{"id":9213,"date":"2002-04-07T19:49:56","date_gmt":"2002-04-07T17:49:56","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9213"},"modified":"2025-06-28T09:23:51","modified_gmt":"2025-06-28T07:23:51","slug":"exodus-20-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/exodus-20-12\/","title":{"rendered":"Exodus 20"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<table border=\"0\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td bgcolor=\"#669999\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td bgcolor=\"#669999\">\n<div align=\"center\">\n<p><span style=\"color: #ffffff;\"><b>Predigten und Texte zum Dekalog, April 2002<br \/>\nReflexion zum 6. Gebot, Christian-Erdmann Schott<\/b><\/span><\/p>\n<\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>I. Fragt man lange verheiratete Paare, was das Wesen einer guten Ehe<br \/>\nausmacht, werden einem in der Regel drei Punkte genannt:1.Eine gute Ehe lebt von dem immer bleibenden und als Bereicherung empfundenen<br \/>\nUnterschied von M\u00e4nnern und Frauen. Dieser Unterschied sorgt f\u00fcr<br \/>\nlebenslange Spannung und Lebendigkeit in der Ehe. Vgl. auch: John Gray,<br \/>\n&#8222;M\u00e4nner sind anders, Frauen auch&#8220;, 1. Aufl. M\u00fcnchen<br \/>\n1992.<br \/>\n2. Eine gute Ehe lebt davon, da\u00df die Partner, jeder f\u00fcr sich,<br \/>\nmit sich im Reinen sind, mit sich in \u00dcbereinstimmung leben und also,<br \/>\nletztlich, Gott f\u00fcr die Ehe mit diesem Partner dankbar sind.<br \/>\n3. Eine gute Ehe ist in Liebe und Vertrauen gegr\u00fcndeter Austausch,<br \/>\nnicht endendes Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>II. Nicht sagen diese Paare, da\u00df eine gute Ehe Streitlosigkeit,<br \/>\nimmerw\u00e4hrende happiness oder sexuelle Hochform der Partner bedeutet.<br \/>\nVielmehr wissen sie, da\u00df die sexuellen M\u00f6glichkeiten und Interessen<br \/>\nder Menschen einerseits nicht immer gleich sind, andererseits die M\u00f6glichkeiten,<br \/>\ndie Ehe bietet, bei weitem \u00fcbersteigen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>III. Ein Ehebruch kommt (fast) nie aus heiterem Himmel. In aller Regel<br \/>\nhat bereits l\u00e4nger vorher ein Entfremdungsproze\u00df zwischen den<br \/>\nEhepartnern eingesetzt, der bei sich bietender Gelegenheit das Fremdgehen<br \/>\nals eine im Grunde geradlinige Konsequenz erscheinen l\u00e4\u00dft;<br \/>\nzumindest als eine Konsequenz, bei der die Gewissensbisse gegen\u00fcber<br \/>\ndem Noch-Ehepartner auf ein nicht st\u00f6rendes Minimum reduziert werden<br \/>\nk\u00f6nnen.<\/p>\n<p>IV. Sind Kinder vorhanden, sind von einer auseinanderbrechenden Ehe mehr<br \/>\nPersonen betroffen als nur die beiden Ehepartner. Es ist nicht erst aufgrund<br \/>\nneuerer Untersuchungen an Scheidungskindern, sondern bereits seit Jahrtausenden<br \/>\nbekannt, da\u00df die Kinder in aller Regel die wirklich Leidtragenden<br \/>\neiner Scheidung sind: &#8222;Ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifriger<br \/>\nGott, der \u00fcber die, so mich hassen, die S\u00fcnde der V\u00e4ter<br \/>\n(und M\u00fctter) heimsucht an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied;<br \/>\naber denen, so mich lieben und meine Gebote halten, tue ich wohl in tausend<br \/>\nGlied&#8220; (M. Luther, Kleiner Katechismus, Beschlu\u00df der Gebote).<br \/>\nNicht selten treten als Sp\u00e4tfolgen im Leben von Scheidungskindern<br \/>\nMangel an Vertrauen zu sich selbst und zu anderen auf und bilden die psychische<br \/>\nGrundlage von Kontaktschw\u00e4che, Bindungsangst und Einsamkeit.<\/p>\n<p>V. Als evangelische Christen werden wir nicht in jedem Fall und auf Biegen<br \/>\nund Verbiegen gegen eine Scheidung sein k\u00f6nnen. Es gibt Situationen,<br \/>\nin denen Scheidung f\u00fcr alle Beteiligten das beste ist. Nicht tolerierbar<br \/>\nist hingegen die Leichtfertigkeit, mit der in unserer noch immer stilbildenden<br \/>\nSpa\u00dfgesellschaftsmentalit\u00e4t \u00fcber Ehe, Eheschlie\u00dfung,<br \/>\nEhebruch und Ehescheidung \u00f6ffentlich und medienwirksam verhandelt<br \/>\nwird. Der spa\u00dfige Unterton, der hier vorherrscht, verdeckt, da\u00df<br \/>\nEheschlie\u00dfung mehr als ein festlicher Event und Ehescheidung mehr<br \/>\nals &#8222;das Ende einer Beziehung&#8220; ist. Im Kern geht es bei Scheidung<br \/>\num entt\u00e4uschte Liebe, um aufgegebene Hoffnung, um Leid, dessen leichtfertige<br \/>\nAbsch\u00fcttelung nicht zur Reifung der Pers\u00f6nlichkeit, sondern<br \/>\nin den Zynismus f\u00fchrt.<\/p>\n<p>VI. Es f\u00e4llt auf, da\u00df kirchliche Trauungen nach wie vor einen<br \/>\nhohen Stellenwert besitzen. Warum eigentlich? Warum gen\u00fcgt die Trauung<br \/>\nim Standesamt nicht? Im Unterschied zum Standesamt kommt in der Kirche<br \/>\nausdr\u00fccklich der Gottesbezug dazu. Die Traufragen setzen ein mit<br \/>\nden Worten &#8222;Ich frage dich vor Gott und diesen Gliedern seiner Gemeinde,<br \/>\nwillst du&#8230;.&#8220;. Gottesbezug, Gebet und Segen geben der Bindung an<br \/>\nden Ehepartner die glaubensm\u00e4\u00dfige Kraft, die aus der letzten,<br \/>\ntiefsten Bindung der Person an Gott entsteht. Eine tiefere Bindung und<br \/>\nAusrichtung des Gewissens kann es nicht geben. Selbst wenn sich die Beteiligten<br \/>\nnicht immer \u00fcber diese Bedeutung des vor Gott gesprochenen Ja im<br \/>\nklaren sind oder sie nicht so empfinden, so ist es dennoch und tats\u00e4chlich<br \/>\nein Versprechen vor Gott. Manchmal wird ihnen auch sp\u00e4ter, erst im<br \/>\nLauf ihrer Ehe voll bewu\u00dft, was das hei\u00dft.<\/p>\n<p>Diese Letztbindung ist gewollt. Sie entspricht sowohl dem Wesen der Liebe,<br \/>\ndas auf Dauer dr\u00e4ngt, nach &#8222;lebensl\u00e4nglich&#8220; verlangt,<br \/>\nals auch dem Bed\u00fcrfnis nach Sicherheit, dem wir einen Halt geben<br \/>\nm\u00fcssen und auch wollen, bevor wir das Risiko eingehen und auf die<br \/>\nWillenserkl\u00e4rung eines anderen unsere Zukunft bauen.<\/p>\n<p>VII. Dem Bed\u00fcrfnis, einer Verbindung Dauer und Sicherheit zu geben,<br \/>\nkommt Gott seinerseits entgegen, wenn er verk\u00fcnden l\u00e4\u00dft:<br \/>\n&#8222;Du sollst nicht ehebrechen&#8220;. Damit sagt dieses Gebot &#8211; in seinem<br \/>\nWortlaut &#8211; genau das, was wir selbst wollen. Es best\u00e4tigt, unterst\u00fctzt,<br \/>\nbeglaubigt unsere tiefste Absicht, die wir mit der Eheschlie\u00dfung<br \/>\nverwirklichen wollen, um deren erfolgreiche Umsetzung wir gemeinsam beten<br \/>\nund f\u00fcr die wir uns durch den Segen vor dem Traualtar st\u00e4rken<br \/>\nlassen.<\/p>\n<p>VIII. Aber diese \u00dcbereinstimmung zwischen unserem Willen und dem<br \/>\nWillen Gottes hat ihre Grenze; und zwar deshalb, weil wir Menschen nur<br \/>\nein begrenztes Blickfeld haben. Bei der Eheschlie\u00dfung wird das daran<br \/>\ndeutlich, da\u00df wir bei diesem Schritt normalerweise an unseren Partner,<br \/>\nan unsere Ehe und an unsere gemeinsame Lebenszeit, vielleicht noch unter<br \/>\nEinschlu\u00df von Kindern, denken. Menschheitliche Perspektiven, also<br \/>\netwa Gedanken an die Weitergabe des Lebens, Dienst an der Sch\u00f6pfung,<br \/>\nFortpflanzung der Menschheit haben wir dabei in aller Regel nicht. Und<br \/>\nvolkswirtschaftliche, rentenbezogene oder demographische Gesichtspunkte,<br \/>\ndie im Augenblick europaweit diskutiert werden, haben Liebende bei der<br \/>\nEheschlie\u00dfung schon gar nicht. Das aber hei\u00dft: Wenn wir eine<br \/>\nEhe schlie\u00dfen, tun wir es, weil es unseren Interessen &#8211; so wie wir<br \/>\nsie sehen und erkennen &#8211; entspricht. Der Sch\u00f6pfer aber hat weitergehende<br \/>\nAbsichten. Wenn er gebietet, &#8222;Du sollst nicht ehebrechen&#8220;, stellt<br \/>\ner die Institution Ehe unter seinen Schutz. Um der Erhaltung und Weitergabe<br \/>\ndes Lebens willen, um der Familie und um der Kinder willen mu\u00df Ehe<br \/>\nsein. Sie ist ein Teil der Sch\u00f6pfungsordnung Gottes. Und wir sollen<br \/>\nsie nicht kaputt machen.<\/p>\n<p>IX.. Das sechste Gebot dr\u00fcckt das allerdings wesentlich konkreter<br \/>\naus. Nur abgeleitet meint es die Institution Ehe, konkret geht es um die<br \/>\nEhe meines N\u00e4chsten. Dabei ist hier daran zu erinnern, da\u00df<br \/>\ndas sechste Gebot der sogenannten Zweiten Tafel, also den Geboten 5 bis<br \/>\n10, zugeordnet ist und damit der H\u00e4lfte des Dekalogs, die den Umgang<br \/>\nmit unserem N\u00e4chsten betrifft. Es zeigt sich, da\u00df sich Gott<br \/>\nsch\u00fctzend vor meinen N\u00e4chsten stellt und fordert, da\u00df<br \/>\nich dessen elementare Lebensgrundlagen nicht antaste. Dabei wird durch<br \/>\ndie Reihenfolge erkennbar, da\u00df hier eine Rangordnung herrscht. Je<br \/>\nwichtiger die G\u00fcter f\u00fcr das Leben meines N\u00e4chsten sind,<br \/>\ndesto weiter oben stehen sie.<\/p>\n<p>Das wichtigste Gut, die Lebensgrundlage schlechthin, ist Leben und Unversehrtheit<br \/>\ndes N\u00e4chsten (5. Gebot: Du sollst nicht t\u00f6ten). Es folgt seine<br \/>\nEhe und Familie, sein Zu-Hause in dieser Welt (6. Gebot: Du sollst nicht<br \/>\nin seine Ehe einbrechen, aber auch deinen eigenen Ehepartner nicht um<br \/>\nsein Zu-Hause bringen). Es schlie\u00dft an der Schutz des Eigentums<br \/>\n(7. Gebot: Du sollst nicht stehlen). Daran schlie\u00dft sich an der<br \/>\nSchutz seines guten Namens, seines Ansehens, seiner Ehre (8. Gebot: Du<br \/>\nsollst nicht falsches Zeugnis reden wider deinen N\u00e4chsten). Darauf<br \/>\nfolgt der Schutz seines Erbes (9. Du sollst nicht begehren deines N\u00e4chsten<br \/>\nHaus) und schlie\u00dflich der Schutz seiner Leute vor Abwerbung (10.<br \/>\nDu sollst nicht begehren deines N\u00e4chsten Weib, Knecht, Magd, Vieh<br \/>\noder alles, was sein ist).<\/p>\n<p>X. Das sechste Gebot steht in dieser Rangordnung an zweiter Stelle, kommt<br \/>\nalso gleich nach dem Mordverbot, und ist schon durch diese Platzierung<br \/>\nals sehr wichtig gekennzeichnet. Das entspricht dem Gesamtzeugnis der<br \/>\nBibel: Die Ehe ist nicht allein von Gott gewollt. Sie steht auch unter<br \/>\nseinem besonderen Schutz und jeder ist gehalten, diesen Willen Gottes<br \/>\nzur Kenntnis zu nehmen und sich danach zu richten. Und wenn wir uns nicht<br \/>\ndanach richten?<\/p>\n<p>&#8222;Aber die Schriftgelehrten und Pharis\u00e4er brachten eine Frau<br \/>\nzu ihm, im Ehebruch ergriffen, und stellten sie in die Mitte und sprachen<br \/>\nzu ihm: Meister, diese Frau ist ergriffen auf frischer Tat im Ehebruch.<br \/>\nMose aber hat uns im Gesetz geboten, solche zu steinigen. Was sagst du?<br \/>\nDas sprachen sie aber, ihn zu versuchen, auf da\u00df sie eine Sache<br \/>\nwider ihn h\u00e4tten. Aber Jesus b\u00fcckte sich nieder und schrieb<br \/>\nmit dem Finger auf die Erde. Als sie nun anhielten, ihn zu fragen, richtete<br \/>\ner sich auf und sprach zu ihnen: Wer unter euch ohne S\u00fcnde ist, der<br \/>\nwerfe den ersten Stein auf sie. Und b\u00fcckte sich nieder und schrieb<br \/>\nauf die Erde. Da sie aber das h\u00f6rten, gingen sie hinaus, einer nach<br \/>\ndem anderen, von den \u00c4ltesten an; und Jesus ward allein gelassen<br \/>\nund die Frau in der Mitte stehend. Jesus aber richtete sich auf und sprach<br \/>\nzu ihr: Weib, wo sind deine Verkl\u00e4ger? Hat dich niemand verdammt?<br \/>\nSie aber sprach: Herr, niemand. Jesus aber sprach: So verdamme ich dich<br \/>\nauch nicht; gehe hin und s\u00fcndige hinfort nicht mehr&#8220;. Johannes-Evangelium<br \/>\n8, 2 &#8211; 11.<\/p>\n<p><b>Dr. Christian-Erdmann Schott<br \/>\nElsa-Braendstroem-Str. 21<br \/>\n55124 Mainz (Gonsenheim)<br \/>\nTel.: 06131\/690488<br \/>\nFAX: 06131\/686319<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Predigten und Texte zum Dekalog, April 2002 Reflexion zum 6. Gebot, Christian-Erdmann Schott I. 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