{"id":9184,"date":"2002-11-07T19:50:01","date_gmt":"2002-11-07T18:50:01","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9184"},"modified":"2025-04-22T10:38:52","modified_gmt":"2025-04-22T08:38:52","slug":"ich-doch-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/ich-doch-nicht\/","title":{"rendered":"Lukas 10,25\u201337"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: left;\">&#8222;Ich doch nicht&#8220; | Bu\u00df- und Bettag | 20. November 2002 | Lk 10,25\u201337 | Dieter Schultz-Seitz |<\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\"><b>\u00f6kumenischer gottesdienst des gymnasiums salzgitter-bad<br \/>\n<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">(Predigt im urspr\u00fcnglichen Format, nach Predigt)<\/p>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: left;\" title=\"Page 1\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<h4>Orgel:<\/h4>\n<h4>Einkaufsszene<\/h4>\n<h4>Schulszene<\/h4>\n<h4>Begru\u0308\u00dfung:<\/h4>\n<p>Liebe Schu\u0308lerinnen und Schu\u0308ler, liebe Kolleginnen und Kollegen,<br \/>\nim Namen derer, die diesen Gottesdienst vorbereitet haben und gestalten, der AG Gottesdienst, sowie Vertre- terinnen und Vertretern der Fachgruppen ev. und kath. Religion sowie Werte und Normen begru\u0308\u00dfe ich euch und sie sehr herzlich heute morgen hier in der Martin-Lu- ther- Kirche, in der wir wieder zu Gast sein du\u0308rfen. \u201cIch doch nicht\u201d, so lautete der Schlusssatz der beiden Szenen, die wir eben gesehen haben. Zwei ganz allta\u0308g- liche Situationen, beim Einkaufen im Supermarkt und in der Schule.<\/p>\n<p>Ich doch nicht, wie oft denkt man das selbst oder ho\u0308rt das von anderen.<br \/>\nU\u0308ber dieses Pha\u0308nomen wollen wir heute am Bu\u00df\u2013 und Bettag nachdenken. Die Thematik dieses Tages ist so brisant wie eh und je, auch wenn er kein staatlicher Feiertag mehr ist.<\/p>\n<p>Bu\u00dfe bedeutet Umkehr, und ein erster Schritt ist ein Innehalten ein Nachdenken u\u0308ber mich und mein Ver- halten. Wir wollen euch und Sie einladen, gemeinsam u\u0308ber das \u201cIch doch nicht\u201d nachzudenken, sich dieses Verhaltens bewusster zu werden und gemeinsam vor Gott auszudru\u0308cken, in dessen Namen wir diesen Gottes- dienst feiern.<\/p>\n<h4>Wir singen jetzt als erstes Lied: In A\u0308ngsten die einen.<\/h4>\n<h4>Gebet<br \/>\nEv. Lk 10,25-37<\/h4>\n<h4>2. Lied:<br \/>\nDa beru\u0308hren sich Himmel und Erde<\/h4>\n<div class=\"page\" title=\"Page 1\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<h4>Predigt:<\/h4>\n<h4>Priester<\/h4>\n<h4>Levit<\/h4>\n<h4>Deutung<\/h4>\n<p>Und ich bin der U\u0308berfallene.<br \/>\nVon wegen alles in Ordnung gekommen. Der Levit und der Priester ko\u0308nnen das jetzt nur sagen, weil ein anderer geholfen hat, na\u0308mlich der Samariter. Ohne seine Hilfe wa\u0308re ich elendig verblutet. Und nichts wa\u0308re in Ordnung gekommen.<br \/>\nJetzt, da ich mich seit einigen Tagen vom U\u0308berfall und von den Verletzungen erholen kann, habe ich viel Zeit zum Nachdenken.<br \/>\nImmer wieder muss ich mich an diesen Tag erinnern. Nach dem U\u0308berfall lag ich lange Zeit &#8211; vo\u0308llig unfa\u0308hig mich zu bewegen &#8211; am Boden, ich war auf die Hilfe anderer angewiesen. Und endlich schien Rettung zu kommen, als der Priester und der Levit erschienen. Umso gro\u0308\u00dfer meine Verzweiflung, als die beiden zwar aus der Ferne heru\u0308berschauten, dann aber doch schnell weitergingen.<br \/>\nDie beiden ha\u0308tten mir ja nun wirklich helfen mu\u0308ssen. Wenn die das schon nicht tun, wer dann?<br \/>\nWarum haben die mir nicht geholfen? Das frage ich mich immer wieder. Was sprach dagegen?<br \/>\nSie sagten: Sie ha\u0308tten keine Zeit gehabt, weil sie viel zu sehr bescha\u0308ftigt gewesen wa\u0308ren. Sie fu\u0308hrten sogar den Gottesdienst als Grund an. Aber kann das: Gottesdienst: Gott dienen und den Na\u0308chsten am Boden verbluten las- sen? Bequemlichkeit?<br \/>\nDas Helfen falle in den Zusta\u0308ndigkeitsbereich anderer. Das sei Aufgabe der Polizei und der Rettungsdienste, und sie ha\u0308tten sich nicht in der Lage gefu\u0308hlt zu helfen, aus Angst etwas falsch zu machen. Angst?<br \/>\nUnd einer verweist schlie\u00dflich auf den anderen und sagt, warum denn ich und nicht der andere? Ich doch nicht. Zusta\u0308ndigkeit?<br \/>\nZugegeben, wer denkt nicht auch ab und zu so, wenn seine Hilfe erwartet wird. Und sagt, das ko\u0308nnen andere viel besser als ich, das liegt mir nicht und ich habe ja so viel zu tun. Fragen sie doch lieber meinen Kollegen dahinten, meinen Mitschu\u0308ler.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: left;\" title=\"Page 2\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Und wer kennt sie nicht, diese Situationen des betrete- nen nach unten Schauens, wenn freiwillige Aufgaben zu verteilen sind.<br \/>\nEhrlich gesagt: Fru\u0308her habe auch ich oft nach diesem Motto \u201eich doch nicht\u201d gedacht und gehandelt.<\/p>\n<p>Wenn man dann aber plo\u0308tzlich selbst am Boden liegt und nicht wei\u00df, wie einem geschehen ist, verpru\u0308gelt, ver- spottet und vo\u0308llig hilflos, angewiesen auf andere. Dann vera\u0308ndert sich die eigene Perspektive von Grund auf. Dass mir ausgerechnet ein Samariter geholfen hat, das werde ich wohl nie verstehen.<\/p>\n<p>Sie mu\u0308ssen wissen, mein Volk und das der Samariter haben kein besonders gutes Verha\u0308ltnis. Oft haben wir die Samariter beschimpft, weil ihre Religionsausu\u0308bung nicht unseren Regeln entspricht. Und meistens wollten wir mit denen u\u0308berhaupt nichts zu tun haben. Mit de- nen doch nicht. Mit denen aus dem Norden.<\/p>\n<p>Und nun hat mir so einer das Leben gerettet.<br \/>\nWarum hat er mir geholfen? Er kannte mich doch gar nicht. Fu\u0308r ihn war ich doch ein wildfremder Mensch. Er hat mir aufgeholfen, sich verspa\u0308tet und fu\u0308r mich viel Geld ausgegeben.<br \/>\nIch ha\u0308tte ihn das alles sehr gern gefragt. Ich ha\u0308tte mich gern bei ihm bedankt, ihm eine Belohnung gegeben. Aber ich wei\u00df nicht, ob ich ihn jemals wieder sehen werde. Er hat auch keine Nachricht hinterlassen, keinen Namen und keine Adresse, so dass mich wohl nie bedan- ken kann.<br \/>\nDas kann ich nicht. Aber ich wei\u00df, wenn ich in Zukunft einen Menschen sehe, der Hilfe braucht, dann werde ich wohl nicht mehr so schnell sagen ko\u0308nnen, das ist nicht meine Aufgabe, das sollen andere tun. Ich ko\u0308nnte ja et- was Falsches machen. Nachher bekomme ich A\u0308rger. also mache ich lieber gar nichts. Das ist mir zu leicht.<br \/>\nIch werde wohl versuchen zu helfen.<br \/>\nAmen.<\/p>\n<h4>3. Lied: Suchen und fragen.<\/h4>\n<p>Warum setzen sich Menschen fu\u0308r andere ein?<br \/>\nZwei Beispiele, die das verdeutlichen sollen und ermu- tigen sollen:<\/p>\n<p>Ich vielleicht doch.: Gemeinsam leben (Projektvorstellung Anna Christina (Projektvorstellung)<\/p>\n<h4>Kollektenanku\u0308ndigung<\/h4>\n<h4>4. Lied: Komm, Herr, segne uns<\/h4>\n<h4>Fu\u0308rbitten<\/h4>\n<p>1. Gott, manchmal gehen wir zu achtlos an den Problemen unserer Mitmenschen vorbei. Fu\u0308hlen uns zu bescha\u0308ftigt, wenn andere unsere Hilfe brauchen. Sagen, wir haben keine Zeit, denken, dass wir eh nicht im Stande sind etwas zu tun.<\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 2\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Gott schenke uns die Klarheit zu erkennen, dass auch wir etwas tun ko\u0308nnen. Hier und jetzt.<br \/>\nWir bitten: Herr, erbarme dich&#8230;<\/p>\n<p>2. Gott, vieles von dem, was wir erleben, erscheint uns falsch und ungerecht. Menschen werden ungerecht be- handelt.<br \/>\nAuf den Strassen mu\u0308ssen wir manchmal sogar Gewalt be- obachten, da werden Einzelne von Gruppen angepo\u0308belt und bedroht.<\/p>\n<p>In solchen Momenten fu\u0308hlen wir uns oft hilflos und haben Angst einzugreifen.<br \/>\nGott, schenke uns den Mut, hier das zu tun, um einen Kon- flikt friedlich zu beenden und den Opfern beizustehen. Wir bitten: Herr, erbarme dich&#8230;<\/p>\n<p>3. Gott, jeden Tag sehen wir in den Nachrichten die Bilder von Krieg und Naturkatastrophen.<br \/>\nIm Moment denken wir besonders an den Krieg in &#8230; und das Erdbeben in der&#8230;<\/p>\n<p>Gott schenke uns den Geist der Gemeinschaft, der uns in jedem Menschen den Na\u0308chsten sehen la\u0308sst und nicht nur einen Fremden, weit weg von uns.<br \/>\nWir bitten: Herr, erbarme dich&#8230;<\/p>\n<p>4. Gott, immer wieder fu\u0308hlen sich Menschen, fu\u0308r ihre Mitmenschen fu\u0308r ihre Na\u0308chsten verantwortlich, setzen sich mit viel Engagement fu\u0308r andere ein, versuchen, deine Scho\u0308pfung menschlich zu gestalten. Ob in Schule, in Kir- che, in Politik, in allen Bereichen des Lebens.<\/p>\n<p>Manchmal fu\u0308hlen sich diese Menschen allein gelassen und u\u0308berfordert. Sei du bei ihnen. Gib ihnen Hoffnung und langen Atem und stell ihnen Menschen mit den gleichen Zielen an ihre Seite.<\/p>\n<p>Wir bitten: Herr, erbarme dich&#8230;<\/p>\n<p>Alle unsere Bitten fassen wir mit den Worten zusam- men, die uns Jesus zu beten gelehrt hat.<br \/>\nVater unser im Himmel,<br \/>\ngeheiligt werde dein Name,<\/p>\n<p>dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.<br \/>\nUnser ta\u0308gliches Brot gib uns heute<br \/>\nund vergib uns unsere Schuld,<\/p>\n<p>wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und fu\u0308hre uns nicht in Versuchung,<br \/>\nsondern erlo\u0308se uns von dem Bo\u0308sen<br \/>\ndenn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p>Segen.<br \/>\nGeht im Frieden des Herrn<br \/>\nDer Herr segne dich und behu\u0308te dich.<br \/>\nDer Herr lasse leuchten sein Angesicht u\u0308ber dir und sei dir gna\u0308dig.<br \/>\nDer Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir + Frieden.<\/p>\n<hr \/>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 3\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<h4 style=\"text-align: left;\">Begru\u0308\u00dfung:<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: left;\">Videoszene: Nichtstun<\/h4>\n<p style=\"text-align: left;\">Gezeigt wird eine kurze Szene, in der ein schwarzer Mitbu\u0308rger von zwei wie Skinheads aussehenden Jugendlichen in einer Frankfurter U-Bahn angepo\u0308belt wird. Die Fahrga\u0308ste reagieren mit Wegschauen oder Aussteigen. Dass die Szene gestellt ist und die Jugendlichen Schauspieler, stellt sich erst hinterher heraus.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das anschlie\u00dfende Interview mit den Fahrga\u0308sten wird nicht gezeigt.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: left;\">Lied: Sonne der Gerechtigkeit EG 262<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: left;\">Reflexion:\u00a0Was hindert mich daran zu helfen?<\/h4>\n<p style=\"text-align: left;\">Wer oder was hindert mich eigentlich daran, den schwarzen Mann in der U- Bahn von den Skinheads weg zu holen? Den grausamen Wo\u0308rtern und Sticheleien ein Ende zu bereiten? Den Skinheads zu zeigen, dass sie Unrecht tun?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich selbst hindere mich daran!<br \/>\nBei dieser Frage fa\u0308llt mir besonders meine eigene Angst ein! Vielleicht ko\u0308nnte mir auch etwas passieren, wenn ich mich einmische.<br \/>\nKo\u0308nnt ihr euch noch an den Mann erinnern, den mit dem schwarzen Mantel und der Brille? Er hatte auch gro\u00dfe Angst und fu\u0308hlte sich unwohl. Vielleicht haben diese Ma\u0308nner ein Messer oder sogar eine Pistole dabei. Der ko\u0308nnte doch schlie\u00dflich seine Waffe gegen mich ziehen.<\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 3\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p style=\"text-align: left;\">Ich stehe, trotz der vielen Menschen um mich herum, eigentlich alleine da. Genau aus diesem Grund habe ich auch gro\u00dfe Angst. Der Mann aus dem Film ist genauso allein. Er schaut sich auch sta\u0308ndig um und versucht mit den Skinheads zu reden. Doch was soll er noch tun? Vielleicht denkt er: \u201eWas ist, wenn mir etwas passiert, wu\u0308rden mir die anderen Leute dann helfen. Ich wei\u00df es nicht!\u201c (Pause)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich bin unsicher, weil ich keine Mittel kenne, mit de- nen ich gegen die Skinheads vorgehen ko\u0308nnte genau so wenig wie dieser Mann. Es gibt auch kein konkretes Rezept, das ich anwenden ko\u0308nnte! Und bringt es u\u0308ber- haupt was, wenn ich noch mehr sagen wu\u0308rde?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wieder ha\u0308nge ich an der Frage: Was ist, wenn er gegen mich Gewalt anwendet.<br \/>\nIch fu\u0308hle mich hilflos, mittellos und meine gro\u00dfe Angst vor dieser Situation la\u0308hmt mich vo\u0308llig. Fu\u0308hlt sich der Mann aus der Stra\u00dfenbahn nicht genauso?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aber mu\u0308sste ich mich nicht eigentlich auf meine Erzie- hung zuru\u0308ckbesinnen. Habe ich nicht gelernt, dass jeg- liche Form von Gewalt falsch ist? Und dass man etwas gegen sie tun muss?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das bedeutet doch, dass ich nur u\u0308ber meinen eigenen Schatten springen mu\u0308sste, mich nur u\u0308berwinden mu\u0308sste meine Angst zu vergessen und aufzustehen. Aber gerade dieses winzig kleine Wort \u201enur\u201c macht die ganze Ange- legenheit so schwer.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und schlie\u00dflich sitze ich auf meinem Platz in der U-Bahn und habe ein schreckliches Gefu\u0308hl von Bauchschmerzen, ein Gefu\u0308hl der Unzula\u0308nglichkeit und des Versagens.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: left;\">Lied: Dann trau dich<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: left;\">Biblische Besinnung Micha 6,8<\/h4>\n<p style=\"text-align: left;\">Liebe Schu\u0308lerinnen und Schu\u0308ler, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gemeinde,<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Diese Szene in der U-Bahn ist bedru\u0308ckend anzusehen. Der schwarze Mitbu\u0308rger, der von zwei Skinheadtypen angepo\u0308belt und bedroht wird. Die Fahrga\u0308ste ringsherum, die auf ihre Weise reagieren, voller Angst und mit dem Gedanken, was kann ich schon tun, ich ganz alleine.<\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 4\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p style=\"text-align: left;\">Soll ich mich einmischen, soll ich das Risiko eingehen, selbst zum Opfer von Gewalt zu werden?<br \/>\nDann doch lieber wegsehen oder weggehen. Es wird schon vielleicht ein anderer helfen, der sta\u0308rker ist, aber ich, ich doch lieber nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und was wu\u0308rde ich tun? Die Szene, obwohl sie eine ge- stellte Szene ist, dra\u0308ngt uns diese Frage schonungslos auf.<br \/>\nWas kann ich, was ko\u0308nnen wir tun?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es ist dir gesagt Mensch, was gut ist und was der Herr von der fordert, na\u0308mlich Gottes Wort halten und Liebe u\u0308ben und aufmerksam mitgehen mit deinem Gott. (Mi. 6,8) Dieser Satz steht im Alten Testament beim Propheten Micha.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Uns Menschen wird gesagt, was gut und richtig ist. Es werden Kriterien, Richtlinien fu\u0308r unser Handeln aufge- zeigt. Es wird uns aber nicht das eigene Nachdenken oder das eigene Entscheiden in konkreten Situationen abgenommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es ist ein Prophetenwort, das sich bewusst an alle Menschen richtet, nicht nur an bestimmte ausgewa\u0308hlte Personengruppen.<br \/>\nUnd ich denke, hier ist der erste Hinweis fu\u0308r uns. Das Thema Gewalt geht uns alle gemeinsam an. Es ist nicht nur ein Problem in bestimmten Teilen Deutschlands, wa\u0308hrend wir hier in einer Oase der Friedfertigkeit leben. Nicht bestimmte Berufsgruppen wie die Polizei allein sind aufgefordert zu helfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Vereinzelung ist ein Grund, der Gewalt erst mo\u0308glich macht. Im Film wird deutlich: Die Gewaltta\u0308ter ko\u0308nnen nur Macht und Gewalt ausu\u0308ben, weil die vielen anderen, die auch da sind, sich passiv verhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Menschen in der U-Bahn werden durch die Gewalt, die sie beobachten, eingeschu\u0308chtert und zum Schweigen gebracht.<br \/>\nEigentlich werden auch sie damit zu Opfern gemacht, sie lassen sich manipulieren, schauen weg, laufen weg.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es ist dir gesagt Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, na\u0308mlich Gottes Wort halten und Liebe u\u0308ben und aufmerksam mitgehen mit deinem Gott. (Mi. 6,8) Gott sucht bei uns ein anderes Verhalten als Wegschauen oder Weglaufen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wir sind aufgefordert daran zu denken, dass alle Men- schen ein Ebenbild Gottes sind, unabha\u0308ngig von Her- kunft und Hautfarbe, von Religion und Geschlecht. Alle haben sie eine unverletzliche Wu\u0308rde, wie es auch unser Grundgesetz sagt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Rassistische Anschauungen von Mehrwert und Minder- wert bei Menschen du\u0308rfen bei uns keinen Platz einneh- men und nicht unsere Gedanken vergiften. Die tolerierbare Meinungsvielfalt hat da ihre Grenze, wo Menschen aufgrund bestimmter Anschauungen verletzt werden, ko\u0308rperlich und seelisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und weil wir das wissen, ko\u0308nnen und mu\u0308ssen wir uns dann auch fragen: Was mu\u0308ssen wir tun? Unser Tun darf nicht erst in Situationen anfangen, wie wir sie im Film gesehen haben. Gewalt fa\u0308ngt schon fru\u0308her an, auch schon da, wo einzelne Menschen und Personengruppen<\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 4\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p style=\"text-align: left;\">ausgegrenzt und stellvertretend fu\u0308r alle mo\u0308glichen Probleme verantwortlich gemacht werden. Wir, die wir das wissen, fu\u0308r die Grundwerte von friedfertigem Zu- sammenleben wichtig sind, mu\u0308ssen o\u0308ffentlich deutlich machen, das wir Gewalt und Ausgrenzung und Rassismus nicht hinnehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Gottes Wort halten und Liebe u\u0308ben, das sucht Gott bei uns und das geho\u0308rt zusammen. Und Liebe u\u0308ben wird in Situationen, wie wir sie im Film gesehen haben, zu der ganz konkreten Frage:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Werde ich bereit sein, ein Risiko einzugehen und einem Einzelnen zu helfen, der angepo\u0308belt und bedroht wird? Das ist in dieser Situation keine theoretische Frage mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich kann mir viele Gedanken machen u\u0308ber die Ebenbild- lichkeit des Menschen, u\u0308ber seine Wu\u0308rde, aber was kann ich tun, um diesen Grundsatz auch aktiv zu schu\u0308tzen? Nicht wegschauen, so lautet die Forderung auf unseren Plakaten. Aufmerksam und hellho\u0308rig werden aufmerk- sam mitgehen mit unserem Gott, der uns in solchen Situationen fu\u0308r unseren Na\u0308chsten braucht, das sucht Gott bei uns.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Auf die Situation im Film bezogen hei\u00dft das Folgendes: Mit anderen gemeinsam ko\u0308nnen wir etwas tun:<br \/>\nAmen.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: left;\">Videoszene:\u00a0Helfen durch Solidarisierung<\/h4>\n<p style=\"text-align: left;\">In dieser Szene nun greift eine Frau in das Geschehen ein. Sie konfrontiert die Jugendlichen mit ihrem Verhal- ten und die zieht die Aufmerksamkeit der anderen Fahr- ga\u0308ste auf sich. Durch das gemeinsame Einschreiten der Fahrga\u0308ste geraten die beiden jugendlichen Skinheads sichtbar in die Defensive.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: left;\">Lied:<br \/>\nDa beru\u0308hren sich Himmel und Erde<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: left;\">Reflexion:<br \/>\nGemeinsam ko\u0308nnen wir etwas tun.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: left;\">Lied 4:<br \/>\nKomm, Herr, segne uns EG 170<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: left;\">Anku\u0308ndigung Buttonaktion<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: left;\">Fu\u0308rbittengebet<\/h4>\n<div class=\"page\" title=\"Page 5\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\" style=\"text-align: left;\">\n<p>Gewalt fa\u0308ngt nicht erst mit den Fa\u0308usten an.<br \/>\nOft ist Gewalt viel subtiler: Worte, die verletzen, Hand- lungen, die ausgrenzen, Gedanken des Nichtbeteiligt- seins. Lass uns aufmerksam und sensibel werden auch fu\u0308r versteckte Formen der Gewalt.<br \/>\nWir bitten dich, Herr erbarme dich.<\/p>\n<p>Immer wieder erschrecken uns Nachrichten von gewalt- samen U\u0308bergriffen auf Menschen bei uns, auf ausla\u0308ndi- sche Mitbu\u0308rger, ju\u0308dische Einrichtungen und andere, die zu Opfern von Gewalt werden. Wir bitten dich fu\u0308r die Betroffenen und ihre Angeho\u0308rigen, sei du bei ihnen und stelle ihnen Menschen an die Seite, die ihnen helfen. Wir bitten dich, Herr erbarme dich.<\/p>\n<p>Zunehmend erkennen viele Menschen, dass sie aktiv werden und ein Zeichen gegen Gewalt setzen mu\u0308ssen. Wir bitten dich, lass immer mehr Menschen den Weg des friedlichen Miteinanders verschiedener Menschen und Kulturen und der Solidarita\u0308t gehen.<\/p>\n<p>Wir bitten dich, Herr erbarme dich.<\/p>\n<p>Voller Sorge und Unversta\u0308ndnis sehen wir, dass rechte Ideologie und Gedanken die Herzen von Menschen ver- giften und deren Sinne verdunkeln. Ausla\u0308nderfeindlichkeit, Feindschaft allem Unbekannten gegenu\u0308ber und Rassenideologie scheinen wieder um sich zu greifen.<\/p>\n<p>Wir bitten dich fu\u0308r die Ta\u0308ter, lass sie den Wahnsinn ihres Denkens, Redens und Tuns erkennen und davon abgehen.<br \/>\nWir bitten dich, Herr erbarme dich.<\/p>\n<p>Zu viele Menschen gehen vorbei, wenn sie Gewalttaten beobachten. Aus Angst, aus Bequemlichkeit, aus Des- interesse. Nicht nur die Polizei ist dazu da, Unrecht zu verhindern. Lass uns alle im richtigen Moment das tun, was no\u0308tig ist, um den Opfern zu helfen.<\/p>\n<p>Wir bitten dich, Herr erbarme dich.<\/p>\n<p>Nicht nur in unserem Land beobachten wir Gewalt.<br \/>\nAn vielen Orten der Welt meint man Konflikte mit Waf- fen, anstatt mit Worten lo\u0308sen zu mu\u0308ssen.<br \/>\nMenschen unterschiedlicher Religionen und Interessen beka\u0308mpfen einander.<br \/>\nBesonders bedru\u0308ckt uns zur Zeit der Konflikt zwischen Israelis und Pala\u0308stinensern, fu\u0308r den eine friedliche Lo\u0308- sung nahe schien. Fu\u0308r alle friedensgewillten Menschen. Wir bitten dich, Herr erbarme dich.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Vaterunser, Segen<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Musik<\/h4>\n<hr \/>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: left;\">Vorbereitet wurde der Gottesdienst von den Fachgruppen Ev. und kath. Religion mit der Schu\u0308lerarbeitsgemeinschaft Gottesdienst.<br \/>\nEingesetztes Medium ist der Videofilm: Dienstag \u2013 Gewalt in der U-Bahn, Hessischer Rundfunk, Deutschland 1994 (BzpB) [Beim ARP&amp;M ausleihbar unter Nr. VC1377]<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Flyer zur Predigt:\u00a0<a href=\"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Predigt-22ich-noch-nicht22.pdf\">Predigt ich noch nicht<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Ich doch nicht&#8220; | Bu\u00df- und Bettag | 20. November 2002 | Lk 10,25\u201337 | Dieter Schultz-Seitz | \u00f6kumenischer gottesdienst des gymnasiums salzgitter-bad (Predigt im urspr\u00fcnglichen Format, nach Predigt) Orgel: Einkaufsszene Schulszene Begru\u0308\u00dfung: Liebe Schu\u0308lerinnen und Schu\u0308ler, liebe Kolleginnen und Kollegen, im Namen derer, die diesen Gottesdienst vorbereitet haben und gestalten, der AG Gottesdienst, sowie [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":7995,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[38,1,727,157,120,853,596,114,1661,529,349,3,109,1009],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-9184","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-lukas","category-aktuelle","category-archiv","category-beitragende","category-bes_gelegenheiten","category-bibel","category-buss-und-bettag","category-deut","category-dieter-schultz-seitz","category-kapitel-10-chapter-10-lukas","category-kasus","category-nt","category-predigten","category-schulgottesdienst"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9184","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9184"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9184\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23093,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9184\/revisions\/23093"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7995"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9184"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9184"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9184"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=9184"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=9184"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=9184"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=9184"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}