{"id":9206,"date":"2002-02-07T19:49:57","date_gmt":"2002-02-07T18:49:57","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9206"},"modified":"2025-04-23T14:30:05","modified_gmt":"2025-04-23T12:30:05","slug":"exodus-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/exodus-2015\/","title":{"rendered":"Exodus 20,15"},"content":{"rendered":"<h3>Predigtreihe zum Dekalog \u2013 das siebte Gebot | Februar 2002 | Exodus 20,15 | Dorothea Zager |<\/h3>\n<p><b>&#8222;Du sollst nicht stehlen.&#8220; (Ex 20,15)<\/b><\/p>\n<p align=\"center\"><b>I. W\u00fcnsche<\/b><\/p>\n<p>Das erste, was ein neugeborenes Kind laut und deutlich \u00e4u\u00dfert,<br \/>\nsind seine W\u00fcnsche: Ich will ins Warme, ich will etwas trinken, ich<br \/>\nwill meine Ruhe. Das ist sein erster Schrei. Und der erste Schrei des<br \/>\nMenschen also ist bereits ein Schrei seiner Unzufriedenheit und ein Schrei<br \/>\nseiner W\u00fcnsche.<\/p>\n<p>Welch ein Gl\u00fcck f\u00fcr eine Mutter, wenn sie ihrem Kind geben<br \/>\nkann, wonach es so lautstark verlangt: W\u00e4rme und Geborgenheit, eine<br \/>\nsch\u00fctzende Hand \u00fcber die geblendete \u00c4uglein und der erste<br \/>\nSchluck Milch aus Mutters Brust. Frieden kehrt ein in das kleine Wesen.<br \/>\nUnd begl\u00fcckt schl\u00e4ft es zum ersten Mal ein.<\/p>\n<p>Jenes erste menschliche Verlangen, liebe Gemeinde, ist der Beginn eines<br \/>\nMenschenlebens, wie es jeder kennt: ein Leben voller W\u00fcnsche, voller<br \/>\nTr\u00e4ume und voller Ziele. Zun\u00e4chst werden es nur kleine Sachen<br \/>\nsein, die sich das Menschlein w\u00fcnscht: eine Spieluhr, ein Lutscher,<br \/>\neine elektrische Eisenbahn. Dann aber werden mit den Kindern auch die<br \/>\nW\u00fcnsche gr\u00f6\u00dfer &#8211; und schwerer zu erf\u00fcllen. T-Shirts<br \/>\nund Jeans, die nicht nur &#8222;no name&#8220; sind, eine vern\u00fcnftige<br \/>\nStereoanlage, einen Computer, ein Skateboard, das erste eigene Auto, die<br \/>\nerste kleine Wohnung &#8230; und es nimmt kein Ende.<\/p>\n<p>Welch ein Gl\u00fcck f\u00fcr Eltern, wenn sie ihren Kindern geben k\u00f6nnen,<br \/>\nwonach ihr Herz sich so sehnt.<\/p>\n<p>Welch ein Gl\u00fcck aber f\u00fcr Kinder, wenn die Eltern fr\u00fchzeitig<br \/>\nlernen, W\u00fcnsche nicht zu erf\u00fcllen und nein zu sagen.<\/p>\n<p>Das klingt vielleicht paradox &#8211; birgt aber eine gro\u00dfe Weisheit.<br \/>\nJeder von uns wei\u00df: W\u00fcnsche nehmen unser Leben lang kein Ende!<br \/>\nEiner, der viele unserer menschlichen Eigenheiten und Schrullen, wohl<br \/>\nhumorig aber auch zielgenau beschreiben k\u00f6nnte &#8211; n\u00e4mlich Wilhelm<br \/>\nBusch, sagt das so:<\/p>\n<p align=\"center\">&#8222;Wonach Du sehnlichst ausgeschaut,<br \/>\nes wurde dir beschieden.<br \/>\nDu triumphierst und jubelst laut:<br \/>\nJetzt hab&#8216; ich endlich Frieden.<br \/>\nAch Freundchen, rede nicht so wild,<br \/>\nbez\u00e4hme Deine Zunge.<br \/>\nEin jeder Wunsch, wenn er erf\u00fcllt,<br \/>\nkriegt augenblicklich Junge.&#8220;<\/p>\n<p>Welch ein Gl\u00fcck also f\u00fcr uns, wenn wir uns oder uns gegenseitig<br \/>\nW\u00fcnsche erf\u00fcllen k\u00f6nnen. Denn jeder wei\u00df, wie sch\u00f6n<br \/>\nes ist, wenn W\u00fcnsch sich erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Welch ein Gl\u00fcck aber auch f\u00fcr uns, wenn W\u00fcnsche einmal<br \/>\nnicht in Erf\u00fcllung gehen! Denn auch das wei\u00df jeder: auf ein<br \/>\nZiel hin leben, sich auf die Erf\u00fcllung eines Wunsches freuen, ist<br \/>\nfast noch sch\u00f6ner als die Erf\u00fcllung selbst.<\/p>\n<p>Schon im 18. Jahrhundert schrieb Claude-Adrien Helv\u00e9tius ein Buch<br \/>\nmit dem Titel &#8222;Vom Menschen, von seinen geistigen F\u00e4higkeiten<br \/>\nund von seiner Erziehung&#8220;. Und eine ganz zentrale Erkenntnis schreibt<br \/>\ner mit den einfachsten Worten der Welt: &#8222;Der Mensch braucht W\u00fcnsche.&#8220;<br \/>\n(CLAUDE-ADRIEN HELV\u00c9TIUS, Vom Menschen, von seinen geistigen F\u00e4higkeiten<br \/>\nund von seiner Erziehung, Nachdr. Berlin\/Weimar 1976, S. 128.)<\/p>\n<p align=\"center\"><b>II. Eigentum<\/b><\/p>\n<p>Der Mensch muss zum einen lernen, dass er nicht alles haben kann. Es<br \/>\ngibt Besitzverh\u00e4ltnisse und Eigentumsrechte, es gibt meine Sachen<br \/>\nund Deine Sachen, unsere gemeinsamen Sachen und eben die Sachen anderer<br \/>\nLeute, die uns nicht geh\u00f6ren. Wenn ich mich recht an die Zeit der<br \/>\nErziehung unserer Kinder erinnere, was das eines der ersten Dinge, die<br \/>\nsie lernen mussten: Nicht alles geh\u00f6rt dir. Und Dinge, die anderen<br \/>\ngeh\u00f6ren, darfst Du Dir nicht nehmen.<\/p>\n<p>So ist das siebte Gebot &#8222;Du sollst nicht stehlen.&#8220; &#8211; so selbstverst\u00e4ndlich<br \/>\nund einfach es in unserer Ohren klingt, eines der grundlegendsten Regeln<br \/>\nf\u00fcr unser Zusammenleben.<\/p>\n<p><b>Das Gebot &#8222;Du sollst nicht stehlen!&#8220; ist der Ruf zum Respekt<br \/>\nvor dem Eigentum des anderen.<\/b><\/p>\n<p>Gott hat uns vieles gegeben auf unserer Welt, was uns allen geh\u00f6rt:<br \/>\nDas Sonnenlicht und den Regen, den Wechsel der Jahreszeiten, Saat und<br \/>\nErnte, das saubere Wasser und die klare Luft, den Wald und die Felder,<br \/>\ndie Bodensch\u00e4tze und den Reichtum an Tieren und Pflanzen.<\/p>\n<p>Aber schon hier wird deutlich: Nicht alles geh\u00f6rt und allen. Die<br \/>\neinen bewirtschaften das Land, andere zahlen f\u00fcr das Korn. Die einen<br \/>\nernten im Weinberg, die anderen bezahlen f\u00fcr den Wein. Die einen<br \/>\nhalten sich Tiere, andere kaufen Fleisch und Fell, Leder, Milch und K\u00e4se.<br \/>\nDass Gott uns beschenkt hat mit vielen verschiedenen Gaben und Dingen,<br \/>\nAufgaben und Begabungen, das f\u00fchrt dazu, dass es Besitzverh\u00e4ltnisse<br \/>\ngibt, Austausch und Handel gibt, aber eben auch Diebstahl.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>III. Gerechtigkeit<\/b><\/p>\n<p>Genau in diesen Besitzverh\u00e4ltnissen, in diesem Austausch- und Handelsgeschehen<br \/>\naber liegt f\u00fcr unsere menschliche Gemeinschaft eine gro\u00dfe Gefahr:<br \/>\nMillionen von Menschen leiden Hunger, haben keine Ausbildung und keine<br \/>\nberuflichen Chancen. Millionen von Menschen m\u00fcssen schwerste und<br \/>\nerniedrigendste Arbeiten tun, betteln und eben auch stehlen, nur um zu<br \/>\n\u00fcberleben. Auf der anderen Seite aalen sich wenige Reiche in der<br \/>\nSonne, verf\u00fcgen \u00fcber &#8211; ich sage einmal &#8211; unmoralisch viel Geld,<br \/>\nfast grenzenlose Macht und kleiden sich in Stoffe, deren Namen allein<br \/>\nunbezahlbar sind.<\/p>\n<p>Darum sage ich &#8211; und jeder von uns wei\u00df das, wenn er sich auch<br \/>\nmanchmal dabei recht hilflos f\u00fchlt: Auch die ungerechte Verteilung<br \/>\nder guten Gaben Gottes in dieser Welt sind eine Form des Diebstahls. Anderen<br \/>\nMenschen das Notwendigste zum \u00dcberleben vorzuenthalten, sie ihrer<br \/>\nW\u00fcrde und ihres Selbstbewusstseins zu berauben, wie es tausendfach<br \/>\ngeschieht auf unserer Welt, ist Diebstahl. Und wir sind auch nicht frei<br \/>\nvon diesem Vorwurf, durch unsere verschwenderische Lebensweise die Ausbeutung<br \/>\nArmer zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p><b>So ist das siebte Gebot &#8222;Du sollst nicht stehlen!&#8220; auch<br \/>\nund in ganz besonderer Weise eine Verpflichtung f\u00fcr Gerechtigkeit<br \/>\neinzutreten.<\/b><\/p>\n<p>Dennoch m\u00f6chte ich heute die Frage nach der weltweiten Gerechtigkeit<br \/>\nnicht in den Mittelpunkt meiner Predigt stellen, sondern noch etwas ganz<br \/>\nanderes.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>IV. Verzicht<\/b><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist es auf den ersten Blick ein Gebot zum Schutz des Eigentums.<br \/>\nMenschen, die miteinander und mit Gott in Frieden zusammenleben wollen<br \/>\n&#8211; und nicht anderes ist ja das Ziel des gesamten Dekaloges, der Sinn der<br \/>\nzehn Gebote! &#8211; wenn Menschen also friedlich zusammenleben wollen, dann<br \/>\nm\u00fcssen sie lernen, das Recht des anderen zu respektieren. Das Recht<br \/>\ndes anderen auf ungef\u00e4hrdetes Ehegl\u00fcck, das Recht des anderen<br \/>\nauf wahrhaftiges Reden, das Recht des anderen auf Leben, und eben auch<br \/>\ndas Recht des anderen auf sein eigenes Eigentum.<\/p>\n<p>Das ist aber noch nicht alles!<\/p>\n<p><b>Das Gebot &#8222;Du sollst nicht stehlen!&#8220; ist der Ruf zu einem<br \/>\nwohltuenden Verzicht.<\/b><\/p>\n<p>&#8222;Wo suchen die Menschen das Gl\u00fcck?&#8220;, fragt Janusz Korczak,<br \/>\n&#8222;Dort, wo es niemals ist. N\u00e4mlich im Reichtum, in der Befriedigung<br \/>\ndes eigenen Ehrgeizes, darin, dass sie bei Nachbarn und Bekannten Bewunderung<br \/>\nerwecken. Sie meinen, Reichtum k\u00f6nnte ihnen alles geben, was Gl\u00fcck<br \/>\nschafft. Also tritt ihnen der Schwei\u00df auf die Stirn, Dornen zerkratzen<br \/>\nihnen die F\u00fc\u00dfe, und dennoch, ohne auf ihre zerr\u00fcttete<br \/>\nGesundheit zu achten, auf die vielen nervenaufreibenden Anstrengungen,<br \/>\ndie bitteren Entt\u00e4uschungen, immer weiter jagen sie blindlings dem<br \/>\nGold hinterher!&#8220; (Zit. aus: AXEL K\u00dcHNER, Zuversicht f\u00fcr<br \/>\njeden Tag, Neukirchen-Vluyn 2001, S. 95 f.)<\/p>\n<p>Schon zu Beginn der Predigt hatte ich angedeutet: Welch ein Gl\u00fcck<br \/>\nf\u00fcr Eltern, wenn sie ihren Kindern geben k\u00f6nnen, wonach ihr<br \/>\nHerz sich so sehnt.<\/p>\n<p>Welch ein Gl\u00fcck aber f\u00fcr Kinder, wenn die Eltern fr\u00fchzeitig<br \/>\nlernen, W\u00fcnsche nicht zu erf\u00fcllen und nein zu sagen.<\/p>\n<p>Liegt denn in unerf\u00fcllten W\u00fcnschen das Gl\u00fcck? Ich denke<br \/>\nja. Auch das ist der tiefere Sinn des siebten Gebotes, der tiefere Sinn<br \/>\ndes Wortes Jesu: &#8222;Jesus sprach zu ihnen seht zu und h\u00fctet euch<br \/>\nvor aller Habgier; denn niemand lebt davon, dass er viele G\u00fcter hat.&#8220;<br \/>\n(Lukas 12,15)<\/p>\n<p>&#8222;Ich will alles. Und zwar sofort!&#8220; &#8211; ich erinnere mich noch<br \/>\nan mein Entsetzen, als ich vor eins zwei Jahren diesen Schlager aus dem<br \/>\nRadio h\u00f6rte. &#8222;Ich will alles. Und zwar sofort&#8220;!<\/p>\n<p>Wei\u00df diese junge S\u00e4ngerin &#8211; ich kenn noch nicht einmal ihren<br \/>\nNamen &#8211; nichts mehr von dem Gl\u00fcck, sich auf Weihnachten zu freuen?<br \/>\nDieses sehnsuchtsvolle Warten und Hoffen, dass W\u00fcnsche in Erf\u00fcllung<br \/>\ngehen &#8211; am 24. Dezember wohlgemerkt und keinen Tag fr\u00fcher?<\/p>\n<p>Wei\u00df sie nichts davon, wie sch\u00f6n es ist, wenn ein Paar sich<br \/>\nerst mehrere Male trifft und sieht, bis es den ersten scheuen Kuss austauscht.<br \/>\nUnd wie kostbar solch ein Kuss ist, auf den man gewartet und gehofft hat.<br \/>\nUnd wie sch\u00f6n es ist, zu warten, geduldig zu warten, bis eine Beziehung<br \/>\nsich langsam aber behutsam und gl\u00fccklich entwickelt? Wie viel Gl\u00fcck<br \/>\nverpassen all diejenigen, die sich alle W\u00fcnsche an den Partner an<br \/>\neinem einzigen Abend erf\u00fcllen, und am n\u00e4chsten Morgen bereits<br \/>\nneben ihm erwachen?<\/p>\n<p>&#8222;Ich will alles. Und zwar sofort!&#8220; &#8211; wei\u00df der Mensch,<br \/>\nder diesen Schlagertext geschrieben hat, nichts davon, dass die Musik<br \/>\naus einer Stereoanlage tausendmal sch\u00f6ner klingt, wenn ein junger<br \/>\nMensch sich die Anlage flei\u00dfig und langsam zusammengespart hat,<br \/>\nals wenn sie einfach eines Tages im Zimmer steht &#8211; bezahlt von Eltern<br \/>\noder Gro\u00dfeltern?<\/p>\n<p>Wir haben uns daran gew\u00f6hnt, liebe Gemeinde, unsere W\u00fcnsche<br \/>\nzu erf\u00fcllen. Alle. Und bitte sofort. Wissen wir eigentlich, was wir<br \/>\nuns damit nehmen? Den Reichtum und das Gl\u00fcck der Vorfreude, des Tr\u00e4umens,<br \/>\ndas Gl\u00fcck, ein Ziel vor Augen zu haben?<\/p>\n<p>Wir haben uns daran gew\u00f6hnt, liebe Gemeinde, auch unseren Kindern<br \/>\nund Jugendlichen ihre W\u00fcnsche zu erf\u00fcllen. Alle. Und bitte sofort.<br \/>\nWissen wir eigentlich, was wir ihnen damit nehmen? Nicht nur den Reichtum<br \/>\nund das Gl\u00fcck der Vorfreude! Wir nehmen ihnen auch die F\u00e4higkeit<br \/>\nzum Verzicht. Eine Untersuchung der Deutschen Forschungsgemeinschaft vor<br \/>\nwenigen Jahren hat ergeben, dass viele Ladendiebst\u00e4hle jugendlicher<br \/>\nMenschen darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, dass sie es nicht ertragen<br \/>\nk\u00f6nnen, etwas nicht zu bekommen, was sie jetzt in diesem Augenblick<br \/>\nhaben wollen. Ja selbst die Gef\u00e4hrdung, von Drogen abh\u00e4ngig<br \/>\nzu werden, hat darin seine Wurzeln: Viele Jugendliche ertragen es nicht,<br \/>\nzu verzichten. Weil sie es nicht gew\u00f6hnt sind. Und so greifen sie<br \/>\nzu. Warum? Weil wir ihnen nicht gezeigt haben, dass auch im Verzicht,<br \/>\nim Wartenk\u00f6nnen, im Sich-Auf-Etwas-freuen ein gro\u00dfer Reichtum<br \/>\nliegt.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, das siebte Gebot, reiht sich ganz unspektakul\u00e4r<br \/>\nund unauff\u00e4llig ein in die Reihe der gro\u00dfen Gebote vom T\u00f6ten<br \/>\nund Ehebrechen und vom L\u00e4stern des Namens Gottes. Unspektakul\u00e4r<br \/>\nscheint es zu sein, den Menschen dazu aufzurufen, das Eigentum des anderen<br \/>\nzu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Gott aber will uns damit selbst sch\u00fctzen. Vor einem Leben ohne W\u00fcnsche,<br \/>\nvor einem Leben ohne Ziele, vor einem Leben ohne Perspektiven.<\/p>\n<p>Mit dem siebten Gebot l\u00e4dt Gott uns ein zu einem erf\u00fcllten<br \/>\nLeben trotz und gerade wegen unerf\u00fcllter W\u00fcnsche. Denn Wachsen,<br \/>\nReifen, Tr\u00e4umen und sich Ziele setzen, das macht ja erst ein Leben<br \/>\naus. Und nur der Mensch erlebt sein Leben als wirklich gl\u00fccklich<br \/>\nund erf\u00fcllt, dem nicht alles in den Scho\u00df f\u00e4llt, sondern<br \/>\nder Fantasie, Kraft und Geduld braucht, bis W\u00fcnsche sich ihm erf\u00fcllen.<br \/>\nEs braucht also Geduld. Und manchmal Verzicht.<\/p>\n<p>Geduld braucht ein Senfkorn bis er zum Baum wird.<br \/>\nGeduld braucht die Traube bis sie zum Wein wird.<br \/>\nGeduld braucht die \u00c4hre bis sie zum Brot wird.<br \/>\nGeduld braucht ein Kind bis es erwachsen wird.<br \/>\nGeduld braucht der Glaube bis er zur Gewissheit wird.<br \/>\nGeduld braucht der Mensch, um gl\u00fccklich zu sein.<br \/>\nKein anderer wei\u00df das besser, als unser Sch\u00f6pfergott.<br \/>\nUnd darum gab er uns das siebte Gebot.<br \/>\nAmen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Dorothea Zager, Wachenheim<br \/>\n<a href=\"mailto:DWZager@t-online.de\">E-Mail: DWZager@t-online.de<\/a><\/b><\/p>\n<p align=\"center\"><b>Texte zum Nach- und Weiterdenken:<\/b><\/p>\n<p align=\"center\">Jesus sprach zu ihnen: Seht zu und h\u00fctet euch vor<br \/>\naller Habgier;<br \/>\ndenn niemand lebt davon, dass er viele G\u00fcter hat. (Lukas 12,15)<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Das Gl\u00fcck mit dem kleinen Stich<\/b><br \/>\nHast du Geld, dann hast du nicht K\u00e4then;<br \/>\nhast du die Frau, dann fehln die Moneten.<br \/>\nHast du die Geisha, denn st\u00f6rt dich der F\u00e4cher.<br \/>\nEtwas ist immer. Tr\u00f6ste dich.<br \/>\nJedes Gl\u00fcck hat einen kleinen Stich.<br \/>\nWir m\u00f6chten so viel: Haben. Sein. Und Gelten.<br \/>\nDass einer alles hat: das ist selten!<br \/>\n(Kurt Tucholsky)<br \/>\n(Zit. aus: AXEL K\u00dcHNER, Zuversicht f\u00fcr jeden Tag, Neukirchen-Vluyn<br \/>\n2001, S. 103<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Ein kleines St\u00fcck vom gro\u00dfen Leben<\/b><br \/>\nEs ist dem Menschen beigegeben<br \/>\nein kleines St\u00fcck von einem gro\u00dfen Leben<br \/>\ndas sich vollzieht ohn&#8216; Unterschied<br \/>\nOb Bettler oder hohes Tier<br \/>\nvon einer Hand voll Erde sind wir alle hier<br \/>\nBis Gras w\u00e4chst \u00fcber dieses Lied<br \/>\nWollt darum freundlich sein und euch mit<br \/>\nHeiterkeit versehen<br \/>\nEs hat der Mensch zu kommen und zu gehen<br \/>\nDieses ist ausgemacht von Anfang an<br \/>\nmit Hochmut ist nicht viel getan<br \/>\nEs ist dem Menschen aufgegeben<br \/>\nmit G\u00fcte Gutes zu erstreben<br \/>\nohn Unterlass<br \/>\nAuch soll er das, was n\u00f6tig ist zum Leben<br \/>\nmit allen teilen<br \/>\nund aller Kreatur zu Hilfe eilen<br \/>\nbis Blumen wachsen aus dem Gras<br \/>\nWollt darum gn\u00e4dig sein und nicht mit Hohn verachten<br \/>\ndie nichts auf dieser Welt zustande brachten<br \/>\nWenn es bestimmt dass wir gen Himmel reisen<br \/>\ndann ist mit Reichtum nichts mehr zu beweisen<br \/>\nEs wird dem Menschen nachgegeben<br \/>\nwenn er bereit und \u00e4ndert sein bisherig&#8216; Leben.<br \/>\nDer Tanz ist tot<br \/>\nder Mensch kehrt heim zu Tisch und Brot<br \/>\nder Rausch verfliegt die Demut siegt<br \/>\ndie Masken sind gefallen<br \/>\nDoch gr\u00f6\u00dfer w\u00e4r des Menschen Not<br \/>\nw\u00e4r nicht ein Gott der milde mit uns allen.<br \/>\n(Hanns Dieter H\u00fcsch)<br \/>\n(Zit. aus: AXEL K\u00dcHNER, Zuversicht f\u00fcr jeden Tag, Neukirchen-Vluyn<br \/>\n2001, S. 97)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigtreihe zum Dekalog \u2013 das siebte Gebot | Februar 2002 | Exodus 20,15 | Dorothea Zager | &#8222;Du sollst nicht stehlen.&#8220; (Ex 20,15) I. W\u00fcnsche Das erste, was ein neugeborenes Kind laut und deutlich \u00e4u\u00dfert, sind seine W\u00fcnsche: Ich will ins Warme, ich will etwas trinken, ich will meine Ruhe. Das ist sein erster Schrei. 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