{"id":9197,"date":"2002-02-07T19:49:56","date_gmt":"2002-02-07T18:49:56","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9197"},"modified":"2025-06-28T09:16:40","modified_gmt":"2025-06-28T07:16:40","slug":"exodus-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/exodus-2012\/","title":{"rendered":"Exodus 20,12"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<table border=\"0\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td bgcolor=\"#669999\">\n<div align=\"center\"><a name=\"top\"><\/a><b><a href=\"http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/\">G\u00f6ttinger<br \/>\nPredigten im Internet<br \/>\nhg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch<\/a><br \/>\n<\/b><a href=\"dekalog.html\"><b>(-&gt; zur Dekalog-\u00dcbersicht)<\/b> <\/a><\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td bgcolor=\"#669999\">\n<div align=\"center\">\n<p><span style=\"color: #ffffff;\"><b>Predigtreihe zum Dekalog, Februar 2002<br \/>\nDas vierte Gebot (Exodus 20,12) &#8211; Heinz Fischer<\/b><\/span><\/p>\n<\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Liebe Christen,<\/p>\n<p>es kann kein Zufall sein: Das vierte Gebot ist das erste auf der zweiten<br \/>\nTafel. In vielen alten Kirchen gibt es Bilder von Mose oder gar Standbilder,<br \/>\ndie manchmal sogar die ganze Kanzel tragen. Immer hat Mose neben dem Schlangenstab<br \/>\nzwei gro\u00dfe Tafeln in der Hand. Wir haben keine Mosefigur mit den<br \/>\nbeiden Tafeln in unserer modernen Kirche. Ich habe sie hier in Pappe nachgebildet<br \/>\nund die drei ersten Gebote mit r\u00f6mischen Zahlen auf die erste Tafel<br \/>\ngeschrieben. (Anmerkung: Zum Predigteinstieg werden zwei Mose-Tafeln gezeigt,<br \/>\ndie mit gro\u00dfen r\u00f6mischen Ziffern beschrieben sind und deutlich<br \/>\nmachen, dass das vierte Gebot das erste der zweiten Tafel ist.) Wir haben<br \/>\n\u00fcber die ersten drei Gebote schon nachgedacht und wissen: Sie beziehen<br \/>\nsich auf das Verh\u00e4ltnis von uns Menschen zu Gott. Die zweite Tafel<br \/>\nbezieht sich auf das Verh\u00e4ltnis der Menschen untereinander, und da<br \/>\nsteht das vierte Gebot ganz oben.<br \/>\nWir kennen es ja alle, aber warum ist das so?<br \/>\n&#8222;Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass dir&#8217;s wohlgehe<br \/>\nund du lange lebest auf Erden.&#8220;<\/p>\n<p>Das Gebot bezieht sich auf das Verh\u00e4ltnis der Generationen untereinander.<br \/>\nWas ist wirklich langlebig in unserer oft so kurzlebigen Zeit?<br \/>\nLanglebig ist beides: tiefe Familienbindungen und tiefe Zerw\u00fcrfnisse<br \/>\nin der Familie. Aber eben darauf zielt das Gebot.<\/p>\n<p>Wenn Schulkinder und Konfirmanden dieses Gebot lernen, geht es in diesem<br \/>\nAlter heutzutage vielleicht erst einmal darum, die Beziehungen der Generationen<br \/>\nin einem weiteren Zusammenhang zu sehen und die Gro\u00dfeltern wahrzunehmen,<br \/>\nnach den Vorfahren zu fragen. Das war in alten Zeiten einfacher zu erkennen,<br \/>\nwenn der Bauernhof in der Familie blieb und der Enkel wusste, in welchen<br \/>\nFeldern der Uropa die Drainage gelegt hatte oder welches Waldst\u00fcck<br \/>\ner gepflanzt hatte.<\/p>\n<p>Wenn die Beziehungen zwischen den Generationen langfristig gut sind und<br \/>\ngelingen, dann geht das \u00fcber mehrere Generationen meistens so weiter.<br \/>\njedenfalls kennen wir alle Familien, in denen das gelingt. Das m\u00fcssen<br \/>\nnicht immer die &#8222;Alteingesessenen&#8220; sein! Da ist manchmal das<br \/>\nGegenteil der Fall! Es gibt Familien, die weltweit verstreut sind und<br \/>\ndoch ganz eng zusammenhalten.<\/p>\n<p>Beobachten Sie einmal in unseren modernen &#8222;Stadtkulturen&#8220;,<br \/>\nwie in den Familien manches liebevoll aufbewahrt wird, was an die Vorfahren<br \/>\nerinnert. Es ist viel mehr durch die Kriege, die Vertreibungen, die Umsiedlungen<br \/>\nund die Flucht gerettet worden, als die j\u00fcngere Generation denkt.<br \/>\nDas zu vermitteln gebietet das vierte Gebot der \u00e4lteren Generation.<br \/>\nEs kann sich doch bei dem &#8222;Ehren&#8220; des Vaters und der Mutter<br \/>\nnicht um eine merkw\u00fcrdige Art der Unterwerfung handeln. Die \u00e4ltere<br \/>\nGeneration muss vermitteln, was wichtig ist und was bleibt. Dann beginnen<br \/>\ndie J\u00fcngeren wie von selbst das zu &#8222;ehren&#8220;, was ihnen vermittelt<br \/>\nworden ist. Diese Vermittlung ist schwer, erfordert Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen<br \/>\nund eine Kontinuit\u00e4t in der Erziehung \u00fcber die eine Generation<br \/>\nhinweg. Das kann keine Familie der Schule oder dem Pastor \u00fcberlassen!<br \/>\nBesonders schwer wird es f\u00fcr die j\u00fcngere Generation, wenn Familien<br \/>\nauseinanderbrechen. Gerade der Glaube lehrt uns, dass Gott aus den Bruchst\u00fccken<br \/>\ndes Lebens wieder ein ganz brauchbares Gef\u00e4\u00df zusammensetzen<br \/>\nkann. Warum wird er denn im Alten Testament so oft mit einem T\u00f6pfer<br \/>\noder G\u00e4rtner verglichen?<\/p>\n<p>Da sind wir bei einer ganz entscheidenden Sache: Das vierte Gebot kennt<br \/>\nden Generationskonflikt durchaus. Aber es tr\u00e4gt uns auf, trotz aller<br \/>\nKonflikte das Wesentliche und Wichtige weiterzugeben: Das ist unser Gottvertrauen!<br \/>\nNicht die Lebenserfahrung, die jede Generation selbst sammeln will und<br \/>\nmuss, aber das Gottvertrauen kann weitergegeben werden, indem es vorgelebt<br \/>\nwird. Es ist ein ganz gro\u00dfer Unterschied, ob die Eltern &#8222;dumme<br \/>\nSpr\u00fcche&#8220; \u00fcber den Glauben, die Bibel, die Kirche und die<br \/>\nSakramente machen und den Kindern sagen: &#8222;Den Konfirmandenunterricht<br \/>\nmusst du eben \u00fcber dich ergehen lassen!&#8220; Oder ob sie immer wieder<br \/>\nzeigen, was ihnen selbst der Glaube im Leben immer wieder gegeben und<br \/>\nbedeutet hat.<\/p>\n<p>Die Gebote setzen sicher auch sinnvolle Grenzen und sind wie ein Weidezaun.<br \/>\nJeder wei\u00df, dass die Tiere immer am Rande und au\u00dferhalb des<br \/>\nZaunes das beste Gras suchen und die Grenzen ausdehnen wollen. Viel anders<br \/>\ngehen wir Menschen mit den Geboten auch nicht um. Aber wir Menschen k\u00f6nnen<br \/>\ndie ganz gro\u00dfen Freiheiten erkennen, die innerhalb des Weidezaunes<br \/>\ngegeben sind und die ganz gro\u00dfen Gefahren der Grenz\u00fcberschreitung.<br \/>\nVielleicht ruft uns das vierte Gebot einfach nur die alte Weisheit ins<br \/>\nHerz und in den Verstand, dass wir nicht die ersten Menschen auf der Welt<br \/>\nund (hoffentlich) auch nicht die letzten sind. Jeder und jede geh\u00f6rt<br \/>\nzu einer bestimmten Generation. Die Weitergabe der Weisheit, des Glaubens,<br \/>\nder Selbstbegrenzung gelingt nur, wenn wir die Generation vor uns wahrnehmen<br \/>\nund ernst nehmen &#8211; eine andere \u00dcbersetzung f\u00fcr &#8222;ehren&#8220;.<br \/>\nIch wei\u00df nat\u00fcrlich, wie sich J\u00fcngere \u00fcber \u00c4ltere,<br \/>\nKinder \u00fcber Eltern, Eltern \u00fcber Alte erregen k\u00f6nnen.<br \/>\nDa f\u00e4llt mir ein Plakat ein, das einen M\u00f6nch mit einer Sprechblase<br \/>\nzeigt. &#8222;Bruder Konrad&#8220; steht dar\u00fcber und in der Sprechblase:<br \/>\n&#8222;Ich k\u00f6nnte mich den ganzen Tag \u00e4rgern, aber ich bin nicht<br \/>\nverpflichtet dazu!&#8220; So k\u00f6nnen sich Eltern \u00fcber ihre Kinder<br \/>\nden ganzen Tag \u00e4rgern, aber sie sind nicht verpflichtet dazu. Auch<br \/>\nKinder, Konfirmanden etwa mit 14 Jahren k\u00f6nnen sich den ganzen Tag<br \/>\n\u00fcber ihre Eltern \u00e4rgern. Aber sie sind nicht verpflichtet dazu.<\/p>\n<p>Das vierte Gebot ermuntert uns dazu, starke Eltern zu sein und wirklich<br \/>\nzu erziehen. Junge Menschen ehren die V\u00e4ter und M\u00fctter wie von<br \/>\nselbst, die sie erziehen und nicht laufen lassen. Erziehen h\u00e4ngt<br \/>\nmit &#8222;ziehen&#8220; zusammen und das hat eine Richtung. &#8222;Laufen<br \/>\nlassen&#8220; ist eine Schw\u00e4che der Elterngeneration, die sich bitter<br \/>\nr\u00e4cht. Die Eltern verschleiern ihre Schw\u00e4che geschickt und sagen:<br \/>\n&#8222;Mein Kind soll sich selbst entscheiden&#8220; oder &#8222;wir machen<br \/>\nunserem Kind keine Vorschriften&#8220;. Aber Kinder brauchen Vorschriften,<br \/>\nHinweise und Entscheidungshilfen. &#8222;Laufen lassen&#8220; und &#8222;sie<br \/>\nsollen selber entscheiden&#8220; ist Angst vor der Erziehung. Kinder mit<br \/>\nsolchen Erfahrungen werden niemals den Vater und die Mutter ehren. Das<br \/>\nvierte Gebot verpflichtet beide Generationen, die Eltern und die Kinder.<br \/>\n&#8222;Das gibt sich&#8220;, sagen schwache Eltern von den Fehlern ihrer<br \/>\nKinder. O nein!<br \/>\nEs gibt sich nicht! Es entwickelt sich! (Marie von Ebner-Eschenbach, 1830-1916).<br \/>\nHundert Jahre sp\u00e4ter, in unserer Zeit, \u00fcberschreibt eine Mutter<br \/>\nvon vier T\u00f6chtern ihr Erziehungsbuch: &#8222;Erziehung als Herausforderung&#8220;.<br \/>\nDie Autorin ist die bekannte Landesbisch\u00f6fin von Hannover, Margot<br \/>\nK\u00e4\u00dfmann. Wie sich die Zeiten gleichen! Das vierte Gebot hat<br \/>\nauch auf die Sozialgesetzgebung und die Staatsorganisation gro\u00dfen<br \/>\nEinfluss genommen. die Rentenversicherung und die Pflegeversicherung beruhen<br \/>\nbeide auf der Idee des &#8222;Generationenvertrages&#8220;. Nur wenn die<br \/>\nJ\u00fcngeren sich fr\u00fchzeitig f\u00fcr die Alten engagieren, k\u00f6nnen<br \/>\nwir lange leben in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir geben wird.<br \/>\nAmen.<\/p>\n<p><b>Propst Heinz Fischer, Helmstedt<br \/>\nTel.: 05351-2093, Fax: 2094<br \/>\n<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch (-&gt; zur Dekalog-\u00dcbersicht) Predigtreihe zum Dekalog, Februar 2002 Das vierte Gebot (Exodus 20,12) &#8211; Heinz Fischer Liebe Christen, es kann kein Zufall sein: Das vierte Gebot ist das erste auf der zweiten Tafel. 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