{"id":9203,"date":"2002-04-07T19:50:02","date_gmt":"2002-04-07T17:50:02","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9203"},"modified":"2025-04-11T14:52:03","modified_gmt":"2025-04-11T12:52:03","slug":"exodus-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/exodus-2017\/","title":{"rendered":"Exodus 20,17"},"content":{"rendered":"<h3>Predigtreihe und Reflexionen zum Dekalog: Das zehnte Gebot | April 2002 | Exodus 20,17 | Reinhard Schmidt-Rost |<\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>sie klingen wie eins, das neunte und das zehnte Gebot &#8211; und sie geh\u00f6ren<\/p>\n<p>sachlich zusammen, und was f\u00fcr das eine zu sagen ist, gilt auch f\u00fcr<\/p>\n<p>das andere.<\/p>\n<p>&#8222;Du sollst nicht begehren deines N\u00e4chsten Haus. Du sollst nicht<\/p>\n<p>begehren deines N\u00e4chsten Frau, Knecht, Magd, Vieh oder alles, was<\/p>\n<p>sein ist.&#8220;<\/p>\n<p>Luther hatte &#8211; auf der Spur des Kirchenvaters Augustinus &#8211; die beiden<\/p>\n<p>Gebote auseinandergenommen, um wieder auf die Zahl zehn zu kommen. Denn<\/p>\n<p>das Bilderverbot, das eigentlich zweite Gebot, hatte man ersatzlos gestrichen,<\/p>\n<p>weil nach der \u00dcberzeugung der alten Christenheit mit Christus das<\/p>\n<p>wahre Bild Gottes auf Erden erschienen war; dadurch galt das alte Bilderverbot<\/p>\n<p>als \u00fcberholt.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Gebote sind wie Z\u00e4une, sie markieren und setzen Grenzen f\u00fcr<\/p>\n<p>die Freiheit. Aber schon diese Feststellung beschreibt eine erste Freiheit:<\/p>\n<p>Denn man kann auf den Zaun schauen oder auf die Weide.<\/p>\n<p>Verbote schrecken ab, der Blick auf den Zaun ist weniger erfreulich.<\/p>\n<p>Also beginnen wir mit der Weide &#8211; und lassen den Zaun erst einmal f\u00fcr<\/p>\n<p>sich stehen.<\/p>\n<p>Beim zehnten Gebot ist dieses Verfahren besonders ertragreich, denn es<\/p>\n<p>handelt vom Alltag. Das normale Leben ist die Weide, die das zehnte Gebot<\/p>\n<p>einz\u00e4unt.<\/p>\n<p>Der Blick auf die eigene Weide aber entdeckt dort m\u00f6glicherweise<\/p>\n<p>viel Gutes:<\/p>\n<p>Lebendiges Leben, die Wohltaten, die dir Gott in deinem Leben gegeben<\/p>\n<p>hat. Vielf\u00e4ltige Gaben, die du bekommen hast:<\/p>\n<p>Die Kraft deines K\u00f6rpers, dein Verstand, dein Ged\u00e4chtnis, dein<\/p>\n<p>Mut, &#8230;<\/p>\n<p>das sind alles hervorragende Voraussetzungen f\u00fcr ein befriedigendes<\/p>\n<p>Leben.<\/p>\n<p>Oder deine Weisheit, deine Fr\u00f6hlichkeit, deine Einf\u00fchlsamkeit,<\/p>\n<p>dein Humor, sind das nicht befreiende Gaben?<\/p>\n<p>Oder deine Zur\u00fcckhaltung, deine stille Geduld, deine Ausdauer, deine<\/p>\n<p>Selbstbeherrschung? Sie sind ein gro\u00dfes Gut, &#8211; und nur auf deiner<\/p>\n<p>Weide zu finden.<\/p>\n<p>Viel gr\u00fcnes Gras hat die Weide innerhalb der Z\u00e4une. Und doch<\/p>\n<p>scheint manchem das Kraut au\u00dferhalb viel verlockender. &#8230;<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich stecken Rind und Schaf ihr Maul auch unter dem Zaun durch,<\/p>\n<p>um die besonders gr\u00fcnen Halme jenseits der Grenze abzurupfen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich schauen Menschen immer wieder auf die Weiden jenseits des<\/p>\n<p>Zaunes, auf die Blumen in Nachbars Garten, nat\u00fcrlich erregt gro\u00dfer<\/p>\n<p>Besitz Neid, ob es sich um die Geh\u00e4lter von Sportlern handelt oder<\/p>\n<p>einfach um die Aufmerksamkeit, die einem anderen Menschen zugewandt wird.<\/p>\n<p>Aufmerksamkeit etwa ist die M\u00fcnze, um die die meisten Gedanken des<\/p>\n<p>Neides kreisen.<\/p>\n<p>Was aber ist am Neid letztlich sch\u00e4dlich? Der Griff \u00fcber den<\/p>\n<p>Zaun, etwas anderes zum eigenen noch zu hinzuzunehmen, macht die Menschen<\/p>\n<p>immer einf\u00f6rmiger &#8230; und damit langweiliger und ungl\u00fccklicher,<\/p>\n<p>Gott aber w\u00fcrde es seine Einzigkeit zu nehmen versuchen, der doch<\/p>\n<p>allein alles in allem ist.<\/p>\n<p>Woher kommt dieser Neid?<\/p>\n<p>Er ist zun\u00e4chst und vor allem eine Folge der Freiheit des Menschen,<\/p>\n<p>ohne Freiheit brauchte es keine Gebote; wenn alles geregelt ist, sind<\/p>\n<p>Regeln \u00fcberfl\u00fcssig.<\/p>\n<p>Sodann aber ist festzustellen: Der Neid hat eine ganz einfache Grundlage:<\/p>\n<p>Jeder Mensch vergleicht, mu\u00df vergleichen. Daran f\u00fchrt kein<\/p>\n<p>Weg vorbei. Um sich in der Welt zu orientieren, sind Vergleiche notwendig.<\/p>\n<p>Ohne Feststellung von Unterschieden keine Orientierung: Hei\u00df und<\/p>\n<p>Kalt, schnell und langsam, eben und absch\u00fcssig zu vergleichen, kann<\/p>\n<p>gelegentlich lebenswichtig sein. Und erst recht die Unterscheidung von<\/p>\n<p>GUT und B\u00d6SE ist unverzichtbar, &#8211; wie immer gerade dieser letzte<\/p>\n<p>Unterschied in einer Gesellschaft festgelegt wird. Davon wird gleich noch<\/p>\n<p>zu reden sein.<\/p>\n<p>Aber zun\u00e4chst noch zum Grunds\u00e4tzlichen: Nicht von ungef\u00e4hr<\/p>\n<p>sind hochdifferenzierte Kulturen auf einem System von Vergleichen aufgebaut,<\/p>\n<p>n\u00e4mlich auf Wissenschaft. Denn Wissenschaft ist nichts anderes als<\/p>\n<p>systematisches Feststellen von Unterschieden. Ob die Chemie die Unterschiede<\/p>\n<p>von Elementen wahrnimmt, die Medizin Unterschiede in der Funktionsf\u00e4higkeit<\/p>\n<p>von Organen feststellt und sie als gesund oder krank qualifiziert, ob<\/p>\n<p>Philosophie oder Psychologie Unterschiede in der Art und Weise des Erkennens<\/p>\n<p>definieren, stets geht es um Vergleiche.<\/p>\n<p>Mit dem allt\u00e4glichen Vergleichen von Natur-Ereignissen ergeben sich<\/p>\n<p>nat\u00fcrlich auch Vergleiche zu anderen Menschen. Mit dem Kr\u00e4ftemessen<\/p>\n<p>hat es vermutlich angefangen; wer durchsetzungsf\u00e4higer ist, wer st\u00e4rker<\/p>\n<p>ist als ein Konkurrent, sei es an K\u00f6rperkraft oder auch an sexueller<\/p>\n<p>Potenz, an Sch\u00f6nheit oder an Besitz.<\/p>\n<p>Aber wie alle wichtigen Elemente des Lebens so hat auch das Unterscheiden,<\/p>\n<p>das man zur Orientierung ganz selbstverst\u00e4ndlich einsetzt, ein Doppelgesicht,<\/p>\n<p>ist ambivalent.<\/p>\n<p>Die Vergleiche sind nicht an sich schon schwierig; aber sie tragen ganz<\/p>\n<p>nat\u00fcrlich den Stachel jeder Konkurrenz in sich, n\u00e4mlich die<\/p>\n<p>Angst vor der Niederlage. Neid ist eine Sicht der Dinge, die aus dem Vergleich<\/p>\n<p>entspringen kann, aber nicht mu\u00df; es ist die Erkenntnis, schlechter<\/p>\n<p>zu sein, weniger zu haben als andere, und die Unf\u00e4higkeit oder fehlende<\/p>\n<p>Bereitschaft, diese Einsicht zu ertragen.<\/p>\n<p>Neid ist also fast unvermeidlich, er ist jedenfalls kein b\u00f6ser Trieb,<\/p>\n<p>sondern er flie\u00dft aus einer Quelle, die f\u00fcr den Menschen lebenswichtig<\/p>\n<p>ist, aus dem Willen sich zu orientieren.<\/p>\n<p>Und trotzdem ist Neid ein Gift. Es vergiftet den Menschen, der ihn empfindet,<\/p>\n<p>macht ihn klein; man sieht scheel, wird verkniffen &#8211; oder wie der Volksmund<\/p>\n<p>sagt: Gr\u00fcn oder Gelb vor Neid. Neid kann b\u00f6se machen, davon<\/p>\n<p>erz\u00e4hlen die M\u00e4rchen, etwa von Schneewittchens Stiefmutter,<\/p>\n<p>die ihre Stieftochter um ihre jugendliche Sch\u00f6nheit beneidete.<\/p>\n<p>Dieser Wirkung des Neides wirkt das zehnte Gebot entgegen: La\u00df<\/p>\n<p>Dich nicht kleinmachen von Deinem Herzen, versuche gro\u00dfherzig zu<\/p>\n<p>sein.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>nun ist das 10. Gebot aber zum Schutz der Gemeinschaft formuliert, &#8211; und<\/p>\n<p>nicht zuerst zur pers\u00f6nlichen, moralischen Verbesserung des einzelnen.<\/p>\n<p>Es sollte in Gemeinschaften und Gruppen, ja in der ganzen Volksgemeinschaft<\/p>\n<p>Israels die Lebensbedingungen bewahren und verbessern.<\/p>\n<p>Verhindern sollte dieses Gebot, dass sich die unvermeidlichen Vergleiche<\/p>\n<p>zum Konkurrenzkampf und damit m\u00f6glicherweise zu einer Kraft entwickelten,<\/p>\n<p>die das Volk zerst\u00f6ren k\u00f6nnte. Die Erz\u00e4hlung von Kain und<\/p>\n<p>Abel ist die p\u00e4dagogische Basisgeschichte im Alten Testament, mit<\/p>\n<p>der die weisen Lehrer des Volkes von der zerst\u00f6rerischen Form von<\/p>\n<p>Vergleichen abzuhalten versuchten, auch der Turmbau zu Babel ist eine<\/p>\n<p>solche Geschichte f\u00fcr Eltern und Lehrer.<\/p>\n<p>So diente auch das 10. Gebot dem Bestand des ganzen Volkes.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>nun ist aber doch noch davon zu reden, dass nicht in allen Gesellschaften<\/p>\n<p>das Gleiche als gut und b\u00f6se, als n\u00fctzlich und sch\u00e4dlich<\/p>\n<p>gilt. Die Gesellschaft, in der wir leben, ist \u00fcber dieses Gebot teilweise<\/p>\n<p>hinweggegangen; das zehnte Gebot ist weithin ins Privatleben gedr\u00e4ngt<\/p>\n<p>worden; in der Familie wird noch gegen Neid erzogen, &#8211; aber ist das noch<\/p>\n<p>n\u00fctzlich, schw\u00e4chen wir unsere Kinder, wenn wir ihnen Konkurrenzgedanken<\/p>\n<p>und Neid verbieten?<\/p>\n<p>Zwar ist es weiterhin nicht besonders akzeptiert, wenn einer seinen<\/p>\n<p>Neid allzu \u00f6ffentlich zeigt, tats\u00e4chlich aber lebt unser Wirtschaftssystem<\/p>\n<p>von einer Art Neid, &#8211; und sch\u00fcrt ihn: Der Vergleich, was andere besitzen<\/p>\n<p>und was ich selbst besitze, ist nicht nur salonf\u00e4hig geworden, er<\/p>\n<p>geh\u00f6rt f\u00fcr viele Menschen zum allt\u00e4glichen Leben dazu.<\/p>\n<p>Die Werbung ist der Wirtschaftszweig, der mir t\u00e4glich vorh\u00e4lt,<\/p>\n<p>was ich noch nicht besitze, was aber sch\u00f6n w\u00e4re, wenn ich es<\/p>\n<p>h\u00e4tte, und was andere vielleicht schon haben.<\/p>\n<p>Auch die Interessengemeinschaften verschiedenster Berufsgruppen sch\u00fcren<\/p>\n<p>den Neid auf den Besitz anderer, machen mit Neid ihre Politik.<\/p>\n<p>Ist der Neid also zu einem positiven, oder wenigstens zu einem n\u00fctzlichen<\/p>\n<p>Gef\u00fchl geworden? Sch\u00f6n ist er weiterhin nicht, aber &#8211; wie es<\/p>\n<p>scheint &#8211; n\u00fctzlicher, so wie unsere Gesellschaft sich entwickelt<\/p>\n<p>hat: Der Blick auf die Weide des Nachbarn, ist fast zur t\u00e4glichen<\/p>\n<p>Pflicht\u00fcbung geworden. Seine zerst\u00f6rerische Kraft hat der Neid<\/p>\n<p>allerdings nicht verloren. Neid entzweit; aber genau das will Werbung<\/p>\n<p>wie Interessenpolitik: Die Unterschiede hervorheben &#8211; um sie dann einzuebnen.<\/p>\n<p>Es soll nat\u00fcrlich alles sozial vertr\u00e4glich bleiben; die Gesellschaft<\/p>\n<p>soll dar\u00fcber nicht zerfallen, aber Neid ist ein wichtiges Instrument<\/p>\n<p>des Marktes. Skeptiker sehen darin ein Spiel mit dem Feuer, wie das Wirtschaftssystem<\/p>\n<p>des Marktes weltweit betrachtet Neid erzeugt. Auch wenn man sich dar\u00fcber<\/p>\n<p>kein Urteil erlaubt, weil man kein Fachmann der Wirtschaft ist, schwierig<\/p>\n<p>ist in jedem Fall gerade diese Undurchschaubarkeit der Zusammenh\u00e4nge.<\/p>\n<p>Vielleicht ist das 10. Gebot in seiner alten Fassung noch zu sehr auf<\/p>\n<p>die unmittelbare Nachbarschaft ausgerichtet, als das es das weltweite<\/p>\n<p>Zusammenleben noch regeln k\u00f6nnte. Aber dann m\u00fc\u00dfte es modernisiert<\/p>\n<p>werden.<\/p>\n<p>Jesus Christus hat in der Bergpredigt die alten Gebote einer Modernisierung<\/p>\n<p>unterzogen: Ihr habt geh\u00f6rt, dass zu den Alten gesagt ist, &#8230;. Ich<\/p>\n<p>aber sage euch. hat sie versch\u00e4rft, wie oft gesagt wird, tats\u00e4chlich<\/p>\n<p>aber hat er die Gebote der V\u00e4ter modernisiert:<\/p>\n<p>Das T\u00f6tungsverbot hat er in ein Gebot zu uneingeschr\u00e4nkter Vers\u00f6hnungsbereitschaft<\/p>\n<p>verwandelt (Mt. 5, 21-26);<\/p>\n<p>das Verbot einen Meineid zu schw\u00f6ren, in die Forderung uneingeschr\u00e4nkter<\/p>\n<p>Wahrhaftigkeit: &#8222;Eure Rede sei: Ja, ja; nein nein. Was dar\u00fcber<\/p>\n<p>ist, das ist vom \u00dcbel. (Mt. 5, 37)<\/p>\n<p>Das Gebot der Vergeltung: &#8222;Auge um Auge, Zahn um Zahn.&#8220; in das<\/p>\n<p>&#8211; immer noch so anst\u00f6\u00dfige Gebot, dem B\u00f6sen nicht zu widerstehen.<\/p>\n<p>&#8222;Wenn dich jemand auf die rechte Backe schl\u00e4gt, dem halte die<\/p>\n<p>andere auch hin.&#8220; (Mt. 5, 39)<\/p>\n<p>Welche Modernisierung k\u00f6nnte in unserer Zeit der Privatisierung<\/p>\n<p>der Gebote diese so erneuern, dass sie in unserer &#8222;Begehrensgesellschaft&#8220;<\/p>\n<p>als zeitgem\u00e4\u00df empfunden werden?<\/p>\n<p>Es entspricht sicher dem Geist der Bibel, die \u00fcber die Sch\u00f6nheit<\/p>\n<p>der Welt und \u00fcber die Kraft des Menschen staunt, wenn auch wir uns<\/p>\n<p>auf unsere Weide besinnen:<\/p>\n<p>Schau auf die F\u00fclle Deiner Gaben &#8211; \u00fcbersieh nicht, was Du hast,<\/p>\n<p>mit Leib und Leben, Kopf und Herz.<\/p>\n<p>Und schau auf die Weiden Deiner Nachbarn mit Sorge, nicht ob Du zu kurz<\/p>\n<p>kommst, sondern mit F\u00fcrsorge, ob ihnen etwas fehlt, womit Du ihnen<\/p>\n<p>helfen k\u00f6nntest. Du wirst dann auch merken, wo Du denen helfen kannst,<\/p>\n<p>denen es nicht so gut geht wie Dir; und wenn es Dir schlecht geht, wirst<\/p>\n<p>Du vielleicht auch merken, dass es immer wieder Menschen gibt, die bereit<\/p>\n<p>sind, Dir zu helfen, weil sie f\u00fcr die Gaben, die sie haben, dankbar<\/p>\n<p>sind.<\/p>\n<p>Die Hoffnung Jesu f\u00fcr die Menschen aber geht noch weiter: Das Gebot,<\/p>\n<p>der Zaun, der ein Instrument gegen den Neid war, kann zur Leitplanke der<\/p>\n<p>Liebe werden, der Blick \u00fcber den Zaun zur lebensnotwendigen Verbindung<\/p>\n<p>der unterschiedlichen Lebensbedingungen auf einer f\u00fcr den einzelnen<\/p>\n<p>un\u00fcberschaubaren und doch so kleingewordenen Welt.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><b>Noch einige zus\u00e4tzliche \u00dcberlegungen zum 10. Gebot: <\/b><\/p>\n<p>&#8222;W\u00e4hrend Ethik und Moral sich mit der Frage menschlichen Handelns<\/p>\n<p>besch\u00e4ftigen, macht Religion deutlich, dass der Mensch sein Handeln<\/p>\n<p>nur dann verantworten kann, wenn er sich seiner Grenzen bewu\u00dft ist.<\/p>\n<p>Die Grenzen ergeben sich aus einer den einzelnen Akteur transzendierenden<\/p>\n<p>Wirklichkeit.&#8220; (Wolfgang Huber, Kirche in der Zeitenwende, 10)<\/p>\n<p>Aus Nigeria wird berichtet, eine Frau sei zum Tode verurteilt worden,<\/p>\n<p>weil sie von einem verheirateten Mann ein Kind bekommen habe, nachdem<\/p>\n<p>er sie zum Geschlechtsverkehr gezwungen hatte.<\/p>\n<p>Hierzulande wird aus dem Begehren des n\u00e4chsten Weibes ein bunter<\/p>\n<p>Strau\u00df von Geschichten produziert und wohlfeil verkauft. Oft ist<\/p>\n<p>es auch ein Begehren des Mannes meiner N\u00e4chsten, aber das spielt<\/p>\n<p>dann auch keine gro\u00dfe Rolle mehr. Auch der Neid auf die Reichen<\/p>\n<p>wird in solchen Zeitschriften und auch sonst \u00f6ffentlich eifrig gepflegt.<\/p>\n<p>Zwischen solchen extremen Positionen steht das 10. Gebot, nur &#8211; welchem<\/p>\n<p>Pol steht es n\u00e4her? Klingt es dem archaisch anmutenden Brauch der<\/p>\n<p>Scharia nicht sehr verwandt, denn die Frau wird im Wortlaut dieses Gebotes<\/p>\n<p>wie eine Sache behandelt; das Haus ist wichtiger als die Frau! Oder rechnet<\/p>\n<p>es mit der Vielfalt des Begehrens, die auf dem Markt der modernen Gesellschaft<\/p>\n<p>l\u00e4ngst salonf\u00e4hig geworden ist?<\/p>\n<p>Es ist sicher nicht unsere Aufgabe, \u00fcber die Br\u00e4uche anderer<\/p>\n<p>Kulturen zu richten, ob zu anderen Zeiten oder in der Gegenwart.<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Prof. Dr. Reinhard Schmidt-Rost, Bonn<br \/>\n<\/b><\/p>\n<p>Professor f\u00fcr Praktische Theologie und Universit\u00e4tsprediger an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universit\u00e4t<br \/>\n<a href=\"r.schmidt-rost@uni-bonn.de\">E-Mail: r.schmidt-rost@uni-bonn.de<\/a><\/p>\n<p><noscript><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1\" height=\"1\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=1&amp;bn=neukirch&amp;f=dekalog-pr-schmidtrost.html&amp;r=r1\"\/><\/noscript><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigtreihe und Reflexionen zum Dekalog: Das zehnte Gebot | April 2002 | Exodus 20,17 | Reinhard Schmidt-Rost | Liebe Gemeinde, sie klingen wie eins, das neunte und das zehnte Gebot &#8211; und sie geh\u00f6ren sachlich zusammen, und was f\u00fcr das eine zu sagen ist, gilt auch f\u00fcr das andere. &#8222;Du sollst nicht begehren deines N\u00e4chsten [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8543,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5,1,2,727,157,853,999,114,686,349,109,126,183],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-9203","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-exodus","category-aktuelle","category-at","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-dekalog","category-deut","category-kapitel-20-chapter-20-exodus","category-kasus","category-predigten","category-predigtreihen","category-reinhard-schmidt-rost"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9203","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9203"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9203\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22639,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9203\/revisions\/22639"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8543"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9203"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9203"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9203"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=9203"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=9203"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=9203"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=9203"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}