{"id":9227,"date":"2002-05-07T19:49:59","date_gmt":"2002-05-07T17:49:59","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9227"},"modified":"2025-04-19T14:56:37","modified_gmt":"2025-04-19T12:56:37","slug":"was-ist-glueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/was-ist-glueck\/","title":{"rendered":"Was ist Gl\u00fcck?"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><span style=\"color: #003399;\">Predigten zur EKD-Initiative \u2013 Was ist Gl\u00fcck?<\/span><\/span> |<span style=\"color: #003399;\"><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"> Mai 2002 | Lutz Friedrichs |<\/span><\/span><\/h3>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><i>Rabbi Chajjim<br \/>\nvon Zans<\/i> pflegte zu sagen, dass die meisten Menschen hin- und herreisen,<br \/>\nimmer im Kreis herum, auf der Suche nach Gl\u00fcck und der Jagd nach<br \/>\nReichtum, und entt\u00e4uscht sind, wenn sie weder das eine noch das<br \/>\nandere finden. Vielleicht w\u00e4re es besser, wenn sie einmal anhielten<br \/>\nund dem Gl\u00fcck erlaubten, sie dort zu finden, wo sie sind.<br \/>\n[in: W. Wolf\/R. Spennhoff (Hgg.): Zusammen wachsen, Neukirchen-Vluyn<br \/>\nund Stuttgart 1999, 128]<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><a name=\"1\"><\/a><b>I.<br \/>\nWas ist Gl\u00fcck? Ann\u00e4herungen an das Thema<\/b><br \/>\nWas ist Gl\u00fcck? Das 3. Plakat der EKD-\u00d6ffentlichkeitsinitiative<br \/>\nwird am 1. Mai geschaltet. Die Frage ist gesellschaftlich &#8222;dran&#8220;.<br \/>\n<i>Einfach gl\u00fccklich &#8211; Ohne Stress zum sch\u00f6nsten Gef\u00fchl<br \/>\nder Welt <\/i>titelt etwa der Fokus im M\u00e4rz 2002 (Nr. 10, 4. M\u00e4rz<br \/>\n2002). Der Artikel stellt das neue Buch des Dalai Lama: <i>Der Weg zum<br \/>\nGl\u00fcck<\/i>, Freiburg 2002, vor und stellt es in den Zusammenhang<br \/>\ngegenw\u00e4rtiger Suche nach Gl\u00fcck. &#8222;Die meisten Menschen&#8220;,<br \/>\nso wird der Soziologieprofessor Alfred Bellebaum zitiert, &#8222;sind<br \/>\nGetriebene. Sie jagen nach Gl\u00fcck, ohne zu wissen, wonach sie eigentlich<br \/>\nsuchen.&#8220; (65) Der Ausweg des Dalai Lama ist ein buddhistisch &#8222;spiritueller&#8220;,<br \/>\nder darauf ziele, so der Artikel, &#8222;Leid zu vermeiden&#8220;. Davon<br \/>\nabgesetzt wird die &#8222;christliche Philosophie&#8220;, wie sie etwa<br \/>\nFriedrich H\u00f6lderlin vertreten habe: &#8222;Leid adelt den Menschen.<br \/>\nNur wer Leid ertr\u00e4gt, wird Gl\u00fcck erfahren.&#8220;<br \/>\nDer Artikel wertet an dieser Stelle nicht, sondern stellt Denkwege nebeneinander<br \/>\n&#8211; der christliche ist einer davon. Das spiegelt die gesellschaftliche<br \/>\nSituation. Was Gl\u00fcck ist, da hat jeder seine eigenen Vorstellungen.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>Gl\u00fcck ist&#8230;<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Fokus hat Prominente<br \/>\ngefragt. Deren Antworten zeigen anschaulich, wie unterschiedlich Gl\u00fcck<br \/>\nverstanden werden kann:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">(1) &#8222;Gl\u00fcck<br \/>\nempfinde ich, wenn ich erreiche, was ich mir vorgenommen habe, wenn<br \/>\nich mit meiner Arbeit zufrieden bin und nette, liebenswerte Menschen<br \/>\nmich umgeben. [\u0085] Ich f\u00fchle mich dem perfekten Gl\u00fcck<br \/>\nziemlich nahe. Eigentlich fehlt mir nur eins: mehr Zeit.&#8220; (Heinz<br \/>\nWinkler, Spitzenkoch)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">(2) &#8222;Gl\u00fcck<br \/>\nhei\u00dft f\u00fcr mich: meine drei Kinder. Sind die drei gl\u00fccklich<br \/>\nund zufrieden, dann bin ich es auch. [\u0085] Perfektes Gl\u00fcck?<br \/>\nGibt es das? Jedenfalls wei\u00df ich, was mir dazu fehlen w\u00fcrde:<br \/>\nein starker Partner, an den ich mich anlehnen kann.&#8220; (Gabriele<br \/>\nBlachnik, Modedesignerin)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">(3) &#8222;Gl\u00fcck<br \/>\n&#8211; das sind Bruchteile von Sekunden, \u00fcber ein Leben verstreut. [\u0085]<br \/>\nPerfektes Gl\u00fcck gibt es nicht, an Perfektion bin ich auch gar nicht<br \/>\ninteressiert [\u0085]&#8220;. (Else Buschheuer, Autorin)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">(4) &#8222;Ich bin<br \/>\nein gl\u00fccklicher Mensch&#8220; (Allessandro Zanardi, Rennfahrer,<br \/>\n6 Wochen nach seinem Unfall, bei dem er beide Beine verlor).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Karl-Fritz Daiber<br \/>\nhat drei existentielle Dimensionen der Gl\u00fccksfrage unterschieden:<br \/>\nGl\u00fcck als Lebenssinn (Antwort 1 und 2), Augenblicke des Gl\u00fccks<br \/>\n(Antwort 3) und Gl\u00fcck als Gl\u00fccksfall (Antwort 4). Die Antwortvorgaben<br \/>\ndes EKD-Plakats lassen sich dem in etwa so zuordnen: &#8222;Ein Ticket<br \/>\nf\u00fcr die Fu\u00dfball WM&#8220; spricht Gl\u00fcck als &#8222;Gl\u00fccksfall&#8220;<br \/>\nan, ebenso die Gehaltserh\u00f6hung, f\u00fcr die man zwar arbeiten<br \/>\noder k\u00e4mpfen kann, die aber nicht selten doch zufallendes &#8222;Gl\u00fcck&#8220;<br \/>\nbleibt. &#8222;Wieder mal bei Oma Erdbeerkuchen essen&#8220; spricht Gl\u00fcck<br \/>\nals &#8222;Erinnerungsaugenblick&#8220; an, &#8222;Gesundheit&#8220;, die<br \/>\nnicht machbar ist, ist zufallendes Gl\u00fcck, geh\u00f6rt aber eher<br \/>\nin den Bereich &#8222;Lebenssinn&#8220;.<br \/>\nEs ist denkbar, diesen Antwortmustern entsprechend thematische Schwerpunkte<br \/>\nzu setzen. Reizvoll w\u00e4re es, dem Zusammenhang von Erinnerung, Kindheit,<br \/>\nGeborgenheit nachzugehen (&#8222;Erdbeerkuchen&#8220;), vielleicht mit<br \/>\neinem Buch\/einer Geschichte von Astrid Lindgren. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>Wege zum Gl\u00fcck<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Der vorliegende<br \/>\nEntwurf geht einen anderen Weg. Er versucht, die spirituelle Kraft des<br \/>\nchristlichen Glaubens auf dem Hintergrund allgemeiner Gl\u00fcckssuche<br \/>\nin und mit der Anst\u00f6\u00dfigkeit der jesuanischen Gl\u00fccksvorstellungen<br \/>\nherauszustellen. Die Predigt konzentriert sich auf den letzteren Aspekt<br \/>\nund nimmt in kognitiv-reflexiver Weise an der &#8222;Debatte um das Lebensgl\u00fcck&#8220;<br \/>\n(Daiber 1990, 200) teil, die liturgischen Elemente des Gottesdienstes<br \/>\nhingegen versuchen, das &#8222;spirituelle&#8220; Element in Form von<br \/>\nGebet, Musik und Meditation einzuspielen. Gl\u00fcck ist, dass es mich<br \/>\nfindet soll zum Ausdruck kommen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">&#8222;Gl\u00fcck<br \/>\n&#8211; jeder Mensch versteht etwas anderes darunter, aber f\u00fcr alle bedeutet<br \/>\nes die Erf\u00fcllung, das h\u00f6chste Lebensziel. Alle jagen es, nur<br \/>\nein Teil erlangt es, bei noch wenigeren bleibt es.&#8220; (Fokus 64)<br \/>\nDie Frage nach dem Gl\u00fcck spitzt sich deshalb so zu: Was ist in<br \/>\nWahrheit Gl\u00fcck? Wie werde ich wirklich gl\u00fccklich? <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Der Weg zum wahren<br \/>\nGl\u00fcck ist strittig. Die biblisch-christliche Antwort ist dabei<br \/>\nnur eine unter anderen. Das ist das Neue, das Herausfordernde auch f\u00fcr<br \/>\ndie evangelische Kirche: dass ihre \u00dcberzeugungskraft von der existenziellen<br \/>\n&#8222;Stimmigkeit&#8220; ihrer Antwort abh\u00e4ngig ist. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>Geld macht nicht<br \/>\ngl\u00fccklich<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Der Fokus-Artikel<br \/>\nverortet das Buch des Dalai Lama zu Recht in der &#8222;kaum zu \u00fcberblickenden<br \/>\nMenge an pseudowissenschaftlichen Abhandlungen und bunten Ratgebern&#8220;<br \/>\n(64) zum Thema Gl\u00fcck. Im Trend liegt dabei der &#8222;spirituelle<br \/>\nWeg&#8220;, nicht zuletzt deshalb, weil auch statistisch nachweisbar<br \/>\nist, dass mit der Zunahme materiellen Wohlstands das Gef\u00fchl, gl\u00fccklich<br \/>\nund zufrieden zu sein, nicht mitw\u00e4chst: &#8222;Obwohl das durchschnittliche<br \/>\nJahreseinkommen in den vergangenen 46 Jahren von 1000 \u20ac auf knapp<br \/>\n19.000 \u20ac gestiegen ist, vervielfachte dies nicht die Zufriedenheit<br \/>\nder Deutschen. 1954 gaben 28 Prozent an, sehr gl\u00fccklich zu sein.<br \/>\nDieser Wert schwankt leicht, hat sich seitdem aber fast nicht ver\u00e4ndert<br \/>\n&#8211; trotz h\u00f6herer L\u00f6hne, k\u00fcrzerer Arbeitszeiten, l\u00e4ngerer<br \/>\nUrlaube, mehr Freizeit und einen besseren sozialen Absicherung.&#8220;<br \/>\n(66) <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>&#8222;Gl\u00fccklich,<br \/>\ndie da Leid tragen&#8230;&#8220;<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Die Frage nach<br \/>\nGl\u00fcck ist offensichtlich eine Frage nach innerer Zufriedenheit,<br \/>\nund eine Frage, wie die zu erreichen ist. Auffallend ist, dass auch<br \/>\ns\u00e4kulare Ratgeberliteratur das Beten als Anleitung zum Gl\u00fccklichwerden<br \/>\nempfiehlt oder gar zur &#8222;Demut&#8220; anleitet, verstanden als &#8222;Verneigen<br \/>\nvor dem G\u00f6ttlichen Prinzip und der Natur, das Achten und Ehren<br \/>\nvon Mensch und Tier, das Wissen um den eigenen Platz im Gef\u00fcge<br \/>\ndes Ganzen und das Kennen der eigenen Verantwortung.&#8220; (Bauer, Angeline:<br \/>\nSo finde ich mein Gl\u00fcck, M\u00e4rchen zum Gelingen des Lebens,<br \/>\nG\u00fctersloh 2002, 93) <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Dieses religi\u00f6s-spirituelle<br \/>\nSignum einer nach Gl\u00fcck suchenden Zeit provoziert geradezu, das<br \/>\nspezifisch christliche Profil von Gl\u00fcckssuche herauszustellen.<br \/>\nDer jesuanische Satz: &#8222;Gl\u00fccklich, der da Leid tr\u00e4gt&#8230;&#8220;<br \/>\nmag auf den ersten Blick befremdlich sein, doch in ihm steckt existenzielle<br \/>\nWahrheit. Daran erinnert auf seine Weise auch der Fokusartikel, weil<br \/>\ner die Frage nach Gl\u00fcck in den Horizont &#8222;\u00fcberw\u00e4ltigender<br \/>\nErfahrungen von Ungl\u00fcck&#8220; (Daiber 204) stellt. <a name=\"2\"><\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>II. Gottesdienstentwurf<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"> Dass Gl\u00fcck<br \/>\nzum Thema eines Gottesdienstes wird, ist eher \u00fcberraschend. Daiber<br \/>\nspricht von einer eigent\u00fcmlichen theologischen, insbesondere protestantischen<br \/>\n&#8222;Distanz zu Gl\u00fccksvorstellungen.&#8220; (Daiber 196) Auf diesem<br \/>\nHintergrund wird die Absicht der Kampagne, sich existenziell angehenden<br \/>\nSinnfragen der Menschen von heute zu stellen, noch einmal besonders<br \/>\ndeutlich.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"> Das Thema der<br \/>\nEKD-Kampagne f\u00e4llt kirchenjahreszeitlich in die Zeit von Rogate<br \/>\n(5. Sonntag nach Ostern, 5. Mai 2002) bis Trinitatis (26. Mai 2002).<br \/>\nAnschl\u00fcsse f\u00fcr einen Gottesdienst zum Thema sind am ehesten<br \/>\nan Rogate (Gl\u00fcck und Gebet) und Pfingsten (Heiliger Geist und Gl\u00fcck)<br \/>\nzu finden, gut denkbar ist Pfingstmontag mit seinem thematischen Schwerpunkt:<br \/>\n&#8222;Die Kirche des Geistes. Gottes Geist bringt Menschen zur Erkenntnis<br \/>\nder Wahrheit, f\u00fchrt sie zusammen und l\u00e4sst sie ihre verschiedenen<br \/>\nGaben entdecken&#8220; (Agende I EKKW, 279). <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Die Motive &#8222;Gl\u00fcck&#8220;<br \/>\nund &#8222;Baum&#8220; (Psalm 1) haben bei vorliegendem Gottesdienstentwurf<br \/>\ndie Auswahl der Lieder\/Liedstrophen mitbestimmt.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>Begr\u00fc\u00dfung<\/b><\/span><\/p>\n<p>mit Hinweis auf Plakat und Thema des Gottesdienstes<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>Eingangsmeditation<\/b><br \/>\n&#8222;Wieder ein Morgen<br \/>\nohne Gespenster<br \/>\nim Tau funkelt der Regenbogen<br \/>\nals Zeichen der Vers\u00f6hnung<br \/>\nDu darfst dich freuen<br \/>\n\u00fcber den vollkommenen Bau der Rose<br \/>\ndarfst dich im gr\u00fcnen Labyrinth<br \/>\nverlieren und wiederfinden<br \/>\nin klarer Gestalt<br \/>\nDu darfst ein Mensch sein<br \/>\narglos<br \/>\nDer Morgentraum erz\u00e4hlt dir<br \/>\nM\u00e4rchen du darfst<br \/>\ndie Dinge ordnen<br \/>\nFarben verteilen<br \/>\nund wieder<br \/>\nsch\u00f6n sagen<br \/>\nan diesem Morgen<br \/>\ndu Sch\u00f6pfer und Gesch\u00f6pf<br \/>\n[Rose Ausl\u00e4nder, in: W. Wolf\/R. Spennhoff (Hgg.): Zusammen wachsen,<br \/>\nNeukirchen-Vluyn und Stuttgart 1999, 128]<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>Gebet<\/b><br \/>\nGott, wir danken dir<br \/>\nf\u00fcr diesen Morgen<br \/>\nund f\u00fcr deine Zeichen des Gl\u00fccks:<br \/>\nden Tau,<br \/>\nden Regenbogen,<br \/>\ndie Farben.<br \/>\nWir danken dir,<br \/>\ndass wir sein d\u00fcrfen,<br \/>\nwie wir sind,<br \/>\noft ungl\u00fccklich,<br \/>\ndoch dann und wann<br \/>\n\u00fcbergl\u00fccklich,<br \/>\nbeschenkt von deinem<br \/>\nReichtum und deiner Gnade.<br \/>\nAmen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>EG 452,1-3<\/b><br \/>\nEr weckt mich alle Morgen<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>Psalm 1 &#8211; Meditationen<\/b><br \/>\nNach einer Lesung von Psalm 1 in der \u00dcbersetzung von Martin Luther<br \/>\n(1984) folgen Meditationen zu Psalm 1, die mit Liedstrophen unterbrochen<br \/>\nwerden. Die Lesungen sollten von verschiedenen Sprechern vorgetragen<br \/>\nwerden. Sie k\u00f6nnen von Musik untermalt sein.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">S1:<br \/>\nPsalm 1 &#8211; nach der \u00dcbersetzung Martin Luthers (1984)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">kurze Pause<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">S 2:<br \/>\nGl\u00fccklich sind alle,<br \/>\ndie der Macht Gottes trauen<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">und nicht erstarren<br \/>\nin errechneten Wahrheiten<br \/>\nund vordergr\u00fcndigen Sicherheiten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Gl\u00fccklich<br \/>\nsind alle,<br \/>\ndie aus der Macht Gottes leben<br \/>\nbei Tag und bei Nacht<br \/>\nund einstehen<br \/>\nf\u00fcr alles,<br \/>\nwas sie bewegt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Gl\u00fccklich<br \/>\nsind alle,<br \/>\ndie nach der Macht Gottes suchen<br \/>\nund nicht zufrieden sind<br \/>\nmit Brot und Spielen<br \/>\nallein.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Sie alle sind gl\u00fccklich<br \/>\nwie ein Baum<br \/>\nzwischen Himmel und Erde,<br \/>\nals Lebenstraum<br \/>\nunverw\u00fcstbar,<br \/>\ngespannt.<br \/>\n[Vera Sabine Winkler, in: Beratungsstelle f\u00fcr Gestaltung, Materialsammlung<br \/>\nf\u00fcr einen Dekadegottesdienst Ostern, Frankfurt\/Main 1993, 26]<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>EG 503, 13<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">S 3:<br \/>\ngl\u00fccklich<br \/>\nwie ein gr\u00fcnender Baum<br \/>\ngen\u00e4hrt aus den klaren B\u00e4chen<br \/>\nder Wahrheit<br \/>\nsind alle<br \/>\ndie sich m\u00fchen<br \/>\num Gerechtigkeit<br \/>\nbei Tag und bei Nacht<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">doch wehe denen<br \/>\nderen Taten<br \/>\nnur Unrecht schaffen<br \/>\nsie vergehen<br \/>\ndavon<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">gl\u00fccklich<br \/>\nwie ein fruchtbarer Baum<br \/>\ngehalten in den bergenden Tiefen<br \/>\nder Liebe<br \/>\nsind alle<br \/>\ndie sich sehnen<br \/>\nnach Barmherzigkeit<br \/>\nbei Tag und bei Nacht<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">doch<br \/>\nwehe denen<br \/>\nderen Herzen<br \/>\nnur Urteile sprechen<br \/>\nsie erkalten<br \/>\ndavon<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">gl\u00fccklich<br \/>\nwie ein uralter Baum<br \/>\ngestreckt in die lockenden Fernen<br \/>\nder Weisheit<br \/>\nsind alle<br \/>\ndie sich \u00fcben<br \/>\nin Weitsichtigkeit<br \/>\nbei Tag und bei Nacht<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">doch<br \/>\nwehe denen<br \/>\nderen Blicke<br \/>\nnur Unheil sehen<br \/>\nsie verl\u00f6schen davon<br \/>\ndenn<br \/>\ngl\u00fccklich allein<br \/>\nsind alle<br \/>\ndie aufrecht stehen<br \/>\nwie ein Baum<br \/>\nbei Tag und bei Nacht.<br \/>\n[Vera Sabine Winkler, in: der gottesdienst III: Die Psalmen, G\u00fctersloh<br \/>\n1998, 18f]<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>EG 503, 14<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"> Wie ein Baum,<br \/>\nder am Wasser steht<br \/>\nAlle:<br \/>\nIch will wachsen und werden wie ein Baum,<br \/>\nder am Wasser steht.<br \/>\nGanz viele Fr\u00fcchte wird er bringen,<br \/>\nund seine Bl\u00e4tter werden nicht welk.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">S1:<br \/>\nUnd denen, die nicht nur auf ihren Vorteil sehen,<br \/>\ndenen nicht alles egal ist<br \/>\nund die nicht \u00fcber Gerechtigkeit und Frieden spotten,<br \/>\nwird es ebenso ergehen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">S2:<br \/>\nJa, die nach Gottes Willen leben<br \/>\nund tun, was dem Leben aller dient,<br \/>\ndie werden Fr\u00fcchte bringen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Alle:<br \/>\nIch will wachsen und werden wie ein Baum,<br \/>\nder am Wasser steht.<br \/>\nGanz viele Fr\u00fcchte wird er bringen,<br \/>\nund seine Bl\u00e4tter werden nicht welk.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">S1:<br \/>\nAber so wird es denen nicht ergehen,<br \/>\ndie den Frieden brechen.<br \/>\nSie bringen nur d\u00fcrres Gras hervor,<br \/>\ndas der Wind verstreut.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">S2:<br \/>\nSie richten sich selbst,<br \/>\nund wer ihnen vertraut, verfliegt im Wind.<br \/>\nDenn Gott ist bei denen, die den Frieden suchen;<br \/>\nandere Wege werden zu Sackgassen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Alle:<br \/>\nich will wachsen und werden wie ein Baum,<br \/>\nder am Wasser steht.<br \/>\nGanz viele Fr\u00fcchte wird er bringen,<br \/>\nund seine Bl\u00e4tter werden nicht welk.<br \/>\n[nach Klaus Bastian, in: der gottesdienst III. Die Psalmen, G\u00fctersloh<br \/>\n1998, 17f]<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>EG 503, 15<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>Lesung<\/b>:<br \/>\nDie Seligpreisungen Mt 5<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>Credo<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>EG 322, 1-6<br \/>\n<\/b>Nun danket all und bringet Ehr<a name=\"predigt\"><\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>Zur Predigt:<br \/>\n&#8222;Gl\u00fccklich, die da Leid tragen&#8230;&#8220;<\/b> <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>I. M\u00f6glicher<br \/>\nEinstieg<\/b><br \/>\nLiebe Gemeinde,<br \/>\nes ist nicht einfach zu haben. Menschen suchen es, machen sich auf den<br \/>\nWeg, jagen ihm nach. Und kaum haben sie es, ist es wieder entschwunden:<br \/>\ndas Gl\u00fcck.<br \/>\nSo ist es heute, und so war es schon damals, als noch K\u00f6nige und<br \/>\nF\u00fcrsten das Sagen hatten. Einem bin ich k\u00fcrzlich begegnet,<br \/>\neinem adeligen Gl\u00fccksj\u00e4ger: ein Schloss hat er gebaut, (Schloss<br \/>\nBranitz). Aber das Eis hat ihn ber\u00fchmter gemacht: F\u00fcrst P\u00fcckler.<br \/>\nEin Abenteurer, Lebemann, Gelehrter. Stets unterwegs, immer auf der<br \/>\nSuche nach Gl\u00fcck: ein faszinierender Mensch, mit einem wilden Leben.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>II. Weiterer<br \/>\nVerlauf <\/b><br \/>\nDer Gl\u00fccksj\u00e4ger F\u00fcrst P\u00fcckler<br \/>\nF\u00fcrst P\u00fcckler lebte von 1785 bis 1871. Auch zum Thema Kirche<br \/>\nund Gottesdienst hat er seine Beobachtungen angestellt. In einem Brief<br \/>\naus England schreibt er:<br \/>\n&#8222;Diesen Morgen ging ich in die Kirche, um fromm zu sein, es gelang<br \/>\nmir aber nicht. Es war alles darin gar zu n\u00fcchtern, und un\u00e4sthetisch<br \/>\n[&#8230;] Auch die Predigt, welche ich vernahm, war, obgleich vorher ausgearbeitet,<br \/>\nund abgelesen, doch ganz versteinert und gehaltlos. Prediger k\u00f6nnten<br \/>\nwohl im allgemeinen viel wohltuender wirken, wenn sie den Schlendrian<br \/>\nverlie\u00dfen, immer nur Themata aus der Bibel zu w\u00e4hlen, und<br \/>\ndiese lieber aus dem lokalen Leben und der menschlichen Gesellschaft<br \/>\nentn\u00e4hmen, \u00fcberhaupt statt Dogmatik die bei jedem Menschen<br \/>\ninnewohnende poetische Religion mehr anspr\u00e4chen &#8230;&#8220; (Hermann<br \/>\nF\u00fcrst von P\u00fcckler-Muskau, Briefe eines Verstorbenen, I. Band,<br \/>\ninsel taschenbuch 1219, 1991, S. 340f.)<br \/>\nIch bem\u00fche mich, vor diesen Ma\u00dfst\u00e4ben zu bestehen. Und<br \/>\nso habe ich auch nicht mit dem &#8222;Schlendrian&#8220; begonnen, &#8222;immer<br \/>\nnur Themata aus der Bibel zu w\u00e4hlen&#8220;. P\u00fcckler r\u00e4t,<br \/>\n&#8222;lieber aus dem lokalen Leben und der menschlichen Gesellschaft&#8220;<br \/>\nzu sch\u00f6pfen. Dem folge ich und frage heute: Was ist Gl\u00fcck?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"> Dazu kann man<br \/>\nbei P\u00fcckler schon was lernen. Also bleibe ich noch ein bisschen<br \/>\nbei ihm. 1826 hatte sich P\u00fcckler einvernehmlich von seiner Frau<br \/>\nLucie &#8211; genannt Schnucke oder auch Schnucki &#8211; scheiden lassen, um in<br \/>\nEngland eine mit einer gro\u00dfen Mitgift ausgestattete Braut zu freien<br \/>\nund auf diese Weise seinen riesigen Schuldenberg abzutragen. Das klingt<br \/>\nskurril, ist auch skurril, aber nicht untypisch f\u00fcr P\u00fcckler.<br \/>\nDie Englandreise findet statt:<br \/>\n&#8222;Der nimmerm\u00fcde Freier&#8220; schreibt ein Biograf, &#8222;absolviert<br \/>\nin acht Monaten nicht weniger als 1400 Morgenvisiten, &#8230; klopft an<br \/>\njede T\u00fcr, die ihm geeignet scheint, besucht B\u00e4lle, Theaterauff\u00fchrungen,<br \/>\nSpielkasinos und sogar den grundh\u00e4sslichen, schiel\u00e4ugigen<br \/>\nHerzog von Cumberland. (H. Ohff, Der gr\u00fcne F\u00fcrst, Serie Piper,<br \/>\n200110, S. 135)<br \/>\nUnd damit bin ich ganz dicht an dem, worum es geht. Denn Cumberland<br \/>\nempf\u00e4ngt P\u00fcckler mit dem deutschenglischen Satz: &#8222;Na,<br \/>\nda kommt ja der fortune-hunter.&#8220; Der englische Begriff &#8222;fortune-hunter&#8220;<br \/>\nsteht f\u00fcr Gl\u00fccksj\u00e4ger. Er steht aber auch f\u00fcr Mitgiftj\u00e4ger,<br \/>\nwas unter Beweis stellt, wie gut es der Cumberland, k\u00fcnftiger K\u00f6nig<br \/>\nvon Hannover, verstand, auf beleidigende Weise exakt die Wahrheit zu<br \/>\nsagen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"> P\u00fcckler war<br \/>\nsein Leben lang auf der Jagd nach dem Gl\u00fcck. Er war ein Gl\u00fccksj\u00e4ger.<br \/>\nWir alle sind Gl\u00fccksj\u00e4ger. Aber was ist Gl\u00fcck? Lassen<br \/>\nSie uns gemeinsam Antworten finden!<br \/>\nP\u00fccklers Antwort l\u00e4sst sich nicht allein an seinem Leben ablesen.<br \/>\nIn einem Brief von seiner Brautschau-Reise in England hat er einmal<br \/>\nausdr\u00fccklich benannt, was f\u00fcr ihn das gr\u00f6\u00dfte menschliche<br \/>\nGl\u00fcck ist:<br \/>\n&#8222;Wenn ich die Ehre h\u00e4tte&#8220; &#8211; so schreibt er -, &#8222;der<br \/>\newige Jude zu sein (&#8230;), so w\u00fcrde ich ohne Zweifel einen gro\u00dfen<br \/>\nTeil meiner Unsterblichkeit auf der Landstra\u00dfe zubringen, und<br \/>\ndies namentlich in England (&#8230;). Dazu, gestehe ich, geht es mir zum<br \/>\nTeil wie dem Doktor Johnson, der behauptete: das gr\u00f6\u00dfte menschliche<br \/>\nGl\u00fcck sei, in einer guten englischen Postkutsche mit einem sch\u00f6nen<br \/>\nWeibe rasch auf einer guten englischen Chaussee zu fahren&#8220; (Ohff<br \/>\n142).<br \/>\nDieses Gl\u00fcck hat er reichlich genossen, aber ist es wirklich das<br \/>\ngr\u00f6\u00dfte menschliche Gl\u00fcck? Er kehrte jedenfalls ohne<br \/>\nreiche Braut in die Heimat zur\u00fcck, behielt seine formell von ihm<br \/>\ngeschiedene Schnucke und st\u00fcrzte sich in neue Abenteuer.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"> <b>Was ist Gl\u00fcck?<br \/>\nDie Antwort der Bibel<br \/>\n<\/b> Wer Antworten der Bibel auf die Frage: &#8222;Was ist Gl\u00fcck?&#8220;<br \/>\nkennen lernen will, darf nicht nur nach dem Begriff &#8222;gl\u00fccklich&#8220;<br \/>\nsuchen. Die deutschen \u00dcbersetzungen gebrauchen neben &#8222;gl\u00fccklich&#8220;<br \/>\nauch die W\u00f6rter &#8222;wohl&#8220; und &#8222;selig&#8220;. Die bekanntesten<br \/>\nund vielleicht auch vielsagendsten Beispiele sind in der Lutherbibel<br \/>\nPsalm 1 und die Seligpreisungen Jesu.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"> Psalm 1 haben<br \/>\nwir vorhin in der \u00dcbersetzung Luthers geh\u00f6rt und weiter meditiert.<br \/>\nEr spricht davon, wer in der Welt wirklich gl\u00fccklich zu nennen<br \/>\nund wessen Gl\u00fcck wirklich von Dauer ist:<br \/>\n&#8222;Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen noch tritt auf<br \/>\nden Weg der S\u00fcnder noch sitzt, wo die Sp\u00f6tter sitzen, sondern<br \/>\nhat Lust am Gesetz des Herrn und sinnt \u00fcber seinem Gesetz Tag und<br \/>\nNacht! Der ist wie ein Baum &#8230;&#8220;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Die Seligpreisungen<br \/>\nJesu klingen vermutlich schon deshalb fromm, weil das Wort &#8222;selig&#8220;<br \/>\nim allgemeinen Sprachgebrauch immer st\u00e4rker auf den theologischen<br \/>\nund religi\u00f6sen Bedeutungsgehalt eingeengt worden ist. Seligkeit<br \/>\nist aber im Grunde nichts anderes als eine Art Steigerungsform von Gl\u00fcck.<br \/>\nNicht nur bei Kindern kann man erleben, dass etwa ein wohlausgesuchtes<br \/>\nGeschenk \u00fcbergl\u00fccklich, eben selig machen kann. Um so erstaunlicher<br \/>\nist es, wen Jesus \u00fcbergl\u00fccklich nennt, auch das haben wir<br \/>\nin der Lesung schon geh\u00f6rt. Ich erinnere, obwohl alle wichtig sind,<br \/>\nnur an zwei:<br \/>\n<b>Selig &#8211; gl\u00fccklich, \u00fcbergl\u00fccklich &#8211; sind, die da geistlich<br \/>\narm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.<br \/>\nSelig &#8211; gl\u00fccklich, \u00fcbergl\u00fccklich &#8211; sind, die da Leid<br \/>\ntragen; denn sie sollen getr\u00f6stet werden.<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Der gegen\u00fcber<br \/>\nP\u00fcckler andere Ton ist unverkennbar. Und auch wir sprechen so nicht<br \/>\nvom Gl\u00fcck.<br \/>\nWas die Bibel und mit ihr der christliche Glaube \u00fcber Gl\u00fcck<br \/>\nund Seligkeit zu sagen haben, wird allerdings missverstanden und missbraucht,<br \/>\nwenn das irdische Gl\u00fcck &#8211; bis hin zu den guten englischen Postkutschen,<br \/>\nguten englischen Chausseen und den sch\u00f6nen Frauen &#8211; verachtet oder<br \/>\nmadig gemacht wird. Jesus selbst wusste die Alltagsfreuden des irdischen<br \/>\nGl\u00fccks durchaus zu sch\u00e4tzen und musste sich von den damaligen<br \/>\nFrommen einen Fresser und Weins\u00e4ufer schimpfen lassen. Aber h\u00e4ufig<br \/>\nist das irdische Gl\u00fcck nicht von Dauer. Oder was zun\u00e4chst<br \/>\nwie Gl\u00fcck erscheint, erweist sich im weiteren Verlauf nur als der<br \/>\nAnfang eines gro\u00dfen Ungl\u00fccks.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Diese Einsicht<br \/>\nist Teil der Lebensweisheit in allen Kulturen und V\u00f6lkern. Sie<br \/>\nbezieht sich auch auf alle Seligkeiten, die in der Welt und im menschlichen<br \/>\nLeben erreichbar sind. &#8222;Es reift keine Seligkeit unter dem Monde&#8220;,<br \/>\nist bei Schiller zu lesen. Ein starker Satz: Es reift keine Seligkeit<br \/>\nunter dem Monde.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Biblische Worte<br \/>\nwie Psalm 1 oder die Seligpreisungen Jesu sprechen im Namen des Gottes,<br \/>\nder gekreuzigt wurde und den Tod durchlitt, eine Provokation aus. Wer<br \/>\nwirklich gl\u00fccklich zu nennen ist, muss sich erst noch herausstellen;<br \/>\nauf Erden ist das menschliche Gl\u00fcck zwar nicht immer, aber h\u00e4ufig<br \/>\nunter dem Gegenteil verborgen: &#8222;Selig sind, die da geistlich arm<br \/>\nsind; denn ihrer ist das Himmelreich.&#8220; Oder: &#8222;Selig, die da<br \/>\nLeid trage, Denn sie sollen getr\u00f6stet werden.&#8220;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>III. M\u00f6gliche<br \/>\nKonkretionen<br \/>\n<\/b> Das Provokative der Seligpreisungen kann etwa so konkretisiert<br \/>\nwerden:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">1. Die Seligpreisung<br \/>\nder geistlich Armen kann mit dem kindlich-segensreichen Gottvertrauen<br \/>\ndes &#8222;Sterntalerm\u00e4dchens&#8220; (M\u00e4rchen der Br\u00fcder<br \/>\nGrimm) erz\u00e4hlerisch veranschaulicht werden (siehe Anhang). <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">2. Die Seligpreisung<br \/>\nderer, die Leid tragen, zu konkretisieren, ist vom gesellschaftlichen<br \/>\nKontext her naheliegend, aber nicht einfach.<br \/>\nIn der jesuanischen Rede hatte sie ihre Kraft im performativen Akt:<br \/>\nim Zuspruch fand Seligpreisung im Horizont der nahen Gottesherrschaft<br \/>\nstatt. Die Situation heute ist anders. Ich schlage eine &#8222;Alltagsszene&#8220;<br \/>\nvor, die Gl\u00fcck unter dem Aspekt von Trost in Unzufriedenheit thematisiert<br \/>\nund alle drei Dimensionen von Gl\u00fcck umfasst: den Augenblick (der<br \/>\nEntdeckung), den Gl\u00fccksfall (einer Begegnung mit einer Gl\u00fccksbringerin)<br \/>\nund Gl\u00fcck als Lebenssinn (auf dem Weg zur Zufriedenheit). <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Seit \u00fcber<br \/>\neinem Jahr besucht Frau S. eine \u00e4ltere Frau, die unzufrieden ist.<br \/>\nIhre Urenkel, 7 und 10 Jahre alt, h\u00e4tten schon viel mehr erlebt<br \/>\nals sie in ihrer ganzen Kindheit und Jugend. &#8222;Wenn man sich anschaut,<br \/>\nwas die Leute heute alles erleben, dagegen war unser Leben ja nichts.&#8220;<br \/>\nSo, mit diesem Satz, gingen die Gespr\u00e4che bisher zu Ende. Nach<br \/>\neiniger Zeit hatte Frau S. eine Idee: Ich werde ein Bild aus dem Album<br \/>\nmeiner Mutter mitnehmen, und zwar ein Bild vom Familienausflug am Sonntag.<br \/>\nUnd dann werde ich sie fragen, wie sie ihre Kindheit verlebt hat.<br \/>\n&#8222;Ja, Sonntagsspazierg\u00e4nge, so die alte Dame, gab&#8217;s bei uns<br \/>\nauch. Wir sind immer auf die Felder gelaufen und dann durch den Wald<br \/>\n[\u0085].&#8220; Jede Woche h\u00e4tten sie das gemacht, &#8222;Ja, manchmal<br \/>\nwar das auch langweilig. [\u0085] Aber es war auch sch\u00f6n, irgendwie<br \/>\nwar ich gl\u00fccklich.&#8220;<br \/>\nDie, die immer gesagt hatte: &#8220; &#8230; dagegen war ja unser Leben nichts!&#8220;,<br \/>\nentdeckt, erinnert nun, dass da auch bei ihr etwas war, viel sogar.<br \/>\nSo viel, dass sie sogar sagen kann: &#8222;Sp\u00e4ter hat mir das immer<br \/>\nviel Ruhe, ja Kraft gegeben.&#8220; <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Mir kommt Frau<br \/>\nS. vor wie ein Bote Gottes, ein Engel, eine Gl\u00fccksbringerin. Es<br \/>\ngelingt ihr, etwas zum Klingen zu bringen, was der \u00e4lteren Frau<br \/>\n&#8222;verloren&#8220; gegangen war: Sie entdeckt, dass auch ihre Kindheit<br \/>\netwa wert war, dass da Gl\u00fcck war, und das hilft ihr, zufriedener<br \/>\nzu werden. Sie hatte das Gl\u00fcck, jemanden zu treffen, der ihr half,<br \/>\naus dem Teufelskreis der Unzufriedenheit auszubrechen, Gl\u00fcck bei<br \/>\nsich selbst, in ihrem Leben zu entdecken und so, auf diese Weise, Trost<br \/>\nzu erfahren: Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getr\u00f6stet<br \/>\nwerden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>IV. M\u00f6glicher<br \/>\nSchluss<\/b><br \/>\nF\u00fcrst P\u00fcckler und die alte Frau: zwei Welten, keine Frage.<br \/>\nUnd doch haben beide eins gemeinsam: Unzufriedenheit, die wie ein Teufelskreis<br \/>\nwirkt. Der eine jagt von Abenteuer zu Abenteuer, die andere hat sich<br \/>\nin ihrem Gef\u00fchl verschlossen. Gl\u00fcck ist, wenn wir da einem<br \/>\nbegegnen, der diesen Kreis aufbricht, der uns erlaubt, &#8222;anzuhalten&#8220;<br \/>\n&#8211; einem Boten Gottes, oder Gott selbst.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"> <i>Rabbi Chajjim<br \/>\nvon Zans pflegte zu sagen, dass die meisten Menschen hin- und herreisen,<br \/>\nimmer im Kreis herum, auf der Suche nach Gl\u00fcck und der Jagd nach<br \/>\nReichtum, und entt\u00e4uscht sind, wenn sie weder das eine noch das<br \/>\nandere finden. Vielleicht w\u00e4re es besser, wenn sie einmal anhielten<br \/>\nund dem Gl\u00fcck erlaubten, sie dort zu finden, wo sie sind.<\/i><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"> Ich glaube, dass<br \/>\nuns das &#8211; dann und wann &#8211; passiert: dass wir einem begegnen, der uns<br \/>\nerlaubt, in dieser Weise anzuhalten: Gl\u00fccklich, \u00fcbergl\u00fccklich<br \/>\ndie, die geistlich arm sind, denn ihrer ist das Himmelreich; gl\u00fccklich,<br \/>\n\u00fcbergl\u00fccklich die, die da Leid tragen, denn sie sollen getr\u00f6stet<br \/>\nwerden.<br \/>\nWas ist Gl\u00fcck? Bevor wir gemeinsam Antworten suchen, lasst uns<br \/>\ndie Fragestellung bedenken und sch\u00e4rfen: Was ist in <b>Wahrheit<\/b><br \/>\nGl\u00fcck? Wer ist <b>wirklich<\/b> gl\u00fccklich? Welches Gl\u00fcck<br \/>\nist von Dauer? Welches Gl\u00fcck hat Bestand, auch im Tod und \u00fcber<br \/>\nden Tod hinaus? Nur Antworten, die dieser Fragestellung standhalten,<br \/>\nwerden tragf\u00e4hig sein.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Amen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>EG 352, 1-4<br \/>\n<\/b>Alles ist an Gottes Segen<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>Gebet<\/b><br \/>\nWir sind so gewiss<br \/>\nund doch misstrauen wir unserer Sicherheit,<br \/>\nwenn es allein auf unsere Kraft ankommt.<br \/>\nStehe unserer Gewissheit bei,<br \/>\ndu Gott unseres Glaubens.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Wir sind so gl\u00fccklich<br \/>\nund fragen dennoch nach der Dauer des Gl\u00fccks,<br \/>\nwenn es allein auf unser Bem\u00fchen ankommt.<br \/>\nBegl\u00fccke unsere Leben und Zusammenleben,<br \/>\ndu, Gott unserer Liebe.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Wir sind so erwartungsvoll<br \/>\nund werden doch \u00e4ngstlich angesichts der Zukunft,<br \/>\ndie wir ja nicht allein verantworten k\u00f6nnen.<br \/>\nErneuere t\u00e4glich unsere Erwartung,<br \/>\ndu, Gott unserer Hoffnung.<br \/>\n[nach B. von Issendorf, in: der gottesdienst II: Das Abendmahl\/Die Kasualien,<br \/>\nG\u00fctersloh 1998, 246]<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>Vaterunser<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>Abk\u00fcndigungen<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>EG 451, 5-10<\/b><br \/>\nMein erst Gef\u00fchl<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>Segen<\/b><br \/>\nAls Segen kann EG 503,13-15 gesprochen werden<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>Musik<a name=\"3\"><\/a><\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>III. Anhang<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>Der wirkliche<br \/>\nReichtum<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Es war einmal ein<br \/>\nkleines M\u00e4dchen, dem waren Vater und Mutter gestorben, und es war<br \/>\nso arm, dass es kein Zimmer mehr hatte, darin zu wohnen, und kein Bett<br \/>\nmehr, darin zu schlafen, und endlich gar nichts mehr als die Kleider<br \/>\nauf dem Leib und ein St\u00fcck Brot in der Hand, das ihm ein mitleidiger<br \/>\nMensch geschenkt hatte. Es war aber gut und fromm. Und weil es von aller<br \/>\nWelt verlassen war, ging es im Vertrauen auf Gott hinaus. Da begegnete<br \/>\nihm ein armer Mann, der sprach: &#8222;Ach, gib mir etwas zu essen, ich<br \/>\nbin so hungrig.&#8220; Das M\u00e4dchen reichte ihm das ganze St\u00fcck<br \/>\nBrot und sagte: &#8222;Gott segne dir&#8217;s, und ging weiter.<br \/>\nDa kam ein Kind, das jammerte und sprach: &#8222;Es friert mich so an<br \/>\nmeinem Kopfe, schenk mir etwas, womit ich ihn bedecken kann.&#8220; Da<br \/>\nnahm das M\u00e4dchen seine M\u00fctze ab und gab sie ihm.<br \/>\nUnd als das M\u00e4dchen noch eine Weile gegangen war, kam wieder ein<br \/>\nKind und hatte keinen Pullover an und fror: da gab es ihm seinen; und<br \/>\nnoch weiter, da bei ein Kind um einen Rock, den gab es auch von sich<br \/>\nhin.<br \/>\nEndlich gelangte das M\u00e4dchen in einen Wald, und es war schon dunkel<br \/>\ngeworden. Da kam noch ein Kind und bat um ein Hemd, und das M\u00e4dchen<br \/>\ndachte: \u0082Es ist dunkle Nacht, da sieht dich niemand, du kannst<br \/>\nwohl dein Hemd weggeben&#8216;, und zog das Hemd ab und gab es auch noch hin.<br \/>\nUnd wie das M\u00e4dchen so stand und gar nichts mehr hatte, fielen<br \/>\nauf einmal die Sterne vom Himmel und waren lauter silberne Taler. Und<br \/>\nob das M\u00e4dchen gleich sein Hemd weggegeben hatte, so hatte es ein<br \/>\nneues an, und das war vom allerfeinsten Linnen. Da sammelte es die Taler<br \/>\nhinein und war reich f\u00fcr sein Lebtag.<br \/>\n(Br\u00fcder Grimm)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>Literatur<\/b>: Daiber, Karl-Fritz: Von der Unm\u00f6glichkeit oder<br \/>\nauch Unf\u00e4higkeit, \u00fcber Gl\u00fcck zu predigen. In: NZSTh 32<br \/>\n(1990) 195-206<\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>Dr. Lutz Friedrichs<br \/>\nLeiter der Gemeinsame Arbeitsstelle<br \/>\nf\u00fcr gottesdienstliche Fragen der EKD (GAGF)<\/b><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigten zur EKD-Initiative \u2013 Was ist Gl\u00fcck? | Mai 2002 | Lutz Friedrichs | Rabbi Chajjim von Zans pflegte zu sagen, dass die meisten Menschen hin- und herreisen, immer im Kreis herum, auf der Suche nach Gl\u00fcck und der Jagd nach Reichtum, und entt\u00e4uscht sind, wenn sie weder das eine noch das andere finden. 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