{"id":9228,"date":"2002-05-07T19:49:58","date_gmt":"2002-05-07T17:49:58","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9228"},"modified":"2025-04-19T17:05:33","modified_gmt":"2025-04-19T15:05:33","slug":"lukas-4-5-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-4-5-8\/","title":{"rendered":"Lukas 4, 5-8"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><span style=\"color: #003399;\">Predigten zur EKD-Initiative \u2013 Was ist Gl\u00fcck?<\/span><\/span> <span style=\"color: #003399;\"><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Gl\u00fccksvorstellungen, Versuchungen und unser Verh\u00e4ltnis zu Gott | Lukas 4,5-8 | Friedrich Malkemus |<\/span><\/span><\/h3>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Liebe Gemeinde,<br \/>\nso lesen wir im Evangelium des Lukas, Kapitel 4 in den Versen 5-8:<br \/>\n&#8222;Und der Teufel f\u00fchrte ihn hoch hinauf und zeigte ihm alle<br \/>\nReiche der Welt in einem Augenblick und sprach zu ihm: Alle diese Macht<br \/>\nwill ich dir geben und ihre Herrlichkeit; denn sie ist mir \u00fcbergeben<br \/>\nund ich gebe sie, wem ich will. Wenn du mich nun anbetest, so soll sie<br \/>\nganz dein sein. Jesus antwortete ihm und sprach: Es steht geschrieben<br \/>\n(5.Mose 6,13): &#8222;Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm<br \/>\nallein dienen.&#8220;&#8220;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Ihr lieben Schwestern<br \/>\nund Br\u00fcder!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Die Maler besonders<br \/>\ndes Mittelalters haben dem Teufel eine Gestalt gegeben. Da die \u00dcberlieferung<br \/>\nder Bibel dazu keinerlei Material lieferte, mu\u00dften sie selber<br \/>\naus der eigenen Vorstellungskraft sch\u00f6pfen. Und dann stand er da,<br \/>\ndieser finstere Geselle mit Pferdefu\u00df und Geh\u00f6rn im Halbdunkel<br \/>\nund gr\u00e4\u00dflicher Grimasse, dazu in geduckter Haltung und zottigem<br \/>\nFell. Der Teufel &#8211; der Versucher. So hatte man den Kerl verdinglicht<br \/>\nund den Leuten eingepr\u00e4gt. Damit war er in eine Figur gebannt &#8211;<br \/>\nund von uns entfernt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Unser Predigttext<br \/>\njedoch sperrt den Versucher \u00fcberhaupt nicht in eine Gestalt. Vielmehr<br \/>\nwird hier der Versucher in seinem massiven Dr\u00e4ngen und Verf\u00fchren<br \/>\nerkennbar. Indem er f\u00fchrt, wird \u00fcberdeutlich, wie nahe und<br \/>\nst\u00e4ndig gegenw\u00e4rtig das versucherische Element dem Menschen<br \/>\nist. Und Jesus erweist sich als der Mensch, der versucht war &#8211; wie wir<br \/>\nallenthalben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Der herausgehobene<br \/>\nOrt erweist sich als der Ort der Versuchung: der hohe Berg. Denken wir<br \/>\neinmal daran, wie unsere Stimmung sich hebt, wenn wir oben angekommen<br \/>\nsind &#8211; etwa auf einem Gipfel im Gebirge. Aber das gleiche Ph\u00e4nomen<br \/>\nzeigt sich auch, wenn wir auf einer B\u00fchne agieren. Warum wird der<br \/>\nSieger so hoch postiert? Und wie f\u00fchle ich mich am Rednerpult?<br \/>\nWie gen\u00fc\u00dflich sagen wir: Er ist nun im gehobenen Dienst!?<br \/>\n&#8211; Hier liegen die Versuchungen doch ganz nahe an unseren Gef\u00fchlen<br \/>\nund Empfindungen. Da oben er\u00f6ffnen sich neue, v\u00f6llig ungeahnte<br \/>\nM\u00f6glichkeiten! Auf der Leiter des Ruhmes muss ich nur weit genug<br \/>\noben sein &#8211; dann bin ich auch wer. Bei dem Radrennen rund um den Hennigerturm<br \/>\nin Frankfurt hatte der hessische Rundfunk einen Postboten aus dem Oldenwald<br \/>\nmitfahren lassen, ein guter Radfahrer, aber kein Spitzenprofi. Er kam<br \/>\nganz gut voran und schnitt nicht gerade sensationell ab. Aber er war<br \/>\nzufrieden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Eine sympathische<br \/>\nIdee! Jedoch auch ein Beispiel f\u00fcr unsere H\u00f6hentheorie: Er<br \/>\nwar begeistert, ganz in der N\u00e4he der gefeierten Starelite gewesen<br \/>\nzu sein! Und wie recken sich die K\u00f6pfe, wenn gar die Fernsehkamera<br \/>\nin unsere N\u00e4he schwenkt! &#8222;Oben sein&#8220; ist fast alles in<br \/>\nunseren Wunschphantasien.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Und beim Besitz<br \/>\nist ebenso das Versucherische angesiedelt &#8211; und das st\u00e4ndig. Wenn<br \/>\nich doch dieses Kettchen h\u00e4tte, dann w\u00e4re mein Gl\u00fcck<br \/>\nperfekt. Eine Zeitlang wird der neue Schmuck beachtet, dann liegt er<br \/>\nda und eines Tages ist er v\u00f6llig vergessen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Alle Reiche der<br \/>\nganzen Welt in einem Augenblick! Welch eine gigantische Vision. Wer<br \/>\nverlangt schon nach deren Verwirklichung? Wohl nicht jedermann will<br \/>\ngiga- und megareich sein, aber ein bisschen davon wohl schon. Und die<br \/>\nUners\u00e4ttlichen hat es in der Weltgeschichte doch immer wieder gegeben.<br \/>\nDiese haben sich dann in gewissen Augenblicken auf der H\u00f6he ihres<br \/>\nsonderbaren Ruhmes malen und darstellen lassen und geh\u00f6rten sie<br \/>\noft nur f\u00fcr kurze Zeitspannen zu den Gro\u00dfen der Weltgeschichte.<br \/>\nDer Versucher hat es darauf angelegt, ganz dem Reich und der Herrlichkeit<br \/>\ndieser Welt zu verfallen und dem zu dienen, dieses zu verg\u00f6ttlichen.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Verbirgt sich nicht<br \/>\ndieser Vorgang etwa in dem S\u00e4tzchen: &#8222;Es w\u00e4re wirklich<br \/>\nSpitze, wenn ich dies oder das h\u00e4tte?&#8220; Der Versucher treibt<br \/>\nes in jedem Fall auf die Spitze mit der Verf\u00fchrung und unserem<br \/>\nKniefall vor dem Reich dieser Welt. H\u00f6chste Gefahr ist nahe bei<br \/>\nder Begeisterung f\u00fcr das H\u00f6chste, Schnellste, Teuerste, Sch\u00f6nste,<br \/>\nExtravaganteste! <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Jesus erkennt den<br \/>\nAbgrund der Verf\u00fchrung in die blanke Gottlosigkeit. Die Attacke<br \/>\ndes Versuchers bleibt bei Jesus jedoch nicht lange ohne Antwort. F\u00fcr<br \/>\nihn ist es ohne Zweifel ein Sturz in den Abgrund, wenn wir uns den Dingen<br \/>\nder Welt ausliefern und unterwerfen. Die Reiche der Welt sollen und<br \/>\nm\u00fcssen wohl sein. Diese haben wir nicht zum Sturz zu bringen, aber<br \/>\nunser Verh\u00e4ltnis zu diesen Reicht\u00fcmern dieser Welt muss umgekehrt<br \/>\nwerden! Es ist sozusagen ein Umsturz des Verh\u00e4ltnisses n\u00f6tig.<br \/>\nNicht sie sollen unter uns und \u00fcber uns herrschen. Denn Gott ist<br \/>\nder Herr &#8211; er allein. Alles in unserer Welt hat eine vorl\u00e4ufige<br \/>\nund nachrangige Funktion. Gott ist Sch\u00f6pfer und Herr und Geber<br \/>\naller Gaben. Diese haben dienende und niemals uns beherrschende Autorit\u00e4t!<br \/>\nSie sind verg\u00e4nglicher Natur &#8211; wie wir &#8211; und darum bleibt alles<br \/>\nGott unterworfen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Was ist Gl\u00fcck?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Jesus wendet sich<br \/>\nab von dem versucherischen Gedankengut und hin zu dem, der allein Herr<br \/>\nhei\u00dft. Ob wir unser Verh\u00e4ltnis zu unseren Gl\u00fccksvorstellungen<br \/>\nund Wunschtr\u00e4umen nicht gerade auch auf dem Hintergrund dieses<br \/>\nEvangeliums \u00fcberdenken sollten? Wie nimmt sich da die verf\u00fchrerische<br \/>\nWelt von schreierischen, verlogenen Werbespots aus!?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Wir wollen uns<br \/>\nerfreuen an den Gaben, die wir haben oder erhalten, als an Gaben, die<br \/>\nuns durch Gottes G\u00fcte gew\u00e4hrt werden. Nehmen wir sie dankbar<br \/>\nin den dienenden Gebrauch, nicht nur zu unserem Nutzen, sondern auch<br \/>\nzum Wohle des N\u00e4chsten. Und machen wir unsere Eitelkeit und unser<br \/>\nIch nicht zum G\u00f6tzen, vor dem wir oder andere niederfallen und<br \/>\nanbeten. Beten wir miteinander den Herrn an, der allein unserer Achtung<br \/>\nw\u00fcrdig ist und von dem allein wir mit Jesus sagen:<br \/>\nDein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit!<br \/>\nAmen.<\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>Friedrich Malkemus<br \/>\nDekan i.R., Kirchenrat<br \/>\nWolfgang-Zeller-Str. 13<br \/>\n34613 Schwalmstadt-Ziegenhain<\/b><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigten zur EKD-Initiative \u2013 Was ist Gl\u00fcck? 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