{"id":9226,"date":"2002-06-07T19:50:00","date_gmt":"2002-06-07T17:50:00","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9226"},"modified":"2025-04-22T13:32:54","modified_gmt":"2025-04-22T11:32:54","slug":"sind-fussballer-unsere-wahren-goetter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/sind-fussballer-unsere-wahren-goetter\/","title":{"rendered":"Sind Fu\u00dfballer unsere wahren G\u00f6tter?"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"color: #003399;\"><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Predigt zur EKD-Initiative \u2013 Sind Fu\u00dfballer unsere wahren G\u00f6tter?<\/span> | <\/span><span style=\"color: #003399;\"><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Thomas Oesterle |<\/span><\/span><\/h3>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Liebe G\u00e4ste beim Gottesdienst im Gr\u00fcnen,<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">einen etwas ungew\u00f6hnlichen Predigtgegenstand haben wir uns in diesem Jahr f\u00fcr die drei Gottesdienste im Gr\u00fcnen hier auf dem Grafenberg ausgesucht. Wir wollen Predigten \u00fcber Plakate halten, die zu einer Werbeaktion der evangelischen Kirche in Deutschland geh\u00f6ren. Unsere Kirche hat viel Geld in die Hand genommen, um in Gro\u00dfst\u00e4dten Plakatw\u00e4nde zu bekleben und in allen wichtigen deutschen Magazinen und Illustrierten Anzeigen zu schalten. Vielleicht sind sie ja schon einmal in Ihrer Fernsehzeitschrift oder in Ihrer Lieblingsillustrierte auf solche Anzeigen gesto\u00dfen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">P L A K A T Z E I G E N<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Alle Plakate und Anzeigen sind so aufgebaut, da\u00df im Hintergrund viel blauer Himmel zu sehen ist &#8211; f\u00fcr viele Menschen ist der noch immer das zentrale Symbol f\u00fcr den Aufenthaltsort Gottes. Oben auf dem Plakat dominiert eine gro\u00df heraus gehobene Frage, dann folgen Antwortangebote im multiple-choice-Verfahren. Im unteren Teil des Plakates bietet unsere Kirche an, gemeinsam mit den Fragenden nach einer Antwort zu suchen. Die einzige Kritik die ich am Aufbau der Plakate habe ist, da\u00df dieses Angebot unserer Kirche, gemeinsam mit den Menschen nach Antworten zu suchen, nicht gr\u00f6\u00dfer dargestellt ist und die Frage daf\u00fcr etwas kleiner. Denn unsere Kirche wirbt mit diesen Plakaten ja nicht in erster Linie f\u00fcr den Kirchenbesuch, oder nennt Argumente gegen einen Kirchenaustritt. Sondern Sie wirbt um Vertrauen und Sympathie, wenn Menschen einen Partner f\u00fcr die Fragen ihres Lebens suchen. Deshalb ist w\u00e4hrend der Kampagne auch eine telefonische Hotline geschaltet und eine Internet-Homepage eingerichtet, um bei der Suche nach Antworten auch tats\u00e4chlich ansprechbar zu sein.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Nat\u00fcrlich gab es auch Kritik an der neuen Werbekampagne unserer Kirche. Vor allem bei uns in W\u00fcrttemberg h\u00e4tten sich wohl Manche gew\u00fcnscht, lieber ein gutes Bibelwort so stark zu verbreiten, nicht die Alltagsfragen die oben auf den Plakaten zu sehen sind. Andere haben in den multiple-choice-Antworten gro\u00df aufgemachte Banalit\u00e4ten und Belanglosigkeiten gesehen. Statt der einen Wahrheit des Evangeliums biete unsere Kirche hier nur die Beliebigkeit eines Wahlverfahrens. Ich selbst kann diese Kritik so aber nicht teilen. Wer meint er k\u00f6nnenden Menschen Antworten anbieten, ohne sich zuvor um ihre Fragen zu k\u00fcmmern, der wird auf Dauer nicht geh\u00f6rt werden. Gute Theologie &#8211; das habe ich von meinem Lehrer Paul Tillich gelernt &#8211; ist immer ein Wechselspiel von Frage und Antwort. Nur wer jene Fragen die Menschen in sich tragen ernst nimmt, der wird dann auch die Antwort des Evangeliums so zusprechen k\u00f6nnen, da\u00df sie das menschliche Herz und den menschlichen Verstand erreichen. Und wer die tats\u00e4chliche Banalit\u00e4t der Antworten in den multiple-choice K\u00e4stchen kritisiert, der erkennt nicht, da\u00df diese K\u00e4stchen nicht das Antwortangebot der Kirche darstellen sollen, sondern die Banalit\u00e4ten die in der Zwischenzeit unsere Medien und unseren Alltag bestimmen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Doch nun komme ich zum Plakat des Monats Juni. &#8222;Sind Fu\u00dfballer unsere wahren G\u00f6tter ?&#8220; wird da gefragt. Das ist eine Frage die in diese Wochen der Fu\u00dfball-WM in Japan gut pa\u00dft. Aber vielleicht winken jetzt auch schon Viele von Ihnen innerlich ab und denken: &#8222;Ach &#8211; das ist doch klar, was der als Pfarrer dazu sagen wird.&#8220; Doch gemach: Ich habe selbst aktiv 7 Jahre lang im Verein Fu\u00dfball gespielt, habe erst vor kurzem meine Neffen dadurch ins bewundernde Staunen versetzt, da\u00df ich alle Fu\u00dfballweltmeister seit 1930 l\u00fcckenlos aufz\u00e4hlen konnte und nat\u00fcrlich bin ich in der vergangenen Woche vor dem Fernsehger\u00e4t gesessen um den Weg der deutschen Mannschaft zu verfolgen. Wenn mir also etwas v\u00f6llig ferne liegt, dann den Fu\u00dfball und die WM madig zu machen. Dazu habe ich viel zu viel Spa\u00df am Sport, am Fu\u00dfball im Speziellen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Da\u00df nun Fu\u00dfball etwas mit Religion zu tun hat, das konnte man in Deutschland in der letzen beiden Jahren deutlich sehen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Unvergessen ist das dramatische Ende der vorletzten Bundesliga &#8211; Saison als Schalke so knapp die Meisterschaft verpa\u00dfte und Rudi Assauer darauf hin \u00f6ffentlich mit dem Fu\u00dfball &#8211; Gott haderte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Unvergessen auch, wie Oliver Kahn zum Fu\u00dfball-Gott erhoben wurde, als er im Elfmeterschie\u00dfen das Champions-League Endspiel f\u00fcr die Bayern rettete. Sch\u00f6n war, da\u00df er selbst, als er mit diesem Ehrentitel konfrontiert wurde in den Himmel zeigte und knapp sagte: &#8222;Es gibt nur Einen.&#8220;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Unvergessen ist auch, da\u00df Rainer Calmund die vielen zweiten Pl\u00e4tze seiner Leverkusener in diesem Jahr so erkl\u00e4rte, da\u00df da wohl der Fu\u00dfball-Gott nicht mitgespielt habe.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Wir merken an diesen wenigen Beispielen: Der sportliche Wettkampf, der uns bei Siegen zu ungeheurer Euphorie und bei Niederlagen in tiefe Trauer st\u00fcrzen kann, er ist dazu geeignet, religi\u00f6s verbr\u00e4mt oder aufgeladen zu werden. Ich will dieses Ph\u00e4nomen nicht gleich mit einem Blasphemie &#8211; Vorwurf zu Seite schieben, sondern es zum Ausgangspunkt theologischen Nachdenkens machen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Die Bibel sagt im ersten der 10. Gebote: &#8222;Ich bin der Herr dein Gott, der ich dich aus dem \u00c4gyptenland aus der Knechtschaft gef\u00fchrt habe. Du sollst keine anderen G\u00f6tter haben neben mir.&#8220; (Ex.20,2-3). Dieses Gebot konstatiert zuerst einmal, da\u00df es neben dem einen, alleine zu verehrenden Gott selbstverst\u00e4ndlich auch noch andere G\u00f6tter gibt. Was aber sind diese G\u00f6tter? Martin Luther schreibt dazu in seiner Auslegung des 1. Gebotes: &#8222;&#8230;alleine das Trauen und Gl\u00e4uben des Herzens machet beide, Gott und Abgott. &#8230; Worauf du nu&#8216; dein Herz h\u00e4ngest und verl\u00e4ssest, das ist eigentlich dein Gott.&#8220;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">G\u00f6tter sind &#8211; wenn man Luthers Gedanken aufgreift, irgendwelche innerweltlichen Gr\u00f6\u00dfen, z.B. das Geld (BSLK S.561), die angestrebte Karriere, Menschen die man sich als Vorbilder w\u00e4hlt, oder Helden und Retter (Heiligenverehrung BSLK S.562), die in einer bestimmten Lebenssituation sehr wichtig werden k\u00f6nnen. So wichtig, da\u00df man sich ganz nach ihnen ausrichtet, sich v\u00f6llig an ihnen orientiert. Das ist in sich schon problematisch, vor allem weil man \u00fcber diesen G\u00f6ttern irgendwann den wahren Gott aus dem Blick verliert. Wirklich gef\u00e4hrlich werden diese G\u00f6tter aber dann, wenn sie auch von sich aus einen unbedingten Anspruch auf unser Leben entfalten, wenn sie f\u00fcr sich beanspruchen, was alleine Gott selbst zusteht. Wenn irgendeinen endliche Gr\u00f6\u00dfe oder eine endliche Person auf unser Herz und Gef\u00fchl einen unendlichen Anspruch erhebt, dann kommt es erst zu einer wesentlichen Verwechslung. Dann setzt sich an die Stelle des einen wahren Gottes ein G\u00f6tze der doch nicht Gott ist. Das kann dann auch d\u00e4monische Z\u00fcge annehmen (Tillich ST III, S. 120ff). Luther hat richtig erkannt, da\u00df wir immer wieder auf die G\u00f6tter hereinfallen, weil man Gott nicht &#8222;&#8230;mit Fingern ergreifen und fassen noch in einen Beutel stecken oder in einen Kasten schlie\u00dfen kann.&#8220; Da machen es uns die G\u00f6tter einfacher, denn sie entstammen unserer endlichen und anfa\u00dfbaren Welt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Wenn ich nun zur Frage zur\u00fcckkehre: &#8222;Sind Fu\u00dfballer unsere wahren G\u00f6tter&#8220; &#8211; so w\u00fcrde ich also antworten: G\u00f6tter k\u00f6nnen sie f\u00fcr machen Menschen vielleicht sein, aber hoffentlich sind sie es nur in dem begrenzten, fehlbaren und scheiternden Sinn, wie es auch die G\u00f6tter der griechischen Sagen waren. Wahr und wahrhaftig ist aber nur der eine Gott von dem uns die Bibel berichtet und den uns Jesus Christus in einer un\u00fcberbietbaren Weise gezeigt hat.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Gegen\u00fcber den begrenzten und fehlbaren G\u00f6ttern dieser Welt sind aber Zweifel und Kritik angebracht, denen tut es gut wenn man sie immer einmal wieder mit kritischen theologischen Verstand vom Throne st\u00fcrzt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Dem einen wahren Gott aber sollten wir vertrauen lernen, denn er gibt uns Sinn und Gewi\u00dfheit in einer ungewissen Welt. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Fu\u00dfball ist uns bleibt f\u00fcr mich eine der wirklich sch\u00f6nen Nebensachen der Welt. Diese Nebensachen machen aber das Leben sch\u00f6n, deshalb sollte man sie nicht untersch\u00e4tzen oder klein reden. Schon in der vergangenen Woche hat er mir einige sch\u00f6ne und auch dramatische Stunden bereitet. Nur &#8211; egal wie weit unsere Jungs in Japan und S\u00fcdkorea noch kommen, um die letzen Dinge des Lebens geht es beim Fu\u00dfball nicht, das sollten wir festhalten. AMEN<\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>Thomas Oesterle<br \/>\n<a href=\"mailto:ev.pauluski.ost.schorndorf@t-online.de\">E-Mail: ev.pauluski.ost.schorndorf@t-online.de<\/a><\/b><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zur EKD-Initiative \u2013 Sind Fu\u00dfballer unsere wahren G\u00f6tter? | Thomas Oesterle | Liebe G\u00e4ste beim Gottesdienst im Gr\u00fcnen, einen etwas ungew\u00f6hnlichen Predigtgegenstand haben wir uns in diesem Jahr f\u00fcr die drei Gottesdienste im Gr\u00fcnen hier auf dem Grafenberg ausgesucht. Wir wollen Predigten \u00fcber Plakate halten, die zu einer Werbeaktion der evangelischen Kirche in Deutschland [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":12510,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,727,157,120,114,109,1413],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-9226","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelle","category-archiv","category-beitragende","category-bes_gelegenheiten","category-deut","category-predigten","category-thomas-oesterle"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9226","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9226"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9226\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23106,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9226\/revisions\/23106"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12510"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9226"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9226"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9226"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=9226"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=9226"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=9226"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=9226"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}