{"id":9205,"date":"2002-03-07T19:49:59","date_gmt":"2002-03-07T18:49:59","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9205"},"modified":"2025-04-23T08:37:44","modified_gmt":"2025-04-23T06:37:44","slug":"exodus-20-17","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/exodus-20-17\/","title":{"rendered":"Exodus 20, 17"},"content":{"rendered":"<h3>Predigtreihe zum Dekalog \u2013 das neunte Gebot | M\u00e4rz 2002 | Exodus 20,17 | Jan Szarek |<\/h3>\n<p><b><span style=\"color: #000099;\">Das neunte Gebot &#8211; Du sollst nicht begehren deines N\u00e4chsten Haus.<\/span><\/b><\/p>\n<p>Der heutige Mensch, wie uns die Psychologen sagen, ist den Trieben unterstellt,<br \/>\ndiese sind auch der Motor unseres Handelns. Begehren, Lust, und Neid beherrschen<br \/>\nunsere Gedankenwelt und treiben uns durch unser ganzes Leben. Wir m\u00fcssen<br \/>\nuns heute fragen &#8211; k\u00f6nnen wir noch die Schaufenster ansehen ohne<br \/>\ndie vielen Verbrauchsg\u00fcter zu begehren? Oder sind wir nicht neidisch<br \/>\ngegen\u00fcber unseren Arbeitskollegen oder dem Nachbar, der gerade ein<br \/>\nneues Auto oder ein Haus gekauft hat? Wenn diese Triebe von den Psychologen<br \/>\ngerechtfertigt sind, dann ist dieses Gebot ein unm\u00f6gliches Gesetz,<br \/>\nes geht gegen menschliche Natur.<br \/>\nAndererseits wissen wir aber, dass diese Triebe eine zerst\u00f6rische<br \/>\nWirkung haben, sie k\u00f6nnen zu schlaflosen N\u00e4chten f\u00fchren<br \/>\nund unsere Gedankenwelt kaputt machen.<\/p>\n<p>II<br \/>\nWas dann geschieht, sehen wir am Beispiel des israelitischen K\u00f6nigs<br \/>\nAhab. Die Bibel berichtet uns, dass er auf seinem Lager liegt &#8211; finster,<br \/>\nm\u00fcrrisch und verdrossen. Was ist geschehen? Er hat seinem Nachbarn<br \/>\nNabot angeboten, dass er ihm seinen Weinberg mit Silber aufwiegen oder<br \/>\nihm ein anderes, n\u00e4heres Grundst\u00fcck daf\u00fcr geben wolle,<br \/>\nweil der Weinberg in seiner N\u00e4he lag und er ihn begehrt hatte. Aber<br \/>\nNabot weigerte sich, das Erbe seiner V\u00e4ter zu verkaufen. Da trat<br \/>\ndie Frau des K\u00f6nigs Jesebel zu ihm und sprach: Ich will dir den Weinberg<br \/>\nverschaffen. Und stellte falsche Zeugen auf, und Naboth wurde gesteinigt,<br \/>\nund der Weinberg wurde des K\u00f6nigs Eigentum.<\/p>\n<p>Ja, so ist es immer in unserer Welt: Was man nicht hat, das eben br\u00e4uchte<br \/>\nman, und was man hat, kann man nicht gebrauchen! Das ist der Fluch der<br \/>\nb\u00f6sen Lust oder Begierde. Diese Triebe bewirken, dass du nicht mehr<br \/>\nfroh werden kannst, weil es deinem Nachbarn besser geht.<\/p>\n<p>Wir Menschen haben in der Geschichte nachgewiesen, dass wir sehr erfinderisch<br \/>\nsind, wenn es um die Aus\u00fcbung unser Triebe geht. Diese k\u00f6nnen<br \/>\ndes N\u00e4chsten Leib und Leben, sein Eigentum, seinen guten Namen zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p>M. Luther, gerade im Hinblick auf dieses Handeln und solche klugen Praktiken,<br \/>\nkann im Grossen Katechismus sagen, dieses Gebot sei &#8222;nicht f\u00fcr<br \/>\ndie b\u00f6sen Buben&#8230;, sondern f\u00fcr die Frommen gestellt, die da<br \/>\nwollen gelobt sein, redlich und aufrichtige Leute hei\u00dfen, die wider<br \/>\ndie vorigen Gebote nichts verschulden&#8220;.<\/p>\n<p>Es gibt immer noch Christen die nur einen Teil der Gebote halten oder<br \/>\ndiese sehr oberfl\u00e4chlich nehmen. Oft k\u00f6nnen wir h\u00f6ren :<br \/>\nIch habe niemanden get\u00f6tet! Ich glaube doch an Gott! \u00c4hnliche<br \/>\nM\u00f6glichkeiten zur Ausrede hatten auch die Juden.<\/p>\n<p>III<br \/>\nUnser Herr Jesus in seiner Bergpredigt nimmt die Gebote ernst, und seine<br \/>\nAuslegung ist radikal, das hei\u00dft, von der Wurzel her, und unerh\u00f6rt<br \/>\nmodern erweitert und versch\u00e4rft. So genau kennt Er den Menschen.<br \/>\nAn dieser Stelle ruft er uns zu: Gottes Gebot steht so hoch \u00fcber<br \/>\ndir, du musst an ihm scheitern. F\u00fcr Christus findet die S\u00fcnde<br \/>\ndes Menschen nicht erst mit der Tat, sondern schon im Wunsch und Willen<br \/>\nstatt. Die Bibel sagt uns: &#8222;das Dichten und Trachten des menschlichen<br \/>\nHerzens ist b\u00f6se von Jugend auf&#8220;. (Mose 8,21). Die Heilige Schrift<br \/>\nerw\u00e4hnt zweimal die Lust neben dem Mord, Zorn, Streit und Ehebruch.<br \/>\nDas Urteil ist ernst: &#8220; aus dem Herzen der arge Gedanke &#8220; (Mt.15,19).<\/p>\n<p>Wir alle kennen dieses Begehren, den Neid und Lust die unser Handeln<br \/>\ntreibt. Dieses furchtbare, das Menschenherz zerqu\u00e4lende und zerfleischende<br \/>\nUnget\u00fcm stellt sich auf deinen Lebensweg und l\u00e4sst dir alles<br \/>\ndas gering erscheinen, was du hast, und alles gro\u00df, was dir fehlt!<br \/>\nEs gibt auch schlaflose N\u00e4chte, \u00e4hnlich wie der K\u00f6nig David<br \/>\nerlebt hat nachdem er die Frau des Urias begehrt hatte.<\/p>\n<p>Der Neid kann sich auch auf unseren Gesichtern auspr\u00e4gen. Wei\u00dft<br \/>\ndu, wie Neid den Menschen innerlich herunterbringt und \u00e4u\u00dferlich<br \/>\nabmagert? Schlie\u00dflich kann er sogar unser Verh\u00e4ltnis mit Gott<br \/>\nzerst\u00f6ren. Hast du es schon an dir erfahren, wie man unter diesem<br \/>\nschn\u00f6den Feind leidet?<\/p>\n<p>Von diesen schlechten Trieben ist niemand frei, jeder wird versucht,<br \/>\nwenn er von der Gottwidrigkeit der Lust in seinem Herzen gelockt wird.<br \/>\nDieses Unkraut s\u00e4t der alte Verf\u00fchrer selbst in deine Seele.<br \/>\nWehe, wenn es aufgeht, dann beginnt die S\u00fcndenlawine zu rollen. Die<br \/>\nS\u00fcnde findet zuerst in den Gedanken und im &#8222;Herzen&#8220; des<br \/>\nMenschen statt, und dann in der Tat. Der Apostel Jakobus warnt uns und<br \/>\nspricht: Danach, wenn die Begierde empfangen hat, gebiert sie die S\u00fcnde:<br \/>\ndie S\u00fcnde aber, wenn sie vollendet ist gebiert den Tod&#8220; (Jk.1,15).<br \/>\nJeder von uns muss erkennen, wer er in Wahrheit ist. Wenn das nicht geschieht,<br \/>\nso kann uns nicht geholfen werden.<\/p>\n<p>IV<br \/>\nWenn nun diese b\u00f6se Lust sich m\u00e4chtig in deiner Seele regt und<br \/>\ndein Gebetsleben verhindert und deine Arbeit belastet und dich nimmer<br \/>\nfroh werden l\u00e4st, dann rede mit deinem Gott, dann geht dir wieder<br \/>\nder Morgenstern auf!<\/p>\n<p>Es gibt kein anderes Mittel gegen die b\u00f6se Lust, gegen die harte<br \/>\nGier, gegen das Leben verzehrenden Neid als das S\u00fcndenbekenntnis<br \/>\nvor Gott, dann kann erst dein Herz und deine Gedankenwelt gereinigt werden.<\/p>\n<p>Wenn du schon einmal beim Zahnarzt warst, dann wei\u00dft du, dass eine<br \/>\nWurzelbehandlung nicht gerade zum Angenehmsten geh\u00f6rt, was einem<br \/>\ndort widerfahren kann. Und doch weisst du auch, dass eine solche Wurzelbehandlung<br \/>\nje und je n\u00f6tig ist, um die Z\u00e4hne gesund zu halten.<br \/>\nAuch das 9 Gebot ist eine Art Wurzelbehandlung. Sie ist auch nicht besonders<br \/>\nangenehm, aber n\u00f6tig, wenn unser ganzes Leben gesund bleiben soll.<br \/>\nEs ist, als ob der Geist Gottes hier den Bohrer ansetzen w\u00fcrde, um<br \/>\ndie innerste Wurzel blo\u00dfzulegen. Und wir entdecken voll Schrecken<br \/>\nden F\u00e4ulnisherd in unserem Herzen, der unser ganzes Leben vergiftet.<br \/>\nWir fragen uns selber, ist denn wirklich die Begierde die letzte verborgene<br \/>\nWurzel jeder S\u00fcnde und jedes Ungehorsams?<\/p>\n<p>Der Apostel Jakobus sagt in seinem Brief: &#8222;..ein jeder der versucht<br \/>\nwird, wird von seinen eigenen Begierden gereizt und gelockt. Danach, wenn<br \/>\ndie Begierde empfangen hat, gebiert sie die S\u00fcnde; die S\u00fcnde<br \/>\naber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.&#8220;<\/p>\n<p>Welch unheimliche Verderbenskette, in der ein Glied am andren h\u00e4ngt:<br \/>\nGel\u00fcste, Begierde &#8211; S\u00fcnde &#8211; Tod! Eins folgt mit zwingender Logik<br \/>\naus dem anderen. Mit dem Begehren f\u00e4ngst an, mit der S\u00fcnde geht&#8217;s<br \/>\nweiter, und es endet mit dem Tod.<\/p>\n<p>Welch unheimliche Macht ist doch das Begehren in unserem Menschenleben!<br \/>\nNicht dass du etwas stehlen w\u00fcrdest, was dir nicht geh\u00f6rt, aber<br \/>\nes ist so ein stilles Verlangen in deinem Herzen.<\/p>\n<p>Ja das Unkraut muss entfernt werden, wir wissen, wie nutzlos es ist,<br \/>\nnur die Stauen und Bl\u00e4tter ab zureisen. So lange die Wurzel im Boden<br \/>\nbleibt, hilft es gar nicht. Die Wurzel ist muss heraus!<\/p>\n<p>V<br \/>\nWie kann ich aus diesem Teufelskreis heraus kommen?<br \/>\nEs gibt nur einen Weg in die Freiheit und zwar zur\u00fcck zum 1 Gebot,<br \/>\nzu deinem Gott, nur Er kann uns helfen. Er offenbarte seine Liebe zu uns<br \/>\nin seinem Sohn Jesus Christus. Dieser zeigt uns nicht nur, wo und wie<br \/>\nwir zu j\u00e4ten haben. Christus bindet sich selbst den G\u00e4rtnerschurz<br \/>\num. Er kniet hinein in das Unkraut deines Leben. Seine H\u00e4nde werden<br \/>\nschmutzig und blutig. Er hilft j\u00e4ten und wird nicht m\u00fcde. Nur<br \/>\nmit Christus und seiner Hilfe k\u00f6nnen wir wieder stehen.<br \/>\n&#8222;Die aber Christus angeh\u00f6ren, die haben ihr Fleisch gekreuzigt<br \/>\nsamt den L\u00fcsten und Begierden&#8220;(Gal.5,24) sagt Paulus.<\/p>\n<p>Jetzt siehst du den Ort, wo alle L\u00fcste und Begierden hingeh\u00f6ren<br \/>\n&#8211; das Kreuz Jesu Christi ist dieser Ort. Dorthin geh\u00f6ren alle Unkrautwurzeln,<br \/>\ndeine S\u00fcnden, auch alle Begierden.<br \/>\nWir sind heute gefragt, ob wir bereit sind, alle unsere S\u00fcnden an<br \/>\ndiesem Platz abzulegen. Christus hat dort f\u00fcr uns alle die Vergebung<br \/>\nund Freiheit bereitet. Nur auf diesem Weg kommen wir wieder zum 1. Gebot<br \/>\nzur\u00fcck und Gott wird unser Herr, dann werden wir wieder Gott \u00fcber<br \/>\nalle Dinge f\u00fcrchten, lieben und vertrauen. Ja, das 1. Gebot muss<br \/>\nin unserem Leben &#8220; leuchten, es strahlt \u00fcber die anderen &#8220;<br \/>\nsagt M.Luther.<\/p>\n<p>VI<br \/>\nUnser Gott redet hier im 9 Gebot ganz praktisch : &#8222;Du sollst nicht<br \/>\nbegehren deines N\u00e4chsten Haus &#8222;. Das ist alles, was man sich<br \/>\nunter dem Begriff Haus vorstellen kann.<br \/>\nM.Luther gibt uns in jeder Erkl\u00e4rung zu den Geboten eine Aufgabe:<br \/>\n&#8222;Wir sollen Gott f\u00fcrchten und lieben, dass wir nicht mit List<br \/>\nnach dem N\u00e4chsten Erbe oder Hause stehen,&#8230;sondern ihm dasselbige<br \/>\nzu behalten f\u00f6rderlich und dienstlich sein.&#8220;<\/p>\n<p>Und nun schweige in dir Missgunst, Neid, heimliche Lust, es schwinde<br \/>\nder giftige, scheele Blick und das Auge, das sauer und hart sieht! Und<br \/>\ndu lernst: das Wesen der Gemeinschaft besteht nicht darin, dass man einander<br \/>\nbeneidet, sondern dass man sich an des N\u00e4chsten Gl\u00fcck freut<br \/>\nund erquickt.<\/p>\n<p>Das Gesangbuch enth\u00e4lt ein Lied von Paul Gerhart : &#8222;Gib dich<br \/>\nzufrieden und sei stille in dem Gott&#8230;&#8220; Die Strophen dieses Liedes<br \/>\nsind eine gute Meditation \u00fcber die \u00dcberwindung des Neides.<\/p>\n<p>Es gibt ja in der Bibel auch ein Begehren, an dem Gott Freude hat. Der<br \/>\nZ\u00f6llner Zach\u00e4us ist ein Beispiel daf\u00fcr. Er begehrte, Jesus<br \/>\nzu sehen, auch die Volksmenge zur Zeit Jesus je und je in die W\u00fcste<br \/>\nhinausgelockt, hatte dasselbe Begehren, Jesus zu sehen.<br \/>\nWo die Wurzel der falschen Begehrlichkeit herausgenommen ist, da bekommt<br \/>\nein neues, heiliges Begehren Raum, das Begehren nach Gott, das Verlangen<br \/>\nnach dem Reich Gottes, nach seiner Gerechtigkeit Gemeinschaft, nach seinem<br \/>\nFrieden und Heil.<br \/>\nWo Liebe aufbricht und das Leben zu gestalten beginnt, da ist Gottes Reich<br \/>\nangebrochen.<br \/>\nDas ist der Anfang eines neuen Leben, in unseren Familien in der Schule<br \/>\nund in den Betrieben.<\/p>\n<p>Vor uns sind zwei Wege, zwei einander gegen\u00fcberstehenden Ketten:<br \/>\nBegierde &#8211; S\u00fcnde &#8211; Tod, dieser Weg f\u00fchrt ins Verderben. Und<br \/>\nder andere Weg Begehren nach Gottes Reich &#8211; Liebe &#8211; Leben f\u00fchrt zur<br \/>\nGott.<br \/>\nDie Gebote Gottes dienen nicht dazu, dich zu beschweren, sie sind ein<br \/>\nZeichen der Liebe Gottes f\u00fcr dich, Er will dich heilen und erl\u00f6sen.<br \/>\n&#8222;Heute wenn ihr seine Stimme h\u00f6ren werdet, so verstockt eure<br \/>\nHerzen nicht&#8220; spricht unser Gott.(Heb.3,7-8.).<br \/>\nDein Herr und Gott wartet auf deine Antwort.<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Bischof i R. D. Jan Szarek<br \/>\nul. Starobielska 13<br \/>\n43-300 Bielsko-Biala<br \/>\nPolen<br \/>\n<a href=\"mailto:luter2@a4.pl\">E-Mail: luter2@a4.pl<\/a><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigtreihe zum Dekalog \u2013 das neunte Gebot | M\u00e4rz 2002 | Exodus 20,17 | Jan Szarek | Das neunte Gebot &#8211; Du sollst nicht begehren deines N\u00e4chsten Haus. 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