass ihr Ruhe und Zufriedenheit untereinander<br \/>\nverliert. Wenn das Ende kommt, dann kommt es pl\u00f6tzlich, ihr seid<br \/>\nihm ausgeliefert und preisgegeben. Gewi\u00df ist nur, dass das Ende<br \/>\nkommt. Auch eure Rede davon &#8222;wenn ich w\u00fcsste, dass morgen die<br \/>\nWelt unterginge&#8230;&#8220; tr\u00e4gt nichts dazu bei, dass ihr parat, vorbereitet<br \/>\nseid, um parieren zu k\u00f6nnen. Es reicht, wenn ihr darum unbesorgt<br \/>\nseid, wartet und Gott handeln lasst.&#8220;<\/p>\n<p>K\u00f6nnen wir das, leibe Gemeinde? Und: d\u00fcrfen wir das, so unbesorgt,<br \/>\nohne die Zeit und ihre Zeichen zu deuten leben und schaffen, glauben und<br \/>\nhoffen, auch morgen und \u00fcbermorgen? &#8211; Ja, sagen Paulus und Luther.<br \/>\nBeide leben mit dem unmittelbaren Kommen ihres Herrn, ohne die Fassung<br \/>\nzu verlieren, mit anderen Worten: mit einem k\u00fchlen Kopf und einem<br \/>\ngetr\u00f6steten Herzen. Sie tun es, weil sie nicht alleine sind. Weil<br \/>\nsie sp\u00fcren, dass Gott ihnen nahe und verbunden ist. Und er schon<br \/>\nlange in diese Welt kommen m\u00f6chte, zu den Menschen, die etwas erwarten,<br \/>\nwas \u00fcber den Tag und das Ende der Tage hinaus bleibt; die beschenkt<br \/>\nwerden wie die Hirten und K\u00f6nige, wie die J\u00fcnger. Beschenkt<br \/>\nnicht auf Grund eigener Kraft und mittels ihres Verstandes, sondern alleine<br \/>\naus seiner G\u00fcte und Gnade.<\/p>\n<p>Mit einem Bild sagt das der Apostel:<br \/>\n&#8222;Ihr Br\u00fcder und Schwestern, seid doch keine Kinder der Finsternis<br \/>\nund der Dunkelheit. Ihr seid doch Kinder des Lichtes.&#8220;<\/p>\n<p>Ob das die Leute gleich begriffen haben, Kinder des Lichtes zu sein?<br \/>\nNun gut, werden einige meinen, durch die Taufe sind wir zu Gotteskindern<br \/>\ngeworden, d\u00fcrfen unsern Gott als Vater anrufen, d\u00fcrfen bei ihm<br \/>\nZuflucht nehmen, gerade, wenn wir am Ende sind. Denn er h\u00e4lt in seinem<br \/>\nHause viele Wohnungen bereit f\u00fcr die, die zu ihm kommen, im Glauben<br \/>\nund mit ihrer Hoffnung. Aber Kinder des Lichtes, erleuchtete Gestalten,<br \/>\nGesch\u00f6pfe, die ein Strahlenkranz der Hoffnung und des Segens umgibt?<br \/>\nDoch, meint Paulus. Seit eurer Taufe will sein Licht in und \u00fcber<br \/>\nund mit euch scheinen, seid ihr Boten seines Lichtes wie zugleich erleuchtete<br \/>\nGestalten seiner Sch\u00f6pfung. Menschen ohne Angst. Ihr d\u00fcrft erleben,<br \/>\nwas es hei\u00dft, &#8222;von guten M\u00e4chten wunderbar geborgen&#8220;<br \/>\nzu sein.<\/p>\n<p>Und f\u00fcr die Gemeinschaft unter euch wird dies Pfingsten oder bei<br \/>\nder Taufe eines Kindes immer wieder sp\u00fcrbar zum Ereignis: von Gott<br \/>\nbegeistert, erleuchtet und getr\u00f6stet zu werden. Und in Anbetracht<br \/>\ndes Endes vom Leben und der Welt? Auch da, Paulus? Auch da seid ihr von<br \/>\nihm gut angenommen und aufgehoben. Rechnet nicht, macht euch nicht unruhig<br \/>\nund sucht nicht nach Trugschl\u00fcssen, die keine Zeichen sind: Horoskop,<br \/>\nPendeln usw. Glaubt und geht mit Gott!<\/p>\n<p>Nun folgt noch ein Nachsatz, leibe Gemeinde, der in unsere Welt mit ihrer<br \/>\nGesch\u00e4ftigkeit, mit Aktionismus und publicity so gar nicht passt.<br \/>\nEs hei\u00dft:<br \/>\n&#8222;Wir schlafen nicht, sondern sind wachsam und n\u00fcchtern.&#8220;<\/p>\n<p>Das m\u00f6chte meinen: wir achten auf das, was Gott uns jetzt zeigen<br \/>\nwill, auf seine Zeichen, seine Hinweise, auf seine frohe Botschaft. Mag<br \/>\nsein, dass einige dabei noch Zeit haben, ein Apfelb\u00e4umchen zu pflanzen.<br \/>\nDoch wichtig bleibt diese innere und \u00e4u\u00dfere Aufmerksamkeit.<br \/>\nWer dann noch fragt, wie das gehe, dem h\u00e4tte Paulus gesagt: nicht<br \/>\nin Habacht-Stellung, sondern gelassen, im Herzen befriedet und ruhig.<br \/>\nAuch darin Kind des Lichtes, der Hoffnung, aus dem Glauben heraus.<\/p>\n<p>Das ist f\u00fcr mich eine tr\u00f6stliche Nachricht &#8211; warum? Weil ich<br \/>\nnichts falsch machen kann und nichts verpasse, was zu meinem Gl\u00fcck<br \/>\nund Heil und zu meiner Rettung notwendig w\u00e4re. So wie ich es Gott<br \/>\n\u00fcberlasse, wann und wie er kommt, so \u00fcberlasse ich es ihm auch,<br \/>\nmir zu sagen oder zu geben, was mich im Herzen und in der Seele beruhigt,<br \/>\nrettet oder bewahrt. Bildlich gesprochen befinde ich mich dann auf einer<br \/>\nBr\u00fccke, am Ufer stehe ich heute. Gehen kann und darf ich, die Br\u00fccke<br \/>\nwird halten und tragen, ob nun am Ende eines Menschenlebens, der eigenen<br \/>\nwie dessen, den ich geliebt habe und nun vermisse. Wie am Ende der Welt:<br \/>\nGott h\u00e4lt mich und l\u00e4sst mich im Strudel der Ereignisse nicht<br \/>\nuntergehen. Weil er es will; meine Taufe ist f\u00fcr mich das Angeld,<br \/>\nmein Glaube die Zuversicht. Fehlte nur noch mein Vertrauen, es heute zu<br \/>\nwagen. Gott gibt mir in seinem Licht die Kraft, dass es erfolgreich sein<br \/>\nwird!<br \/>\nAmen<\/p>\n<p>Literaturhinweis: Martin Schloemann, Luthers Apfelb\u00e4umchen?, G\u00f6ttingen<br \/>\n1994<\/p>\n<p><b>Christian Tegtmeier<br \/>\nAlte Dorfstr. 4<br \/>\n38723 Kirchberg<br \/>\nTel.: 05381-8602<br \/>\n<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><noscript><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1\" height=\"1\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=1&amp;bn=neukirch&amp;f=021110-4.html&amp;r=r1\"\/><\/noscript><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres, 10. November 2002 Predigt \u00fcber 1. 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