{"id":9235,"date":"2021-02-07T19:49:56","date_gmt":"2021-02-07T19:49:56","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9235"},"modified":"2025-06-28T09:35:30","modified_gmt":"2025-06-28T07:35:30","slug":"matthaeus-25-14-25","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-25-14-25\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 25, 14-25"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<table border=\"0\" width=\"600\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"left\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b><span style=\"color: #003399;\">Ist der Mensch nur so viel wert, wie er verdient?<\/span><\/b><\/span> <span style=\"color: #003399;\"><b><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><br \/>\nPredigtidee zu Matth\u00e4us 25, 14-25: Ist der Knecht nur so viel wert,<br \/>\nwie er verdient?<br \/>\nvon Thies Gundlach<\/span><\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Das Gleichnis von<br \/>\nden anvertrauten Talenten nach Matth\u00e4us 25, 14- 25 antwortet auf<br \/>\nseine Weise auf die Frage, ob der Mensch nur so viel wert sei, wie er<br \/>\nverdiene! Denn es schaut auf Anhieb doch deutlich so aus, als ob Jesus<br \/>\nin seinem Gleichnis genau dies sage:<br \/>\nEr spricht vom Reiche Gottes wie von einem Aktienpaket, Wuchern und<br \/>\nGewinnen sind die Leitvokabeln, es ist als h\u00e4tte Jesus Sprachunterricht<br \/>\nbei einem modernen B\u00f6rsenyuppie genommen. Aber noch viel schlimmer<br \/>\nals die Sprache ist die Botschaft des Gleichnisses: Es scheint den erfolgreichen<br \/>\nkapitalistischen Umgang mit den anvertrauten Pfunden als eine Eintrittskarte<br \/>\nf\u00fcr das Reich Gottes zu verk\u00fcndigen. Sollen denn Wucherer,<br \/>\nSpekulanten und Geldf\u00fcchse die geeigneten Vorbilder f\u00fcr das<br \/>\nReich Gottes sein? Ich glaube, unser Gleichnis will etwas ganz anderes,<br \/>\naber um dies zu erahnen, muss man die Frage traktieren, was denn der<br \/>\ndritte Knecht eigentlich falsch gemacht hat?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"> Denn mal ehrlich,<br \/>\nirgendwie kann einem dieser dritte Knecht ja leid tun. Er kommt ja ausgesprochen<br \/>\nschlecht weg, nicht nur weil ihm wieder genommen wird, was der Herr<br \/>\nihm gegeben hat &#8211; das w\u00e4re ja soweit auch o.k., &#8211; sondern dar\u00fcber<br \/>\nhinaus wird er auch noch verdammt und verurteilt und dahin geschickt,<br \/>\nwo Heulen und Z\u00e4hneklappern herrschen. Er kann einen schon erbarmen,<br \/>\nwie die Alten gesagt h\u00e4tten, dieser kleine, ungl\u00fcckliche Knecht.<br \/>\nDenn immerhin, er hat ja eigentlich nichts Falsches gemacht, er hat<br \/>\ndie anvertrauten Pfunde nicht sinnlos verprasst, er hat nicht dauernd<br \/>\nPartys gefeiert und das Geld auf den Kopf gehauen, sondern er hat brav<br \/>\nzur\u00fcckgegeben, was er erhalten hatte. Sicher, es ist keine besonders<br \/>\npfiffige Idee, die anvertrauten Pfunde zu vergraben! Aber seit wann<br \/>\nist Pfiffigkeit eine Bedingung zum Reiche Gottes? Und wenn fehlende<br \/>\nPfiffigkeit mit ewiger H\u00f6llenqual bestraft wird, dann hat man zwar<br \/>\nmanchmal durchaus emotionales Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, aber angemessen<br \/>\nist das doch keinesfalls! Denn sollte der arme Knecht wirklich auch<br \/>\nin der Bibel nur so viel wert sein, wie er verdient? <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Um aus dieser Sackgasse<br \/>\nzu entfliehen, muss man antworten auf die Frage, was der dritte Knecht<br \/>\nnun wirklich so grottenfalsch gemacht hat? Verr\u00e4terisch f\u00fcr<br \/>\nseinen Fehler ist das, was seit Martin Luthers bahnbrechender Einsicht<br \/>\nden Menschen immer Kopf und Kragen vor Gott kostet: Seine Selbstrechtfertigung!<br \/>\nDa sagt doch dieser k\u00fcmmerliche Knecht tats\u00e4chlich: &#8222;Herr,<br \/>\nich wusste, dass Du ein harter Mann bist; du schneidest, wo du nicht<br \/>\nges\u00e4t hast und du sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast!&#8220;<br \/>\nJa, um Gottes Willen, woher wusste dieser Knecht das eigentlich? Wie<br \/>\nkommt dieser dritte Knecht nur auf die Idee, dass sein Herr dort erntet,<br \/>\nwo er nicht ges\u00e4t hat? Das Gleichnis selbst erz\u00e4hlt ja nun<br \/>\ngerade exakt das Gegenteil, insofern es doch von einem Herrn erz\u00e4hlt,<br \/>\nder au\u00dfer Landes gehen muss und seinen Knechten all seine Talente<br \/>\nanvertraut, ohne auch nur eine einzige Bedingung zu stellen, ohne auch<br \/>\nnur eine einzige Drohung auszusprechen, ohne auch nur eine einzige Erwartung<br \/>\ndaran zu kn\u00fcpfen. Und trotzdem behauptet dieser dritte Knecht,<br \/>\ner w\u00fcsste, dass der Herr ein gestrenger Mann sei. Das ist eine<br \/>\nglatte L\u00fcge!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Der dritte Knecht<br \/>\nl\u00fcgt einfach das Graue vom Himmel herunter! Er denkt sich seinen<br \/>\nHerrn einfach aus, er erfindet ihn freih\u00e4ndig und macht aus seinem<br \/>\nHerrn, der ihm gerade eben noch seinen Besitz anvertraut hat, einen<br \/>\ngestrengen und hartherzigen Mann. Der dritte Knecht versucht sich selbst<br \/>\nzu rechtfertigen und redet sich damit um &#8222;Kopf und Kragen&#8220;!<br \/>\nEr denkt sich n\u00e4mlich einen Herrn aus, f\u00fcr den der Knecht<br \/>\nnur so viel wert ist, wie er verdient hat mit seinen Talenten. Nur,<br \/>\n&#8211; der Herr hat dies weder gesagt noch verlangt! <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Hier allein liegt<br \/>\ndie gro\u00dfe L\u00fcge und Schuld des dritten Knechtes, hier hat<br \/>\nder Knecht das falsche Herrenbild und also entsprechende Angst vor seinem<br \/>\n&#8222;Unwert&#8220; und deswegen braucht der Knecht gar nicht mehr in<br \/>\ndie H\u00f6lle geschickt zu werden, denn er entwickelt ja schon zu Lebzeiten<br \/>\ndas gro\u00dfe `Heulen und Z\u00e4hneklappern` vor seinem selbstgezimmerten<br \/>\nHerrenbild. Denn solche selbstausgedachten Gottesbilder, das kann nicht<br \/>\ngut gehen: Wer sich einen Herren ausdenkt, dem nur wert ist, was der<br \/>\nandere verdient, der ist sich selbst bald nur noch so viel wert, wie<br \/>\ner verdient. Oder anders gesagt: Wer seinen Herrn verteufelt und ihn<br \/>\nalso strenger macht, als er ist, der kriegt dann auch verteufelt viel<br \/>\nAngst! Das ist wie im richtigen Leben. Denn jetzt denkt der dritte Knecht<br \/>\nin Lohn und Leistung, in Gewinn und Verlust, jetzt glaubt der Knecht,<br \/>\ner werde bestraft, wenn er nicht Leistung bringe, obwohl er doch gerade<br \/>\neben erst allein aus Gnade, ohn` allen Verdienst und W\u00fcrdigkeit<br \/>\nund total umsonst all die Talente vom Herrn bekommen hat. Dieser Knecht<br \/>\n&#8211; so kann man sagen &#8211; fabriziert sich ein falsches Herren- oder Gottesbild<br \/>\nund also hat er an der falschen Stelle Angst und entsprechend verh\u00e4lt<br \/>\ner sich dann auch falsch: Kurzum: Dem Manne kann kaum geholfen werden!<br \/>\nDenn wer sich selbst nur so viel wert ist, wie er verdient, der &#8222;verdient&#8220;<br \/>\nsich nur noch Unwert: Angst und Sorge vor einem gestrengen Herrn! <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Und von diesem<br \/>\nFehler aus f\u00e4llt dann auch das richtige Licht auf die anderen beiden<br \/>\nKnechte. Denn sie finden die Anerkennung ihres Herrn, nicht weil sie<br \/>\ntolle Kapitalisten sind, sondern weil sie den Ruf zur Freiheit verstanden<br \/>\nhaben, der in den anvertrauten Talenten liegt: Der Herr vertraut ihnen<br \/>\nGaben, F\u00e4higkeiten und Talente an. Aber sie machen sich nun keine<br \/>\nSorgen um den Herrn und seine Strenge, sondern machen aus den anvertrauten<br \/>\nPfunden das Beste, was man mit ihnen machen kann. Sie haben verstanden,<br \/>\ndass man mit den anvertrauten Pfunden frei und selbst\u00e4ndig umgehen<br \/>\nkann, dass sie nun selbst\u00e4ndige Verwalter sind, keine abh\u00e4ngigen<br \/>\nKnechte, und dass es nicht auf den Gewinn in Heller und Pfennig ankommt,<br \/>\nsondern auf die Freiheit, mit der man das Beste aus den Gaben macht.<br \/>\nDie beiden ersten Knechte sind nicht nur dem Herrn etwas wert, der ihnen<br \/>\ndie Talente anvertraut, sondern sie sind auch sich selbst etwas wert<br \/>\nund deswegen verdienen sie dann auch ordentlich! Wer aber von den anvertrauten<br \/>\nGaben wegschaut und sich ausgedachte Sorgen \u00fcber den Geber der<br \/>\nGaben macht, der hat am Ende nur Heulen und Z\u00e4hneklappern, weil<br \/>\ner den Ruf der Freiheit in ein Gef\u00e4ngnis aus Angst eintauscht.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Und dies gilt glaube<br \/>\nich immer und \u00fcberall bis heute:<br \/>\nDie eigentliche Gefahr unserer Tage liegt weder in den fehlenden Talenten,<br \/>\ndie unserer Zeit von Gott anvertraut sind, auch nicht in den kapitalistischen<br \/>\nUmgangsweisen unserer Tage mit Geld, sondern in den Gottesbildern, die<br \/>\nder Mensch sich nach s\u00e4kularem Gutd\u00fcnken zurechtzimmert! Ob<br \/>\nman nun an die vielen Sekten und Pseudoreligionen denkt, an die vielen<br \/>\nmodernen G\u00f6tter wie Reichtum und Reisen, wie Sch\u00f6nheit und<br \/>\nSchnelligkeit, wie M\u00fcsli und Macht oder an die mitunter \u00e4u\u00dferst<br \/>\neigenwilligen Gottesbilder innerhalb unserer christlichen Kirchen denken,<br \/>\n&#8211; leicht phantasiert sich der Mensch heute ein &#8222;s\u00e4kulares<br \/>\nGottesbild&#8220; zurecht und wundert sich dann, dass er ein je entsprechendes<br \/>\n`Heulen und Z\u00e4hneklappern` daf\u00fcr kassiert. Denn wer den Reichtum<br \/>\nverg\u00f6ttert, wird niemals aufrecht weniger haben k\u00f6nnen; wer<br \/>\ndie Jugend anbetet, wird niemals mit Grazie alt werden k\u00f6nnen;<br \/>\nund wer den Erfolg anbetet, der wird niemals aufrecht verlieren k\u00f6nnen.<br \/>\nKurzum und frei nach Martin Luther: Zeige mir deine Angst und ich sage<br \/>\ndir, wer dein Gott ist! Denn wie du glaubst, so f\u00fcrchtest du auch!<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Deswegen bleibt<br \/>\ndie ebenso schlichte wie befreiende Botschaft die: Bleib dem christlichen,<br \/>\nbarmherzigen Gott treu und schau auf die Gaben und Talente, die dieser<br \/>\nGott Dir frei und ohne alle Bedingungen mitgegeben hat. Denn dann muss<br \/>\nDu nicht in Sorge sein um den Verdienst, denn Du bist Gott und also<br \/>\nauch selbst etwas wert ist. Wer sich selbst aber nur so viel wert ist,<br \/>\nwie er verdient, der &#8222;verdient&#8220; sich eben eine Lebensangst,<br \/>\ndie er nicht verdient hat. Deswegen: Der Mensch ist so viel wert, wie<br \/>\ner sich schenken l\u00e4sst von Gott. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>Oberkirchenrat<br \/>\nDr. Thies Gundlach<br \/>\nLeiter der Abteilung &#8222;Verk\u00fcndigung, Kirchliche Dienste und<br \/>\nWerke&#8220;<br \/>\nim Kirchenamt der EKD<br \/>\n<\/b> <\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Ist der Mensch nur so viel wert, wie er verdient? 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