{"id":9186,"date":"2002-11-07T19:49:59","date_gmt":"2002-11-07T18:49:59","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9186"},"modified":"2025-04-22T17:39:14","modified_gmt":"2025-04-22T15:39:14","slug":"2-petrus-3-8-13","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/2-petrus-3-8-13\/","title":{"rendered":"2. Petrus 3, 8-13"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"color: #000099;\"><b>Bevor es zu sp\u00e4t ist | <\/b>Ewigkeitssonntag | 24. November 2002 | 2. Petrus 3, 8-13 | Dieter Trautwein |<\/span><\/h3>\n<p align=\"left\">&#8222;Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb in<br \/>\nder Nacht, an welchem die Himmel zergehen werden mit gro\u00dfem Krachen;<br \/>\ndie Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke,<br \/>\ndie darauf sind, werden verbrennen.&#8220; (Aus 2. Petrus 3, 8-13)<\/p>\n<p align=\"left\">Eine K\u00fcnstlerin schreibt mir: &#8222;Eine Auseinandersetzung<br \/>\nmit Bibelstellen ist heutzutage in meinen Augen \u00fcberfl\u00fcssig<br \/>\nbei so lebenswichtigen Themen wie der Zerst\u00f6rung unserer Erde.&#8220;<br \/>\nViele werden so denken. Aber gen\u00fcgt es, atemlos und ohne R\u00fcckbindung<br \/>\nirgend etwas gegen die Zerst\u00f6rung unserer Erde zu tun? Ersticken<br \/>\nwir nicht zu schnell am eigenen Ohnmachtsgef\u00fchl? M\u00fc\u00dften<br \/>\nwir nicht m\u00f6glichst gleichzeitig und gemeinsam zur Besinnung kommen?<\/p>\n<p align=\"left\">Einer meiner theologischen Lehrer war sich noch sicher:<br \/>\n&#8222;Die Erde ist weitergelaufen und wird weiterlaufen&#8230;&#8220; Aber<br \/>\nwer kann heute noch die Bilder vom letzten Tag Gottes leichthin abtun,<br \/>\ndie Bilder von einem Gericht, bei dem Himmel und Erde erkrachen und im<br \/>\nFeuerball enden? Sehr einfach, begrenzt und zerbrechlich ist das Haus<br \/>\nder Welt, in der wir leben. Die Schrecken von Hiroshima, Nagasaki und<br \/>\nTschernobyl sind pr\u00e4sent, auch wenn wir sie verdr\u00e4ngen. Noch<br \/>\nist die Drohung mit Giftgas nicht gebannt. Im Vorderen Orient wird ein<br \/>\nWeltbrand gesch\u00fcrt. Der Klimatod wird ein Hitzetod sein. Viele Zeichen<br \/>\ndes Untergangs r\u00fccken uns auf den Leib. Mit einer tausendj\u00e4hrigen<br \/>\nVerz\u00f6gerung, die uns im Blick auf Kinder und Kindeskinder beruhigen<br \/>\nk\u00f6nnte, ist nicht zu rechnen.<\/p>\n<p align=\"left\">Darin gebe ich der K\u00fcnstlerin recht: Wir m\u00fcssen<br \/>\nzweifeln, ob apokalyptisch aufgeladene Bibelstellen uns heute noch innerlich<br \/>\npacken und zur Umkehr bewegen. Geht die Lesung von &#8222;des Herrn Tag,<br \/>\nder kommen wird wie ein Dieb &#8230; mit gro\u00dfem Krachen&#8220; bei uns<br \/>\nnicht genau so ins Leere wie die eindrucksvollen Umweltkatastrophen-Szenarios?<br \/>\nWir haben ein dickes Fell gegen\u00fcber den apokalyptischen Weichmachern<br \/>\nund Angstschockern. Wir arrangieren uns mit der Angst. nach der Erkenntnis<br \/>\nder Lernpsychologie lernen wir nur, wenn uns ein Problem sehr weht tut.<br \/>\nIst es dann aber nicht g\u00e4nzlich zu sp\u00e4t, noch etwas tun zu wollen<br \/>\ngegen die Zerst\u00f6rung unserer Erde?<\/p>\n<p align=\"left\">Da k\u00f6nnte es doch sein, da\u00df eine Besinnung auf<br \/>\ndie Geduld Gottes mehr bewirkt als die Schreckensmeldungen. Die Auseinandersetzung<br \/>\nmit der Bibelstelle vom Ewigkeitssonntag ist dann sicher nicht \u00fcberfl\u00fcssig:<br \/>\n&#8222;&#8230; er hat Geduld mit euch und will nicht, da\u00df jemand verloren<br \/>\nwerde, sondern da\u00df alle Menschen zur Bu\u00dfe finden.&#8220; Jetzt<br \/>\nwerde ich in meiner Ungeduld und Angst erst einmal aufgehalten und sogar<br \/>\naufgefangen. Lebenswichtige Erinnerung: Gott &#8222;will nicht&#8220; die<br \/>\nVernichtung, schon gar nicht unsere Selbstvernichtung. Er ist nicht mit<br \/>\njener heimlichen Todessehnsucht im Bunde, der alles egal ist. Er hat keine<br \/>\nFreude daran, einen vernichtenden Schlu\u00dfstrich zu ziehen. Der Gott<br \/>\ndes 2. Petrusbriefes bleibt deutlich beschrieben der Vater Jesu Christi,<br \/>\nder Freude hat \u00fcber jeden Menschen, der inneh\u00e4lt und umkehrt.<br \/>\nWir d\u00fcrfen verweilen in dieser Freude und Geduld Gottes. Je mehr<br \/>\nwir davon gepackt sind, desto eher lernen wir es, geduldig anzuarbeiten<br \/>\ngegen uns selbst. Gegen die Tr\u00e4gheit des Herzens, gegen die Gewinnsucht,<br \/>\ndie Bu\u00dfe mit Einbu\u00dfe verwechselt, statt zu begreifen, da\u00df<br \/>\nder Reichtum eines neuen Himmels und einer neuen Erde winkt.<\/p>\n<p align=\"left\">Das Warten auf den neuen Himmel und die neue Erde, &#8222;in<br \/>\ndenen Gerechtigkeit wohnt&#8220; hat eine anspornende Faszination. Dieses<br \/>\nWarte kann auf Friedh\u00f6fen und an Gr\u00e4bern die Trauer dar\u00fcber<br \/>\nzulassen, da\u00df der Tod so viel Macht hat, dar\u00fcber, da\u00df<br \/>\nwir ein neues Leben nicht selber machen k\u00f6nnen. Aber wir k\u00f6nnen<br \/>\n&#8222;dann dastehen im heiligen Wandel und frommen Wesen.&#8220; Mit diesen<br \/>\naltmodischen Begriffen kann nichts anderes gemeint sein als ein Leben,<br \/>\ndas die verhei\u00dfene Gerechtigkeit vorwegnimmt. Kein Greifen nach<br \/>\nden Sternen, aber ein Zupacken und Eingreifen, das sich mit m\u00f6glichst<br \/>\nvielen Gleichgesinnten solidarisiert und sich den Zerst\u00f6rungen der<br \/>\nErde widersetzt.<\/p>\n<p align=\"left\">Im Vorgriff auf die kommende Gerechtigkeit als Reichtum<br \/>\nr\u00fccksichtsvoller Beziehungen zwischen Gott und Mensch, Mensch und<br \/>\nMitsch\u00f6pfung, wird Zug um Zug der Schrecken des Endgerichts entmachtet.<br \/>\nDer Kampf hat ein Endziel, das sich schon jetzt zu erf\u00fcllen beginnt.<br \/>\nMitten in einem Leben auf Abruf wird der Berufung gelebt, unentwegt aufzustehen<br \/>\ngegen das Unrecht und seine Zerst\u00f6rungen. Unser Text sieht den neuen<br \/>\nHimmel und die neue Erde eng verbunden. In beiden wohnt die gleiche Gerechtigkeit<br \/>\neines lebenden und besch\u00fctzenden Umgangs. Auf diesen neuen Lebensstil<br \/>\nwarten wir nur dann richtig, wenn wir ihn keinen Tag aufschieben.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><b>Aus: DAS, 25.11.1990<br \/>\nIn Gedenken an Dr. Dieter Trautwein, der im November 2002 verstorben ist.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bevor es zu sp\u00e4t ist | Ewigkeitssonntag | 24. November 2002 | 2. 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