{"id":9221,"date":"2002-05-07T19:49:58","date_gmt":"2002-05-07T17:49:58","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9221"},"modified":"2025-04-23T10:50:59","modified_gmt":"2025-04-23T08:50:59","slug":"wie-gewinnt-man-eigentlich-freunde-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wie-gewinnt-man-eigentlich-freunde-3\/","title":{"rendered":"Johannes 15,13"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"color: #003399; font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Wie gewinnt man eigentlich Freunde? | Joh 15,13 | Reinhard Schmidt-Rost |<\/span><\/h3>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Liebe Gemeinde,<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"> das sechste und letzte Plakat der \u00d6ffentlichkeitskampagne der EKD zeigt einen Kran,<br \/>\nwie man ihn von jeder gr\u00f6\u00dferen Baustelle kennt, einen hohen<br \/>\nMast und einen langen Ausleger. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Auf dem blauen Himmel, der auf allen Plakaten dieser Reihe \u00e4hnlich zu finden war,<br \/>\nsteht wieder eine Frage: <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Wie gewinnt man eigentlich Freunde? <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Mit den richtigen<br \/>\nTurnschuhen<br \/>\nmit Intrigen<br \/>\nmit dem Herzen<br \/>\nmit der Kreditkarte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Lassen Sie uns gemeinsam Antworten finden:<br \/>\nEvangelische Kirche in Deutschland. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Liebe Gemeinde,<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">gestern klebte hier aber noch ein anderes Plakat<br \/>\n&#8222;Wohin wollen Sie eigentlich?&#8220; hatte sie gestern gelesen,<br \/>\nbisher nie auf die Tafel geachtet<br \/>\n&#8211; und im Kreisverkehr fast die Ausfahrt verpa\u00dft,<br \/>\nauf der Heimfahrt von der Arbeit,<br \/>\ndie ihr Spa\u00df machte, aber wenig Entwicklungsm\u00f6glichkeiten bot;<br \/>\nsie wollte heute noch einmal genau hinschauen,<br \/>\nwer solche Fragen als Werbung aufh\u00e4ngt &#8211;<br \/>\nsie hatte die Frage jedenfalls gleich auf ihre Berufspl\u00e4ne bezogen,<\/span><\/p>\n<p>aber nun stand auf der Plakatwand: &#8222;Wie gewinnen Sie eigentlich Freunde?&#8220;<br \/>\nund irgend etwas Kleingedrucktes drunter,<br \/>\ndas konnte sie im Vorbeifahren nicht lesen.<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Freunde, ja sie hatte ein paar Freundinnen, aber gewonnen hatte sie die nicht.<br \/>\n&#8211; Ihre beste Freundin in der Firma war mit ihr in die gleiche Klasse<br \/>\ngegangen,<br \/>\nihre gemeinsamen Interessen hatte sie erst in der Ausbildung entdeckt,<br \/>\nKegeln und Radfahren<br \/>\n&#8211; ihre Klassenkameradin, mit der sie so viel zusammengemacht hatte,<br \/>\ndie lebte jetzt in den USA, verheiratet, drei Kinder, ob die wohl gl\u00fccklich<br \/>\nwar?<br \/>\n&#8211; Sie selbst hatte einen Freund,<br \/>\nvielleicht das, was man Lebensabschnittpartner nennt,<br \/>\nvielleicht w\u00fcrden sie mal heiraten.<br \/>\nAber gewonnen hatte sie den auch nicht, weder beim Kegeln noch beim<br \/>\nLotto,<br \/>\nSie hatten sich gefunden, aber doch nicht gewonnen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Liebe Gemeinde,<\/span><\/p>\n<p>Freunde gewinnt man nicht, Freunde findet man!<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Mir gef\u00e4llt das Plakat nicht, und je l\u00e4nger ich dar\u00fcber nachdenke, um<br \/>\nso mehr \u00e4rgert es mich:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Erstens habe ich mir meine Freunde noch nie ausgesucht, sondern sie sind mir begegnet,<br \/>\nich habe sie getroffen, in der Schule, im Studium, bei Tagungen, oder<br \/>\nsie waren schon immer in meiner N\u00e4he und ich habe sie erst nach<br \/>\nund nach als Freunde erkannt. Manchmal habe ich gleich gewu\u00dft:<br \/>\nDas ist ein Mensch, mit dem Du gerne ganz oft zusammen sein m\u00f6chtest,<br \/>\naber auch den habe ich dann nicht bewu\u00dft f\u00fcr mich gewonnen,<br \/>\nes war eben Zuneigung auf den ersten Blick. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Freundschaft <b>entwickelt <\/b>sich, wie man in der Bibel nachlesen kann, &#8211; wo \u00fcbrigens ganz selten<br \/>\nvon Freundschaft die Rede ist, nur die Sache wird in einigen Geschichten<br \/>\nbeschrieben.<br \/>\nDavid, der Hirtensohn, und Jonathan, der K\u00f6nigsohn, das prominenteste<br \/>\nFreundespaar der Bibel &#8211; selbst in ihrer Geschichte wird das Wort Freundschaft<br \/>\nnicht erw\u00e4hnt.<br \/>\nUnd Ruth war erst die Schwiegertochter, ehe sie Naomis Freundin wurde,<br \/>\naber auch dort kein Wort von Freundschaft; ganz zu schweigen von Jesus<br \/>\nund seinen J\u00fcngern. Die waren erst seine Sch\u00fcler, ehe sie<br \/>\nseine Freunde wurden, &#8211; und ob sie sich wirklich alle Jesus freundschaftlich<br \/>\nverbunden f\u00fchlten? Oder waren doch nur Jesus und Johannes so richtig<br \/>\nein Herz und eine Seele? Jedenfalls stellt sich nur der Evangelist Johannes<br \/>\nden J\u00fcngerkreis auch als einen Freundeskreis vor. Der Evangelist<br \/>\nLukas kennt zwar das Wort Freund, aber er gebraucht es f\u00fcr Nachbarinnen,<br \/>\nArbeitskollegen und Altersgenossen (wie in den Gleichnissen vom verlorenen<br \/>\nGroschen und vom verlorenen Sohn nachzulesen ist.)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Mir schmeckt das Plakat aber noch aus einem anderen Grund nicht: Die Antwort ist mir<br \/>\nzu klar. Wenn man \u00fcberhaupt von &#8222;gewinnen&#8220; reden will,<br \/>\nwas ich &#8211; wie gesagt &#8211; falsch finde, dann mu\u00df die richtige Antwort<br \/>\nnat\u00fcrlich lauten: Man gewinnt Freunde mit dem Herzen, alles andere<br \/>\nw\u00e4re unangemessen, w\u00fcrde die Freundschaft in den Schmutz ziehen.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Freunde mit der Scheckkarte oder mit Intrigen gewinnen, so viel wei\u00df man doch<br \/>\naus der eigenen Erziehung gerade noch: Das kann gar nicht gemeint sein!<br \/>\nUnd die Sportsfreundschaft erscheint in dieser Zusammenstellung gegen\u00fcber<br \/>\nder Herzensfreundschaft auch als minderwertiger. Hier wird b\u00fcrgerliche<br \/>\nMoral gepredigt, und zwar ziemlich unverh\u00fcllt: Sucht euch nicht<br \/>\nFreunde mit unmoralischen Mitteln, es w\u00e4ren doch nur die falschen<br \/>\nFreunde.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Eine solche Moralpredigt ist plump und durchsichtig. Ich will deshalb lieber dar\u00fcber nachdenken,<br \/>\nwarum es in einer mobilen Gesellschaft so schwer ist, Freundschaften<br \/>\nzu pflegen und zu bewahren &#8211; und ich will davon tr\u00e4umen, wie sch\u00f6n<br \/>\neine Freundschaft sein kann. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Damit komme ich zu meinem dritten Ansto\u00df: Eine Freundschaft ist kein Haus, das<br \/>\nich Stein f\u00fcr Stein aufbaue oder in Beton gie\u00dfe &#8211; mit einem<br \/>\ngro\u00dfen Kran. Freundschaft ist eher eine Pflanze, die w\u00e4chst,<br \/>\nbl\u00fcht und gedeiht, &#8211; oder eben vertrocknet, wenn sie nicht gegossen<br \/>\nwird, oder im Keim erstickt. Sie kann wachsen, wo niemand es vermutet<br \/>\nhat, wie ein Baum in einer Felsspalte, sie kann Frucht bringen, schnell<br \/>\noder nach langen Zeiten der Fruchtlosigkeit &#8230; aber eine Freundschaft<br \/>\naufbauen? Das kann ich mir nicht vorstellen, pflegen ja, aber aufbauen<br \/>\nnach Plan? Das nicht. Meine Freundschaften sind aus gemeinsamen Interessen<br \/>\nentstanden, sind mir im Studium und durch die Musik zugewachsen, haben<br \/>\nsich auf Reisen, durch Briefe &#8211; und neuerdings durch e-mails &#8211; vertieft.<br \/>\nAuch durch meine Gemeindearbeit habe ich ein paar sehr gute Freunde<br \/>\ngefunden. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Liebe Gemeinde,<\/span><\/p>\n<p>die Bibel kommt nur an einer Stelle ausdr\u00fccklich und ernsthaft<br \/>\nauf die Beziehung unter Freunden zu sprechen. Im Johannes-Evangelium<br \/>\nsagt Jesus zu seinen J\u00fcngern beim Abschied:<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Es gibt keine gr\u00f6\u00dfere<br \/>\nLiebe, als wenn jemand sein Leben hingibt f\u00fcr seine Freunde. Joh. 15,13<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Das ist zun\u00e4chst<br \/>\nein Satz \u00fcber die Liebe; sein Leben einzusetzen f\u00fcr andere<br \/>\nist der gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Liebesbeweis. Aber es ist auch<br \/>\nein Satz \u00fcber die Freundschaft: Sie kann so tief verbinden, dass<br \/>\nein Mensch f\u00fcr einen anderen sein Leben hinzugeben bereit ist.<br \/>\nJesus bezeichnet mit diesem Satz seinen Einsatz f\u00fcr seine J\u00fcnger<br \/>\nund dann f\u00fcr alle Menschen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Ich w\u00fcrde nun wiederum davon abraten, ein moralisches Vorbild aufzurichten, nach<br \/>\ndem Motto: &#8222;Mach es wie Jesus!&#8220; &#8211; setzt Dein Leben ein f\u00fcr<br \/>\nDeine Freunde. Dieser Anspruch ist mir viel zu hoch; er stellt jede<br \/>\ngute allt\u00e4gliche Freundschaft in den Schatten.<br \/>\nGewi\u00df hat dieses Edelbild von Freundschaft nicht nur den Evangelisten<br \/>\nJohannes, sondern auch die Tradition der deutschen Klassik auf Ihrer<br \/>\nSeite. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Das Loblied der Freundschaft ert\u00f6nt ja immer dann, wenn sich andere soziale Ordnungen<br \/>\naufl\u00f6sen, wenn die Nachbarschaften und Verwandtschaften weniger<br \/>\nHalt bieten als allgemein \u00fcblich. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Das war in der Zeitenwende nach Christi Geburt so, wie man es im Johannes-Evangelium<br \/>\nsp\u00fcren kann, das war aber auch in der Aufkl\u00e4rung, in der Bl\u00fctezeit<br \/>\ndes mitteleurop\u00e4ischen B\u00fcrgertums um 1800 \u00e4hnlich: <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Friedrich Schiller hat der idealen Freundschaft, die das Leben f\u00fcr einen Freund hinzugeben<br \/>\nbereit ist, in einer ber\u00fchmten Ballade eine packende Gestalt gegeben,<br \/>\ndie dem Johannis-Evangelium durchaus vergleichbar ist: &#8222;Die B\u00fcrgschaft&#8220;<br \/>\nerz\u00e4hlt, wie der Plan, einen Tyrannen zu ermorden, vereitelt wird;<br \/>\nder bedrohte Tyrann aber gro\u00dfm\u00fctig dem Attent\u00e4ter drei<br \/>\nTage Freiheit gew\u00e4hrt, um eine dringende Familienangelegenheit<br \/>\nzu regeln, nachdem er einen Freund als B\u00fcrgen gestellt hat: &#8222;Ich<br \/>\nla\u00df Dir den Freund hier als B\u00fcrgen, ihn magst du, entrinn&#8216;<br \/>\nich erw\u00fcrgen.&#8220; <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Ich bin so alt, dass ich dieses Gedicht noch in der Schule auswendig lernen mu\u00dfte,<br \/>\n&#8211; und deshalb auch das Happy End der Story kenne: Der Attent\u00e4ter<br \/>\nkehrt gerade noch rechtzeitig aus seiner Heimat zur\u00fcck, wo er die<br \/>\nEheschlie\u00dfung seiner Tochter herbeigef\u00fchrt hatte, ehe er<br \/>\nselbst f\u00fcr den Tyrannen-Mordversuch s\u00fchnen und seinen Freund,<br \/>\nder f\u00fcr ihn geb\u00fcrgt hat, wieder ausl\u00f6sen will.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Der Tyrann aber bringt jetzt wider alle Erwartung nicht etwa beide, Attent\u00e4ter<br \/>\nund B\u00fcrgen, um, sondern zeigt sich von der Treue der Freunde derartig<br \/>\n\u00fcberrascht und bewegt, dass er die Hinrichtung des Attent\u00e4ters<br \/>\naussetzt und die beiden Freunde bittet, ihn an ihrer Freundschaft teilhaben<br \/>\nzu lassen: &#8222;Ich sei, gew\u00e4hrt mir die Bitte, in Eurem Bunde<br \/>\nder Dritte&#8220;. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Dieses Hohelied auf die Freundschaft k\u00f6nnte man noch musikalisch ausgestalten durch<br \/>\nden von Beethoven komponierten Kanon: &#8222;Freundschaft ist die Quelle<br \/>\nwahrer Gl\u00fcckseligkeit.&#8220;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Das Hohelied der Freundschaft wird gesungen, seit sich die Lebensformen der St\u00e4ndegesellschaft<br \/>\nmehr und mehr aufgel\u00f6st und die famili\u00e4ren Bindungen gelockert<br \/>\nhaben. Seit der Bl\u00fctezeit des B\u00fcrgertums im 18. Jh. und erst<br \/>\nrecht in der Romantik wurde &#8222;Freundschaft&#8220; immer mehr zu einer<br \/>\nbevorzugten Lebensform, auch die franz\u00f6sische Revolution hat die<br \/>\n&#8222;fraternit\u00e9&#8220;, die br\u00fcderliche Freundschaft, zu<br \/>\neinem ihrer zentralen Gedanken gew\u00e4hlt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"> Liebe Gemeinde,<\/span><\/p>\n<p>moderne Menschen werden nun fragen: Hat nicht die br\u00fcderlich-b\u00fcrgerliche<br \/>\nFreundschaft die christliche Geschwisterlichkeit abgel\u00f6st. Und<br \/>\nsolche, die noch moderner denken, werden um so kritischer nachlegen:<br \/>\nSind nicht Geschwisterlichkeit in christlichen Gemeinden und Freundschaften<br \/>\nin b\u00fcrgerlichen Vereinen l\u00e4ngst aufgel\u00f6st durch die Isolierung<br \/>\nin einer Gesellschaft von lauter Einzelnen? Das mag so scheinen, und<br \/>\nist vielleicht auch f\u00fcr viele Menschen so.<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Die starken Klammern aller Freundschaft aber sind Grundgedanken des christlichen Glaubens:<br \/>\nMiteinander teilen und Vergebung.<br \/>\nInteressen binden und Zuneigung h\u00e4lt zusammen, aber auf Dauer h\u00e4lt<br \/>\neine Freundschaft nur, wenn die Beteiligen bereit sind, ihre Erfahrungen,<br \/>\nihren Besitz, ja ihr ganzes Leben miteinander zu teilen und wenn sie<br \/>\nnicht nachtragend sind, wenn sie sich gegenseitig vergeben k\u00f6nnen,<br \/>\nwas sie aneinander schuldig geblieben sind. Aus der Vergebung aber erw\u00e4chst<br \/>\ndie Hoffnung, dass die Freundschaft andauern kann. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Liebe Gemeinde,<br \/>\nob die Frau im Kreisverkehr noch einmal hochschaut, wenn sie in der<br \/>\nn\u00e4chsten Woche wieder an diesem Plakat vorbeif\u00e4hrt? Von Vergebung<br \/>\nund Hoffnung wird sie da nichts lesen, auch nicht im Kleingedruckten.<br \/>\nSchade. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Ich h\u00e4tte auf das Plakat lieber den Satz geschrieben, der bei Gottesdiensten zur<br \/>\nHochzeit dem Brautpaar vorgelesen wird, obwohl er f\u00fcr die Christen<br \/>\nin einer der fr\u00fchen Gemeinde zur Befestigung ihrer Freundschaft<br \/>\ngeschrieben war, weniger anspruchsvoll als bei Johannes, Schiller oder<br \/>\nBeethoven, aber schwer genug: <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">&#8222;So zieht nun an als die von Gott Auserw\u00e4hlten (also als Gemeinde von Christen)<br \/>\nherzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld. Ertragt<br \/>\neuch und vergebt einander, wenn einer Klage hat gegen den andern. Wie<br \/>\nder Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! \u00dcber alles aber<br \/>\nzieht an die Liebe, die das ist das Band der Vollkommenheit.&#8220;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Das ist eine gute Gespr\u00e4chsgrundlage mit meinen Freundinnen und Freunden \u00fcber<br \/>\nunsere Freundschaft.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Amen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><br \/>\nVielleicht kann in einem Gottesdienst das folgende Gebet gesprochen<br \/>\nwerden; das B\u00fcchlein, dem es entnommen ist, enth\u00e4lt weitere<br \/>\nAnregungen zum Thema Freundschaft. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><br \/>\n<b>Gebet<\/b>:<br \/>\n&#8222;Herr, wir wollen dir danken, dass es wahr ist: Du bist gekommen,<br \/>\nund du hast uns erw\u00e4hlt. Wir w\u00e4ren darauf gar nicht gekommen.<br \/>\nAber du hast uns erw\u00e4hlt, und du willst aus uns etwas machen und<br \/>\nwillst uns erf\u00fcllen mit deinem ewigen Ja in Ewigkeit. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Herr, du bist gekommen und hast uns dein Leben gelassen, damit auch wir f\u00e4hig werden,<br \/>\nvon unserer Freude anderen abzugeben auf vielfache Weise: durch Nachdenken,<br \/>\ndurch Schulung, durch \u00dcbungen, aber auch durch Lachen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Herr, so la\u00df uns mit gro\u00dfer Freude zu deinem heiligen Mahl gehen und verschenke<br \/>\ndich uns von Neuem. Es gibt keine gr\u00f6\u00dfere Liebe, als dass<br \/>\ndu dich uns verschenkst. Und wo immer wir dann wieder mit Menschen zusammenkommen,<br \/>\ndass wir ihnen ein bi\u00dfchen davon abgeben, auf vielfache Weise.<br \/>\nGelobt sei dein Name. Amen.&#8220; <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">(aus: K. Vollmer,<br \/>\nVon Gott zum Freund erw\u00e4hlt, in: J. Cornelius-Bundschuh, R. Hempelmann,<br \/>\nK. Schulz, K. Vollmer, Gott als Freund? &#8211; Wesel 2000, S. 102f.)<\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>Prof. Dr. Reinhard<br \/>\nSchmidt-Rost, Bonn<br \/>\nProfessor f\u00fcr Praktische Theologie und Universit\u00e4tsprediger<\/b><\/span><\/p>\n<p>an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universit\u00e4t<br \/>\n<a href=\"mailto:r.schmidt-rost@uni-bonn.de\">E-Mail: r.schmidt-rost@uni-bonn.de<\/a><\/p>\n<p><noscript><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1\" height=\"1\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=1&amp;bn=neukirch&amp;f=ekd-ini-pr-freunde-2.html&amp;r=r1\"\/><\/noscript><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie gewinnt man eigentlich Freunde? | Joh 15,13 | Reinhard Schmidt-Rost | Liebe Gemeinde, das sechste und letzte Plakat der \u00d6ffentlichkeitskampagne der EKD zeigt einen Kran, wie man ihn von jeder gr\u00f6\u00dferen Baustelle kennt, einen hohen Mast und einen langen Ausleger. 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