{"id":9239,"date":"2002-04-07T19:50:01","date_gmt":"2002-04-07T17:50:01","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9239"},"modified":"2025-04-22T10:22:56","modified_gmt":"2025-04-22T08:22:56","slug":"konfirmationspredigt-ueber-psalm-319","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/konfirmationspredigt-ueber-psalm-319\/","title":{"rendered":"Psalm 31,9"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"color: #000099;\">Konfirmationspredigt | April 2002 | Psalm 31,9 | Ele Brusermann |<\/span><\/h3>\n<p>Die KonfirmandInnen bekommen zur Einsegnung einen Anh\u00e4nger der &#8222;Fu\u00dfabdr\u00fccke am Rande des weiten Raumes&#8220; zeigt.<br \/>\nDas Begleitmaterial zu diesem Anh\u00e4nger &#8222;Verhei\u00dfung&#8220; von Stephan Krebs aus dem NeuesBuch Verlag wurde mitverwandt.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Manchmal muss ich das Weite suchen!<br \/>\nNicht weil ich etwas angestellt habe &#8211; und fl\u00fcchten muss, sondern wenn mir alles zu eng wird, mich zu sehr bedr\u00e4ngt, alles auf mich einst\u00fcrmt und \u00fcber mir zusammenschl\u00e4gt. Dann muss ich das Weite suchen. Raus! Zumindest ein paar Schritte durch die Felder, in die Marsch, lieber noch auf den Deich: Das Weite suchen.<br \/>\nIch wei\u00df, andere verkriechen sich dann lieber, ziehen sich zur\u00fcck, machen alles um sich zu, erstmal laute Musik, sich zudr\u00f6hnen. Wenn&#8217;s bei der Musik bleibt, oK.<br \/>\nManchmal nehme auch ich einen Walkman mit, aber meist brauche ich eher Ruhe, das mal nicht st\u00e4ndig Autos am Haus vorbeidr\u00f6hnen, das mich keiner anspricht, kein Telefon, keiner was will.<br \/>\nRaus! Zur Ruhe kommen, zum Nachdenken, wieder klar sehen, ganz weit gucken.<\/p>\n<p>Am besten geht das nat\u00fcrlich irgendwo an einem Strand. Wo der Sand endlos scheint, wo der Wind die Wolken treibt und das Meer rauscht, (als Wartende vor diesem Gottesdienst und Platzhalter haben sie es h\u00f6ren k\u00f6nnen) Ich kann meinen Blick weit schweifen lassen: dorthin wo der Horizont rund wird, Meer und Himmel einander ber\u00fchren, und ganz dahinten gibt es einen Punkt, wo Wasser, Strand und Himmel wie Dreiecke zusammentreffen. Den Malern war das immer ein Symbol f\u00fcr die Ewigkeit Gottes. Bei Lionel Feiniger kann man es zur Zeit in der Ausstellung in der B\u00f6ttcherstra\u00dfe sehen.<\/p>\n<p>Das Weite suchen. Da kann das Wetter sein wie es will, da kann der Wind den Sand \u00fcber den Strand treiben, k\u00f6nnen die Wellen Schaumkronen tragen, oder das Meer sanft und glatt sein, Sonne allem Farbe geben, da kann der Himmel regnerisch grau sein, oder von Sternen \u00fcberfunkelt, dieses Gef\u00fchl der Unendlichkeit gibt es immer.<br \/>\nF\u00fcr diesen Moment habe ich dann das Gef\u00fchl, das ich unendlich viel Platz f\u00fcr mich habe.<br \/>\nDu stellst meine F\u00fc\u00dfe auf weiten Raum &#8211; denke ich mit Worten des 31. Psalms.<\/p>\n<p>Ich f\u00fchle mich in die Sch\u00f6pfung Gottes hineingestellt &#8211; und weil Wind und Wellen immer wieder alle Spuren verwischen &#8211; habe ich manchmal das Gef\u00fchl Neuland, unber\u00fchrtes Land betreten zu d\u00fcrfen.<br \/>\nWenn ich meine Fu\u00dfspuren im Sand betrachte bin ich ganz bei mir. Ein andermal fallen mir die anderen Spuren ins Auge: da gibt es andere, vor mir, neben mir, um mich herum. Ich sehe kleine und gro\u00dfe Fu\u00dfabdr\u00fccke, weite oder enge Schritte. Da sind zwei miteinander gegangen, eng beieinander. Dort hat einer den Strand abgesucht, ist hin und her gelaufen.<br \/>\nJeder hat seinen eigenen Weg, sein eigenes Tempo w\u00e4hlen d\u00fcrfen, das gibt mir ein Gef\u00fchl der Freiheit.<br \/>\nGott, Du stellst meine F\u00fc\u00dfe auf weiten Raum.<br \/>\nManchmal, mit anderen, mit der Familie haben wir versucht ein St\u00fcck in der Spur des anderen zu gehen. Aber das geht nicht, nur ein kleines St\u00fcck und man ger\u00e4t ins Straucheln. Niemand kann wirklich in die Fu\u00dfstapfen eines anderen treten.<br \/>\nGut zu wissen, denn andere erwarten das immer wieder von uns, auch wir selbst versuchen das immer wieder.<\/p>\n<p>Gott, Du stellst meine F\u00fc\u00dfe auf weiten Raum.<br \/>\nManch einer m\u00f6chte gern glauben, das uns unser Leben vorherbestimmt ist. Das wir gelenkt und geleitet werden von Sternen, die unseren Schritt lenken oder den Genen, die unseren Weg vorzeichnen, das nichts zuf\u00e4llig geschieht oder freiwillig, das Gott dahintersteckt.<\/p>\n<p>Das unser Leben kein Zufall ist, sondern Gott dahintersteckt glaube ich auch, aber doch so, das er mir Zeit und Raum gibt zur Gestaltung in eigener Freiheit und Verantwortung. Ich kann tun was dem Leben n\u00fctzt &#8211; oder kann ihm Schaden. Ich kann mich an den Rand stellen &#8211; oder mitten hinein.<br \/>\nEs ist mein Leben, es hat seine Zeit und seinen Ort in dieser Welt. Es hat seine Grenzen &#8211; vor allem aber auch seinen Freiraum.<\/p>\n<p>Was wir heute Feiern: Das ihr in diesem Glauben aufgewachsen, hineingewachsen seid. Konfirmation hei\u00dft Befestigung im Glauben.<br \/>\nBefestigen meint nicht festgenagelt, sondern stark gemacht. Durch einen eigenen festen Standpunkt.<br \/>\nIch kann auf eigenen F\u00fc\u00dfen stehen, ich kann eigene Schritte gehen, ich stehe mit beiden F\u00fc\u00dfen fest auf dem Boden.<br \/>\nPs 31: <i>Ich hoffe auf den HERRN.<br \/>\nIch freue mich und bin fr\u00f6hlich \u00fcber deine G\u00fcte,<br \/>\ndu stellst meine F\u00fc\u00dfe auf weiten Raum.<br \/>\nMeine Zeit steht in deinen H\u00e4nden. <\/i><\/p>\n<p>Es kann losgehen, mit den eigenen Wegen, wieder ein St\u00fcck selbstst\u00e4ndiger. Was wir, Eltern und Paten, auch ich als Pastor versucht haben, mehr oder weniger geschickt und intensiv, zugegebenerma\u00dfen, ist euch diesen Raum, diese Weite als Gottes Angebot und Aufgabe zu zeigen.<\/p>\n<p>Am Strand l\u00e4sst sich ja alles M\u00f6gliche finden, Muscheln, Steine, Treibgut und M\u00fcll.<br \/>\nSelbst wer das Weite sucht st\u00f6\u00dft an Grenzen:<br \/>\nAm Horizont, wo Himmel, Strand und Wasser wie Dreiecke zusammentreffen, ist f\u00fcr unser Auge ein Endpunkt erreicht, Nur f\u00fcr den Wissenden geht es weiter.<br \/>\nEine Ahnung von Gott wird nur haben, wer etwas von ihm wei\u00df.<br \/>\nIhr wisst: das Dreieck am Horizont von Strand Himmel und Meer ist ein wichtiges christliches Symbol: es steht f\u00fcr Gott &#8211; Vater, Sohn und Heiliger Geist, hier in der Kirche dort oben am Altar, darin das Auge Gottes, denn Gott gibt gut auf uns acht, hat ein gutes Auge auf uns.<br \/>\nUnd es verbindet sich f\u00fcr uns mit guten Werten:<br \/>\nDie Bibel sagt es in drei Worten: Es bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die Gr\u00f6\u00dfte unter Ihnen.<\/p>\n<p>Wie am Strand werdet ihr noch vieles Andere in dieser Welt finden, manches was euch begegnen wird ist nicht in Ordnung, ihr habt auch schon vieles gesehen: Schmerz und Trauer, Hass und Zerst\u00f6rung, Neid und Eigennutz.<br \/>\nUnd ihr seid gefragt. Ihr selbst werdet mit allem was ihr tut Spuren hinterlassen. Welchen Weg wollt ihr gehen, an wessen Seite wollt ihr stehen &#8211; und wem werdet ihr auf die F\u00fc\u00dfe treten?<\/p>\n<p>Manche sagen: mit dem Glauben &#8211; das wird immer weniger in dieser Welt. Und zugleich: Die Welt wird immer schlimmer, immer katastrophaler. Ob es da einen Zusammenhang gibt?<br \/>\nFindet es heraus!<br \/>\nUnd glaubt nicht, das alles nur so sein kann, wie ihr es seht, oder andere es euch einreden wollen!<br \/>\nDer Glaube fragt \u00fcber den eigenen Horizont hinaus nach Gott als Hintergrund, Ursache und Ziel unseres Lebens. Der Glaubende sieht die Welt nicht nur aus seinem Blickwinkel.<\/p>\n<p>Manchmal muss ich das Weite suchen! Und wenn ich auf diesen Punkt schaue, wo Himmel und Erde sich ber\u00fchren, wei\u00df ich:<br \/>\nMein eigener Horizont mag noch so eng oder weit sein: Gott gibt mir Hoffnung \u00fcber den Horizont hinaus. Nichts muss so bleiben wie es scheint.<\/p>\n<p>Vor allem sollt ihr es mit Liebe versuchen!<br \/>\nOhne sie geht gar nichts gut.<br \/>\nAm Anfang eurer Konfirmandenzeit haben wir uns gefragt, was die Kirche, die Gemeinde Jesu sein soll.<br \/>\nEure Kirche soll ein Ort sein wo jeder gut aufgenommen wird, ein Raum, wo Menschen weitergeholfen wird, wo Leben erm\u00f6glicht wird, wo Gottes Liebe erfahrbar wird.<\/p>\n<p>Jetzt seid ihr dran, seid gefragt diesen Raum liebevoll mitzugestalten und f\u00fcr euch und andere weit offenzuhalten.<br \/>\nGott, du stellst meine F\u00fc\u00dfe auf weiten Raum.<\/p>\n<p>Ich habe einen Wunsch: Ihr, Konfirmandinnen und Konfirmanden bekommt heute einen kleinen Anh\u00e4nger mit zwei F\u00fc\u00dfen am Rande eines weiten Raumes. Ich w\u00fcnsche mir, das ihr ihn nicht (gar betreten) zur Seite legt, sondern allen zeigt. Und das Sie sich etwas dazu einfallen lassen.<br \/>\nSpr\u00fcche, Sprichworte, Gedanken, Bibelgeschichten. Reden sie dar\u00fcber &#8211; heute und halten sie sie fest, schreiben sie sie am besten irgendwo auf!<\/p>\n<p>Und der Frieden Gottes, der gr\u00f6\u00dfer ist als alle Vernunft; \u00f6ffne unsere Herzen, bewahre unseren Glauben, st\u00e4rke unsere Hoffnung, und wecke unsere Liebe.<br \/>\nIn Jesu Namen. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Ele Brusermann, Pastor in Leeste<br \/>\n<a href=\"mailto:ele.brusermann@evlka.de\">ele.brusermann@evlka.de<\/a><\/b><\/p>\n<p><noscript><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1\" height=\"1\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=1&amp;bn=neukirch&amp;f=konfirmation-brusermann.html&amp;r=r1\"\/><\/noscript><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Konfirmationspredigt | April 2002 | Psalm 31,9 | Ele Brusermann | Die KonfirmandInnen bekommen zur Einsegnung einen Anh\u00e4nger der &#8222;Fu\u00dfabdr\u00fccke am Rande des weiten Raumes&#8220; zeigt. 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