{"id":9188,"date":"2002-11-07T19:49:57","date_gmt":"2002-11-07T18:49:57","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9188"},"modified":"2025-04-23T13:57:54","modified_gmt":"2025-04-23T11:57:54","slug":"hebraeer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/hebraeer\/","title":{"rendered":"Hebr\u00e4er 4,9\u201311"},"content":{"rendered":"<h3 align=\"left\">Ewigkeitssonntag | Hebr\u00e4er 4,9\u201311 | Karin Klement |<\/h3>\n<p align=\"left\">Liebe Gemeinde,<br \/>\nliebe Angeh\u00f6rige und Freunde unserer Verstorbenen in den zur\u00fcckliegenden<br \/>\nWochen und Monaten!<\/p>\n<p align=\"left\">HEUTE sind wir mitten drin in bedr\u00fcckenden, schmerzhaften<br \/>\nund leidvollen Erinnerungen. HEUTE sitzen wir still auf unserem Platz.<br \/>\nDie \u00e4u\u00dferliche Arbeit ruht, die lauten, herausfordernden Ablenkungen<br \/>\nunserer Zeit, der Aufgaben- oder Vergn\u00fcgungs-Stress, unsere mehr<br \/>\noder weniger m\u00fchevollen Vermeidungsstrategien greifen nicht mehr.<br \/>\nRettungslos sind wir der RUHE ausgeliefert &#8211; und dem Nachdenken, dem Erinnern.<\/p>\n<p align=\"left\">HEUTE ber\u00fchren uns Erinnerungen, die schmerzen, Bilder,<br \/>\ndie wir l\u00e4ngst eingesponnen und zart, aber dauerhaft verpackt glaubten.<br \/>\nHEUTE sp\u00fcren wir noch einmal, was wir mit all unserer Arbeit, mit<br \/>\nAblenkung und Verdr\u00e4ngung nicht \u00fcberdecken konnten: Die Zeit<br \/>\nheilt keine Wunden; unter dem Pflaster und Schorf des Alltagslebens bleibt<br \/>\neine Narbe. Ein Erinnerungszeichen, un\u00fcbersehbar und beunruhigend.<br \/>\nGerade weil \u00e4u\u00dferlich alles ruhig erscheint, sp\u00fcren wir<br \/>\nnoch einmal die innerliche Unruhe, unser Aufgew\u00fchltsein angesichts<br \/>\ndes Todes, der uns geliebte Menschen von der Seite riss.<\/p>\n<p>19 Mitglieder unserer beiden Gemeinden, M\u00e4nner und Frauen im Alter<br \/>\nvon 51 bis 102 Jahren, mussten wir im vergangenen Kirchenjahr zu ihrer<br \/>\nletzten Ruhe geleiten. Lang vertraute V\u00e4ter und M\u00fctter, geliebte<br \/>\nEhem\u00e4nner und -frauen, S\u00f6hne und T\u00f6chter hatten wir zu<br \/>\nverabschieden. Darunter ein Ehepaar, das nur wenige Tage nacheinander<br \/>\nverstarb und nach langer, krankheitsbedingter Trennung nun im Tod und<br \/>\nin der Beisetzung wieder vereint wurde. Auch ein Sohn und ein Vater wurden<br \/>\nihrer Familie im selben Jahr entrissen. Eine hoch angesehene, unerm\u00fcdliche<br \/>\nMitarbeiterin unserer Gemeinde, eine geliebte Ehefrau und Mutter musste<br \/>\nviel zu fr\u00fch von uns gehen. So viele Menschenleben, so viele reich<br \/>\nerf\u00fcllte Beziehungen, unersetzlich-kostbare Sch\u00e4tze unserer<br \/>\nGemeinschaft, sanfte Ruhepole und sch\u00f6pferische Aktivposten, haben<br \/>\nwir verloren. Sie wurden uns entzogen, herausgerissen aus ihren gewohnten<br \/>\nLebensbez\u00fcgen, aus ihrem intensiven Arbeiten oder aus einem wohlverdienten,<br \/>\ngeruhsamen Lebensabend. Sie m\u00f6gen nun ihren Frieden, ihre Ruhe gefunden<br \/>\nhaben, aber was ist mit den Hinterbliebenen? Mit jenen, die ihre geliebten<br \/>\nToten nicht vergessen k\u00f6nnen, die sich innerlich wie zerrissen f\u00fchlen,<br \/>\nabgetrennt von dem, was einst untrennbar mit ihrem Herzen verbunden schien?<\/p>\n<p>Der Tod kommt immer \u00fcberraschend, \u00fcberw\u00e4ltigend, auch<br \/>\nwenn er manchmal schon vorhersehbar und unaufhaltsam war. Er bringt uns<br \/>\naus der Ruhe, w\u00fchlt Herzen auf. Manchmal macht er Menschen sprachlos,<br \/>\nirritiert, entt\u00e4uscht oder zornig &#8211; und immer wieder unendlich traurig.<br \/>\nNiemanden l\u00e4sst der Tod eines vertrauten Mitmenschen gleichg\u00fcltig.<i><br \/>\nWas aber k\u00f6nnen wir tun? Wie k\u00f6nnen wir umgehen mit solcher<br \/>\nleidvollen Erfahrung? Wie finden Herz und Gedanken ihren Frieden mit dem,<br \/>\nwas geschehen ist?<\/i><\/p>\n<p>Unruhig ist unser Herz &#8211; bis es Ruhe findet in Gott! &#8222;In Gott zu<br \/>\nruhen&#8220; ist ein Bild der Hoffnung, das ermutigt den Tod zwar als unabwendbare<br \/>\nRealit\u00e4t zu akzeptieren, doch ihm nicht das letzte Wort und Bild<br \/>\nzu \u00fcberlassen.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich tr\u00f6stend und ermutigend klingen drei S\u00e4tze aus<br \/>\ndem Hebr\u00e4erbrief, die uns in den heutigen Erinnerungstag begleiten<br \/>\nwollen. Sie nehmen die Exoduserfahrungen des alten Volkes Israel auf und<br \/>\n\u00fcbertragen sie auf die Menschen ihrer Zeit. Sie zielen darauf, Menschen<br \/>\nauf ihrem anstrengenden, durch beunruhigende W\u00fcstenerfahrungen erschwerten<br \/>\nLebensweg in ihrem Vertrauen gegen\u00fcber Gott zu best\u00e4rken. Auch<br \/>\nam Ende aller menschlichen Kr\u00e4fte, am Ende aller Hoffnungen, bei<br \/>\nErfahrungen nahe an der Grenze des Todes gibt es immer noch etwas zu erwarten:<\/p>\n<p><b>Es ist also noch eine Ruhe vorhanden f\u00fcr das Volk Gottes. Denn<br \/>\nwer zu Gottes Ruhe gekommen ist, der ruht auch von seinen Werken so wie<br \/>\nGott von den seinen. So lasst uns nun bem\u00fcht sein, zu dieser Ruhe<br \/>\nzu kommen, damit nicht jemand zu Fall komme durch den gleichen Ungehorsam.<\/b><\/p>\n<p>Eine Ruhe wird versprochen, eine Ruhe jenseits aller Stressfaktoren von<br \/>\nUnerledigtem oder defizit\u00e4rer Lebensbilanzen, jenseits aller Begrenzungen<br \/>\nund scheinbar unl\u00f6sbaren Schwierigkeiten des Lebens. Eine Ruhe, die<br \/>\nnicht einfach blo\u00df Entspannung und Erholung verspricht oder das<br \/>\nSammeln neuer Kr\u00e4fte f\u00fcr weiteres Abrackern, sondern eine Erf\u00fcllung<br \/>\nim weitesten, umfassendsten Sinn: Frieden mit Gott und mit sich selber!<\/p>\n<p>GOTTES RUHE ist &#8211; nach dem Hebr\u00e4erbrief &#8211; das Ziel aller Sch\u00f6pfung;<br \/>\nein Wunsch- und Hoffnungsbild wie die Bilder vom &#8222;Paradies&#8220;<br \/>\noder von &#8222;Gottes Himmelreich auf Erden&#8220;.<\/p>\n<p>Wenn wir heutigen Menschen das Stichwort RUHE h\u00f6ren, verbinden wir<br \/>\nes &#8211; je nach Lebensalter und Situation &#8211; mit ganz unterschiedlichen Gedanken<br \/>\nund Gef\u00fchlen.<\/p>\n<p>Wer jung, dynamisch, voller Neugierde auf alles, was das Leben bieten<br \/>\nkann, stattdessen RUHE zugesprochen bekommt, mag darunter eher ein Ausbremsen,<br \/>\neinen Zwang zur Selbstbeschr\u00e4nkung verstehen. Viele bef\u00fcrchten<br \/>\nein unterdr\u00fcckendes, erzwungenes Stillewerden, \u00e4hnlich der Todesruhe,<br \/>\ndie uns Angst macht.<\/p>\n<p>Anders mag ein Mensch im mittleren Alter RUHE ein- und sogar wertsch\u00e4tzen.<br \/>\nAls ein notwendiges Innehalten im spannungsreichen Lebensalltag. Als eine<br \/>\nsinnvolle Pause zum Nachdenken und Sich-auf-das-Wesentliche-besinnen.<br \/>\nAndererseits, wer allt\u00e4glich auf der Flucht ist vor Karriere- und<br \/>\nGesch\u00e4ftskonkurrenten, f\u00fcr den bedeutet RUHE wom\u00f6glich<br \/>\nauch soviel wie Stillstand, R\u00fcckschritt, Abgeh\u00e4ngt-sein.<\/p>\n<p>Und wie sieht das aus bei der sogenannten &#8222;\u00e4lteren Generation&#8220;,<br \/>\nden 60-(?) oder 70j\u00e4hrigen und dar\u00fcber? Tragen Menschen dieser<br \/>\nGeneration, je n\u00e4her sie dem erwarteten Lebensende r\u00fccken, schon<br \/>\nso etwas wie Lebens-M\u00dcDIGKEIT in sich? Sind sie ersch\u00f6pft von<br \/>\nden zahlreichen Lebenserfahrungen, die sich immer wieder \u00e4hneln und<br \/>\ndennoch neu bew\u00e4ltigt werden m\u00fcssen? Sp\u00fcren sie Sehnsucht<br \/>\ndanach, von jahrzehntelangen Anstrengungen endlich einmal auszuruhen &#8211;<br \/>\nund welche Hoffnungen bewegen sie dabei? Erwarten sie in oder nach der<br \/>\nEwigen Ruhe noch etwas vollkommen Neues, Unbeschreibliches??<\/p>\n<p>GOTTES RUHE wird im Hebr\u00e4erbrief als ein h\u00f6chst positives,<br \/>\nerstrebenswertes Ziel angesehen. Und die menschliche ruhige, vertrauensvolle<br \/>\nGelassenheit erscheint mir wie ein Abglanz davon. Es gibt sie ja, Mitmenschen,<br \/>\ndie &#8222;die Ruhe weg haben&#8220;, die sich niemals in Hektik bringen<br \/>\nlassen, die unersch\u00fctterlich darauf vertrauen, dass Gott alle Zeit<br \/>\nin seinen H\u00e4nden h\u00e4lt und sie zu ihrer eigenen Lebenszeit nichts<br \/>\ndazu- oder davon wegtun k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Und dennoch &#8211; ist ihre &#8211; unsere &#8211; schlicht menschliche Ruhe einfach gleichzusetzen<br \/>\nmit GOTTES RUHE? Wohl kaum. Aber was verbirgt sich dann hinter diesem<br \/>\nBegriff f\u00fcr uns Heutige? Unser Problem ist, dass wir alles G\u00f6ttliche<br \/>\nin menschliche Bilder fassen m\u00fcssen, um es f\u00fcr uns einleuchtend,<br \/>\nglaubhaft und verst\u00e4ndlich zu machen.<\/p>\n<p>Vielleicht hilft uns auf der Suche nach GOTTES RUHE eine Filmgeschichte.<br \/>\nSie erz\u00e4hlt unter dem Titel &#8222;The Sixth Sense&#8220; (auf deutsch:<br \/>\n&#8222;Der sechste Sinn&#8220;) die Geschichte von Menschen in au\u00dfergew\u00f6hnlichen<br \/>\nSituationen. Eines ist allen Mitspielenden gleicherma\u00dfen eigen:<br \/>\nSie sind Menschen, die keine Ruhe gefunden haben, unruhige Geister auf<br \/>\nder Suche nach Vollendung.<\/p>\n<p>Einer der beiden Hauptdarsteller ist der Kinderpsychologe, Dr. Malcolm<br \/>\nCrowe. Er wird von Selbstzweifeln und Schuldgef\u00fchlen gequ\u00e4lt.<br \/>\nEin halbes Jahr zuvor hatte ein ehemaliger Patient, dem er nicht helfen<br \/>\nkonnte, auf ihn geschossen und sich anschlie\u00dfend selbst get\u00f6tet.<br \/>\nNun trifft der Arzt auf einen neunj\u00e4hrigen Jungen, Cole, der \u00e4hnliche<br \/>\nSymptome zeigt wie sein ehemaliger Klient. Ein d\u00fcsteres Geheimnis<br \/>\nscheint Cole zu umgeben und versetzt ihn in Angst und Schrecken. Gleichg\u00fcltig<br \/>\nob am Tage oder in der Nacht, bis in den Schlaf hinein wird er von toten<br \/>\nMenschen verfolgt, die seine Aufmerksamkeit suchen. Sie finden keine Ruhe<br \/>\nund belasten ihn mit ihrem vergangenen Leben und ihren grauenvollen Schicksalen.<br \/>\nDie Kamera fixiert, was der Junge sieht.<\/p>\n<p>\u00c4u\u00dferlich sehr ruhig, doch innerlich gespannt wie ein &#8222;unruhiger<br \/>\nGeist&#8220;, dr\u00e4ngt es den Psychologen, dem Kind zu helfen. Er sieht<br \/>\neine Chance das wieder gut zu machen, was er gegen\u00fcber seinem anderen<br \/>\nPatienten vers\u00e4umt hatte. Seine intensiven Bem\u00fchungen zahlen<br \/>\nsich aus; Cole fasst Vertrauen zu ihm und erz\u00e4hlt ihm sein Geheimnis:<br \/>\n&#8222;Ich sehe tote Menschen, aber sie wissen nicht, dass sie tot sind.<br \/>\nSie sind \u00fcberall. Und sie sehen nur, was sie sehen wollen.&#8220;<br \/>\nDer Kinderarzt widersteht der Versuchung, diese Aussagen tiefenpsychologisch<br \/>\nzu deuten. Er l\u00e4sst sich einfach darauf ein; auch wenn er selbst<br \/>\nnat\u00fcrlich nirgendwo Geister sehen kann. Er ermutigt Cole, die Toten<br \/>\ndanach zu fragen, was sie von ihm wollen.<\/p>\n<p>Die Kamera schaut mit den Augen des Jungen, der nun nicht mehr \u00e4ngstlich<br \/>\nwegl\u00e4uft, sondern sich den grausigen Bildern stellt, die er wahrnimmt.<br \/>\nUnter anderem deckt er dabei einen Mord auf. Cole findet mit Hilfe des<br \/>\nKinderpsychologen einen Weg, den Toten ihre Ruhe wiederzugeben &#8211; und sich<br \/>\nselbst ebenfalls. Zuletzt vertraut er sich seiner Mutter an, die vor lauter<br \/>\nSorge um ihr Kind schon nicht mehr ruhig schlafen konnte. Was ihr Sohn<br \/>\nvon der verstorbenen Gro\u00dfmutter erz\u00e4hlt, erscheint ihr glaubhaft<br \/>\nund beide finden damit endlich Frieden.<\/p>\n<p>Zwischendrin erscheinen immer wieder Szenen zwischen Malcolm Crowe und<br \/>\nseiner Frau. Ihr beider Leben scheint immer st\u00e4rker parallel als<br \/>\ngemeinsam zu verlaufen. Beim Abendessen oder Fr\u00fchst\u00fcck steht<br \/>\nnur ein Gedeck auf dem Tisch; die beiden begegnen sich kaum noch und reden<br \/>\nnicht mehr miteinander. Ein junger Mann versucht Crowes Frau einzuladen;<br \/>\naber sie bleibt reserviert. Eines Abends betritt der Kinderpsychologe<br \/>\nein nobles Restaurant; dort sitzt seine Frau in festlicher Garderobe ganz<br \/>\nallein am Tisch. Als er sich niederl\u00e4sst, wird gerade die Rechnung<br \/>\ngebracht. Beide greifen danach, doch die Frau ist schneller. Er versucht<br \/>\nsich f\u00fcr sein Zusp\u00e4tkommen zu entschuldigen, doch sie schaut<br \/>\nihn nicht einmal an, steht nur auf und sagt leise: &#8222;Ein sch\u00f6ner<br \/>\nHochzeitstag!&#8220;<\/p>\n<p>Zuhause entdeckt er im Badezimmerschrank ein antidepressives Mittel,<br \/>\ndas seiner Frau verschrieben wurde. Sein Arbeitszimmer im Keller ist verschlossen.<br \/>\nCrowe sp\u00fcrt unruhig, dass alles sich ver\u00e4ndert hat: seine Frau,<br \/>\nsein Leben. Er muss sich entscheiden, ob der dem Jungen weiter helfen<br \/>\nwill oder seine Ehe retten soll. Seine Schuldgef\u00fchle gegen\u00fcber<br \/>\nbeiden verst\u00e4rken seine innere Unruhe.<\/p>\n<p>Bei seiner letzten Begegnung mit Cole, spricht dieser ihn auf sein trauriges<br \/>\nGesicht an. Und entgegen aller psychologischer Praxis erz\u00e4hlt der<br \/>\nKinderarzt, was ihn belastet. &#8222;Sie m\u00fcssen mit Ihrer Frau reden,<br \/>\nwenn sie schl\u00e4ft. Dann wird sie Ihnen zuh\u00f6ren&#8220;, r\u00e4t<br \/>\nihm der Junge. Dann nehmen beide von einander Abschied, aber so als sollte<br \/>\nes ein Wiedersehen geben.<\/p>\n<p>Malcolm geht nach hause. Dort findet er seine Frau schlafend auf dem<br \/>\nFernsehsessel vor dem laufenden Hochzeitsvideo. &#8222;Du fehlst mir! Warum<br \/>\nhast du mich verlassen?&#8220; fl\u00fcstert sie wie im Traum. &#8222;Aber<br \/>\nich habe dich doch gar nicht verlassen!&#8220; widerspricht Malcolm. In<br \/>\ndiesem Augenblick \u00f6ffnet sich die geschlossene Hand der Frau und<br \/>\nein Ehering kullert \u00fcber den Boden. Erstaunt blickt Malcolm auf seine<br \/>\nHand; tats\u00e4chlich es ist sein Ring. Aus dem leicht ge\u00f6ffneten<br \/>\nMund seiner Frau dringt warme Luft, als ob sie von Eisesk\u00e4lte umgeben<br \/>\nist. So wie es immer bei Cole war, wenn ihm ein Toter begegnete. In diesem<br \/>\nAugenblick wird Malcolm klar, was geschehen ist. Er sp\u00fcrt das Blut<br \/>\nder Einschusswunde auf seinem R\u00fccken und durchlebt noch einmal die<br \/>\nletzten Sekunden seines irdischen Lebens. Jetzt kennt er sein Geheimnis<br \/>\nund akzeptiert den Tod. Er hat seine Arbeit vollendet, seine Schuld ist<br \/>\nbezahlt; alles Unerledigte, was ihm keine Ruhe lie\u00df, ist erledigt.<\/p>\n<p>Nun endlich kann er Abschied nehmen von seiner Frau, sie weiterleben<br \/>\nlassen in einer ver\u00e4nderten Welt, die nicht mehr die seine ist. Er<br \/>\nkann ihr die notwendige Ruhe g\u00f6nnen f\u00fcr neue Beziehungen, neue<br \/>\nErfahrungen in und mit dieser Welt, sch\u00f6pferische Kraft f\u00fcr<br \/>\nden Aufbruch in das Leben, das vor ihr liegt. Und er kann f\u00fcr sich<br \/>\nselber FRIEDEN finden, einen Frieden f\u00fcr den es hier noch keine Worte,<br \/>\nkeine Bilder gibt, der alles umfasst, was wichtig, gut und wunderbar ist.<br \/>\nEin Frieden in GOTTES RUHE.<br \/>\nAMEN<\/p>\n<p><b><a name=\"vor\"><\/a>VORBEMERKUNGEN ZUM SCHLUSS<\/b><br \/>\nDie drei Verse aus Kapitel 4 des Hebr\u00e4erbriefes sind aus ihrem Zusammenhang<br \/>\nherausgerissen. Ihre Konnotationen (z.B. im Blick auf Begriffe wie: Volk<br \/>\nGottes, Gottes Ruhe, zu Fall kommen, gleicher Ungehorsam) lassen sich<br \/>\neigentlich nur im Zusammenhang mit dem Kontext (3, 7 &#8211; 4, 11 Midrasch<br \/>\nzu Psalm 95) angemessen verstehen.<br \/>\nInhaltlich geht es darin um eine Warnung vor dem Unglauben, der als Ungehorsam<br \/>\nbeschrieben wird. Auf dem generationenlangen W\u00fcstenwanderweg w\u00e4re<br \/>\nes fatal f\u00fcr die Menschen ihre Zuversicht, ihr Vertrauen gegen\u00fcber<br \/>\nGott zu verlieren. &#8222;Heute, wenn ihr seine Stimme h\u00f6ren werdet,<br \/>\nso verstockt eure Herzen nicht!&#8220; lautet die immer wieder neue, dr\u00e4ngende<br \/>\nAufforderung. Die Verhei\u00dfung der &#8222;Ruhe Gottes&#8220; als angestrebtes<br \/>\nletztes Ziel kann verloren gehen, wenn Menschen auf ihrem (Lebens-)weg<br \/>\ndurch w\u00fcste Zeiten ausschlie\u00dflich mit Gott hadern und in Bitterkeit\/Verbitterung<br \/>\nversinken.<br \/>\nMit der &#8222;Ruhe Gottes&#8220; ist allerdings kein irdisches Ziel gemeint,<br \/>\nsondern die Vollendung allen Lebens in und bei Gott &#8211; analog zu biblischen<br \/>\nBildern wie: &#8222;Gottes Himmelreich auf Erden&#8220;, &#8222;Paradies&#8220;<br \/>\noder &#8222;Leben&#8220; (bei Johannes).<br \/>\nDas ist die eine Seite, die andere ist die Situation unserer GottesdienstbesucherInnen<br \/>\nam Totensonntag und ihre Erwartungen im Blick auf das, was sie h\u00f6ren<br \/>\nwerden. Assoziationen von &#8222;Friedhofsruhe&#8220;, &#8222;Grabesruhe&#8220;,<br \/>\n&#8222;Letzte Ruhe&#8220; als milde Umschreibung f\u00fcr das endg\u00fcltige<br \/>\nAus scheinen unvermeidlich. Diese Bilder positiv zu f\u00fcllen, ohne<br \/>\ndas Schmerzliche zu \u00fcbersehen, Hoffnung, Vertrauen und Zuversicht<br \/>\nin den Sch\u00f6pfer und Bewahrer des Lebens zu st\u00e4rken, w\u00e4re<br \/>\nmein Wunsch.<\/p>\n<p>Einf\u00e4lle zum Stichwort &#8222;RUHE&#8220;:<br \/>\n&#8211; Gerade in unserer hektisch-stressigen Zeit braucht jeder Mensch einen<br \/>\nOrt der Ruhe zur Entspannung und Erholung.<br \/>\n&#8211; Ein meinen Bed\u00fcrfnissen entsprechend gestalteter Raum der Ruhe<br \/>\n(Bildergalerie, Musiksaal, Waldspaziergang&#8230;) l\u00e4sst mich durchatmen,<br \/>\nnachdenken und neue Kraft sch\u00f6pfen.<br \/>\n&#8211; Das Alltagsleben ist unruhig, voller Sorgen und kaum zu bew\u00e4ltigenden<br \/>\nAnforderungen. Immer wieder laufe ich meinen unerledigten Werken hinterher.<br \/>\nVertrauensvolle Gelassenheit fehlt mir oftmals.<br \/>\n&#8211; Andererseits, gibt es nicht auch eine heilsame UN-Ruhe, die uns anleitet<br \/>\ndas Beunruhigende, Verdr\u00e4ngte, Totgeschwiegene &#8222;aufzuarbeiten&#8220;?<br \/>\n&#8211; Sabbat-Ruhe als Entlastung von unerledigten Aufgaben und dauernden Anforderungen,<br \/>\nvon der Sorge um eine unerf\u00fcllte Lebensbilanz. In Gottes Ruhe ist<br \/>\ndas St\u00fcckwerk all unseres Handelns l\u00e4ngst vollendet; bei Gott<br \/>\nkommt unsere Hektik, Unzufriedenheit, aber auch unsere Sehnsucht zur Ruhe.<br \/>\n&#8211; Friedhof als Ort der letzten Ruhe &#8211; doch voller Leben und tr\u00f6stend<br \/>\nsch\u00f6n f\u00fcr die Lebendigen!<\/p>\n<p><b>Pastorin Karin Klement<br \/>\nLange Stra\u00dfe 42<br \/>\n37077 G\u00f6ttingen<br \/>\n<a href=\"mailto:karin.klement.@evlka.de\">email: karin.klement.@evlka.de<\/a><br \/>\n<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ewigkeitssonntag | Hebr\u00e4er 4,9\u201311 | Karin Klement | Liebe Gemeinde, liebe Angeh\u00f6rige und Freunde unserer Verstorbenen in den zur\u00fcckliegenden Wochen und Monaten! HEUTE sind wir mitten drin in bedr\u00fcckenden, schmerzhaften und leidvollen Erinnerungen. HEUTE sitzen wir still auf unserem Platz. 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