{"id":9224,"date":"2002-06-07T19:50:02","date_gmt":"2002-06-07T17:50:02","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9224"},"modified":"2025-04-22T10:20:35","modified_gmt":"2025-04-22T08:20:35","slug":"predigten-zur-ekd-initiative","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigten-zur-ekd-initiative\/","title":{"rendered":"&#8222;Sind Fu\u00dfballer unsere wahren G\u00f6tter?&#8220;"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><span style=\"color: #003399;\">Predigten zur EKD-Initiative \u2013 &#8222;Sind Fu\u00dfballer unsere wahren G\u00f6tter?&#8220; <\/span><\/span><span style=\"color: #003399;\"><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Anregungen f\u00fcr einen Gottesdienst | Klaus-Peter Weinhold |<\/span><\/span><\/h3>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Das Spiel ist in seiner Wurzel die Hoffnung auf ein gl\u00fcckliches Leben. (Hugo Rahner)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"> <b><a name=\"gem\"><\/a>Gemeinsam feiern &#8230; Zeit f\u00fcr Besinnung und Bewegung<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Ein Gottesdienst<br \/>\nim Monat der Fu\u00dfballweltmeisterschaft ist ein guter Anlass, Menschen<br \/>\naus den \u00f6rtlichen Sportvereinen einzuladen, um mit ihnen einen<br \/>\nsportbezogenen Gottesdienst zu feiern und in seiner thematischen Ausrichtung<br \/>\nabzustimmen. So kann eventuell schon im Einladungsbrief zu einer Vorbereitungsrunde<br \/>\nbzw. an die Vereinsvorsitzenden darauf hingewiesen werden, dass die<br \/>\nevangelische Kirche mit dieser Fragestellung nach den s\u00e4kularen<br \/>\nG\u00f6ttern in unserer modernen Welt nicht fu\u00dfball- oder sportfeindlich<br \/>\nist, sondern gerade die Bedeutung von Spiel, Sport und Bewegung f\u00fcr<br \/>\ndie Herzen und Gef\u00fchle vieler Menschen anerkennt. Fu\u00dfballcaf\u00e9s<br \/>\nmit einer Gro\u00dfbildleinwand k\u00f6nnen zum gemeinsamen Zuschauen<br \/>\neinladen, Kleinfeld-Turniere f\u00fcr Kinder und Jugendliche k\u00f6nnen<br \/>\nden Hunger nach Bewegung und &#8218;Nachspielen&#8216; stillen; dabei braucht der<br \/>\nFu\u00dfball \u00fcberhaupt nicht im Mittelpunkt stehen; vielf\u00e4ltige<br \/>\nSportspiele mit betont kommunikativem Charakter bieten eine lohnende<br \/>\nAlternative, gemeinsam einen (halben) &#8222;Tag der Begegnung mit Besinnung<br \/>\nund Bewegung&#8220; zu verbringen. Die Einladung an Kinder, Jugendliche<br \/>\nund auch Erwachsene kann schon auffordern, zu diesem Gottesdienst einmal<br \/>\nim Trikot, Trainingsanzug oder beliebten Sportdress aufzutauchen; zus\u00e4tzlich<br \/>\nist die Kirche mit B\u00e4llen, Netzen, Schl\u00e4gern und anderen Sportutensilien<br \/>\ngeschm\u00fcckt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"> <b><a name=\"bausteine\"><\/a>Bausteine f\u00fcr einen sportbezogenen Gottesdienst <\/b><\/span><\/p>\n<p><b style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">&#8211; Lieder und Musik<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Die Lieder und<br \/>\ndie Musik sollten etwas von der dritten Dimension des Betens, n\u00e4mlich<br \/>\ndes Tanzes, erz\u00e4hlen und dazu anstiften, in ihrem Rhythmus zu klatschen,<br \/>\nzu schwingen und sich zu bewegen. Spirituals und Gospelsongs wie &#8218;He&#8217;s<br \/>\ngot the whole world in his hand&#8216; oder die &#8218;Halleluja&#8216;-Lieder haben sich<br \/>\nin der Praxis bew\u00e4hrt (z. B. wechselseitiges Aufstehen bzw. Hinsetzen).<br \/>\n&#8218;Gott gab uns Atem&#8216; oder &#8218;Nun danket alle Gott, mit Herzen, Mund und<br \/>\nH\u00e4nden&#8216; erz\u00e4hlen unmittelbar vom Geschenk unseres K\u00f6rpers.<br \/>\nVon den modernen Liedern animiert &#8218;Was macht, dass ich so fr\u00f6hlich<br \/>\nbin in meinem kleinen Reich? (Hans Dieter H\u00fcsch) zum H\u00fcpfen<br \/>\nund Drehen. Da wir nicht nur die befreiende Bewegung brauchen, sondern<br \/>\nauch die sch\u00f6pferische und beschenkende Ruhe, haben z. B. auch<br \/>\nTaiz\u00e8-Ges\u00e4nge wie das &#8218;Kyrie eleison oder &#8218;Laudate omnes<br \/>\ngentes&#8216; ihren Platz. Ein bewegungsfreundlicher Gottesdienst l\u00e4dt<br \/>\nzum Mitteilen und Mitmachen ein, daher sind Kanons besonders geeignet.<br \/>\nAuch die Ohrw\u00fcrmer wie &#8218;Danke f\u00fcr diesen guten Morgen&#8216;, &#8218;Die<br \/>\ng\u00fcldene Sonne&#8216; oder &#8218;Geh aus mein Herz&#8216; haben in dieser offenen,<br \/>\nvolkskirchlichen Situation nichts von ihrer Beliebtheit verloren. Glaubensbekenntnis<br \/>\nund Vaterunser gesungen sowie die bekannten Segenslieder wie &#8218;Komm Herr<br \/>\nsegne uns&#8216; oder &#8218;Bewahre uns Gott, beh\u00fcte uns Gott&#8216; vermitteln<br \/>\nwohltuend und beachtet die Verbindung von Vertrautem und Neuem.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>&#8211; Biblische Texte und Lesungen<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Neben den Heilungsgeschichten<br \/>\ndes Neuen Testaments (Heilung eines Gel\u00e4hmten, eines Blinden, eines<br \/>\nGichtbr\u00fcchigen, eines Auss\u00e4tzigen etc.), die eindr\u00fccklich<br \/>\nvon der k\u00f6rperlichen N\u00e4he Jesu berichten, gibt es auch &#8218;Bitten<br \/>\nund Ermahnungen&#8216; an die jungen Gemeinden, die von Freude, Herzlichkeit<br \/>\nund sorgsamen Umgang erz\u00e4hlen (R\u00f6mer 12,3-8 \/ Mannschaft;<br \/>\nPhilipper 3,12-14 \/ Zielorientierung oder Philipper 4,4 -7 \/ Freude;<br \/>\nEpheser 2,13-22 \/ Mitb\u00fcrger statt Fremde; 1. Korinther 12,12-31<br \/>\n\/ Leib und Glieder; Kolosser 3,9-14 \/ Liebe als verbindendes Band).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">F\u00fcr die anthropologischen<br \/>\nDimensionen kann man zur\u00fcckgreifen auf Genesis 1,26-28; Psalm 8;<br \/>\n1. Korinther 3,17 oder 2. Korinther 5,17. Einer der Klassiker der eher<br \/>\nsp\u00e4rlichen &#8217;sportbezogenen&#8216; NT-Bilder\/Texte aus dem 1. Korintherbrief<br \/>\n9,24-27 thematisiert zwar nicht das Spielen, spricht aber positiv vom<br \/>\nEinsatz und der Zielperspektive im Leben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Ein &#8217;sportbezogener&#8216;<br \/>\nGottesdienst kann sowohl sehr elementar und weit die Freude an Bewegung,<br \/>\nan gemeinsamem Spiel und dem Geschenk unserer Leiblichkeit zum Ausdruck<br \/>\nbringen, wie er ebenso das Thema Spiel mit der konkreten Situation Fu\u00dfball<br \/>\nbzw. Weltmeisterschaft fokussieren kann.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"> <b>&#8211; Gebete aus der Welt des Sports<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Herr, ich freue<br \/>\nmich,<br \/>\ndass ich Sport treiben darf.<br \/>\nNirgendwo sonst sp\u00fcre ich<br \/>\nso deutlich,<br \/>\ndass ich nicht einen Leib habe,<br \/>\nsondern Leib bin;<br \/>\nf\u00fcr diese gl\u00fcckliche Erfahrung<br \/>\ndanke ich Dir.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">So erlebe ich mich<br \/>\nin Lauf und Bewegung,<br \/>\nin Spiel und Wettkampf,<br \/>\nin \u00dcbung und Leistung,<br \/>\nin Sieg und Niederlage.<br \/>\nImmer bin ich ganz beteiligt<br \/>\nmit K\u00f6rper und Geist,<br \/>\nmit Leib und Seele,<br \/>\nmit Haut und Haaren,<br \/>\nmit Hand und Fu\u00df.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Deshalb bitte ich<br \/>\ndich:<br \/>\nHalte mich in H\u00f6hen und Tiefen.<br \/>\nGib mir Bereitschaft und Ausdauer.<br \/>\nBewahre mir Freude und Gesundheit.<br \/>\nSchenke mir Zuversicht und Frieden.<br \/>\nLass mich am Ende meines Lebens<br \/>\nden Siegespreis erringen,<br \/>\nden du allem fairen M\u00fchen und K\u00e4mpfen<br \/>\nverhei\u00dfen hast. Amen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Zu unserem Herrn,<br \/>\nder uns beschenkt und begleitet, beten wir voll Vertrauen:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">&#8211; f\u00fcr alle<br \/>\nChristen: dass sie durch Gottes Wort ermutigt<br \/>\nwerden, f\u00fcr andere dazusein.<br \/>\n&#8211; f\u00fcr die Verantwortlichen in der Politik und in den<br \/>\nMedien: dass sie die W\u00fcrde aller Menschen achten<br \/>\nund zur Verst\u00e4ndigung der V\u00f6lker beitragen.<br \/>\n&#8211; f\u00fcr alle Sportlerinnen und Sportler: dass sie gesund und verantwortungsbewusst,<br \/>\nzuversichtlich und hilfsbereit bleiben.<br \/>\n&#8211; f\u00fcr die Betreuerinnen und Betreuer und f\u00fcr alle, die in<br \/>\nden Sportverb\u00e4nden eine Funktion \u00fcbernommen haben: dass sie<br \/>\nfair und r\u00fccksichtsvoll miteinander umgehen und die &#8222;Sorge<br \/>\num den Menschen&#8220; zu ihrem Hauptanliegen im Sport machen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Um all das bitten<br \/>\nwir dich, Herr, denn du bist der Freund der Menschen. Dich preisen wir<br \/>\nin Ewigkeit. Amen<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"> Herr, du wei\u00dft,<br \/>\ndass ich etwas leisten will,<br \/>\nnat\u00fcrlich m\u00f6chte ich, dass mir etwas gelingt.<br \/>\nNiemand verachtet den Erfolg.<br \/>\nDoch manches l\u00e4sst sich nicht erzwingen,<br \/>\nauch nicht, wenn ich darum bitte.<br \/>\nIch gebe zu, ich brauche dich,<br \/>\nwenn ich vor einer Leistung stehe,<br \/>\nwenn ich unsicher bin und nicht wei\u00df,<br \/>\nob die Sache gelingen wird.<br \/>\nIst es gelungen, bist du oft schnell vergessen,<br \/>\nhatte ich Pech, finde ich dich auch nicht mehr.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Gib, dass ich nicht<br \/>\nnur auf mich sehe,<br \/>\nauf mein Tun, meinen Erfolg!<br \/>\nHilf, dass ich anderen helfen kann,<br \/>\nf\u00fcr sie etwas leiste.<br \/>\nLass mich nicht nur auf das sehen,<br \/>\nwas mir fehlt, sondern dankbar<br \/>\nf\u00fcr das sein, was du mir gibst. Amen<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Lehre mich, o Herr,<br \/>\ndie Regeln des Spiels zu achten.<br \/>\nLehre mich, o Herr, bescheiden zu sein,<br \/>\nwenn es schief geht, nicht traurig zu werden.<br \/>\nHilf mir, dass ich unterscheiden lerne<br \/>\nzwischen echter Leistung und Angeben.<br \/>\nGestatte mir nicht, dass ich auf billiges<br \/>\nLob h\u00f6re oder es austeile.<br \/>\nLehre mich die hohe Kunst zu siegen,<br \/>\nwenn es meine Kraft mir eingibt.<br \/>\nWenn ich aber nicht zu siegen vermag,<br \/>\ndann vor allem erh\u00f6re mein Gebet.<br \/>\nLass mich die Niederlage mit W\u00fcrde<br \/>\nund Gelassenheit ertragen.<br \/>\nDu, o Herr, bist mein Sieg! Amen (Aus dem Schwedischen)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"> <b><a name=\"predigt\"><\/a>Predigtgedanken<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Sind Fu\u00dfballer<br \/>\nunsere wahren G\u00f6tter?<br \/>\nJedes Fu\u00dfballspiel ist ein Fest der Gef\u00fchle. Die runde Kugel<br \/>\nbewegt nicht nur die 22 Akteure auf dem gr\u00fcnen Rasen, Fu\u00dfball<br \/>\nbewegt unsere Herzen auch als Zuschauer: Da werden &#8218;Helden in den Himmel<br \/>\ngehoben&#8216; und andere als &#8218;Versager verdammt&#8216;, Rituale und Symbole werden<br \/>\ngepflegt, es wird viel \u00fcber Gerechtigkeit, Zufall und Gl\u00fcck<br \/>\ndiskutiert, Tr\u00e4nen der Freude oder der Entt\u00e4uschung flie\u00dfen<br \/>\n&#8211; selbst vom Fu\u00dfballgott ist die Rede. Hinter den Spruchweisheiten<br \/>\nwie &#8218;Der Ball ist rund&#8216; oder &#8218;Neues Spiel &#8211; Neues Gl\u00fcck&#8216; &#8211; steckt<br \/>\neine tiefere Botschaft. Es ist der Wunsch nach Verwandlung des Alltags,<br \/>\nnach Unterbrechung von Arbeit und Eint\u00f6nigkeit, nach Partizipation<br \/>\nund Gro\u00dfartigkeit &#8211; wenigstens f\u00fcr die 90 oder 120 Minuten<br \/>\ndes Spiels. Die Begeisterung f\u00fcr den Fu\u00dfball hat f\u00fcr<br \/>\nviele Fans fast religi\u00f6se Qualit\u00e4t. Schals, M\u00fctzen und<br \/>\nTrikot weisen die Konfession aus und die liturgischen Ges\u00e4nge im<br \/>\nStadion bekunden die Bewunderung f\u00fcr die eigenen Stars oder die<br \/>\nVerachtung der anderen Mannschaft.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">So offen und frei,<br \/>\nso beweglich, dramatisch und eben nicht festgelegt w\u00fcnschen wir<br \/>\nuns unser Leben &#8211; eben spielerisch. Das Spiel unterbricht die Zeit,<br \/>\nl\u00e4sst uns Stress und soziale Schranken vergessen, schafft einen<br \/>\neigenen Rhythmus der Woche bzw. des Jahres und bildet neue, bewegte<br \/>\n&#8218;Samstags&#8216;-Gemeinden. Selbst ein &#8218;Fu\u00dfballmuffel&#8216; wird sich der<br \/>\nWeltmeisterschaft nicht ganz entziehen k\u00f6nnen; sie ist Thema.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">M\u00f6gen die<br \/>\nSpiele auch Millionen Zuschauer vor den Fernsehschirm im eigenen Wohnzimmer<br \/>\nlocken, wichtiger noch ist aktives Sporttreiben und die Einsicht: Sport<br \/>\nverbindet &#8211; alt und jung, \u00fcber Kulturgrenzen und Sprachbarrieren<br \/>\nhinaus. Deshalb ist es gut, wenn in verschiedenen Gemeinden neben Gottesdiensten<br \/>\nauch Turniere, Caf\u00e9s und Gro\u00dfleinw\u00e4nde f\u00fcrs gemeinsame<br \/>\nZuschauen vorbereitet sind.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Sind Fu\u00dfballer<br \/>\nunsere wahren G\u00f6tter? Wer hinter die Kulissen des Spitzensports<br \/>\nblickt, entdeckt Menschen &#8222;wie du und ich&#8220;: mit St\u00e4rken<br \/>\nund Schw\u00e4chen, Hoffnungen und Bef\u00fcrchtungen, Erfolgen und<br \/>\nNiederlagen, kleinen Eitelkeiten und gro\u00dfen Sehns\u00fcchten und<br \/>\nTr\u00e4umen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Sportidole werden<br \/>\nsie durch ihre Leistungen; manchmal r\u00fcckt sie ihr Verdienst in<br \/>\nschwindelnde H\u00f6hen. Die Medien transportieren sie uns ganz nahe:<br \/>\nwir nehmen teil an den Stufen einer Erfolgsleiter, die anderen ein Leben<br \/>\nlang versperrt bleiben, wir sp\u00fcren den Erwartungsdruck und ahnen<br \/>\netwas von der extremen Belastung. Fu\u00dfballer m\u00fcssen nach bitteren<br \/>\nNiederlagen die Kraft zum Weitermachen finden, Sieg und Niederlage liegen<br \/>\ndicht beieinander. Als &#8222;G\u00f6tter&#8220; sind sie allemal \u00fcberfordert.<br \/>\nOliver Kahn, der Torh\u00fcter des FC Bayern und der Nationalmannschaft,<br \/>\nantwortete auf die Frage nach dem &#8222;Fu\u00dfball-Gott&#8220; einmal:<br \/>\n&#8222;Es gibt nur einen Gott&#8220; &#8211; und er wies himmelw\u00e4rts; eine<br \/>\nweise Geste und Haltung wie mir scheint.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Ich mag Fu\u00dfball,<br \/>\nich liebe dieses Spiel. Ob nun die Freude an seiner \u00c4sthetik, an<br \/>\nBegeisterung und Spannung, an Aufstiegs- oder Abstiegsdramen &#8211; die Palette<br \/>\nder Leidenschaften ist bunt. Fu\u00dfball als &#8218;Religion&#8216; zelebriert<br \/>\nweist in der Tiefe auf die Hoffnung der Verwandlung des Alltags, auf<br \/>\ndie Sehnsucht nach einem Gott zum Anfassen hin. Aber die Frage &#8222;Woher<br \/>\ngewinne ich Orientierung f\u00fcr mein Leben?&#8220; hat noch einen weiteren<br \/>\nHorizont.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Fu\u00dfball ist<br \/>\nunser Leben &#8211; sang die Nationalmannschaft vor Jahren. Wo Fu\u00dfball<br \/>\nBeruf ist, stimmt das vordergr\u00fcndig. Aber unser Leben ist mehr<br \/>\nals Fu\u00dfball. Gerade wer im Spitzensport fr\u00fch Erfolge feiert,<br \/>\nmerkt bald, dass Geld und Medaillen allein noch kein erf\u00fclltes<br \/>\nLeben garantieren. Und wer bittere Niederlagen durchleiden muss und<br \/>\ndabei von der \u00d6ffentlichkeit scharf kritisiert wird, der fragt<br \/>\nst\u00e4rker als andere nach einem festen Halt im Leben. Sport kann<br \/>\neinen wertvollen Beitrag zu einem zufriedenen, sinnerf\u00fcllten Leben<br \/>\nleisten. Aber er allein reicht nicht aus: wenn das Spiel aus ist, bleibt<br \/>\ndie Frage nach Gott bestehen. Spitzensportler sind Vorbilder, aber eben<br \/>\nkeine &#8222;G\u00f6tter&#8220;. Mit der Frage nach den s\u00e4kularen<br \/>\nG\u00f6ttern in einer entchristlichten Gesellschaft geschieht ein St\u00fcck<br \/>\n&#8218;Entd\u00e4monisierung&#8216; und &#8218;Entlastung&#8216;: sie l\u00e4sst den Zauber<br \/>\ndes Fu\u00dfballspiels unbenommen, aber die Promis sympathischer und<br \/>\nmenschlicher werden. Wo Fu\u00dfball die sch\u00f6nste Nebensache der<br \/>\nWelt bleibt, ist auch der Erfolg kein Problem, weil sich keiner \u00fcber<br \/>\nden anderen zu erheben braucht und die &#8218;Kicker&#8216; mit ihrer himmlischen<br \/>\nTechnik die richtige Bodenhaftung behalten. Kann die Teilhabe am einem<br \/>\nSieg der eigenen Mannschaft die hundert Niederlagen des Alltags ersetzten?<br \/>\nWo die gro\u00dfen Stars unserer Fest- und Feierkultur &#8218;entg\u00f6ttert&#8216;<br \/>\nwerden, w\u00e4chst die Chance, unser Berufs- und Alltagsleben in all<br \/>\nseiner Unvollkommenheit menschlich anzunehmen.<\/span><\/p>\n<p><a name=\"traum\"><\/a><\/p>\n<p><b><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Lebens(t)raum Fu\u00dfball in der einen Welt<\/span><\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Wenn ich k\u00f6nnte,<br \/>\ng\u00e4be ich jedem Kind<br \/>\neine Weltkarte &#8230;<br \/>\nUnd wenn m\u00f6glich,<br \/>\neinen Leuchtglobus,<br \/>\nin der Hoffnung,<br \/>\nden Blick des Kindes<br \/>\naufs \u00e4u\u00dferste zu weiten<br \/>\nund in ihm<br \/>\nInteresse und Zuneigung zu wecken<br \/>\nf\u00fcr alle V\u00f6lker,<br \/>\nalle Rassen,<br \/>\nalle Sprachen,<br \/>\nalle Religionen. (Helder Camara)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Wie unterschiedlich der &#8222;weltumschlie\u00dfende Ball&#8220; das<br \/>\nLeben und den Alltag mit seinen Tr\u00e4umen und Lasten bestimmt, kann<br \/>\nz. B. \u00fcber kurze Lebensbeschreibungen von drei gleichaltrigen Jungens<br \/>\n(ca. 12 Jahre) erz\u00e4hlt werden: <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">S\u00fcd- und Mittelamerika:<br \/>\nz. B. Pedro lebt in Kolumbien &#8211; hat keine Ausbildungschance &#8211; ern\u00e4hrt<br \/>\nsich von kleinen Handlangerdiensten &#8211; schl\u00e4ft in einer der Vorst\u00e4dte<br \/>\nvon Bogota &#8211; aber er spielt Fu\u00dfball. Der selbstorganisierte Stra\u00dfenfu\u00dfball<br \/>\nist sein Zuhause &#8211; &#8218;overcome violence&#8216; &#8211; Fu\u00dfballspielen als erster<br \/>\nSchritt gegen Tritte und Gewalt &#8211; gegen Kriminalit\u00e4t und Drogen<br \/>\n&#8211; Fu\u00dfball als sozialer Haltepunkt. Der Traum vom sozialen Aufstieg<br \/>\nist f\u00fcr die allermeisten s\u00fcdamerikanischen Fu\u00dfballer<br \/>\n(z. B. Brasilien) bis heute nur \u00fcber den Fu\u00dfball m\u00f6glich<br \/>\n&#8211; f\u00fcr die Situation in den afrikanischen L\u00e4ndern gilt Vergleichbares.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Pakistan\/Indien\/Asien:<br \/>\nAlim sitzt 12 Stunden an seinem kleinen Tisch und n\u00e4ht Fu\u00dfb\u00e4lle<br \/>\n&#8211; \u00fcber 90% aller Fu\u00dfb\u00e4lle kommen aus seinem Land &#8211; hergestellt<br \/>\nin Handarbeit &#8211; f\u00fcr Alim selbst bleibt nur ein Hungerlohn (hier<br \/>\nkann von den Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen in Indien<br \/>\noder Asien sowie von den Projekten gegen Kinderarbeit berichtet werden).<br \/>\nZum Arbeiten alt genug &#8211; zum Spielen keine Zeit &#8211; manchmal tr\u00e4umt<br \/>\nAlim davon, einer von denen zu sein, die es geschafft haben und jetzt<br \/>\nmit seinen B\u00e4llen spielen. (Weitere Informationen zu &#8218;fair&#8216; hergestellten<br \/>\nSportartikeln \u00fcber Christliche Initiative Romero, Tel.: 0251 \/<br \/>\n89503; Fax: 0251 \/ 82541; e-mail: ci-romero@t-online.de). Wer ein Fu\u00dfballturnier<br \/>\nmit Konfirmanden und Jugendlichen plant, kann auf fair gehandelte Fu\u00dfb\u00e4lle<br \/>\n(GEPA) zur\u00fcckgreifen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Deutschland\/Europa:<br \/>\nDaniel ist 12 Jahre alt und schl\u00e4ft in der wei\u00dfblauen Bettw\u00e4sche<br \/>\nseines Lieblingsvereins. Jeden Samstag geht er mit seinem Vater in die<br \/>\nArena auf Schalke &#8211; dann ist die Schule und die ganze Woche vergessen<br \/>\n&#8211; es sind die sch\u00f6nsten Stunden mit seinem Vater, den er sonst<br \/>\nwenig sieht. Daniel lebt bei seiner Mutter allein &#8211; seine Eltern sind<br \/>\ngetrennt. In ein paar Jahren wird er auch zu den Fans geh\u00f6ren,<br \/>\ndie in der &#8218;wei\u00dfblauen Kluft&#8216; Ihre Mannschaft zu jedem Ausw\u00e4rtsspiel<br \/>\nbegleiten. Fu\u00dfball als Identifikationsm\u00f6glichkeit &#8211; als soziale<br \/>\nKlammer &#8211; als Rhythmisierung der Woche etc.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Drei Jugendliche<br \/>\n&#8211; drei Kontinente &#8211; drei Schicksale &#8211; und sie sind alle auf ihre Weise<br \/>\nmit dem Fu\u00dfball verbunden. Fu\u00dfball ist Spiel &#8211; l\u00e4sst<br \/>\nuns den Alltag vergessen &#8211; aber Fu\u00dfball ist auch ein Millionenspiel<br \/>\n&#8211; und nimmt uns mitten hinein in die Realit\u00e4ten der &#8218;einen&#8216; Welt.<br \/>\nFu\u00dfball ist eingebettet in soziale und kulturelle Zusammenh\u00e4nge<br \/>\n&#8211; ist globaler Handels- und Medienmarkt &#8211; aber auch Thema einer Weltgesellschaft<br \/>\n&#8211; ist Sehnsucht nach authentischen Lebenserfahrungen &#8211; nach Einmaligkeit<br \/>\nund Gr\u00f6\u00dfe.<\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>OKR Klaus-Peter<br \/>\nWeinhold<br \/>\nSportpfarrer der EKD<\/b><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigten zur EKD-Initiative \u2013 &#8222;Sind Fu\u00dfballer unsere wahren G\u00f6tter?&#8220; Anregungen f\u00fcr einen Gottesdienst | Klaus-Peter Weinhold | Das Spiel ist in seiner Wurzel die Hoffnung auf ein gl\u00fcckliches Leben. (Hugo Rahner) Gemeinsam feiern &#8230; Zeit f\u00fcr Besinnung und Bewegung Ein Gottesdienst im Monat der Fu\u00dfballweltmeisterschaft ist ein guter Anlass, Menschen aus den \u00f6rtlichen Sportvereinen einzuladen, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8543,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,727,157,114,1693,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-9224","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelle","category-archiv","category-beitragende","category-deut","category-klaus-peter-weinhold","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9224","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9224"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9224\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23081,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9224\/revisions\/23081"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8543"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9224"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9224"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9224"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=9224"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=9224"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=9224"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=9224"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}